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Fachkräftemangel

Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Viele Branchen klagen über einen Mangel an qualifiziertem Personal – auch in der Zahntechnik wird das Problem immer deutlicher. Und wer denkt, dass die Digitalisierung unsere Fachkräfte einfach ersetzen kann, ist auf dem Holzweg! Auch CAD/CAM-Einheiten müssen bedient und „gefüttert“ werden. Das Berufsbild wandelt sich zwar, dennoch benötigen wir nach wie vor gut ausgebildete Zahntechnikerinnen und Zahntechniker, die von der Materie Ahnung haben. Und diese fallen nun mal nicht einfach vom Himmel! Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Ein Gebiss, welches eine Zahnbürste im Mund hält. Streifeneder-Mengele
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Wie kann man aber dieser Entwicklung entgegensteuern? Meiner Meinung nach nur dadurch, dass der Beruf zukunftssicher und attraktiv gestaltet wird. Guter Zahnersatz wird auch in Zukunft benötigt, vielleicht sogar noch mehr als heute – aber wie sieht es mit der Attraktivität aus? Leider führt die Einbindung in das Sozialgesetzbuch dazu, dass durch die vorgeschriebenen und nicht mehr kostendeckenden BEL-Preise die Gehälter im Vergleich zu manch anderen Branchen kein schlagendes Argument mehr für den Beruf darstellen. Viel Arbeit für immer weniger Lohn ist leider die Realität. Hier kann nur die Politik etwas ändern, um bessere Rahmenbedingungen zu schaffen.

Alle Innungen und Verbände sollten sich deshalb mit vereinten Kräften dafür einsetzen, dass sich dahingehend etwas verändert. Leider mahlen die Mühlen sehr langsam und unsere Nöte brauchen entsprechend lange, bis sie – oft sogar nur in Auszügen – zu den verantwortlichen Stellen vordringen. Manchmal liegt auch der Verdacht nahe, dass sie vielleicht sogar ignoriert werden, weil andere Gesundheitsbranchen eine größere Lobby besitzen.

Dazu kommt erschwerend, dass auch die Work-Life-Balance im Zahntechnikerhandwerk nicht immer den Vorstellungen der jüngeren Generation entspricht. Trotzdem stecken meine Kollegin ZTM Andrea Breuer und ich unsere Köpfe nicht in den Sand und versuchen mit kleinen Schritten, jungen Leuten unseren vielseitigen und abwechslungsreichen Beruf schmackhaft zu machen. Nach dem Motto „Ich bin Zahntechniker/-in geworden, weil Superheld/-in kein anerkannter Beruf ist“ sind wir seit über zwei Jahren in Schulen und auf Ausbildungsmessen unterwegs, um den Beruf des Zahntechnikers wieder mehr ins öffentliche Licht zu rücken (Abb. 1 und 2). Nebenbei klären wir Eltern und Lehrer/-innen gleich noch mit auf. Denn so mancher ist tatsächlich der Meinung, dass die Kronen und Brücken mittlerweile beim Zahnarzt oder der Zahnärztin hergestellt werden!

Abb. 1: Mit einer PowerPoint-Präsentation und kuriosen Geschichten aus unserem Alltag stellen wir den Schülerinnen und Schülern direkt im Klassenzimmer den Beruf des Zahntechnikers anschaulich dar.Streifeneder-Mengele
Ein Klassenzimmer, in dem präsentiert wird vor Kindern.
Auf der Ausbildungsmesse ein StandStreifeneder-Mengele
Abb. 2: Auch auf Ausbildungsmessen macht es sehr viel Spaß, unsere Leidenschaft für die Zahntechnik weiterzutragen und Jugendliche dafür zu begeistern.

Bekanntheitsgrad steigern

Deshalb wurde uns durch dieses Engagement auch bewusst, dass die meisten diesen Beruf gar nicht mehr „auf dem Schirm“ haben! Was zuerst als Probelauf in einer Realschule begann, wurde im Laufe der Zeit für uns zu einer wichtigen Aufgabe: zukünftige Auszubildende zu gewinnen und unseren Berufsstand in die Öffentlichkeit zu tragen!

Als Vorstandsmitglieder der südbayerischen Zahntechniker-Innung (SZI) konnten wir auch unsere Kolleginnen und Kollegen davon überzeugen, wie wichtig diese Arbeit ist und rufen unsere Mitgliedsbetriebe regelmäßig dazu auf, Lehrstellen anzubieten, sich auf regionalen Ausbildungsmessen zu präsentieren und Fachkräfte auszubilden. Denn bitte wer sonst soll dem Fachkräftemangel entgegenwirken? Wenn die gewerblichen Labore nicht ausbilden, kann es keinen qualifizierten Zahntechnikernachwuchs geben! Seit in Bayern im Schuljahr 2022/23 der „Tag des Handwerks“ verpflichtend für alle Schüler/-innen an allgemeinbildenden Schulen eingeführt wurde, haben die Schüler/-innen neben den Berufsinfotagen und auf Ausbildungsmessen auch die Möglichkeit, im Schulungslabor der SZI Zahntechnik live zu erleben (Abb. 3 und 4).

Eine Schülerin formt etwas aus WachsStreifeneder-Mengele
Abb. 3: Die Schülerinnen und Schüler haben Spaß, bekommen Einblicke in die digitale und die analoge Welt der Zahntechnik und können mit Wachs ihrer Fantasie freien Lauf lassen.
Ein aus Wachs geformtes GebissStreifeneder-Mengele
Abb. 4: Die Schülerinnen und Schüler haben Spaß, bekommen Einblicke in die digitale und die analoge Welt der Zahntechnik und können mit Wachs ihrer Fantasie freien Lauf lassen.

Höhepunkt unserer Tätigkeit war nun dieses Jahr im März die Teilnahme bei der „Young Generation“, die im Rahmen der Internationalen Handwerksmesse (IHM) in München stattfand. Nach dem Motto „Macher gesucht“ hatten junge Leute und Schüler/-innen die Gelegenheit, 130 Handwerksberufe von über 20 Innungen hautnah zu erleben. Der Messestand der SZI war ein voller Erfolg und mir und allen beteiligten Kolleginnen und Kollegen hat es auch eine Menge Spaß gemacht (Abb. 5 bis 9)!

Bild der Ausbildungsmesse, eine große MenschenansammlungStreifeneder-Mengele
Abb. 5: Peppig aufgemacht sorgte unser Messestand für reges Interesse.
Ein Stehtisch bei dem man sich kreativ ausleben kann.Streifeneder-Mengele
Abb. 6: Bei der sogenannten Berufe-Rallye boten wir verschiedene Aktionen an, um die Welt der Zahntechnik besser kennenzulernen. Am mobilen Technikertisch konnten sich die Jugendlichen handwerklich ausprobieren.
ein Laptop auf dem ein Fenster mit einem Gebiss geöffnet ist.Streifeneder-Mengele
Abb. 7: Bei der sogenannten Berufe-Rallye boten wir verschiedene Aktionen an, um die Welt der Zahntechnik besser kennenzulernen. Am mobilen Technikertisch konnten sich die Jugendlichen handwerklich ausprobieren.
An gedruckten Zahnanhängern musste eine Öse mit Zangen gebogen werden.Streifeneder-Mengele
Abb. 8: Dort fand auch das Highlight der Aktionen statt: An gedruckten Zahnanhängern musste eine Öse mit Zangen gebogen werden.
Poster der Ausbildungsmesse im Hintergrund, davor Auszubildende mit den Ausbilder/-innen.Streifeneder-Mengele
Abb. 9: „Alte Hasen“ der Zahntechnik zusammen mit jungen Auszubildenden bildeten die ideale Standbesetzung für diese großartige Messe.

Aktiv werden

Abschließend möchte ich an alle Kolleginnen und Kollegen appellieren, es uns gleich zu tun und ebenfalls die Möglichkeiten zu nutzen, in Zeiten von Social Media und Co. auch wieder vermehrt über das persönliche Gespräch den Nachwuchs für unseren schönen Beruf zu gewinnen und sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Mittlerweile hat die SZI einen Imagefilm für den Nachwuchs erstellt und unterstützt die südbayerischen Mitgliedsbetriebe vor Ort mit einem professionellen Messeequipment.

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Neben der wichtigen politischen Arbeit, die um gerechtere Entlohnung und eine Erweiterung des Berufsbildes als Prothetiker/-in bemüht ist, stellen die Änderung der Ausbildungs- und Meisterausbildungsordnung sowie die Akquise und das Anbieten von Praktikumsplätzen ebenfalls wichtige Bausteine dar, um neue Fachkräfte zu gewinnen. Damit auch in Zukunft den Patientinnen und Patienten ihre Gesundheit und ein schönes Lächeln erhalten bleibt!

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