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Integrierte Workflows mit KI und Monitoring

Alignertherapie im System denken

Der Markt für transparente Aligner wächst dynamisch – weltweit zweistellig. Europa gilt dabei als zweitgrößter Markt und zeigt zugleich eine überdurchschnittliche Wachstumsdynamik. Treiber sind neben der hohen Prävalenz von Zahnfehlstellungen vor allem ein steigendes ästhetisches Bewusstsein, technologische Fortschritte und eine anhaltend hohe Nachfrage erwachsener Patienten. Parallel verändert sich die Logik der Behandlung. Nicht mehr das einzelne Produkt steht im Zentrum, sondern der durchgängige Workflow, von der Diagnostik über die Planung bis zum Monitoring.*

Ein geöffneter Mund einer Frau, die eine Schiene einsetzt. Andreay Popov/AdobeStock
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Mit neuen digitalen und KI-gestützten Funktionen sowie vernetzten Plattformansätzen entwickelt sich die Alignertherapie zunehmend zu einem interdisziplinären System. Was bedeutet das konkret für den Praxisalltag – und wo entsteht daraus echter Mehrwert? Aufschluss dazu gibt Manuel Tietze (Abb. 1), Head of Business Unit Orthodontics (Germany, Austria, Switzerland & Poland) bei der Straumann Group, im Gespräch mit Fachjournalistin und Zahnärztin Dr. Aneta Pecanov-Schröder, Bonn.

Abb. 1: „Alignertherapie ist heute keine isolierte Disziplin mehr, sondern ein integraler Baustein moderner, interdisziplinärer Behandlungskonzepte.“ Manuel Tietze, Head of Business Unit Orthodontics (Germany, Austria, Switzerland & Poland)Institut Straumann AG
Abb. 1: „Alignertherapie ist heute keine isolierte Disziplin mehr, sondern ein integraler Baustein moderner, interdisziplinärer Behandlungskonzepte.“ Manuel Tietze, Head of Business Unit Orthodontics (Germany, Austria, Switzerland & Poland)

Herr Tietze, der Aligner-Markt wächst weltweit zweistellig, in Europa besonders dynamisch. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage bei erwachsenen Patientinnen und Patienten auf hohem Niveau, während jüngere Zielgruppen zunehmend an Bedeutung gewinnen. ClearCorrect feiert in diesem Umfeld 20-jähriges Bestehen. Was verändert sich aus Ihrer Sicht aktuell grundlegend?

Manuel Tietze: Wir sehen aktuell eine sehr hohe Dynamik im Markt, die sich in den kommenden Jahren weiter fortsetzen wird. Gleichzeitig verändert sich die Art, wie wir Alignertherapie denken. Der Unterschied entsteht heute weniger über das einzelne Produkt, sondern über den gesamten Workflow und dessen Integration in den klinischen Alltag.

Genau hier setzt ClearCorrect an: nicht als isolierte Lösung, sondern als Teil eines Systems, das Behandler entlang der gesamten Behandlung unterstützt, von der Planung bis zum Monitoring, und sich dabei auch in übergeordnete Behandlungskonzepte integrieren lässt, etwa im präprothetischen oder präimplantologischen Kontext.

Sie sprechen von einer durchgängigen Behandler-Journey. Wenn man sich den Ablauf von der Fallaufnahme bis zum Retainer anschaut – was verändert sich dadurch konkret im Praxisalltag?

Manuel Tietze: Im Kern bedeutet das vor allem eines: weniger Brüche im Workflow und eine klarere Struktur entlang der gesamten Behandlung. Von der Datenerfassung – also intraorale Scans, Fotos und Diagnostik – über die digitale Fallplanung bis hin zur Behandlung und Nachsorge greifen die einzelnen Schritte heute nahtlos ineinander. Ein weiterer Vorteil ist die offene Systemarchitektur: Gängige Intraoralscanner und Bildgebungssysteme lassen sich problemlos integrieren. Das Doktorportal, also das Behandlerportal von ClearCorrect, mit integrierten Planungstools wie ClearPilot, bildet dabei das zentrale Steuerungselement: Hier werden die Fälle gemanagt – von der Falldefinition bis zur Freigabe der Behandlung. Entscheidend ist dabei: Der Behandler behält jederzeit die Kontrolle, wird aber gleichzeitig durch digitale Tools unterstützt.

Ein Beispiel ist das Case Assessment Tool, das innerhalb weniger Minuten schon vor Einreichung eines Patientenfalles eine Einschätzung der Fallkomplexität ermöglicht und damit die Fallauswahl erleichtert. Ergänzend dazu visualisiert ein klinischer Outcome Simulator mögliche Behandlungsergebnisse auf Basis von Scans und liefert in kürzester Zeit ein individuelles, persönliches Smile-Ergebnis – direkt am Behandlungsstuhl, noch bevor ein Fall final eingereicht oder bestellt wird. Das ist besonders für die Patientenkommunikation ein großer Vorteil, weil Therapieziele frühzeitig verständlich werden und Patientinnen und Patienten so sehr schnell ein mögliches Ergebnis ihrer Behandlung sehen (Abb. 2). Gleichzeitig lässt sich dieser strukturierte Workflow auch in interdisziplinäre Behandlungskonzepte integrieren, etwa dann, wenn Zahnstellungen im Vorfeld restaurativer oder implantologischer Maßnahmen vorbereitet werden.

Abb. 2: Visualisierung im Ersttermin: Der klinische Outcome Simulator zeigt auf Basis von Scans in kürzester Zeit ein individuelles SmileErgebnis, direkt am Behandlungsstuhl, noch vor finaler Fallfreigabe oder Bestellung. Das erleichtert die Patientenkommunikation und erhöht die Akzeptanz für den Therapiebeginn. Dr. C. Baumgärtel, Siegen
Abb. 2: Visualisierung im Ersttermin: Der klinische Outcome Simulator zeigt auf Basis von Scans in kürzester Zeit ein individuelles SmileErgebnis, direkt am Behandlungsstuhl, noch vor finaler Fallfreigabe oder Bestellung. Das erleichtert die Patientenkommunikation und erhöht die Akzeptanz für den Therapiebeginn.

Wenn man das weiterdenkt: Wo zeigt sich der Nutzen von KI heute ganz konkret im Praxisalltag?

Manuel Tietze: Künstliche Intelligenz wirkt heute an mehreren entscheidenden Stellen gleichzeitig. Ein wichtiger Bereich ist die Unterstützung bei der Fallbewertung und Entscheidungsfindung. Darüber hinaus spielt sie eine zentrale Rolle bei der Simulation von Behandlungsergebnissen. Mit dem klinischen Outcome Simulator lassen sich mögliche Therapieergebnisse innerhalb weniger Minuten visualisieren. Das macht Therapieziele sowohl für den Behandler als auch für den Patienten deutlich greifbarer und verbessert nicht nur die Planbarkeit, sondern auch die Qualität der Patientenkommunikation und damit letztlich die Entscheidungsprozesse.

Welche zusätzliche Bedeutung hat in diesem Zusammenhang die Integration von DVT-Daten für die Behandlungsplanung?

Manuel Tietze: Die Integration von DVT-Daten in das Doktorportal erweitert die Planung um eine entscheidende diagnostische Dimension. Während klassische intraorale Scans primär die Zahnoberflächen abbilden, ermöglichen DVTAufnahmen die Visualisierung von Knochenstrukturen und Wurzeln. Dadurch entsteht ein deutlich umfassenderes klinisches Gesamtbild. In Kombination mit den weiteren tiefgreifenden Planungsfunktionen lässt sich die Behandlung präziser und individueller planen – mit einer entsprechend höheren Vorhersagbarkeit.

Mit ClearCorrect RemoteCare powered by Dental Monitoring wird das Monitoring ebenso Teil dieses Systems. Was verändert sich dadurch konkret im Behandlungsverlauf?

Manuel Tietze: Der entscheidende Unterschied ist, dass die Behandlung nicht mehr nur punktuell in der Praxis sichtbar ist, sondern kontinuierlich nachvollziehbar wird – auch zwischen den regulären Terminen. Mit ClearCorrect RemoteCare powered by Dental Monitoring nutzt ClearCorrect die Technologie von Dental Monitoring in einer gezielt integrierten, entschlackten Form, die direkt im Doktorportal verankert ist und ohne zusätzliche Systeme oder Tools auskommt.

Das Monitoring ist damit vollständig in den Workflow eingebunden – nicht als Zusatztool, sondern als integraler Bestandteil des Systems. Abweichungen lassen sich frühzeitig erkennen und gezielt steuern. Für die Praxis bedeutet das mehr Planbarkeit, eine bessere Terminsteuerung und zusätzliche Sicherheit im Behandlungsverlauf. Gleichzeitig profitieren auch die Patienten von einer engeren Begleitung während der Therapie (Abb. 3).

Abb. 3: Mit ClearCorrect RemoteCare powered by Dental Monitoring wird der Behandlungsverlauf per Smartphone App auch zwischen den Terminen nachvollziehbar. Die im Doktorportal integrierte Lösung ermöglicht ein frühzeitiges Erkennen von Abweichungen, steigert Planbarkeit und Effizienz in der Praxis und erleichtert eine sicherere Begleitung der Patienten. Dr. C. Baumgärtel, Siegen
Abb. 3: Mit ClearCorrect RemoteCare powered by Dental Monitoring wird der Behandlungsverlauf per Smartphone App auch zwischen den Terminen nachvollziehbar. Die im Doktorportal integrierte Lösung ermöglicht ein frühzeitiges Erkennen von Abweichungen, steigert Planbarkeit und Effizienz in der Praxis und erleichtert eine sicherere Begleitung der Patienten.

Welche Auswirkungen haben diese Entwicklungen konkret auf den Praxisalltag – auch im Hinblick auf neue therapeutische Optionen, etwa im Vorfeld prothetischer oder implantologischer Versorgungen?

Manuel Tietze: Wir sehen hier einen klaren Zusammenhang. Ein wachsender Markt trifft auf Technologien, die den Einstieg erleichtern und gleichzeitig Sicherheit in der Anwendung geben. Gerade für Allgemeinzahnärzte ist das entscheidend: Digitale Tools reduzieren Komplexität und schaffen eine verlässliche Grundlage für Behandlungsentscheidungen. Gleichzeitig verschiebt sich der Blick auf die Alignertherapie. Aligner werden zunehmend Teil interdisziplinärer Behandlungskonzepte, etwa zur Vorbereitung prothetischer oder implantologischer Versorgungen oder zur gezielten Optimierung von Funktion und Ästhetik. Das eröffnet neue therapeutische Spielräume und erweitert bestehende Workflows sinnvoll.

In diesem Kontext gewinnen Plattformen wie SmileCloud an Bedeutung. Sie ermöglichen es, Fälle interdisziplinär zu denken und gemeinsam zu planen – etwa im Zusammenspiel von Kieferorthopädie, Allgemeinzahnmedizin und Zahntechnik. Das geplante Behandlungsergebnis kann dabei nicht nur simuliert, sondern im Team abgestimmt und weiterentwickelt werden. So entsteht ein deutlich ganzheitlicherer Ansatz, der sowohl die funktionellen als auch die ästhetischen Aspekte integriert und für alle Beteiligten transparenter macht.

Welche Rolle spielen dabei digitale Plattformen und Netzwerke für die interdisziplinäre Zusammenarbeit?

Manuel Tietze: Plattformen wie SmileCloud zeigen, wohin die Entwicklung geht. Sie vernetzen unterschiedliche Disziplinen entlang eines gemeinsamen Falls und schaffen eine für alle Beteiligten zugängliche visuelle und funktionelle Planungsbasis. Das erleichtert nicht nur die Abstimmung zwischen Behandlern und Technik, sondern macht auch für den Patienten das angestrebte Ergebnis klarer nachvollziehbar.

Viele digitale Lösungen sind technisch überzeugend, scheitern aber im Alltag an Integration und Umsetzbarkeit. Wie stellen Sie sicher, dass diese erweiterten Möglichkeiten – von digitaler Planung bis zum Remote Monitoring – tatsächlich im Praxisalltag ankommen und nicht zusätzliche Komplexität erzeugen?

Manuel Tietze: Das ist ein ganz zentraler Punkt. Der Erfolg digitaler Lösungen entscheidet sich nicht an der Technologie selbst, sondern daran, wie gut sie sich in bestehende Abläufe integrieren lassen. Deshalb legen wir großen Wert auf durchgängige, intuitiv aufgebaute Workflows, die die Behandler unterstützen, ohne zusätzliche Komplexität zu erzeugen. Gleichzeitig investieren wir gezielt in Fortbildung und Training – mit einem klaren Fokus auf die praktische Anwendung.

Unsere Webinare und Trainingsformate greifen genau diese Schnittstellen auf und zeigen, wie sich Funktionen wie ClearCorrect RemoteCare powered by Dental Monitoring, der klinische Outcome Simulator oder das Case Assessment Tool konkret in den Praxisalltag integrieren lassen. Unser Ziel ist ganz klar, Technologie so zu gestalten und zu vermitteln, dass sie nicht als zusätzlicher Schritt wahrgenommen wird, sondern als echte Unterstützung im bestehenden Workflow.

Wenn man das alles zusammenführt – Workflow, KI und Integration in den Praxisalltag: Wo sehen Sie konkret die nächsten Entwicklungsschritte der Alignertherapie – auch im Zusammenspiel mit anderen Disziplinen?

Manuel Tietze: Wir werden die Alignertherapie künftig deutlich stärker interdisziplinär denken. Neben der klassischen kieferorthopädischen Anwendung spielt sie zunehmend eine Rolle in der präprothetischen und präimplantologischen Vorbereitung – zum Beispiel zur Schaffung optimaler Platzverhältnisse oder zur Verbesserung funktioneller und ästhetischer Ausgangssituationen. Auch im Kontext restaurativer Therapien ergeben sich neue Schnittstellen, zum Beispiel zur Vorbereitung minimalinvasiver Versorgungen oder zur Optimierung von Okklusion und Ästhetik im Gesamtkonzept. Der entscheidende Punkt ist dabei: Alignertherapie wird nicht mehr isoliert betrachtet, sondern als Bestandteil eines integrierten Behandlungskonzepts. Für die Praxis bedeutet das eine klare Chance: Wer beginnt, Aligner frühzeitig in bestehende Workflows zu integrieren, erweitert Behandlungsmöglichkeiten, strukturiert Abläufe und erschließt zusätzliche therapeutische Optionen.

Vielen Dank, Herr Tietze, für die Einblicke in die aktuellen Entwicklungen und deren konkrete Bedeutung für den Praxisalltag.

Quelle: Institut Straumann AG

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Redaktion Dentalwelt

Quellen

* https://www.fortunebusinessinsights.com/de/europamarktfrtransparentealigner107648
https://www.fortunebusinessinsights.com/de/industrieberichte/marktfrtransparentealigner101377

Die Literaturliste für die ZMK 6/2026 finden Sie beim zugehörigen E-Paper unter: ePaper – ZMK | Dentalwelt

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