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Nachbericht zur 47. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie e. V.

Zeitgemäße Zahnprothetik – nach allen Regeln, mit allen Mitteln der Kunst

Kommunikation, Konstruktion, Produktion – innerhalb dieser Trias bewegte sich vom 31. Mai bis 2. Juni die diesjährige Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie e. V. (ADT). Einmal mehr war die K3N-Stadthalle in Nürtingen dazu „Hotspot“ für 750 wissensdurstige Auszubildende und Zahntechniker sowie Studenten und Zahnärzte. Eine beachtliche Teilnehmeranzahl in Zeiten eines gesättigten, vielleicht sogar übersättigten Veranstaltungsbeziehungsweise Fortbildungsmarktes.

Die K3N-Stadthalle im schwäbischen Nürtingen. David Knipping, Lindau
Die K3N-Stadthalle im schwäbischen Nürtingen.
Die K3N-Stadthalle im schwäbischen Nürtingen.
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Große Aufmerksamkeit fand das diesjährige Programm, das vom ADT-Vorstand mit sehr gutem Gespür für die Entwicklung des Prothetikmarktes zusammengestellt wurde und das repräsentativ die aktuellen Prozesse zur Entstehung zeitgemäßer Zahnprothetik widerspiegelte. Und so wurden in der Stadthalle Nürtingen heutige sowie trendige Therapie- und Fertigungsoptionen vorgestellt – gemäß dem Tagungsmotto „Advanced Prothetik“. Hierunter subsumierte sich, wie „Innovative Behandlungskonzepte“ aussehen können, wie „Metallfrei entscheiden im Team“ möglich ist und ob es zu „Analog – Digital, was ist ökonomisch“ allgemeingültige Aussagen gibt. Einiges davon wird nachstehend in der Reihenfolge des Workflows reflektiert.

Kommunikation – mehr als Worte

„Körpersprache zum Erfolg“ – so lautete der Festvortrag, der von der Psychologin Monika Matschnig (Neufahrn) gehalten und gespielt wurde (Abb. 1). Sie sprach über Leidenschaft sowie Desinteresse und visualisierte dies eindrucksvoll auf, vor und neben der Bühne. Ihre Animation zur Mitwirkung des Publikums ließ spüren, wie wirkungsvoll sich Gesagtes mit positiver Gestik verstärken lässt. Von der Selbstmotivation „Heute ist ein schöner Tag“ – was von einigen Referenten wiederholt aufgegriffen wurde – über die „Spannung in der Körpermitte“ bis zu den nach oben geöffneten Handflächen vermittelte die Referentin „Werkzeuge“, mit denen sich die persönliche sprachliche Wirkung steigern lässt und die täglich in jedem (Beratungs- oder Verkaufs-) Gespräch berücksichtigt werden sollten.

Abb. 1: Monika Matschnig. David Knipping, Lindau
Abb. 1: Monika Matschnig.

Patientenwünsche kennen, Therapiemöglichkeiten kommunizieren, Behandlungsverläufe dokumentieren – zu all dem vermittelte PD Dr. Sven Rinke (Hanau, Abb. 2) in seinem Vortrag „Dentale digitale Fotografie – was brauchen Praxis und Labor wirklich“ seine Vorstellungen. Rinke bedient sich dazu der ganzen Bandbreite moderner Kommunikation, zu der auch Modelle sowie Fotos und Videoclips gehören können. Er empfahl, leicht bedienbare und dadurch auch delegationsfähige Kamerasysteme anzuwenden. Wichtig wäre zu beachten, dass deren Oberflächen hygienefähig sind, um Kontaminationen zu vermeiden. Klar, dass solche Kameras uneingeschränkt für alle Gesichts- und Mundaufnahmen nutzbar sein sollten – und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis haben sollten. Ergänzend dazu empfahl Rinke die Verwendung von Kontrastplatten (Flexipaletten, Smile Line, St.-Imier, Schweiz) sowie Fotospiegeln mit Griff (Filtrop AG, Balzers, Liechtenstein), durch die sich das intraorale Fotografieren erleichtern ließe.

Abb. 2: PD Dr. Sven Rinke. David Knipping, Lindau
Abb. 2: PD Dr. Sven Rinke.

Dr. Wolf-Dieter Seeher (München) zeigte in seinen Ausführungen über die „Auswirkungen einer Achsenablage bei montierten Modellen auf die Okklusion und Kiefergelenke“, wie wichtig eine genaue, reproduzierbare Wiedergabe der Kiefer-Mund-Situation ist, um eine funktionsgerechte Zahnprothetik zu fertigen (Abb. 3). Seeher ging dabei explizit auf den Unterschied von Scharnier- und Bewegungsachse ein und zeigte anhand von (animierten) Grafiken die Abläufe bei der Mundöffnung/Mundschließung und welchen Einfluss die Prothetikfertigung darauf hat (siehe dazu einen Fachbeitrag von Dr. Seeher: „Zentrik-Registrat mit Tücken“ unter www.ztm-aktuell.de/zentrik).

Abb. 3: Dr. Wolf-Dieter Seeher. David Knipping, Lindau
Abb. 3: Dr. Wolf-Dieter Seeher.

Über Genauigkeit in der Wiedergabe der anatomischen Situation sprachen auch Dipl.-Ing. Dipl.-Inform. Frank Hornung und Dr. Dr. Stephan Weihe (beide Dortmund) in ihrer Vorstellung der „3D-kephalometrischen Prothetikplanung und Fertigung auf der Basis fusionierter digitaler Daten“. Hierbei werden Kieferbewegungen berührungsfrei optoelektronisch erfasst (Freecorder blue fox, DDI-Group, Dortmund) und mit Daten komplettiert, die aus digitaler Volumentomografie sowie durch Abformung mittels Intraoralscanner oder über einen Modellscanner generiert wurden. Aktuell können in dieses Verfahren auch Prothesenrohlinge (Baltic Denture, Merz, Lütjenburg) integriert werden. Mit „Original Bewegungsdaten des Patienten als Verknüpfung von analogem Wissen mit der digitalen Welt“ stellte ZTM Mathias Gamper (Ludwigshafen) ein anderes Verfahren der berührungsfreien Funktionsdatenerfassung vor – ausgeführt über eine Magnetfeldtechnologie mit Sensoren (DMD-System, IgniDent, Ludwigshafen). Auch in diesem Vortrag ging es um eine genaue 1:1-Übertragung der Patientendaten in den Fertigungsprozess der Prothetik.

Fertigungsziele – ökonomisch erreichen

ZTM Clemens Schwerin (München) widmete sich mit „Eigenfertigung oder Fremdfertigung? Make or buy?“ einem Thema, das mitunter mit sehr viel Emotionalität verbunden ist und so manches Zahntechnikergemüt erhitzt (Abb. 4). Fern davon gab Schwerin mit einer rein faktenbezogenen Beurteilung von Fertigungsalternativen dem ADT-Publikum ökonomische Entscheidungskriterien an die Hand. Diese betrafen die Auswahl des Fertigungsgerätes, dessen Einsatzbreite (Werkstoffvielfalt) und Einsatztiefe (Indikationsbreite), die Vielfalt der Werkzeuge oder die Fertigungspräzision und -schnelligkeit.

Abb. 4: ZTM Clemens Schwerin. David Knipping, Lindau
Abb. 4: ZTM Clemens Schwerin.

Schwerin berücksichtigte alle kostenrelevanten Parameter, die als Beispiel zu verstehen waren und mit denen er das Publikum zu persönlichen Überlegungen animierte. Mit seiner Kostenübersicht und Kostenanalyse – was (Indikation), womit (Werkstoffe), wie oft (Anzahl), wie schnell (Zeit) gefertigt werden muss – gab er wertvolle Hinweise für laborindividuelle Entscheidungen zur Wahl einer ökonomisch sinnvollen Fertigung. Dass dazu auch Kosten wie für rotierende Instrumente (Standzeiten) oder andere Zusatzaufwendungen gehören, auch dies ließ Schwerin nicht unerwähnt.

3D-Druck – Kennen und Können

Als CAD/CAM-Anwender der ersten Stunde berichteten ZTML Vanik Kaufmann-Jinoian (Liestal, Schweiz) und Dr. Andres Balzer (Rheinfelden) aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz über „Die Einsatzvielfalt von 3D-Druckern und eine Falldokumentation …“. Die dabei genannten Auswahlkriterien für 3D-Drucker – wie Systemart (offen/geschlossen), Softwareanbindung, Bauplattformgröße, Genauigkeit, Fertigungszeit, Lichtstärke und technischer Support – waren für so manche Zuhörer eine wertvolle „Take-Home-Message“. Als Falldokumentation stellte Balzer eine Schiene zur Bracket-Applikation vor – durch sie konnte sich die Positionierungsgenauigkeit bei gleichzeitigem Zeitgewinn steigern lassen.

Hierzu passend wurde am letzten Veranstaltungstag der „Workflow des 3D-Drucks in der Zahntechnik“ thematisiert, zu dem ZTM Roland Binder (Sulzbach-Rosenberg) Funktionsprinzipien verschiedener 3D-Drucker vorstellte. Ihm ist eine technisch sinnvolle Integration in die Arbeitsprozesse sowie die wirtschaftliche Nutzung ein besonderes Anliegen, wozu jedes Labor seine eigenen Überlegungen und Berechnungen anstellen sollte.

Wichtige Informationen zum 3D-Druck steuerte auch B. Sc. Alexander Xepapadeas (Tübingen) bei, indem er auf „Mechanische Eigenschaften von additiv gefertigten Materialien für kieferorthopädische Indikationen“ einging – am Beispiel logopädischer Stimulationsplatten für Säuglinge (Abb. 5). In seinem Vergleich dieser konventionell sowie gedruckt gefertigten KFO-Apparaturen waren besonders seine Ausführungen zur Nachbehandlung gedruckter Objekte interessant, da erst hierdurch geforderte und zugesagte Materialeigenschaften medizinproduktegesetzkonform erzielt werden. Geräte zur Vermeidung von Entmischungen der 3D-Druck-Werkstoffe gehören hier ebenso dazu wie Ultraschallbäder, in denen 3D-Druck-Objekte gereinigt werden. Letztere sollen in der Anzahl der verwendeten Kunststoffmaterialien vorhanden sein, um Werkstoffkreuzkontaminationen zu vermeiden. Darüber hinaus ist die Nachpolymerisation der Objekte qualitätsrelevant – mit voll leistungsfähigen Polymerisationslampen.

Abb. 5: B. Sc. Alexander Xepapadeas. David Knipping, Lindau
Abb. 5: B. Sc. Alexander Xepapadeas.

Klassische Frästechnik – digital leben

Als „Analog“, ZTM Martin Weppler (Weingarten), und „Digital“, ZTM Ralph Riquier (Remchingen), personifizierten sich die beiden Referenten und dialogisierten so über einen „Paradigmenwechsel bei der Teleskoptechnik im Goldstandard?“. In ihrem Gespräch wurde schnell klar, dass die klassisch manuelle Frästechnik in der digitalen Fertigung angekommen ist und dass sich alle relevanten realen Konstruktions- und Fertigungsparameter auch digital berücksichtigen lassen. So ist das virtuelle Inhouse-Design von Primär- und Sekundärteilen – mit individueller Passung – sehr präzise und lässt sich zeitsparend schnell erzielen; und lässt sich ggfs. auch zur Reproduktion der Teleskoparbeiten nutzen. Findet darüber hinaus ein Outsourcing der Doppelkronendaten statt, kommen die Vorteile graziler industrieller Fertigung aus homogenen, porenfreien Legierungsblöcken sowie Kostenvorteile durch den Wegfall der Bevorratung von Edelmetall- Dentallegierungen hinzu.

Herausnehmbare Prothetik – neu denken

Die digitale Fertigung hat alle Prothetiksegmente erreicht – so auch die Fertigung von herausnehmbarer Totalprothetik. PD Dr. Jeremias Hey M. Sc., MME (Halle) berichtete dazu über „Totalprothetik im digitalen Prozess – Entwicklung und Bewährung eines neuen Workflows“. Hey bezog sich dabei auf ein 2015 vorgestelltes System mit dem er „Copy Dentures“ fertigte, in die so die „neuromuskuläre Information“ bereits vorhandener Prothesen übertragen wird. Gerade älteren Patienten, die eine limitierte Adaptionsfähigkeit besitzen, erleichtert diese Fertigungsform die Akzeptanz ihrer neuen Prothetik.

ZT Karl-Heinz Körholz (Königswinter) meinte: „Digitale Totalprothetik – Now is the time.“ Sein Credo hierzu: „Alle Voraussetzungen aus der analogen Totalprothetik müssen in der digitalen erfüllt und selbstverständlich 1:1 übertragbar sein.“ So muss dem digitalen Arbeiten eine detaillierte Modellanalyse vorausgehen, auch müssen Kenntnisse der Aufstellparameter vorhanden sein und diesen Fertigungsweg begleiten. Die Vorträge von Hey (am Beispiel von Baltic Denture, Merz, Lütjenburg) und Körholz (FDS, Amann Girrbach, Koblach, Österreich/Vionic Solutions, VITA Zahnfabrik, Bad Säckingen) ließen erkennen, wie sich durch standardisierte Prozesse Vorteile für Praxis und Labor ergeben: Behandlungs- und Fertigungszeiten verkürzen sich, die Prothesenqualität lässt sich steigern.

Der besondere Vortrag 2018

Im vergangenen Jahr fand zum ersten Mal das Forum 25 statt – „die Nachwuchsförderung der ADT“ (Abb. 6). Auf diesem Forum erhält zahnmedizinischer und zahntechnischer Nachwuchs die Gelegenheit, (erstmals) vor Publikum zu referieren. Der jährlich beste Vortrag wird von einer Jury gekürt und mit dem „ADT – Young Talent Award“ belohnt – unter anderem gehört dazu, im Folgejahr auf dem „Main Podium“ vorzutragen. So berichtete die Gewinnerin 2017, Ha Thu Tra Nguyen (Köln), über „Dentalhygiene – ein Konzept für Entwicklungsländer in Asien“ und entführte das Publikum dabei in eine Region ihres Geburtslandes Vietnam (Abb. 7). Nguyen zeigte, wie es um die Dentalhygiene von Kindern in Teilen der dortigen Land- und Bergbevölkerung bestellt ist und wie sich deren Situation diesbezüglich verbessern lässt. Die junge Referentin wurde vom Auditorium für diesen – auch anrührenden – Vortrag mit „Standing Ovations“ belohnt. In diesem Jahr wurden die Forum 25-Vorträge vonLaura Burlein (Feldkirchen), Pia Gauger (Oberhausen), Natasha Klutke (Berlin), Hagen Müller (Neufahrn), ZTM Enrico Ortado (München) sowie Viktoria Weber (Berlin) viel beachtet und beklatscht. Mit dem „ADT – Young Talent Award“ 2018 wurde das Vortragsteam Burlein/Gauger ausgezeichnet – und gehört damit zu den Referenten 2019.

Abb. 6: Seit 2017 gibt es das Forum 25 zur Nachwuchsförderung der ADT. David Knipping, Lindau
Abb. 6: Seit 2017 gibt es das Forum 25 zur Nachwuchsförderung der ADT.
Abb. 7: Ha Thu Tra Nguyen. David Knipping, Lindau
Abb. 7: Ha Thu Tra Nguyen.

Die „ADT“ – Spiegel der Zahntechnik

Das thematische Angebot der diesjährigen ADT-Jahrestagung bot mit fünf Workshops, 28 Fachvorträgen sowie dem Forum 25 – zur Nachwuchsförderung der ADT – eine einzigartige Informationsfülle; Anlass für die Redaktion des Zahntechnik Magazins, auch hier und in der kommenden Oktoberausgabe über „die ADT“ zu berichten.

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Weitere Vorträge

PD Dr. Bogna Stawarczyk, M. Sc. (München) sprach über „Zirkoniumdioxid und seine Generationen“ und ging dabei auf die Veränderungen ein, die dieser Werkstoff in nunmehr nahezu 20 Jahren erfahren hat. Der hohen Festigkeit stand die opake Farbe gegenüber, die seither hin zu mehr Transluzenz verändert wurde – bei technisch bedingter, gleichzeitiger Verringerung der Festigkeitswerte. Dies mache es notwendig, die verschiedenen Zirkoniumdioxid- Generationen (wie 3Y-TZP-A oder 5Y-TZP) zu kennen und streng nach Indikationsfreigabe der Hersteller zu verwenden, um die jeweiligen Werkstoffeigenschaften für die Restaurationen optimal zu nutzen.

In „Digitale Zahnmedizin – Möglichkeiten und Grenzen computergestützter Technologien in der festsitzenden Prothetik“ zeigte ZTM Vincent Fehmer (Genf), wie sich die anfänglichen Grenzen zahntechnisch CAD/CAM-gestützter Fertigung immer weiter zugunsten eines kompletten zahnärztlich/zahntechnisch digitalen Workflows verschoben haben – und weiter verschieben (Abb. 8). Für Fehmer kommt dabei der Haltbarkeit der Restauration eine, wenn nicht „die“ entscheidende Bedeutung zu. Dieser Forderung nach Langlebigkeit würden monolithische Zirkoniumdioxid-Restaurationen auf das Beste gerecht – bei gleichzeitig guter Ästhetik durch die Oberflächenkolorierung mittels Malfarben. Fehmer zeigte aber auch, dass die Maltechnik an die ästhetische Qualität dentalkeramisch geschichteter Verblendungen (noch) nicht heranreicht. Für ihn gilt es daher, Werkstoffe und Verblendart nach der jeweiligen Indikation und Kaukraftbelastung sowie der gewünschten ästhetischen Wirkung auszuwählen und (gegebenenfalls) zu kombinieren.

Abb. 1: ZTM Vincent Fehmer. David Knipping, Lindau
Abb. 8: ZTM Vincent Fehmer.

Fluoreszierende Zirkoniumdioxide (wie Lava Esthetic, 3M, Seefeld) oder Resin-Nano-Keramiken (wie Lava Ultimate) für die non-invasive Therapie sowie die CAD/CAM-gestützte Fertigung standen Pate für den Vortrag „Weiß und digital – das Leben wird einfacher“ von ZT Josef Schweiger (Unterhaching, Abb. 9). Schweiger zeigte, wie sich mittels einer indikativ richtigen Werkstoffwahl sowie des digitalen Designens und Fertigens die Wirkung der späteren Restauration vorteilhaft unterstützen lässt. Das in seinen Fallbeispielen gezeigte „Münchener Schienenkonzept“ wurde später in einem „Einspringervortrag“ über „Innovative Möglichkeiten zur Vorbehandlung komplexer Fälle“ von ADT-Präsident Prof. Dr. Daniel Edelhoff (München) weiter vertieft (Abb. 10) – und deshalb an dieser Stelle aufgeführt. Edelhoff berichtete, dass sich aufgrund zunehmender Abrasionsdefekte durch Biokorrosion die Defektmorphologie verändern und beispielsweise in einer fehlenden Abstützung manifestieren würde. Neben funktionellen, phonetischen und ästhetischen Einschränkungen ließe dies die Patienten „voraltern“. In seinen Fallbeispielen wurde in strukturierten Arbeitsprozessen die definitive Restauration mittels Wax-ups antizipiert und in Mock-up-Schienen überführt, die digital aus Polykarbonat gefertigt wurden. Diese Schienen dienten einem funktionellen „Probefahren“, um gegebenenfalls notwenige Korrekturen in der definitiven Restauration zu berücksichtigen.

Abb. 2: ZT Josef Schweiger. David Knipping, Lindau
Abb. 9: ZT Josef Schweiger.
Abb. 3: Prof. Dr. Daniel Edelhoff. David Knipping, Lindau
Abb. 10: Prof. Dr. Daniel Edelhoff.

Für ZT Andreas Nolte (Münster) sind „Fluoreszenz, Transluzenz und Opazität bei Zirkoniumdioxid“ Eigenschaften, die die ästhetische Wirkung einer Restauration von Grund auf beeinflussen. In seinen Erläuterungen zur Gestaltung der Arbeiten schwangen immer wieder Hinweise mit, den Patienten zuzuhören, um deren Vorstellungen und Wünsche zu erfassen und in die Arbeit zu integrieren. Dies unterstrich Nolte auch durch seine Botschaft „werdet zu Beurteilern, Planern, Architekten“. Auch für die Reproduktion der Zahnfarbe ist diese Aussage bedeutsam, da sich die Werkstoffwahl neben dem Restaurationsumfang und dessen Belastung auch nach der Zahnfleischfarbe und -dicke („ein Zirkon für alles funktioniert nicht“) richten sollte: je heller und dünner das Zahnfleisch, desto transluzenter das Zirkoniumdioxid. Sehr klar strukturiert zeigte Nolte, wie er patientenindividuelle ästhetische Restaurationen entstehen lässt und welchen Anteil Emergenzprofil, Zahnform, Farbe und Oberflächenstruktur daran haben – und beeindruckte damit sein Publikum.

Wie aus Kenntnis der Begriffe „Brightness – Value … Helligkeit“ ästhetische Zahnprothetik entsteht, daran ließ ZTM Haristos Girinis (Nagold) das ADT-Publikum teilhaben. Eine Einflussgröße dieser Ästhetik ist die Opazität/Transluzenz des Gerüstwerkstoffes. Darüber hinaus spielen aber der dentalkeramische Verblendwerkstoff sowie dessen Schichtung eine entscheidende Rolle, um die gewünschte Helligkeit der Farbe zu erzielen. Hierzu legt Girinis die höchste Helligkeit im zentralen Drittel des Zahnes an, indem er das Dentin bei der von ihm gewählten Keramik mit „Value Dentin“ modifiziert. Durch seine ergänzende Oberflächentextur entsteht so bei jedem Lichteinfall- und Betrachtungswinkel eine optimale Farbwirkung bei seinen Arbeiten. In seinem „ADT-Lernziel“ gab er dem Publikum mit auf den Weg: „Stimmt die Helligkeit, bleibt die Farbe stabil …“

Digitale Verfahren – auswählen und kombinieren

ZTM Christian Hannker (Hüde) referierte zu „Digital & Analog, das Beste aus beiden Welten“. Ob zahn- oder implantat- oder schleimhautgetragen – für Hannker lässt sich Totalprothetik in Brücken- oder Prothesenform schon heute komplett digital fertigen. Hierzu trägt die Design-, Material- und Fertigungsvielfalt bei, die der Prothetikvielfalt entspricht. Neben der digitalen Laborausstattung würde die Ergebnisqualität ganz entschieden aber auch vom Know-how des Zahntechnikers abhängen, so Hannker. Neben der anatomisch richtigen Gerüstgestaltung sei Letzteres auch für die Werkstoffwahl und deren Bearbeitung relevant.

Mit „Der digitale Weg in die Praxis – Wirklichkeit und Visionen“ knüpfte Prof. Dr. Karsten Kamm (Köln) in etwa an seinen Vorredner an, indem er die Fülle digitaler Anwendungen für die Prothetik ausbreitete – und wie sich dadurch die Zusammenarbeit zwischen Praxis und Labor sowie innerhalb der Labore verändern würde (Abb. 11). Ob Zahnfarbbestimmung, Funktionsdatenerfassung, Gesichtsscan und virtuelles Imaging, ob Implantatplanung, Intraoralscanner-gestützte Abformung, Modellfertigung oder Modellscan, ob Design und Fertigung – durch dies alles verdichtet sich das interdisziplinäre Miteinander zunehmend. Und durch die zu erwartenden (Weiter-)Entwicklungen würde dieser digitale Workflow immer kompletter: So wird über „Augmented Reality“ – ein Vorherwissen, wie die fertige Arbeit aussieht – das „Backward Planning“ für alle Bereiche der Prothetikfertigung anwendbar sein.

Abb. 4: Prof. Dr. Karsten Kamm. David Knipping, Lindau
Abb. 11: Prof. Dr. Karsten Kamm.

Implantatprothetik – digital optimieren

Die Rot-Weiß-Ästhetik entscheidet oft (immer?) bei implantatgetragenen Restaurationen über deren Gesamtwirkung. Wie diese digital beeinflusst werden kann, darüber informierte Dr. Haki Tekyatan (Simmern) das ADT-Publikum in seinem Vortrag „Soft Tissue Management an Implantaten 2.0 – der digitale Workflow in der Implantologie“. Tekyatan zeigte, welchen Einfluss das Implantologieprotokoll auf die Gestaltung der Mukosa hat und wie ein optimales Emergenzprofil geschaffen werden kann – beides Faktoren für die Ausgewogenheit der oben genannten Rot-Weiß-Ästhetik. Durch ein direktes Scannen des Implantats nach dessen Insertion sowie die Fertigung individueller Gingivaformer – in der anatomisch adäquaten Geometrie des Durchtrittsprofils – ließen sich dazu beste Voraussetzungen schaffen.

ZT Stephan Adler (Kaufering) kombiniert seine eigene implantatprothetische zahntechnische Expertise mit der einer Outhouse-Fertigung. Über das „Wie“ informierte er in seinem Vortrag „Große Suprastrukturen vorhersagbar anfertigen mittels externer CAD/ CAM-Technologien“. Für ihn gehören dazu zwischen Praxis und Labor abgestimmte Arbeitsprozesse, in denen alle Ablaufdetails vor Beginn der Fertigung festgelegt sind. Ob beispielsweise das Meistermodell – das die Mundsituation 1:1 widerspiegelt – durch offene oder geschlossene Abformung gewonnen wird, ob auf Implantatoder Abutmentebene gefertigt werden soll oder ob die Restauration verschraubt oder zementiert eingegliedert wird – Adler strukturiert hiernach (und weiteren Parametern) seine Arbeitsschritte und schließt diese jeweils mit einer Qualitätskontrolle ab. Der dem Patienten und Zahnarzt vorhergesagten implantatgetragenen Prothetik nähert sich Adler so schrittweise an – ohne Überraschungen zu erleben. Und dies betrifft auch seine Zusammenarbeit mit einem externen Fertiger (Atlantis, Dentsply Implants, Bensheim), dessen Wissen und Können er in seine Arbeiten integriert.

Abb. 5: ZTM Björn Roland. David Knipping, Lindau
Abb. 12: ZTM Björn Roland.

Für ZTM Björn Roland (Klein-Winternheim) ist der Inhouse-3DDruck von Bohrschablonen eine Innovation, die mehr und mehr in den Implantologiekonzepten seiner Kunden berücksichtigt wird; und sie gehören zur Antwort auf sein Vortragsthema „Moderne Konzepte in der Implantatprothetik – wo leisten uns digitale Technologien sinnvolle Hilfestellung?“ Für Roland (Abb. 12) gehört hierzu alles, was Behandlungs- und Fertigungsprozesse verkürzt und/ oder in ihrer Qualität optimiert. Als Teil eines strukturierten Protokolls nannte er des Weiteren auch den Modelldruck oder präoperativ gefertigte Provisorien.

Bester Vortrag 2018

Als „Bester Vortrag 2018“ beurteilten die ADT-Teilnehmer die Ausführungen von ZTM Jürgen Mehrhof (Berlin, Abb. 13). In seinem Vortrag widmete sich Mehrhof zunächst der Kommunikation mit dem Patienten – was sind dessen Wünsche, welche Vorstellungen hat dieser. Um eine „Blaupause der Natur“ zu fertigen, nutzt Mehrhof seine umfangreiche gescannte Modellsammlung. In Kombination mit einem Gesichtsscan kann er so die ästhetische Wirkung der Restauration simulieren und gemeinsam mit dem Patienten das gewünschte Design auswählen. Indem Mehrhof ergänzend zu den Zahnformen auch die Strukturen von Gingiva und Papillen integriert, kommt er zu sehr patientenindividuellen Ergebnissen. In der weiteren Gestaltung der Prothetik ist es Mehrhof wichtig, Voraussetzungen für eine optimale Prothesenhygiene zu schaffen – ein „Ovate Pontic Design“ mit fließenden Übergängen (nischenfrei!) sowie Putzkanäle gehören für ihn dazu. Seine Gerüstgestaltung, mit der er die Langlebigkeit seiner Arbeit unterstützt und die ihm gleichzeitig Basis für eine Keramikschichtung mit hochästhetischer Wirkung ist, erzielt Mehrhof durch die Kombination von Dentalerund Open-Source-Software.

Abb. 6: ZTM Jürgen Mehrhof. David Knipping, Lindau
Abb. 13: ZTM Jürgen Mehrhof.

Die „ADT“ – wegweisend auch 2019

Prof. Dr. Daniel Edelhoff, PD Dr. Jan Güth (beide München), ZTM Wolfgang Weiser (Essingen), ZTM Rainer Gläser (Freiburg) und ZTM Hans-Jürgen Stecher (München) als Vorstand sowie Marion Becht als Organisatorin hatten für die ADT-Jahrestagung 2018 ein Programm zusammengestellt, dessen Vorträge mit großem Applaus anerkannt wurden. Die Jahrestagung 2019 findet vom 20. bis 22. Juni statt, wiederum in der Stadthalle Nürtingen. Dort wird dann das 40-jährige Gründungsjubiläum der Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie e. V. gefeiert und mit einem ganz speziellen Programm gekürt.

Abb. 7 u. 8: Auch 2018 konnten sich Interessierte wieder in der begleitenden Industrieausstellung über neue und bewährte Produkte informieren. David Knipping, Lindau
Abb. 14 u. 15: Auch 2018 konnten sich Interessierte wieder in der begleitenden Industrieausstellung über neue und bewährte Produkte informieren.

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