
Herr Noack, was bedeutet der Umzug in Ihre neue Fertigungsstätte für die Herstellung von Amann Girrbach Zirkoniumdioxid?
Mit der DENTUSTRY ONE haben wir sicherlich einen der modernsten Produktionsstandorte für die Herstellung von dentalen Zirkoniumdioxidrohlingen errichtet. Der Umzug an den neuen Standort – mit dreifacher Fertigungsfläche – hilft uns, der deutlich gestiegenen Nachfrage nach unseren Zirkoniumdioxidprodukten kapazitiv nachzukommen und damit die schnelle Lieferfähigkeit für unsere Kunden auch in Zukunft zu sichern. Weiterhin können wir mit den dort installierten neuen Produktionsanlagen der gesteigerten Komplexität beim Herstellprozess von neuen Produkten wie zahnfarbenen, voreingefärbten Rohlingen mit Farbverlauf nachkommen und auch bei diesen Rohlingen unsere bewährte Qualität sicherstellen.
Durch welche Maßnahmen garantiert Amann Girrbach für eine konstant hohe Qualität seiner Zirkoniumdioxidrohlinge?
Die Qualität der Rohlinge beginnt mit den besten Ausgangsmaterialien. Rohlinge von Amann Girrbach werden ausschließlich aus Rohstoffen des renommiertesten Zirkoniumdioxid-Rohstofflieferanten hergestellt. Die Produktionsanlagen, die für die Fertigung der Rohlinge genutzt werden, wurden ausschließlich für die Herstellung von dentalen Zirkoniumdioxidrohlingen konzipiert und die dazugehörigen Prozesse entsprechend abgestimmt. Während der Entwicklungsphase der Rohlingsproduktion bei Amann Girrbach wurde quasi ein Backward-Planning betrieben. Dieser aus der Zahnheilkunde bekannte Begriff bedeutet in diesem Zusammenhang, dass man im Vorfeld genau die Anforderungen bzw. die zu erzielenden Eigenschaften kannte und dementsprechend die Produktionsprozesse und -anlagen passend zu dieser Anforderung konzipiert, entwickelt und weiter verfeinert hat. Das nun mittlerweile vorliegende, über zehnjährige Entwicklungsund Produktions-Know-how ist sicherlich der entscheidende Garant für die konstant hohe Qualität unserer Materialien.
Welche Eigenschaften zeichnen ein gutes Zirkoniumdioxid aus?
Normativ regulierte Anforderungen wie beispielsweise ausreichend hohe Festigkeit und hohe Biokompatibilität sind grundlegende Eigenschaften, die für ein gutes Medizinprodukt erfüllt sein müssen. Diese Kriterien sind die Basis, aber bei Weitem nicht alles, was ein Zirkoniumdioxid zu einem guten dental anwendbaren Material macht. Hierfür gilt es auch Verarbeitungsaspekte wie Kantenstabilität, Fräsbarkeit und Abrasionsverhalten gegenüber den Fräswerkzeugen zu berücksichtigen. Für die weiterführende Verarbeitung müssen weiterhin auch die Sintereigenschaften wie Sinterstabilität, Verzugsfreiheit und homogene vorhersagbare Schrumpfung gegeben sein. Nicht zuletzt spielen bei Zirkoniumdioxid auch mehr und mehr ästhetische Eigenschaften wie Farbe und Transluzenz eine bedeutende Rolle. Zusammenfassend lässt sich also festhalten: Ein gutes Zirkoniumdioxid ist gegeben, wenn sowohl den mechanischen und biologischen Anforderungen als auch den Verarbeitungsund den ästhetischen Anforderungen Rechnung getragen wird.
Inwiefern differenziert sich Amann Girrbach in diesen Punkten von anderen Anbietern?
Amann Girrbach verfolgt bei der Materialentwicklung einen anwendungsbezogenen Entwicklungsansatz. Dies bedeutet, dass wir uns bei der Entwicklung nicht nur rein auf die Materialeigenschaften beschränken, sondern das Material als Teil eines zahntechnischen und zahnmedizinischen Gesamtprozesses betrachten, in dem es für den Zahntechniker, für den Behandler und für den Patienten gleichermaßen funktionieren muss. Da wir sowohl Material- als auch Geräteentwicklung selbst betreiben, haben wir hier alle Möglichkeiten, die notwendige Abstimmungsarbeit für alle Komponenten der Prozesskette zu leisten und so ein entsprechendes Feintuning durchzuführen. Dieser ganzheitliche Ansatz und die daraus resultierenden Vorteile differenzieren sicherlich unsere Produkte und Materialien von denen anderer Anbieter.
Auf der diesjährigen IDS in Köln haben Sie u. a. ein neues Zirkoniumdioxid unter dem Namen Zolid HT+ präsentiert. Um was für ein Zirkoniumdioxid handelt es sich dabei?
Zolid HT+ ist ein hochtransluzentes Zirkoniumdioxid, welches eine hohe Transluzenz mit einer hohen Festigkeit vereint. Mit über 1.000 MPa liegt Zolid HT+ im Bereich des bewährten HT-Zirkoniumdioxids Ceramill Zolid; die lichtoptischen Eigenschaften übertreffen die des Vorgängers jedoch bei Weitem. Aus diesem Grund strahlen selbst massive Strukturen wie beispielsweise große, implantatgetragene Konstruktionen die Vitalität einer natürlichen Zahnsubstanz aus. Darüber hinaus konnten wir durch einen optimierten Herstellungsprozess die frästechnische Bearbeitung positiv beeinflussen, wodurch eine sehr feine Randgestaltung bei gleichzeitig hervorragender Kantenstabilität erreicht werden kann.
Welche Ziele verfolgt Amann Girrbach mittel- und langfristig als Material- bzw. Zirkoniumdioxidhersteller?
Wir verstehen uns mittlerweile als etablierter Materialanbieter. So liegt mittel- und langfristig ein klarer Fokus auf dem Ausbau unseres gewonnenen Know-hows in diesem Bereich. Wir werden auch in Zukunft weiter daran arbeiten, das bestehende Produktportfolio sinnvoll zu ergänzen und die Materialien und deren Verarbeitungen an die Anforderungen, die sich aus den unterschiedlichen dentalen Indikationen ergeben, bestmöglich anzupassen.
Herr Noack, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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