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Studie

Chlorhexidin und Hyaluronsäure – eine Innovation im Bereich Mundspüllösungen?

Eine aktuelle Studie untersuchte die Wirkung von Chlorhexidin-(CHX-)Mundspüllösungen mit und ohne Hyaluronsäure (HA) nach minimalinvasiven parodontalchirurgischen Eingriffen. Die Ergebnisse zeigen, dass der HA-Zusatz die frühe Wundheilung deutlich beschleunigt: Bereits nach 3 Tagen hatten mehr Patienten mit CHX + HA eine vollständige Heilung als in den anderen Gruppen. Plaque- und Blutungsindizes wurden durch CHX kontrolliert, zytotoxische Effekte auf die Wundheilung traten nicht auf. Der Zusatz von HA zeigt somit einen relevanten klinischen Vorteil in den frühen Heilungsphasen.

Illustration von einem Glas mit Wasser, daneben eine Flasche, daneben ein Zahn und eine Zahnbürste. freepik
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Hintergrund

Die Empfehlung zur Verwendung von Mundspüllösungen erfolgt in einer Zahnarztpraxis nahezu täglich. Meist handelt es sich dabei – berechtigterweise – um Chlorhexidin-(CHX-)haltige Produkte. Lösungen auf CHX-Basis werden insbesondere aufgrund ihrer hohen und breiten antimikrobiellen Wirksamkeit gern verschrieben. Sie gelten daher seit Jahrzehnten als gut untersuchter Goldstandard. CHX hilft, ruft aber auch immer wieder Kontroversen hervor. Das betrifft die häufig auftretenden Verfärbungen, eine mögliche Resistenzentwicklung bei Langzeitgebrauch oder auch etwaige zytotoxische Effekte auf bestimmte Zellen mit möglichen Störungen der frühen Wundheilung nach oral- und/oder parodontalchirurgischen Eingriffen. Daher gibt es – nach wie vor – eine kontinuierliche wissenschaftliche und industrielle Suche nach Optimierungen.

Gegenüber CHX ist das Thema Hyaluronsäure in unserem Fachgebiet noch relativ neu. Hyaluronsäure (HA) weist zahlreiche chirurgisch hochinteressante physiologische, darunter entzündungshemmende, antiödematöse, osteoinduktive und proangiogenetische Funktionen auf. Diese Eigenschaften werden mittlerweile auch in unterschiedlichen klinischen Settings, zunehmend auch in der Zahnmedizin zur Förderung der Wundheilung eingesetzt. Da stellte sich die Frage, ob ein HA-Zusatz zu einer CHX-Mundspüllösung eventuell klinische Vorteile hinsichtlich der Wundheilung nach parodontalchirurgischen Eingriffen hat.

Methodik

Dieser Frage wurde in einer randomisierten kontrollierten Studie einer italienisch-slowenischen Arbeitsgruppe nachgegangen. Eingeschlossen wurden 33 kaukasische Patienten mit residuellen erhöhten Sondierungstiefen ≥6 mm nach nichtchirurgischer parodontaler Therapie. Die Patienten wurden mittels minimalinvasiver parodontaler Operationstechniken unter Verwendung eines Papillenerhaltungslappens, ohne weitere die Regeneration des Zahnhalteapparates fördernde Maßnahmen operiert. Eine experimentelle Entlastungsinzision wurde zusätzlich angebracht. Anschließend erfolgte die zufällige Verteilung auf drei experimentelle Gruppen mit je 11 Patienten. Gruppe 1 (G1) erhielt eine CHX-haltige Mundspüllösung (0,2%), die ein ADS (anti-discoloration system) und HA (0,2%) enthielt, Gruppe 2 (G2) eine Mundspüllösung nur mit CHX (0,2%) und ADS und Gruppe 3 (G3) keine Mundspüllösung. Die Gruppen wurden zwei Wochen (Tag 3, 7, 14) nachverfolgt und folgende Parameter erfasst: Wundheilungs-Index (EHI nach Wachtel): Score 1 (kompletter Wundverschluss und keine Fibrinbeläge) – graduelle Verschlechterung der Wundheilung – bis Score 5 (vollständige Nekrose der interdentalen Gewebe), Blutungs- und Plaque-Index.

Ergebnisse

Nach 3 Tagen wurde eine vollständige Heilung bei 8 Patienten in G1, 4 Patienten in G2 und 3 Patienten in G3 festgestellt. Die Unterschiede zwischen G1 vs. G2 und G3 waren signifikant. Nach 7 Tagen hatten sich die Werte leicht verändert und sahen folgendermaßen aus: 10 Patienten in G1, 6 Patienten in G2 und in G3 weiterhin bei 3 Patienten. Zur Abschlussuntersuchung nach 14 Tagen hatten sich die Werte in G2 und G3 verändert und lagen jetzt bei 7 bzw. 4 Patienten. Zum Zeitpunkt 2 und 3 waren die Unterschiede zwischen allen Vergleichskonstellationen statistisch signifikant. Die Auswertung der Plaque- und Blutungs-Indizes wiesen leichte Variationen auf, statistisch signifikante Unterschiede bestanden aber zu den drei Zeitpunkten eher im Vergleich der beiden CHX-Gruppen zur Kontrolle.

Klinische Schlussfolgerungen

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Die hier durchgeführte klinische Studie bestätigt zunächst das Potenzial von CHX (+ADS), die Plaque-Akkumulation und die gingivale Entzündung zu kontrollieren. Wichtig: Eine negative Beeinflussung der frühen Wundheilung durch etwaige zytotoxische Effekte auf bestimmte Zellpopulationen in den CHX-Gruppen konnte nicht beobachtet werden. Interessant waren die Effekte durch den Zusatz von Hyaluronsäure. Hierzu wurden verschiedene Auswertungen von den Autoren durchgeführt. Der Parameter Anzahl der Patienten mit vollständiger Heilung der zwei Inzisionen zu den drei Zeitpunkten erschien dabei am eindrücklichsten. Hier zeigt sich deutlich, dass sich die beiden CHX-Gruppen im Vergleich zur Kontrolle und auch untereinander statistisch signifikant und vor allem klinisch relevant unterscheiden. Das bedeutet, dass der Zusatz von HA offenbar einen wesentlichen klinischen Effekt, insbesondere auf die frühen Phasen der Wundheilung, zu haben scheint. Eine Anmerkung gehört mittlerweile zur guten wissenschaftlichen Praxis dazu: Die Studie und zwei Autoren werden durch die Firma, welche die Mundspüllösung produziert, finanziell unterstützt.

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