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Allgemeine Abrechnung

Implantatgetragene Stegarbeiten – konventionell oder digital?

Stegarbeiten werden häufig in der Prothetik eingesetzt, um eine stabilere und funktionellere Prothese zu schaffen. Ein Steg kann benutzt werden, um fehlende Zähne zu ersetzen und gleichzeitig die Verankerung der Prothese zu verbessern. Verschiedenste Materialien, wie Metall oder Kunststoff, kommen dabei zum Einsatz. Was es bei der Abrechnung implantatgetragener Stegarbeiten zu berücksichtigen gibt, zeigt Stefan Sander anhand zweier Abrechnungsbeispiele.

. rawpixel.com
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Grundsätzlich gehören implantatgetragene Stegversorgungen nicht in den Bereich der Regelversorgungen. Das bedeutet, dass hier die BEB in der Abrechnung anzuwenden ist. Sollten im Produktionsprozess alle oder einige Arbeitsschritte digital erfolgen, so sind ggf. neue Leistungen anzulegen.

Ebenso muss in der Abrechnung berücksichtigt werden, inwiefern externe Dienstleister (z.B. Fräszentren) in den Herstellungsprozess mit eingebunden werden. In einer konventionellen Anfertigung reichen in der Regel die vorhandenen Leistungen der BEB für eine detaillierte Rechnungserstellung aus. Unabhängig von der Herstellungsvariante sind im Vorfeld folgende Fragen zwingend zu beantworten:

  • An welcher Stelle sind Anproben erforderlich?
  • An welcher Stelle werden weitere Abformungen benötigt?
  • Wie wird die Fertigstellung erbracht? Werden Leistungen an externe Dienstleister ausgegliedert?
  • Welches Steg- bzw. welches Implantatsystem wird verwendet?

Abrechnung einer Stegarbeit – konventionelle Anfertigung

Auftrag 1
Patient/-in PKV
  • UK-Teleskop-Stegprothese auf den Implantaten 33, 32, 42, 44
  • Steg als Extensionssteg konventionell (gegossen), sekundär Galvano mit Tertiärstruktur
  • Bitte diagnostische Aufstellung auf Situationsmodell anfertigen
  • Ersetzte Zähne auf- und fertigstellen Angelieferte Unterlagen: Abdrücke, Gesichtsbogen
BEB 97 Menge   Text
0732 4 Desinfektion 3 x für die Abformungen
1 x für die Aufstellung
0002 1 Modell aus Superhartgips  für individuellen Löffel
0002 1 Modell aus Superhartgips Gegenbissmodell
0002 1 Modell aus Superhartgips für diagnostische Aufstellung
0253 je Split-Cast-Sockel an Modell  
0405 1 Modellmontage in individuellen Artikulator II  
0408 je Montage eines Gegenkiefermodelles  
1003 1 Basis aus Kunststoff  
0834 14 Diagnostisches Aufstellen von Konfektionszähnen für die anatomische Erstaufstellung
0303 2 Modell ausblocken 1 x für BEB L-Nr. 1003
1 x für BEB L-Nr. 1008
1xxx 4 Kamingestaltung für Implantatabformung, je Abformpfosten neue Leistung
1008 1 Funktions-/individueller Löffel aus Kunststoff für Implantate  
    Implantatabformung und Kontrolle der anatomischen Erstaufstellung in der Praxis  
0732 1 Desinfektion  
0224 4 Modellimplantat/Abdruckpfosten repositionieren Position leicht umbenannt
0010 1 Spezialmodell  
0223 je Zahnfleischmaske, abnehmbar je Zahneinheit berechenbar
1225 1 Implantat-Kontrollschablone je Kiefer berechenbar
1012 1 Basis aus Kunststoff auf Implantat  
1111 1 Bisswall aus Wachs auf Basis  
    Kontrolle der Mundsituation zum Spezialmodell mittels Implantat-Kontrollschablone und Bissnahme  
0253 je Split-Cast-Sockel an Modell  
0408 je Montage eines Gegenkiefermodelles  
2973 1-4 Bearbeiten eines Implantatkopfes  
2974 1-4 Drehsicherungsstopp bei Implantat  
2971 4 Aufwand Suprastruktur auf zementiertem Implantat  
0303 1 Modell ausblocken für BEB L-Nr. 1005
1005 1 Individueller Löffel aus Kunststoff für Primäranprobe
3001 4 Teleskopkrone primär  
1201 4 Übertragungskappe Kunststoff für die Fixierung im Abdruck
3031 1 Individueller Steg, Grundeinheit  
3032 5 Individueller Steg, Längeneinheit  
3525 3 Stegabknickung  
2965 4 Zuschlag für Arbeiten unter Stereomikroskop  
0732 1 Desinfektion  
    Anprobe Primärsteg und individuelle Abformung (Primärsteg „steckt“ im Abdruck)  
0732 1 Desinfektion  
0224 4 Modellimplantat/Abdruckpfosten repositionieren Position leicht umbenannt
    Wenn der/die Zahntechniker/-in die Abutments und die Laborimplantate nicht verwendet und anstelle derer Kunststoffstümpfe erstellt, fällt die BEB L-Nr. 0224 weg.  
0105 4 Stumpf aus Kunststoff alternativ zur BEB L-Nr. 0224
0010 1 Spezialmodell  
0223 je Zahnfleischmaske, abnehmbar je Zahneinheit berechenbar
1201 4 Übertragungskappe Kunststoff für die Übertragung vom neuen Spezialmodell auf das Fräsmodell
0019 1 Frässockel  
0118 4 Implantatfrässtumpf  
3101 4 Umlaufende Fräsung  
3xxx 4 Galvano-Sekundärteleskop neue Leistung
3xxx je Galvano-Sekundärelement neue Leistung, für die Sekundärelemente am Steg
4922 je Steganpassung je Zahneinheit (Galvano vs. Primärsteg)
1251 1 Vorwall zur Kontrolle von anatomischer Aufstellung zum Steg
0303 1 Modell ausblocken für die Tertiärstruktur
0241 1 Dublieren eines Modelles oder Modellteiles  
0011 1 Modell aus feuerfester Masse  
4xxx 9 Tertiärstruktur für Klebung, je Zahneinheit neue Leistung
5307 9 Metallfläche konditionieren  
5102 9 Lötfreie Verbindung Sekundärteil für die Verklebung von Galvano in Tertiärstruktur
2965 je Zuschlag für Arbeiten unter Stereomikroskop je Zahneinheit
    Ggf. bereits Gesamtanprobe  
6001 1 Grundeinheit Aufstellung  
6003 14 Aufstellung auf Metallbasis, je Zahn  
0732 1 Desinfektion  
    Gesamtanprobe mit Prüfung der Aufstellung, ggf. Bissnahme und evtl. Umstellung einzelner Zähne  
0253 je Split-Cast-Sockel an Modell wenn keine Bissnahme gemacht wurde, entfällt diese Leistung
0408 je Montage eines Gegenkiefermodelles wenn keine Bissnahme gemacht wurde, entfällt diese Leistung
6009 je Umstellen je Zahneinheit wenn eine Umstellung erforderlich ist
6311 1 Grundeinheit Fertigstellung  
5308 je Modellgussteil konditionieren  
6312 14 Fertigstellen auf Modellguss, je Zahn  
6471 4 Aufwand bei Fertigstellung über Implantat  
0732 1 Desinfektion  
0701 je Versand je Versandgang je Versandgang
Mat. g AGC Galvano-Gold  
Mat. g Edelmetall  
Mat. 4 Modellimplantate  
Mat. 4 Implantatschrauben  
Mat. 4 Implantatkunststoffkappe  
Mat. 6 Konfektionszahn Frontzahn  
Mat. 8 Konfektionszahn Seitenzahn  

Diese umfangreiche Herstellungsdokumentation mit überwiegend konventionellen BEB-Leistungen zeigt sehr detailliert einen denkbaren Fertigungsprozess – viele weitere Herstellungsvarianten sind möglich. Eine der größten Herausforderungen bei solch großen Aufträgen ist das Erstellen von Kostenvoranschlägen und die damit verbundene Planung. Wie würde sich jedoch die Dokumentation verändern, wenn dieser Auftrag (teil-)digital erstellt würde?

In diesem Falle stellen sich weitere Fragen:

  • Werden alle Leistungen selbst erbracht?
  • Wird ein externer Dienstleister einbezogen?
  • Werden digitale Leistungen teilweise outgesourct?
  • Wie erfolgt die Fertigstellung?
  • An welcher Stelle gibt es Anproben oder Abformungen?
  • Wird der Steg (primär und sekundär) gleichzeitig oder nacheinander (mit Anprobe) hergestellt?

Abrechnung selbiger Stegarbeit in teildigitaler Anfertigung

Auftrag 2
Patient/-in PKV
  • UK-Teleskop-Stegprothese auf den Implantaten 33, 32, 42, 44
  • Steg als Extensionssteg (CAD/CAM)
  • Bitte diagnostische Aufstellung auf Situationsmodell anfertigen
  • Ersetzte Zähne auf- und fertigstellen Angelieferte Unterlagen: Abdrücke, Gesichtsbogen
BEB 97 Menge   Text
0732 4 Desinfektion 3 x für die Abformungen
1 x für die Aufstellung
0002 1 Modell aus Superhartgips für individuellen Löffel
0002 1 Modell aus Superhartgips Gegenbissmodell
0002 1 Modell aus Superhartgips für diagnostische Aufstellung
0253 je Split-Cast-Sockel an Modell  
0405 1 Modellmontage in individuellen Artikulator II  
0408 je Montage eines Gegenkiefermodelles  
1003 1 Basis aus Kunststoff  
0834 14 Diagnostisches Aufstellen von Konfektionszähnen für die anatomische Erstaufstellung
0303 1 Modell ausblocken 1 x für BEB L-Nr. 1003
1xxx 4 CAD/CAM Kamingestaltung für Implantatabformung, je Abformpfosten neue Leistung
0xxx 1 CAD/CAM Modell ausblocken neue Leistung, 1 x für BEB L-Nr. 1xxx
1xxx 1 3D Funktionslöffel für Implantate, offene Abformung, konstruiert neue Leistung
1xxx 1 3D Funktionslöffel für Implantate, offene Abformung, gedruckt neue Leistung
    Implantatabformung und Kontrolle der anatomischen Erstaufstellung in der Praxis  
0732 1 Desinfektion  
0224 4 Modellimplantat/Abdruckpfosten repositionieren Position leicht umbenannt
0010 1 Spezialmodell  
0223 je Zahnfleischmaske, abnehmbar je Zahneinheit berechenbar
1225 1 Implantat-Kontrollschablone je Kiefer berechenbar
0xxx 1 CAD/CAM Modell ausblocken neue Leistung
1xxx 1 3D Basis, konstruiert neue Leistung
1xxx 1 3D Basis, gedruckt neue Leistung
1111 1 Bisswall aus Wachs auf Basis  
    Kontrolle der Mundsituation zum Spezialmodell mittels Implantat-Kontrollschablone und Bissnahme  
0253 je Split-Cast-Sockel an Modell  
0408 je Montage eines Gegenkiefermodelles  
2973 1-4 Bearbeiten eines Implantatkopfes  
2974 1-4 Drehsicherungsstopp bei Implantat  
2971 4 Aufwand Suprastruktur auf zementiertem Implantat  
0xxx 1 CAD/CAM Modell ausblocken neue Leistung
1xxx 1 3D individueller Löffel, konstruiert neue Leistung
1xxx 1 3D individueller Löffel, gedruckt neue Leistung, für Primäranprobe
2xxx 1– Modellsegment CAD/CAM vorbereiten neue Leistung
0xxx 1– Anlage der Scandaten neue Leistung
0xxx 1– Digitaler Datenversand neue Leistung
0xxx 1– Modell scannen neue Leistung
0xxx 4 Abutment scannen neue Leistung
2xxx 4 Konstruktion eines CAD-Primärteleskopes neue Leistung
2xxx 5 Konstruktion eines CAD-Steges (primär), je Zahneinheit neue Leistung
2xxx 1– Nutzung des virtuellen Artikulators neue Leistung
2xxx 4 CAM-Fräsen/-Schleifen einer CAD-Einheit (Primärteleskop) neue Leistung
2xxx 5 CAM-Fräsen/-Schleifen einer CAD-Einheit (Steg (primär)) neue Leistung
2xxx 4 CAM-Einheit – manuelle Feinjustage unter Stereomikroskop (Primärteleskop) neue Leistung
2xxx 5 CAM-Einheit – manuelle Feinjustage unter Stereomikroskop (Steg, je Zahneinheit) neue Leistung
1201 4 Übertragungskappe Kunststoff für die Fixierung im Abdruck
0732 1 Desinfektion  
    Anprobe Primärsteg und individuelle Abformung (Primärsteg „steckt“ im Abdruck)  
0732 1 Desinfektion  
0224 4 Modellimplantat/Abdruckpfosten repositionieren Position leicht umbenannt
    Wenn der/die Zahntechniker/-in die Abutments und die Laborimplantate nicht verwendet und anstelle derer Kunststoffstümpfe erstellt, fällt die BEB L-Nr. 0224 weg.  
0105 4 Stumpf aus Kunststoff alternativ zur BEB L-Nr. 0224
0010 1 Spezialmodell  
0223 je Zahnfleischmaske, abnehmbar je Zahneinheit berechenbar
0xxx je Modell scannen neue Leistung
0xxx 4 Primärteleskop taktil scannen neue Leistung
0xxx 5 Steg taktil scannen, je Zahneinheit neue Leistung
2xxx 4 Konstruktion eines CAD-Teleskops (sekundär), je Zahneinheit neue Leistung
2xxx 5 Konstruktion eines CAD-Steges (sekundär), je Zahneinheit neue Leistung
2xxx 2 Konstruktion einer CAD-Retention, je Retention neue Leistung
2xxx 4 CAM-Fräsen/-Schleifen einer CAD-Einheit (Sekundärteleskop) neue Leistung
2xxx 5 CAM-Fräsen/-Schleifen einer CAD-Einheit (Steg (sekundär)), je Zahneinheit neue Leistung
2xxx 5 CAM-Fräsen/-Schleifen einer CAD-Vollkrone (Steg (primär)) neue Leistung
2xxx 4 CAM-Einheit – manuelle Feinjustage unter Stereomikroskop (Primärteleskop) neue Leistung
2xxx 5 CAM-Einheit – manuelle Feinjustage unter Stereomikroskop (Steg, je Zahneinheit) neue Leistung
2xxx 2 CAM-Fräsen/-Schleifen einer CAD-Retention, je Retention neue Leistung
2xxx 4 CAM-Einheit – manuelle Feinjustage unter Stereomikroskop (Sekundärteleskop) neue Leistung
2xxx 5 CAM-Einheit – manuelle Feinjustage unter Stereomikroskop (Steg, je Zahneinheit) neue Leistung
0xxx 1 CAD/CAM Modell ausblocken neue Leistung
1xxx 1 3D Basis, konstruiert neue Leistung
1xxx 1 3D Basis, gedruckt neue Leistung
1111 1 Bisswall aus Wachs auf Basis  
1251 1 Vorwall zur Kontrolle von anatomischer Aufstellung zum Steg
2965 je Zuschlag für Arbeiten unter Stereomikroskop je Zahneinheit
0732 1 Desinfektion  
    Ggf. bereits Gesamtanprobe  
6001 1 Grundeinheit Aufstellung  
6003 14 Aufstellung auf Metallbasis, je Zahn  
0732 1 Desinfektion  
    Gesamtanprobe mit Prüfung der Aufstellung, ggf. Bissnahme und evtl. Umstellung einzelner Zähne  
0253 je Split-Cast-Sockel an Modell wenn keine Bissnahme gemacht wurde, entfällt diese Leistung
0408 je Montage eines Gegenkiefermodelles wenn keine Bissnahme gemacht wurde, entfällt diese Leistung
6009 je Umstellen je Zahneinheit wenn eine Umstellung erforderlich ist
6311 1 Grundeinheit Fertigstellung  
5308 je Modellgussteil konditionieren  
6312 14 Fertigstellen auf Modellguss, je Zahn  
6471 4 Aufwand bei Fertigstellung über Implantat  
0732 1 Desinfektion  
0701 je Versand je Versandgang je Versandgang
Mat. g Fräsmaterial  
Mat. 4 Modellimplantate  
Mat. 4 Implantatschrauben  
Mat. 4 Implantatkunststoffkappe  
Mat. 6 Konfektionszahn Frontzahn  
Mat. 8 Konfektionszahn Seitenzahn  

Diese beiden Herstellungsvarianten zeigen sehr gut die Probleme in der Dokumentation und in der Abrechnung auf. Sehr viele Unwägbarkeiten sind grundsätzlich im Vorfeld zu erkennen und zu berücksichtigen. Leider sind nicht immer alle notwendigen Informationen im Planungsstadium bekannt.

Wie würde sich beispielsweise die Abrechnung verändern, wenn intraorale Scandaten vorliegen würden? Erschwerend kommt hinzu, dass in der Regel mit der BEB 97 abgerechnet wird. In dieser BEB sind keine CAD/CAM- und 3D-Leistungen vorhanden und müssen entsprechend angelegt und kalkuliert werden.

Der oft unterschätzte Vorteil in der zahntechnischen Abrechnung liegt in der Möglichkeit, dass alle nicht vorhandenen Leistungen in der BEB selbst angelegt werden können. Es ist jedoch nicht ratsam, pauschale Leistungen, wie z.B. „3xxx – CAD/CAM-Steg, je Zahneinheit“, anzulegen.

Denn Ziel ist es, mit diesen neuen Leistungen eine größtmögliche Flexibilität zu erreichen, damit auf unterschiedliche Anforderungen mit entsprechenden Leistungen reagiert werden kann. Auch ist ein Vergleich nur über das Endprodukt nicht empfehlenswert, da sich die Herstellungsprozesse im Einzelfall sehr voneinander unterscheiden können.

Fazit

Es lohnt sich, die konventionellen Methoden um digitale Varianten zu ergänzen. Standard-BEB-Leistungen bleiben bestehen und werden um neue CAD/CAM-/3D-Leistungen ergänzt. Dies ermöglicht ein individuelles Abrechnen und erzeugt eine transparente Dokumentation über den Herstellungsprozess, der auch für die MDR (EU2017/745) von Bedeutung ist.

Weitere Angaben

Die Abrechnungshinweise sind vom Autor nach ausführlicher Recherche erstellt worden. Haftung und Gewährleistung werden jedoch ausgeschlossen.

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