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Reisen

Hotel „Vier Jahreszeiten“ in Starnberg

Die Crème brûlée zergeht auf der Zunge. Sie ist die Krönung meines wunderbaren ersten Abendessens im „Oliv’s“, dem Restaurant des Hotels „Vier Jahreszeiten“ in Starnberg. Generell war es ein fantastisches Ankommen in diesem wunderschönen Hotel in unmittelbarer Seenähe. Aus Norddeutschland angereist, traf ich erst am späten Nachmittag ein. Beim Einchecken fiel mir eine Gruppe diskutierender junger Leute auf. „Sie nehmen an einem zahnärztlichen Seminar hier im Hause teil und machen grade eine Kaffeepause in der „Hemingway-Bar“, erklärte mir der freundliche Rezeptionist. „Hemingway-Bar?“ fragte ich, „Das klingt interessant!“ – „Ist es auch; die müssen Sie unbedingt besuchen!“, so die Antwort. Die Bar hebe ich mir allerdings für einen der nächsten Abende auf und beziehe zunächst mein schönes, ruhiges Zimmer. Es liegt in der 4. Etage und vermittelt mit seiner großzügigen Fensterfront einen wunderbaren Eindruck von Unendlichkeit. Ich schlafe prächtig – trotz der hohen Temperaturen in der zuvor besuchten Finnischen Sauna des Wellness- und Fitnessbereichs im 5. Stock des Hauses. Die Bio- und auch die Finnische Sauna sind voll verglast und erlauben den Blick durch die Fensterwand des Ruheraumes auf die große, mit Liegestühlen besetzte Panoramaterrasse – es ist Erholung pur.

Das Hotel „Vier Jahreszeiten“ in Starnberg Vier Jahreszeiten
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Am nächsten Morgen ist der erste Anziehungspunkt nach einem fürstlichen Frühstück auf der Terrasse mit sehr aufmerksamem Service das kulturgeschichtliche „Museum Starnberger See“. Ludwig III. von Bayern mit Gemahlin erschien sogar bei der Eröffnung des Museums am 9. Juli 1914. Und in der Tat spielt der See wohl die entscheidende Rolle, dass im 19. Jahrhundert durch kaiserliche Prachtschiffe, die auf dem See Ihre Hoheiten spazieren fuhren, die Haute Volée in diese Region gezogen wurde. Ein informativer Film versetzt zurück in diese Zeit. Außer kleinen Modellen und Abbildungen der Schiffe ist in diesem ehemaligen typischen Bauernhaus traditionelles Brauchtum der Region zu sehen und sogar medizinische Instrumente aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Die Umgebung vom See aus erkunden

Gleich in der Nähe ist die Anlegestelle der Schiffe, die Rundfahrten auf dem Starnberger See machen. Nach dem Ablegen am nördlichen Ende des Sees nimmt die „Seeshaupt“ Kurs auf die gegenüber liegende Seite. Dort steht unterhalb einer Votivkapelle am Ufer ein Kreuz an der Stelle, wo König Ludwig II. am 13. Juli 1886 ertrunken ist. Im Gegenlicht ist es kaum zu erkennen.

Natürlich wird unter den Gästen heftig diskutiert, warum, wieso, weshalb. Niemand weiß darauf eine Antwort. An jedem der Orte um den See kann man die Fahrt unterbrechen und später mit einem anderen Schiff weiterfahren. Ich steige aus in Seeshaupt am südlichen Ende des Sees und laufe durch den kleinen Ort. In der Kirche findet grad eine Trauung statt. Die hübsche Braut in weißem, langem Kleid trägt ihr Baby auf dem Arm. Lustig ist die Hochzeitsgesellschaft. In Tutzing steht am Ufer der schöne Brahms-Pavillon, in dem der Komponist gern gearbeitet hat. Leider ist er nicht zu besichtigen, da das Gelände schon ab Anlegestelle in Privatbesitz ist. Schilder mit bösen, bissigen Hunden warnen vor dem Betreten. Die Besitzer sonnen sich am Ufer des Sees, an dem ihre Privatboote vertäut sind. Bei einigen Touristen kommt Unmut auf.

Blick aus der Dusche ins Zimmer.Vier Jahreszeiten
Blick aus der Dusche ins Zimmer.
Das Schiff „Seeshaupt“ macht große Rundfahrten auf dem Starnberger See.Dr. phil. Renate V. Scheiper
Das Schiff „Seeshaupt“ macht große Rundfahrten auf dem Starnberger See.
Blick aus der Dusche ins Zimmer.Vier Jahreszeiten
Blick aus der Dusche ins Zimmer.

Während der Rückfahrt wird am Westufer des Sees auf die „Roseninsel“ hingewiesen, die man unbedingt besuchen müsse. Das werde ich tun. Zurück im Hotel „Vier Jahreszeiten“ genieße ich diesmal nach der Bio-Sauna mit Freiblick im Restaurant „Oliv’s“ wieder ein köstliches Dinner. Heute wird auf der umfangreichen Karte zusätzlich ein „Azubi-Dinner“ mit drei Gängen angeboten. Einmal in der Woche dürfen die Azubis im 2. Lehrjahr das Menu komplett selbst gestalten.

Strandbad und Roseninsel

Von der S-Bahnstation Possenhofen aus mache ich am nächsten Tag einen Spaziergang zum Strandbad Feldafing, das unter Denkmalschutz steht. Man kann ab Bahnhof vom Sissi-Museum aus auch eine Sissi-Audiotour machen. Doch ich liebe die Natur und spaziere bei Vogelgesang am Seeufer entlang. 1926 wurde das Strandbad gegründet mit Umkleidekabinen, Stegen am See, Leitern ins Wasser und Liegewiesen am Ufer – für Familien und ältere Leute ein Dorado. Ein Restaurant lädt zur Erquickung. Von hier ist man in zehn Fußminuten durch einen herrlichen Lenné-Park an der Anlegestelle „Glockenschlag“. Will man übersetzen auf die „Roseninsel“ und der Fährmann ist am anderen Ufer, wird eine Glocke geschlagen.

Zum Schwimmen und Sonnen lädt das Strandbad in Feldafing ein.Dr. phil. Renate V. Scheiper
Zum Schwimmen und Sonnen lädt das Strandbad in Feldafing ein.
Der schöne Tutzing Brahms-Pavillon liegt leider auf einem Privatgrundstück.Dr. phil. Renate V. Scheiper
Der schöne Tutzing Brahms-Pavillon liegt leider auf einem Privatgrundstück.
Die Kirche des Benediktiner Klosters Andechs.Dr. phil. Renate V. Scheiper
Die Kirche des Benediktiner Klosters Andechs.

Drüben auf der Roseninsel kann man eine Führung buchen, die sehr hilfreich ist, um das „Warum“ und „Wie“ dieser geheimnisvollen, kleinen Insel zu erfahren. Maximilian II. erwarb sie 1850 von einem Fischer als intimes Paradies. Vom berühmten Gartenarchitekten Lenné ließ er die märchenhafte Parkanlage gestalten, in dessen Mitte ab Mai etwa 400 Strauch- und Hochstamm-Rosen und tausend Zentifolien in allen Farben blühen. Ein romantisches Haus mit Casino liegt versteckt zwischen den Bäumen. Herrlich ist vom Ufer der Blick auf die Alpenkette, Baden ist allerdings streng verboten. Denn Archäologen legten bei Niedrigwasser Pfahlbausiedlungen frei, die mit weiteren Fundstellen in der Region in die UNESCO Welterbeliste eingingen

Am Abend komme ich in den Genuss, in dem hoteleigenen mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Gourmetrestaurant „Aubergine“ zu speisen. Zwar ist auch das Essen im „Oliv’s“ vorzüglich, doch es lohnt wohl, bei Gelegenheit sogar von München aus wegen des „Aubergine“ einen Abstecher zu machen.

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Barocke Pracht erleben

Natürlich ist auch die berühmte Kirche des Benediktiner Klosters Andechs einen Besuch wert. Dorthin fährt für all jene, die nicht zu Fuß hinaufpilgern möchten, vom S-Bahnhof ein Bus bis fast vor die Klosterkirche. Ein kurzer Aufstieg mit Blick auf den Zwiebelturm, vorbei am berühmten „Biergarten“ und schon läuten die Glocken am Sonntag zur 11-Uhr-Messe. Überwältigend ist der Barock überladene Innenraum. Mit der Besichtigung wartet man bis nach der Messe. Es braucht Zeit, um auch nur einen kleinen Eindruck dieser barocken Pracht zu bekommen.

Eine Erholung auf der Terrasse des klösterlichen Bräustüberl ist danach nötig. Fast jeder hat eine knackig aussehende, überdimensionale „Schweinshaxn“ vor sich und einen großen Humpen Bier. Mein kleines 0,5er-„Maß“ fällt mir fast aus der Hand, als plötzlich mit wahrem Donnergetöse die Blaskapelle einsetzt – ohne Vorwarnung. Sie ist am anderen Ende platziert und von meinem Platz aus gar nicht zu sehen in dem Getümmel. In Herrsching unten am Ammersee muss ich mich davon erst einmal erholen. Hier geht es sehr beschaulich zu. Überall am Ufer sind die Liegewiesen bunt bevölkert, man schwimmt oder plätschert im Wasser vom flachen, sandigen Ufer aus. Es ist ganz anders als in Starnberg, wo vor über hundert Jahren wegen des beginnenden Tourismus parallel zum See die Eisenbahntrasse gebaut wurde.

Barkeeper Andrei bereitet gekonnt Hemingway Daiquiri.Dr. phil. Renate V. Scheiper
Barkeeper Andrei bereitet gekonnt Hemingway Daiquiri.

Sehr wohl fühle ich mich wieder zurück im „Vier Jahreszeiten“, wo ein letztes Highlight auf mich wartet: die Hemingway Bar. Dort, so sagte man mir, könne ich auch statt des Abendessens einen Imbiss einnehmen. Also lasse ich mich in einem der schweren Ledersessel nieder – mit Blick auf Hemingway an der Wand und auf die Bar, wo Barkeeper Andrei Mitsai mixt, als hätte er vier fliegende Arme und Hände. Warum die Bar sich denn nach Hemingway benenne, frage ich ihn. Ob er mal hier gewesen sei (was natürlich unmöglich ist). „Nein“, lacht er, „aber wir haben über 100 verschiedene Sorten Rum. Hemingway bevorzugte Cocktails jeder Art mit Rum. Sollte sein Geist eines Tages hier aufkreuzen, wollen wir ihn nicht enttäuschen!“, lacht Andrei.

Nun möchte ich den Lieblingscocktail des berühmten Namengebers probieren, den Hemingway Daiquiri. Das Rezept wird nicht verraten. Ich proste dem Bild Hemingways an der Wand zu, schließe die Augen und trinke – welch’ ein Genuss! Oh ja, ich kann ihn verstehen. Allerdings ließ Hemingway zuletzt den Zucker weg und sagte: „Dafür mehr Rum!“. Für mich hingegen kann der Daiquiri bleiben, wie er ist.

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