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Mundhygiene

Planet Action e.V. mit mobiler Praxis auf Madagaskar

Ein 12-köpfiges Team des Vereins Planet Action e.V. reiste im vergangenen August nach Madagaskar, um dort im Rahmen der zahnmedizinischen Entwicklungszusammenarbeit tätig zu sein. Nach 20 Arbeitstagen mit durchschnittlich 8 Stunden täglicher Behandlungszeit blickt das Team auf einen anstrengenden, aber äußerst erfolgreichen Einsatz zurück. Erik Sillmanns, teilnehmender Zahnarzt, berichtet.

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Zum ersten Mal seit Beginn der Coronapandemie 2020, konnte im August 2023 wieder ein 12-köpfiges Team des Vereins Planet-Action e.V. nach Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars reisen. Das Team bestand aus Zahnärzt/-innen, Student/-innen und einigen ZFAs / DHs aus Deutschland und der Schweiz.

Am Sonntag, den 19. August, traf sich das Team nach über 6-monatiger Online-Planung zum ersten Mal persönlich auf Madagaskar. Erstes Ziel war die Ausbildungsstätte "SOLTEC", die vom Deutsch-Madagassischen-Verein-Esslingen DMVE e.V. gegründet wurde und nun eine Kooperationspartner von Planet Action e.V. ist. Dort werden verschiedene Handwerke wie Kochen, Nähen und KFZ-Technik gelehrt. Gleichzeitig fungiert die Einrichtung als Wohnheim für Lehrlinge.

Mobile Praxis mit Schwerpunkt Schmerztherapie und Prophylaxe

Umgehend wurde die „mobile Praxis“ eingerichtet. Pünktlich um 8:30 Uhr am Montag konnte mit der Arbeit begonnen werden. Vor allem Lehrlinge, die Mitarbeitenden von SOLTEC und deren Familien, aber auch viele Menschen aus der Nachbarschaft wurden behandelt.

Besonderes Augenmerk lag hierbei auf Schmerztherapie und Prophylaxe. Die Zahl der hoffnungslos zerstörten Zähne ist leider sehr hoch.

Abb. 2: Gespannt wurde die Arbeit der Zahnärzte von den wartenden Patienten verfolgt. Sillmanns
Abb. 2: Gespannt wurde die Arbeit der Zahnärzte von den wartenden Patienten verfolgt.
Selbst bei minderjährigen Patienten und Patientinnen sind die bleibenden Zähne oft nicht mehr zu erhalten. Es mangelt an Aufklärung über Mundgesundheit und den entsprechenden Mitteln, sowie der Anleitung zur Kariesprävention (Abb. 2).

Zu erhaltende Zähne, wurden von den Zahnärztinnen und Zahnärzten unter teils erschwerten Bedingungen, vornübergebeugt im Stehen oder sogar auf den Knien mit großer Geduld und Hingabe behandelt. Die meisten Behandlungen waren jedoch Extraktionen. Innerhalb der ersten 2 Wochen wurden bereits 1102 Zähne gezogen.

Abb. 3: Trotz unergonomischer Arbeitshaltung und improvisierter Beleuchtung wurde unermüdlich behandelt - bis zu 100 Patienten am Tag! Sillmanns
Abb. 3: Trotz unergonomischer Arbeitshaltung und improvisierter Beleuchtung wurde unermüdlich behandelt – bis zu 100 Patienten am Tag!
Lediglich 41 Füllungen wurden gelegt, was die gravierende Zerstörung der Zähne der meisten Patientinnen und Patienten widerspiegelt. Um dieser Einhalt zu bieten, organisierte das Team Zahnputzdemonstrationen, verteilte Zahnbürsten und Zahnpasta und fluoridierte bleibende Zähne bei Kindern und Jugendlichen. Insgesamt konnten bei SOLTEC 581 Menschen kostenlos behandelt werden (Abb. 3).

Verbesserung der Mundhygiene

Der dringende Bedarf nach einer Verbesserung der Mundhygiene der Bevölkerung hat den Verein dazu bewogen, sich zeitgleich zu den Behandlungen einem zusätzlichen Projekt zu widmen: FairDent. Dabei handelt es sich um eine nachhaltige Holz-Zahnbürstenproduktion in Madagaskar in Zusammenarbeit mit SOLTEC, dem DMVE e.V. und MedTechOneWorldStudent, um der lokalen Bevölkerung einen kostengünstigen Zugang zu dem wohl wichtigsten Instrument in der Prävention von Karies zu ermöglichen. Zusätzlich soll das Projekt langfristig einen Rahmen für die Entwicklung wirtschaftlicher und sozialer Perspektiven schaffen. 

Während des Einsatzes hat Felix Geidel (Planet Action) zusammen mit Nina Zu und Lisa Ballat (beide TU München) Gespräche zur Umsetzung des Projekts vor Ort geführt und die Planung der Produktion auf die lokale Infrastruktur angepasst. Ebenfalls wurden erste Prototypen von den Mitarbeitern von SOLTEC angefertigt.

Die Projektplanung befindet sich in vollem Gange und eine große Spendenkampagne wurde gestartet. Wer mehr erfahren möchte findet alle wichtigen Informationen auf der Website: www.planet-action.de/fairdent.

Wissensvermittlung zur Prophylaxe und Kariesprävention wirkt

Abb. 1: Ein Klassenzimmer wird zum Behandlungsraum und Materiallager. Sillmanns
Abb. 1: Ein Klassenzimmer wird zum Behandlungsraum und Materiallager.
Nach knapp 14 Tagen zog ein Teil des Teams weiter in den Osten der Stadt, zum nächsten Kooperationspartner: ONG Manda, unterstützt vom Verein Zaza Faly e.V. aus Berlin. Hier wird Straßenkindern der Zugang zu Bildung ermöglicht, um sie innerhalb eines Jahres auf eine staatliche Schule vorzubereiten. Ein Klassenzimmer der Vorschulklasse wurde zum Behandlungsraum umfunktioniert und in den folgenden 2 Wochen konnten hier 313 Patientinnen und Patienten behandelt werden, wobei 254 Extraktionen durchgeführt und 53 Füllungen gelegt wurden (Abb.1).

Abb. 4: Die Schulleiterin der ONG Manda zusammen mit dem Planet-Action Team bei der Zahnputzdemonstration. Sillmanns
Abb. 4: Die Schulleiterin der ONG Manda zusammen mit dem Planet-Action Team bei der Zahnputzdemonstration.
Diese in Richtung der konservierenden Zahnheilkunde verbesserte Quote ist hauptsächlich den Mitarbeitenden von ONG Manda zu verdanken, welche mit den Kindern jeden Tag nach dem Essen gemeinsam die Zähne putzen und regelmäßige Kooperationen mit Partnern aus dem Gesundheitswesen eingehen. Auch waren die Patientinnen und Patienten allesamt jüngeren Alters, sodass noch mehr Augenmerk auf ausführliche Prophylaxeveranstaltungen und Kariesprävention gelegt wurde (Abb. 4-6).
Abb. 5: Jeden Tag wird nach dem Essen gemeinsam mit den Kindern die Zähne geputz.t Sillmanns
Abb. 5: Jeden Tag wird nach dem Essen gemeinsam mit den Kindern die Zähne geputz.t
Abb. 6: Jeden Tag wird nach dem Essen gemeinsam mit den Kindern die Zähne geputzt. Sillmanns
Abb. 6: Jeden Tag wird nach dem Essen gemeinsam mit den Kindern die Zähne geputzt.

Fazit

Besonders beeindruckend war die Gastfreundschaft der madagassischen Bevölkerung und das große Vertrauen, das trotz der Sprachbarriere entgegengebracht wurde. Eingehende Anamnesegespräche waren trotz Dolmetscher/-innen kaum möglich und der Fokus lag vor allem auf der Lokalisation und Behandlung der Zahnschmerzen.

Für die meisten Patientinnen und Patienten war es die erste Zahnbehandlung. So musste auch bei so manchem Erwachsenen in der Aufregung die eine oder andere Hand gehalten werden. Doch waren die Dankbarkeit und Erleichterung nach jeder noch so langwierigen Behandlung bewegend.

Abb. 7: Für die meisten Menschen war es die erste Zahnbehandlung, so galt es Ängste zu nehmen und sensibel vorzugehen. Sillmanns
Abb. 7: Für die meisten Menschen war es die erste Zahnbehandlung, so galt es Ängste zu nehmen und sensibel vorzugehen.
Nach 20 Arbeitstagen mit durchschnittlich 8 Stunden Behandlungszeit blickt das Team auf einen äußerst erfolgreichen, wenn auch anstrengenden Einsatz zurück (Abb. 7).

Aktuell sucht Planet Action für die geplanten Einsätze 2024/2025 noch Zahnärztinnen und Zahnärzte, die Lust haben an einem Einsatz in Madagaskar oder Uganda teilzunehmen. Interessierte können sich gerne per Mail an info@planet.action.de melden. 

Das Spendenkonto von Planet Action: 

Planet Action – Helfende Hände e.V.
IBAN: DE26 7956 2514 0007 5301 88
Stichwort: Spende Projekt FairDent

Danksagung

Besonderer Dank gilt allen Angestellten und Mitarbeitenden von SOLTEC und ONG Manda sowie den deutschen Partnern von DMVE e.V. und Zaza Faly e.V., die unseren Einsatz tatkräftig unterstützt haben, uns vor Ort mit hervorragendem madagassischem Essen versorgt und reibungsloses sowie sicheres Arbeiten ermöglicht haben. Zudem gilt ein großes Dankeschön allen industriellen Sponsoren sowie Privatpersonen, die uns mit zahnärztlichem Material und Instrumenten, ebenso wie mit Geldspenden in den letzten Monaten unterstützt haben. Ohne diese großzügigen Spenden wären solche Einsätze und die Arbeit von Planet Action e.V. nicht möglich.

Weitere Infos unter: www.planet-action.de

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