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Britische Forscher haben das Ausmaß untersucht: Mehr als 10.000 Prothesen gehen in Pflegeeinrichtungen jedes Jahr verloren. Der finanzielle Schaden liegt bei über 3 Millionen Pfund – umgerechnet fast 3,5 Millionen Euro. Für Deutschland liegen keine offiziellen Zahlen vor. Der Blick nach Großbritannien lässt erahnen, wie groß das Problem auch hierzulande ist.
Mehr als ein Sachschaden
Eine verlorene Prothese ist mehr als nur finanzielle Belastung. Oft können sich Menschen mit Pflegebedarf nicht an neuen Zahnersatz gewöhnen. Folgen sind: Betroffene können nicht richtig kauen, müssen oft auf weiche oder pürierte Nahrung ausweichen. Das erhöht das Risiko von Mangelernährung, Gewichtsverlust und Verdauungsproblemen. Auch die Sprachfähigkeit leidet erheblich. Hinzu kommt die psychische Belastung: Ohne Prothese fühlen sich viele Patienten entstellt. Scham, Rückzug und Unsicherheit sind die Folge. Selbst alltägliche Situationen wie Essen in Gesellschaft werden zur Belastungsprobe.
Soziale Einschränkungen
Wer nicht mehr frei sprechen oder lachen kann, verliert ein Stück Lebensqualität. Auch das Pflegepersonal wird zusätzlich gefordert, da mehr Unterstützung z.B. bei Mahlzeiten nötig ist. „Der Verlust einer Prothese nimmt den Menschen ein Stück Würde. Essen, Sprechen und Lachen sind Grundpfeiler sozialer Teilhabe – wenn das wegfällt, leidet das gesamte Leben“, erklärt Prof. Dr. Ina Nitschke, Spezialistin für Seniorenzahnmedizin am Universitätsklinikum Leipzig.
Zusätzliche Kosten und lange Wartezeiten
Bei Verlust entstehen unnötige Kosten. Hinzu kommt, dass die Anfertigung Wochen dauert – eine lange Zeit mit erheblichen Einschränkungen. Besonders schwierig ist dies für Menschen mit Demenz oder Mehrfacherkrankungen, die ihre Bedürfnisse nicht mehr klar äußern können.
Die Lösung: Prothesen eindeutig kennzeichnen
Verhindern lässt sich der Verlust nicht, aber Prothesen werden oft wiedergefunden und können durch eine dauerhafte Kennzeichnung wieder dem Besitzer zugeordnet werden. Schon bei der Herstellung kann das Zahnlabor Namen oder Initialen einarbeiten. Bewährt sind die Lasergravur und das Einlegen von Namensschildern (Labeling). Dünne Metall- oder Kunststoffplättchen mit Name oder Initialen werden beim Herstellen oder Reparieren in die Prothese eingearbeitet und mit Kunststoff übergossen. Beide Verfahren vereinen Haltbarkeit, Hygiene und Lesbarkeit. Mittlerweile werden auch digitale Verfahren wie Barcodes, Chips oder QR-Codes angeboten, für die spezielle Lesegeräte notwendig sind. „Eine klare Kennzeichnung reduziert dauerhafte Verluste erheblich. Im Fall der Fälle lässt sich die Prothese schnell und sicher dem Besitzer zuordnen“, betont Prof. Dr. Ina Nitschke.
Der Verlust von Zahnprothesen in Pflegeeinrichtungen ist ein ernstzunehmendes Problem mit medizinischen, psychischen und finanziellen Folgen. Wenn Pflegekräfte geschult, Zahnärzte regelmäßig vor Ort und Prothesen korrekt gekennzeichnet sind, steigt die Lebensqualität für Senioren deutlich.
Quelle: Initiative proDente e.V.
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