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Dentalmarkt

Dentalwirtschaft im Strukturwandel – Herausforderungen zur Innovation

Das deutsche Marktforschungsunternehmen Rebmann Research beschäftigt sich seit rund 30 Jahren mit dem Markt der Heilberufe. Ein Fokus liegt dabei auf dem Dentalmarkt, zu dem das Unternehmen mit dem Format „Atlas Dental“ in Zusammenarbeit mit der „Gesellschaft zur Förderung der Dental-Industrie (GFDI)“ bereits mehrere internationale Studien veröffentlicht hat. Auf der „Zahntechnik Plus“ in Leipzig stellte Geschäftsführer Dr. Bernd Rebmann aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen im Dentalbereich vor, die er hier nochmals für die Leser des ZAHNTECHNIK MAGAZINs zusammenfasst.

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Strukturelle Stabilität trotz Dynamik

Die Dentalwirtschaft in Deutschland präsentiert sich in der langfristigen Betrachtung als bemerkenswert stabil. Trotz technologischer Fortschritte, regulatorischer Anpassungen und sich wandelnder Patientenbedürfnisse verändern sich die grundlegenden Marktstrukturen nur langsam. Obwohl eine Marktkonsolidierung zu beobachten ist – die Anzahl der Dentallabore ist seit dem Jahr 2000 um über 27 % gesunken, die der Zahnarztpraxen um rund 16 % (Abb. 1) –, bleibt der Markt stark fragmentiert. Es gibt eine große Zahl von Kleinbetrieben bei Dentallaboren bzw. von Einzelpraxen im zahnärztlichen Bereich.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Betrachtung der Anzahl und des Umsatzes von Dentallaboren nach Umsatzgrößenklassen (Abb. 2). Zwar hat sich der Umsatzanteil im Zeitraum von 2005 bis 2023 leicht zugunsten größerer Einheiten verschoben, doch dominieren weiterhin kleine und mittlere Betriebe das Marktgeschehen. Die Konsolidierung verläuft langsam und graduell, nicht disruptiv. Dieses scheinbare Paradoxon – Rückgang der Betriebe bei gleichzeitig anhaltender Kleinteiligkeit – lässt sich durch begrenzte Skaleneffekte, regionale Versorgungslogiken und die hohe Bedeutung persönlicher Netzwerke erklären, und vor allem damit, dass auch im zahnärztlichen Bereich Veränderungen nur langsam vonstattengehen: Bei den Hauptkunden der Dentallabore, den ambulanten zahnärztlichen Praxen, dominieren nach wie vor inhabergeführte Einzelpraxen mit einem Anteil von rund 80 % [2]. Unter denen, die eine zahnärztliche Praxis gründen wollen, ist die Einzelpraxis nach wie vor die beliebteste Niederlassungsform. Dazu trägt unter anderem bei, dass zusätzlich zum Inhaber oder zur Inhaberin immer häufiger auch angestellte Zahnärzte tätig sind. Entsprechend werden auch Neugründungen oft bereits als Mehrbehandlerpraxen konzipiert. Seit das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz im Jahr 2015 [2] rein zahnärztlich tätige Versorgungszentren, sogenannte Z-MVZ, ermöglicht, steigt der Anteil dieser Versorgungsform zwar rasant an – verbunden mit einer zunehmenden Beteiligung von Fremdinvestoren und einer Kettenbildung. Dennoch ist deren Anteil an der Gesamtzahl der an der ambulanten zahnärztlichen Versorgung beteiligten Betriebe mit (Stand Ende 2024) 4 % immer noch recht gering [2]. Betrachtet man die Entwicklung der Z-MVZ allerdings nach der Zahl der dort tätigen Zahnärzte, wird deutlich, dass Z-MVZ real eine wesentlich größere Bedeutung für die ambulante zahnmedizinische Versorgung in Deutschland zukommt, als eine reine Betrachtung nach Zahl der Betriebe vermuten lässt: Allein die in Z-MVZ angestellt tätigen Zahnärzte stellen rund 8 % der (Stand Mitte 2025) insgesamt 63.049 in der ambulanten Versorgung tätigen Zahnärzte [3]. Werden zusätzlich noch zahnärztliche Z-MVZ-Inhaber einbezogen, dürften inzwischen mehr als 5.900 bzw. rund 9,4 % der insgesamt an der vertragszahnärztlichen Versorgung beteiligten Zahnärzte in Z-MVZ tätig sein [4].

Der Grad der Marktkonsolidierung wird im zahnärztlichen Bereich häufig auch anhand der in Ketten organisierten, investorengeführten Zahnarztpraxen beurteilt. Hierzu liefert die anlässlich der 41. IDS 2025 erschienene Atlas Dental Sonderausgabe nähere Informationen: Während in Deutschland der Anteil investorengeführter und in Ketten organisierter Zahnarztpraxen 2022 lediglich bei 1,1 % lag, zeigt sich die Kettenbildung in anderen europäischen Ländern bereits deutlich stärker fortgeschritten (Abb. 3). Die höchsten Anteile von in Ketten organisierten Zahnarztpraxen wiesen das Vereinigte Königreich und Spanien mit einem Anteil von 38 bzw. 20 % auf. Inzwischen dürfte diese Entwicklung noch weiter fortgeschritten sein [5].

Abb. 1: Betriebsdichte und Standortentwicklung von Dentallaboren und ZahnarztpraxenAtlas Medicus® (2026), Datenstand Karten: 2/2025 [1]
Abb. 1: Betriebsdichte und Standortentwicklung von Dentallaboren und Zahnarztpraxen
Abb. 2: Anteil Labore und Umsatz nach Umsatzgrößenklassen im Vergleich 2005/2023Statistisches Bundesamt, Umsatzsteuerstatistik; Berechnungen und Darstellung Rebmann Research
Abb. 2: Anteil Labore und Umsatz nach Umsatzgrößenklassen im Vergleich 2005/2023
Abb. 3: Entwicklung des Anteils von in Ketten organisierten, investorengeführten Zahnarztpraxen in verschiedenen europäischen Ländern GFDI (2025): Atlas Dental Sonderausgabe zur 41. IDS 2025
Abb. 3: Entwicklung des Anteils von in Ketten organisierten, investorengeführten Zahnarztpraxen in verschiedenen europäischen Ländern

Auch bei Dentallaboren ist zu beobachten, dass immer häufiger Ketten gebildet werden oder Unternehmen fusionieren – eine Entwicklung, die sich perspektivisch verstärken dürfte, da im Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung eine hohe Zahl an Betriebsab- bzw. aufgaben ansteht. Diese vielfältigen Übernahmemöglichkeiten nutzen Praxis- und Laborketten, die ihre Marktmacht steigern und damit auch den Preisdruck auf kleinere Unternehmen.

Neben dem Trend zu größeren Einheiten, der auf Skaleneffekte und eine Mengenmaximierung abzielt, lässt sich im zahnärztlichen Bereich auch ein gegenläufiger Trend beobachten: der Trend hin zur Boutique-Praxis, deren Wirtschaftlichkeitskonzept auf höheren Einnahmen je Patient und einem überdurchschnittlichen Anteil privat finanzierter Leistungen basiert. Erreicht wird dies in der Regel durch eine starke Patienten- und Serviceorientierung sowie durch klar definierte Behandlungsschwerpunkte. Für diesen persönlichen, patientenorientierten Ansatz eignen sich insbesondere kleinere Praxisstrukturen.

Rentabilität auf hohem Niveau – begrenztes Steigerungspotenzial

Der seit Jahren stetig voranschreitende, langsame Konsolidierungsprozess wird begleitet von einer fortlaufenden Optimierung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, sowohl bei Zahnarztpraxen als auch bei Dentallaboren. So hat sich die Umsatzrentabilität der Labore im Zeitraum 2010 bis 2023 leicht von 19,9 % auf 21,4 % erhöht – bei gleichzeitig stabiler Streuung (Abb. 4).

Abb. 4: Entwicklung der Umsatzrentabilität bei Dentallaboren 2010–2023Deutscher Sparkassenverlag GmbH [6], Darstellung Rebmann Research
Abb. 4: Entwicklung der Umsatzrentabilität bei Dentallaboren 2010–2023

Diese Zahlen verdeutlichen: Die Branche arbeitet bereits auf einem hohen Effizienzniveau. Klassische Optimierungshebel wie Einkauf, Personal und Prozesse sind bereits weitgehend ausgeschöpft. Weitere signifikante Rentabilitätssteigerungen sind daher kaum durch aufeinander aufbauende, schrittweise Verbesserungen zu erzielen, sondern erfordern strukturelle und technologische Innovationen.

Verschiebung der Leistungsbereiche

Trotz der vergleichsweise stabilen Betriebs- und Versorgungsstruktur hat sich die inhaltliche Ausrichtung der zahnmedizinischen Leistungen deutlich verschoben (Abb. 5). Während klassische konservierend-prothetische Leistungen weiterhin dominieren, gewinnen folgende Bereiche an Bedeutung:

  • Implantologie und komplexe Prothetik
  • Ästhetische Zahnmedizin
  • Digitale Rekonstruktionen (CAD/CAM)
  • Präventionsorientierte Leistungen
Abb. 5: Zahnmedizinische Gesundheitsausgaben nach Leistungsbereichen – Vergleich der Jahre 2000 und 2023Gesundheitsberichterstattung des Bundes [7], Darstellung Rebmann Research
Abb. 5: Zahnmedizinische Gesundheitsausgaben nach Leistungsbereichen – Vergleich der Jahre 2000 und 2023

Für Dentallabore bedeutet diese Entwicklung eine zunehmende Differenzierung der Leistungsanforderungen: höhere Präzision, kürzere Durchlaufzeiten und stärkere Integration digitaler Workflows. Gleichzeitig steigt der Wettbewerbsdruck im Bereich der standardisierbaren Leistungen. Der Massenmarkt ist folglich eher preisgetrieben und zunehmend standortunabhängig, während im Premiumbereich der lokale Laborpartner nach wie vor eine zentrale Rolle spielt. Durch die zunehmende Bedeutung digital/analog gemischter Workflows wird hier einerseits Stand der (digitalen) Technik erwartet, zugleich ist aber auch handwerkliches Können gefordert. Aufgrund der steigenden Komplexität von Technologien und Materialien einerseits sowie durch den zunehmenden Bezug nur von Chairside- oder Teilleistungen andererseits gewinnen Geschwindigkeit und Serviceorientierung an Bedeutung. Als Beispiel kann eine Aligner-Behandlung aufgeführt werden, bei der nur die Planung, also die Erstellung der CAD/CAM-Daten, im Dentallabor erfolgt, die Schienen aber in der Praxis vor Ort gedruckt werden.

Konkurrenz durch Praxislabore und Chairside-Trend

Ein wesentlicher struktureller Faktor ist die wachsende Bedeutung von Eigenlaboren in Zahnarztpraxen mit angestellten Zahntechnikern. Deren Zahl steigt seit Jahren langsam, aber stetig. Inzwischen verfügt fast jede fünfte Zahnarztpraxis über ein zahntechnikerbetriebenes Eigenlabor.

Insbesondere durch digitale Technologien wie Intraoralscanner, CAD/CAM-Fräsmaschinen und 3D-Druck verschiebt sich ein Teil der Wertschöpfung direkt in die Praxis. Die zunehmende Nachfrage nach Chairside Leistungen im Bereich der Zahntechnik ist sowohl auf die technologische Entwicklung als auch auf den Patientenwunsch nach einer schnelleren Versorgung („Same-Day Dentistry“) zurückzuführen, hat aber auch Qualitäts- und wirtschaftliche Gründe, da sie eine höhere Kontrolle über die Prozesse und zusätzliche Erlösquellen für Praxen bieten. Für klassische Dentallabore ergeben sich daraus sowohl Chancen als auch Risiken:

Risiko: Verlust standardisierter, margenstabiler Leistungen

Chance: Spezialisierung auf komplexe, hochwertige Arbeiten sowie digitale Dienstleistungsmodelle (zum Beispiel Designservices, Plattformlösungen).Langfristig dürfte sich eine arbeitsteilige Struktur etablieren, in der einfache Versorgungen zunehmend praxisintern erfolgen, während Labore ihre Rolle als hochspezialisierte Produktions- und Innovationspartner ausbauen. Für Dentallabore bedeuten diese Entwicklungen vor allem eines: Die Rolle als reiner Fertigungsbetrieb verliert an Bedeutung – gefragt sind zunehmend integrierte, flexible und innovationsgetriebene Dienstleistungsmodelle.

Innovationspotenziale: Technik und Organisation

Die größten Innovationspotenziale liegen derzeit in zwei Bereichen:

Technologische Innovationen

  • Zunehmend durchgängig digitale Prozessketten (Scan – Design – Fertigung
  • Additive Fertigung (3D-Druck) für Serien- und Individualprodukte
  • Automatisierung
  • Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) sowohl beim Designprozess als auch in der Fertigung
  • Vernetzung (Zahnarzt – Labor, aber auch bei firmeninternen Fertigungs- und Geschäftsprozessen)

Ein zentrales Problem von Investitionen in neue Technik bleibt jedoch die Amortisation: Viele der genannten Technologien entfalten ihr wirtschaftliches Potenzial erst bei entsprechender Skalierung – oft über einzelne Betriebe hinaus. Kooperationen, Netzwerke oder zentrale Produktionsstrukturen gewinnen daher an Bedeutung.

Organisatorische Innovationen

  • Verbundstrukturen und Labornetzwerke
  • Spezialisierung entlang der Wertschöpfungskette
  • Outsourcing-/Insourcing-Modelle
  • Plattformbasierte Zusammenarbeit zwischen Praxis und Labor

Überwindung von Sektorengrenzen

Ein bislang noch wenig ausgeschöpftes Innovationsfeld liegt in der interdisziplinären Zusammenarbeit. Mit der Alterung der Bevölkerung und der Zunahme multimorbider Patienten steigen die Schnittstellen zwischen Zahnmedizin und anderen medizinischen Disziplinen. Dabei entstehen auch neue Versorgungs- und Geschäftsmodelle für Labore. Ein Beispiel hierfür ist die Schlafmedizin mit der Unterkieferprotrusionsschiene (UPS) als Therapieoption bei obstruktiver Schlafapnoe. Der Therapieprozess erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Zahnärzten, HNO-Ärzten und Schlaflaboren. Entsprechende Ansätze zeigen sich auch in interdisziplinären Gesundheitszentren und privat finanzierten Gesundheitsimmobilien, die verschiedene Leistungsanbieter räumlich und organisatorisch integrieren.

Europäische Perspektiven und Markterweiterung

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Ein Blick über die deutschen Grenzen hinaus auf die europäischen Nachbarländer offenbart zwei gegenläufige Entwicklungen: Einerseits verfügt Deutschland über eine starke Ausgangsposition: eine hohe Versorgungsdichte auch in der Fläche und hohe Qualitätsstandards, etablierte Ausbildungsstrukturen sowie technologisches Knowhow. Gleichzeitig zeigt sich aber eine gewisse Umsetzungsträgheit bei Innovationen im Vergleich zu anderen europäischen Märkten. Diese zeigen sich deutlich aufgeschlossener für Investitionen in innovative digitale Technologien. Insbesondere digitale Prozesse erleichtern jedoch die geografische Entkopplung von Produktion und Kundenbeziehung – ein Trend, der die Marktstruktur langfristig stärker verändern könnte als nationale Konsolidierung.

Für größere, modern aufgestellte Labore ergeben sich daraus Chancen bei der Erschließung internationaler Märkte und der Nutzung von Kostenvorteilen durch grenzüberschreitende Produktion. Dies belegt auch die seit einigen Jahren zu beobachtende Zunahme von europäischen Dentallabor-Netzwerken.

Autor

Bernd Rebmann

Bernd Rebmann

Quellen

Die Literaturliste für die ZTM 3/2026 finden Sie beim zugehörigen E-Paper unter: ePaper – ZTM | Dentalwelt

[1]: Atlas Medicus (2026): Infodienst bzw. Marktinformationssysteme. www.atlas-medicus.de
[2]: KZBV (2025): Jahrbuch 2025. https://www.kzbv.de/wp-content/uploads/KZBV_Jahrbuch_2025_Web_ohne_GOZ.pdf
[3]: KZBV (2024): Fremdinvestoren in der vertragszahnärztlichen Versorgung. https://www.kzbv.de/wp-content/uploads/KZBV2024-04_iMVZ_Fremdinvestoren_vertragszahnaerztliche_Versorgung.pdf
[4]: Errechnet, basierend auf (Stand Ende 2024) 1.511 Z-MVZ (Quelle: [2]) und einer durchschnittlichen Anzahl von 3,91 Behandlern je Z-MVZ (Quelle: [3])
[5]: GFDI (2025): Atlas Dental Sonderausgabe zur 41. IDS 2025. https://www.rebmann-research.de/publikationen/
[6]: Deutscher Sparkassenverband: Branchenkennzahlen Dentallabore
[7] Gesundheitsberichterstattung des Bundes (2026): https://www.gbe-bund.de/gbe/!isgbe.indikatoren_set_page?p_uid=gast&p_aid=97522924&p_sprache=D&p_help=2&p_indnr=322&p_ansnr=11222749&p_version=4&p_thema_id=94&p_thema_id2=19200&p_thema_id3=19300&p_thema_id4=19310&D.000=3&D.734=4505&D.732=4498

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