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Dentalfotografie in der Praxis

Farbe sehen, verstehen, festhalten

Wenn Zahnarztpraxis und Dentallabor eng zusammenarbeiten, profitiert am Ende vor allem der Patient oder die Patientin. Im April dieses Jahres fand in der Zahnarztpraxis Dr. Jonas Lehner in Regenstauf ein praxisorientierter Fotokurs zur dentalen Farbbestimmung statt unter der Leitung von ZTM Michael Zangl gemeinsam mit ZTM Theresa Handl. Ziel war es, die Grundsätze zur Farbkommunikation mittels des eLAB-Systems direkt in der Zahnarztpraxis zu vermitteln – dort, wo die entscheidenden Informationen entstehen, die später im Labor als Grundlage für ästhetische und funktionelle Versorgungen dienen.

Ein Mann von dessen Zähnen Bilder gemacht werden. Michael Zangl und Theresa Handl
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Ein zentraler Baustein jeder gelungenen Dentalfotografie ist die strukturierte Farbauswahl. Besonders hilfreich war der Tipp, die Vita-Farbstäbe nicht nach der klassischen A-D-Systematik zu sortieren, sondern nach Helligkeit. Idealerweise beginnt man dabei bei B1 und endet bei C4 (Abb. 1). Das erleichtert dem Auge die Orientierung und unterstützt eine präzise Farbbestimmung. Wird dabei mit mehreren Farbstäben gearbeitet, ist es wichtig, konsequent mit demjenigen Stab zu kontrollieren, mit dem auch die Ausgangsfarbbestimmung erfolgte. Darüber hinaus beschäftigten sich die Teilnehmenden des Kurses intensiv mit unterschiedlichen Blitzsystemen, wie dem Ring- und dem Lateralblitz. Die Erkenntnis: Der Lateralblitz eignet sich besonders gut für Portraits sowie für intraorale Frontalaufnahmen, da er plastischere Lichtverhältnisse erzeugt.

Anordnung der Vita-FarbstäbeMichael Zangl und Theresa Handl
Abb. 1: Die Anordnung der Vita-Farbstäbe von hell nach dunkel ist bei der schnellen Bestimmung der Farbe hilfreich.

Tipp: Deckt man die Lichtquelle zusätzlich mit einem Stück Papier leicht ab, werden harte Reflexionen reduziert, was für ein weicheres Lichtbild sorgt.

Positionierung: kleine Justierungen, große Wirkung

Die Haltung des Patienten bzw. der Patientin sowie der Kamerawinkel haben entscheidenden Einfluss auf die Qualität des Bildes. Statt klassisch im Behandlungsstuhl zurückgelehnt zu sitzen, ist es besser, wenn er oder sie leicht seitlich Platz nimmt oder aufrecht steht – so ist es bei Frontalaufnahmen des ganzen Gesichts leichter, die Kamera frontal und leicht von oben her auszurichten (Abb. 2). Ein Aufnahmewinkel von etwa 80 Grad (statt 90 Grad) hat sich hierbei als ideal erwiesen.

Tipp: Wenn die Nasenlöcher auf dem Bild sichtbar sind, ist der Winkel falsch.

Wenn keine weitere Person (z.B. Behandlungsassistenz) im Raum ist, kann es hilfreich sein, wenn der Patient oder die Patientin die Wangenhalter selbst hält (Abb. 3) – sofern dies möglich ist. Das entlastet die fotografierende Person und erleichtert eine ruhige sowie präzise Kameraführung. Gerade bei engen Bildausschnitten kann dies entscheidend sein, um ein gutes Bild zu bekommen.

ein Mann sitzt für die Bilder seitlich auf dem BehandlungsstuhlMichael Zangl und Theresa Handl
Abb. 2: Sind frontale Gesichtsaufnahmen gewünscht, ist es oft praktikabler, wenn der Patient oder die Patientin leicht seitlich auf dem Behandlungsstuhl sitzt oder steht.
Ein Mann hält seinen Mund mit dem Wangenhalter aufMichael Zangl und Theresa Handl
Abb. 3: Sind die fotografierende Person und Patient oder Patientin alleine im Raum, ist es hilfreich, wenn der Patient bzw. die Patientin die Wangenhalter selbst halten kann.

Spiegeltechniken und mobile Fotografie

Auch das Fotografieren mit intraoralen Spiegeln im Ober- und Unterkieferbereich ebenso wie mit Seitenspiegeln war Thema des Kurses (Abb. 4). Für beste Ergebnisse sollte der Patient oder die Patientin möglichst flach liegen, damit die Kamera von oben möglichst gerade nach unten fotografieren kann. Besonders hilfreich ist dabei eine zweite Person, die beim Halten und optimalen Positionieren des Spiegels unterstützt. Diese Teamarbeit erleichtert die Bildkomposition erheblich und sorgt für wiederholbar gute Ergebnisse (Abb. 5).

mit Spiegeln im Mund werden alle Perspektiven des Gebisses sichtbar gemachtMichael Zangl und Theresa Handl
Abb. 4: Die Fotografie mit intraoralen Spiegeln war ebenfalls Thema des Kurses.
die Zähne eines Mannes werden mit Instrumenten sichtbar gemacht (der Mund wird aufgehalten)Michael Zangl und Theresa Handl
Abb. 5: Für optimale und wiederholbare Ergebnisse bei der Spiegelfotografie ist Teamarbeit wichtig.

Auch mobile Geräte waren ein Thema. Gerade für schnelle Dokumentationsaufnahmen können moderne Smartphones – insbesondere bei gutem Licht – erstaunlich hochwertige Bilder liefern. Idealerweise wird dafür ein separates Praxishandy verwendet, das ausschließlich für Fotodokumentation vorgesehen ist. So lassen sich Datenschutz, Bildqualität und Workflow optimal kombinieren.

Standardisierung durch Technik

Wer mit dem eLAB-System arbeitet, weiß: Ein zentrales Element des Systems ist die Graukarte. Sie dient der Kalibrierung des Weißabgleichs und gewährleistet, dass die aufgenommenen Bilder farblich korrekt analysiert werden können. Die Karte sollte direkt unterhalb der Inzisalkanten des zu fotografierenden Zahns positioniert werden – mit der Kameraachse exakt senkrecht zur Graukarte (Abb. 6). Nur mit dieser exakten Positionierung lässt sich eine farbechte Referenz erzeugen, die im Analyseprozess reproduzierbare Resultate liefert.

die Zähne von einem Mann werden fotografiertMichael Zangl und Theresa Handl
Abb. 6: Beim eLAB-System kommt die Graukarte zur Kalibrierung des Weißabgleichs zum Einsatz. Die richtige Position und der exakte Winkel sind hier besonders wichtig.

Die Aufnahmen müssen im RAW-Format erfolgen. Andere Formate sind mit der eLAB-Software nicht kompatibel und verhindern eine valide Auswertung. Ein weiterer zentraler Aspekt ist die manuelle Kamerasteuerung. Nur wenn Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert bewusst gewählt werden, kann eine gleichbleibende Bildqualität erzielt werden – unabhängig vom Umgebungslicht. Nicht zuletzt sollte vor jedem Termin sichergestellt werden, dass Akku und Speicherkarte ausreichend Kapazität bieten. Das verhindert unnötige Unterbrechungen im Arbeitsablauf.

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Was ist das eLAB-System?

Das eLAB-System („easy Layer And Build-up“) ist ein digitales Verfahren zur objektiven Zahnfarbbestimmung in der ästhetischen Zahnmedizin. Es ersetzt die oft subjektive visuelle Einschätzung durch einen standardisierten fotografischen Workflow, der auf präziser Bildaufnahme, Kalibrierung und softwaregestützter Analyse basiert.

Zum Einsatz kommen:

  • eine digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) mit Makroobjektiv,
  • ein Ring- oder Lateralblitz,
  • ein Polarisationsfilter
  • sowie eine standardisierte Graukarte (white balance grey reference card).

Die Aufnahmen werden im RAW-Format erstellt und anschließend mit der Software eLAB prime ausgewertet. Diese nutzt künstliche Intelligenz und moderne Bildverarbeitung, um eine objektive, farbverbindliche Analyse der Zahnfarbe zu ermöglichen – unabhängig von Bildschirm-der Lichtverhältnissen.

Die wichtigsten Vorteile des eLAB-Systems:

  • objektive Farbkommunikation: reduziert subjektive Fehlerquellen und stärkt die fachliche Zusammenarbeit
  • standardisierte Dokumentation: sorgt für konsistente und reproduzierbare Ergebnisse
  • effiziente Zusammenarbeit: verbessert die Kommunikation zwischen Praxis und Labor und verkürzt Entscheidungswege
  • weniger Nachbesserungen: spart Zeit und reduziert Frustration bei Behandler/-in, Labor und Patient/-in

Fazit

Alle Teilnehmenden konnten unter realen Bedingungen fotografieren, dokumentieren, kalibrieren – und so auch voneinander lernen (Abb. 7). Besonders die direkte Ver zwischen Labor und Praxis wurde von allen als echter Mehrwert empfunden.

Behandlungszimmer in dem Bilder gemacht werdenMichael Zangl und Theresa Handl
Abb. 7: Alle Teilnehmenden fotografierten, dokumentierten und kalibrierten unter realen Bedingungen.

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