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Interview

Neue Qualität der Behandlung durch Digitalisierung

Am Rande der exocad Insights 2026 traf sich Dr. Jan-Friedrich Dehner mit der Zahnärztin, Referentin und digitalen Vorreiterin Michaela Sehnert. Sie hatte vor zehn Jahren eine Praxis in Halle (Saale) übernommen und diese mit Charme und Neugier zu einem leuchtenden Beispiel für digitale Zahnheilkunde etabliert. Die mitreißende Energie, mit der sie sich für ihr Ziel einsetzte, ist immer noch zu spüren.

Zahnärztin Michaela Sehnert ist Expertin für digitale Chairside-Versorgungen. Als Referentin der exocad Insights 2026 begeisterte Sie das Publikum auf Palma de Mallorca. exocad
Zahnärztin Michaela Sehnert ist Expertin für digitale Chairside-Versorgungen. Als Referentin der exocad Insights 2026 begeisterte Sie das Publikum auf Palma de Mallorca.
Zahnärztin Michaela Sehnert ist Expertin für digitale Chairside-Versorgungen. Als Referentin der exocad Insights 2026 begeisterte Sie das Publikum auf Palma de Mallorca.
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Sie haben vor zehn Jahren eine bereits bestehende Zahnarztpraxis übernommen. Was war damals Ihr Antrieb, die Zahnheilkunde so konsequent digital auszurichten?

Einer der größten Gründe für die Selbstständigkeit war für mich, dass ich endlich selbst Entscheidungen treffen kann. Vorher war ich angestellt und da war es nicht so einfach Ideen gerade im Bereich der Digitalisierung umzusetzen. Denn in vielen Praxen bestehen Prozesse schon seit Jahren oder Jahrzehnten. Das ist auch verständlich, weil Vieles lange funktioniert hat. Aber es ist unglaublich schwer, als jemand Neues zu sagen ‚Das müssen wir jetzt anders machen, das ist die Zukunft‘.

Und genau das wollte ich. Ich wollte Dinge ausprobieren dürfen. Ich wollte sagen können: ‚Wir testen das jetzt.‘ Und wenn es nicht funktioniert, dann werfen wir es eben wieder weg. Natürlich macht man Fehler dabei und natürlich kostet manches auch Geld. Aber ich habe relativ früh verstanden, dass Digitalisierung eben nicht nur bedeutet, irgendeine neue Technik zu kaufen, sondern dass sie die Qualität der Behandlung verändert.

Sehen Sie die Vorteile der Digitalisierung eher auf Behandlerseite oder bei den Patienten?

Ganz klar auf beiden Seiten. Früher war es oft so, dass der Patient zum Zahnarzt kam, dem Arzt vertraute und allem zustimmte. Heute wollen Menschen verstehen, warum etwas gemacht werden muss. Und das finde ich auch richtig.

Wenn ich einem Patienten heute einen Scan zeigen kann und dort sieht er Abrasionen, schiefe Zähne oder Veränderungen, die über mehrere Jahre hinweg entstanden sind, dann versteht er plötzlich, was mit seinem Körper passiert. Dann ist das keine abstrakte Diagnose mehr. Das verändert die Kommunikation komplett.

Und für uns als Behandler bedeutet Digitalisierung vor allem eine bessere Planung. Viele Fehler entstehen nicht während der Behandlung, sondern davor – weil man Dinge nicht richtig gesehen oder eingeschätzt hat. Gerade in der Implantologie oder Prothetik kann ich digital viel präziser arbeiten. Implantate können genauer geplant werden, OP-Zeiten werden kürzer und das Ergebnis wird vorhersehbarer. Das spart Zeit, Geld und Nerven – für alle Beteiligten.

War Ihre Entwicklung eher ein gezielter Weg oder viel „Trial and Error“?

Beides. Ich hatte schon im Studium erste Berührungspunkte mit digitalen Systemen. Aber in der Praxis war es dann wirklich oft „Trial and Error“. Erst kam der Scanner, dann die Fräse – und dann stellte man fest, dass etwas noch nicht optimal funktioniert. Heute sind die Systeme natürlich deutlich besser. Früher lag es manchmal an der Technik, heute liegt es eher am Menschen am Computer. Aber die größte Herausforderung war tatsächlich, den Workflow zu finden, der zu uns passt. Es gibt mittlerweile so viele Anbieter. Man braucht daher Lösungen, die wirklich alltagstauglich sind.

Welche Meilensteine waren für Sie besonders wichtig?

Ganz klar die Zusammenarbeit mit Firmen wie Align Technology oder exocad. Dort durfte ich neue Technologien testen und teilweise schon sehr früh Feedback geben. Das Spannende daran ist, dass man plötzlich nicht mehr nur Anwender ist, sondern darüber nachdenkt, wie Zahnmedizin in zwei oder drei Jahren aussehen könnte. Das hat meinen Blick auf Behandlung und Praxisführung total verändert. Man denkt plötzlich viel größer – nicht nur aus Sicht des Zahnarztes, sondern auch aus Sicht des Teams und der Patienten.

Auf welches digitale Tool würden Sie heute niemals mehr verzichten wollen?

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Ganz klar: den Intraoralscanner. Und ich glaube, wenn man mein Team fragen würde, würden die wahrscheinlich eher auf die Zahnärzte verzichten als auf den Scanner.

Der Scanner ist bei uns längst nicht mehr nur eine digitale Abdruckmaschine. Er ist Aufklärungsinstrument, Planungstool und Kommunikationsmittel gleichzeitig. Wir schauen uns die Scans teilweise schon vor der Behandlung in Ruhe im Büro an. Das gibt uns die Möglichkeit, Fälle besser zu analysieren und Patienten viel gezielter abzuholen. Das verändert die gesamte Behandlungssituation.

Welches Produkt fehlt Ihrer Meinung nach noch?

Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass uns noch mehr KI oder noch mehr Technik fehlt. Davon haben wir momentan schon unglaublich viel. Was manchmal fehlt, ist eher wieder etwas Menschliches. Etwas, das Teams stärker einbindet und Mitarbeitern zeigt, dass Zahnmedizin eben viel mehr ist als nur Assistenzarbeit. Dieser Beruf hat Visionen, Zukunft und unglaublich viele Möglichkeiten.

Ist der Fachkräftemangel für Sie ein Thema?

Aktuell tatsächlich nicht. Wir bekommen regelmäßig Bewerbungen – sowohl von Zahnärzten als auch von Praxispersonal. Natürlich haben wir eine moderne Praxis mit vielen Benefits aufgebaut, aber gleichzeitig ist die Arbeit bei uns auch anspruchsvoll. Ich glaube, viele merken einfach, dass wir hier gemeinsam etwas entwickeln wollen. Das spricht sich herum – über Patienten, über Mitarbeiter und natürlich auch über Social Media.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Dr. Jan-Friedrich Dehner, redaktioneller Beirat für Implantologie und Oralchirurgie, ZMK.

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