Aktuell dreht sich die Corona-Forschung besonders um die Frage, bei welchen Menschen ein erhöhtes Risiko für schwere Erkrankungen nach Infektion mit dem neuen SARS-CoV-2 besteht. Dazu veröffentlichten Wissenschaftler nun die Analyse chinesischer Behandlungsdaten, die einen Überblick über die Vorerkrankungen gibt, bei denen besonders früh auf kritische Symptome geachtet werden sollte.
Wissenschaftler analysierten die Daten von 1.590 Patienten, die aufgrund von COVID-19 im Krankenhaus waren
Die Wissenschaftler analysierten die Daten von 1.590 Patienten, die aufgrund von COVID-19 im Krankenhaus lagen. Die Patienten waren durchschnittlich 48,9 Jahre alt und 42,7% (686 Patienten) waren weiblich. Die Daten kamen von 575 Krankenhäusern aus verschiedenen Regionen Chinas – und wurden zwischen dem 11. Dezember 2019 und dem 31. Januar 2020 erhoben.
Die Wissenschaftler untersuchten, wie häufig die Patienten den zusammengesetzten Studienendpunkt erreichten. Dieser war erreicht, wenn der Patient entweder auf die Intensivstation musste, invasiv beatmet werden musste oder verstarb. Die Wissenschaftler nutzten statistische Analysen, um herauszufinden, wie das Eintreten des Studienendpunktes mit Begleiterkrankungen zusammenhing.
Etwa jeder 4. Patient hatte Vorerkrankungen
Von den 1.590 Patienten erreichten 131 Patienten (8,2%) den Studienendpunkt – d. h. sie wurden entweder invasiv beatmet, mussten auf die Intensivstation oder verstarben. Jeder 4. Patient (399 Patienten; 25,1%) berichtete, dass er an mindestens einer Vorerkrankung litt. Die häufigste Vorerkrankung war Bluthochdruck (16,9%), gefolgt von Diabetes (8,2%). 130 Patienten (8,2%) litten an 2 oder mehr Vorerkrankungen.
Bestimmte Vorerkrankungen erhöhten das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf
Nachdem die Patienten so angeglichen wurden, dass sie im Alter und Raucherstatus übereinstimmten, stellten die Wissenschaftler mithilfe statistischer Analysen fest, dass sowohl COPD, Diabetes, Bluthochdruck als auch Krebserkrankungen das Risiko, den Studienendpunkt zu erreichen, erhöhten.
Patienten mit COPD hatten ein 2,68-mal so hohes Risiko (HR: 2,681, 95 % CI: 1,424–5,048), Patienten mit Diabetes ein 1,59-mal so hohes Risiko (HR: 1,59, 95 % CI: 1,03–2,45), Patienten mit Bluthochdruck ein 1,58-mal so hohes Risiko (HR: 1,58, 95 % CI: 1,07–2,32) und Patienten mit Krebs ein 3,50-mal so hohes Risiko für den Studienendpunkt (HR: 3,50, 95 % CI: 1,60–7,64).
Berechnungen zufolge hatten Patienten, die an mindestens einer Vorerkrankung litten, ein 1,79-mal so hohes Risiko (HR: 1,79, 95 % CI: 1,16–2,77) und Patienten mit mindestens 2 Vorerkrankungen ein 2,59-mal so hohes Risiko, den Studienendpunkt – also einen schweren Krankheitsverlauf – zu erreichen (HR: 2,59, 95 % CI: 1,61–4,17).
Patienten, die aufgrund von COVID-19 im Krankenhaus waren, hatten ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, wenn sie zusätzlich an COPD, Bluthochdruck, Diabetes oder Krebs erkrankt waren. Da Personen mit diesen Vorerkrankungen zur Risikogruppe gehören, sollten sie alles daran setzten, sich vor einer Infektion zu schützen. Die WHO gibt diesbezüglich spezielle Handlungsempfehlungen (s. Coronavirus: WHO-Empfehlungen für die Bevölkerung).
Weitere Beiträge
Nachstehend finden Sie Beiträge, die auf unterschiedliche Vorerkrankungen sowie ihre Risiken und Therapieansätze eingehen.
- Augenbeschwerden: Fieber und Husten sind die häufigsten Symptome von COVID-19-Patienten. Einige Patienten hatten laut einer kleinen Studie aus China jedoch auch Augenbeschwerden. Bei wenigen Patienten war das Virus in der Bindehaut nachweisbar.
- Bluthochdruck: Das Renin-Angiotensin-System (RAS) ist ein möglicher Angriffspunkt für blutdrucksenkende Mittel, scheint aber auch bei der neuen Lungenerkrankung COVID-19 eine Rolle zu spielen. Welchen Einfluss haben also Medikamente, die hemmend auf RAS wirken?
- Aktive Krebserkrankung: Das Dilemma ist groß: Die Angst vor einer möglichen Infektion mit SARS-CoV-2 darf die lebensnotwendige Behandlung einer Krebserkrankung nicht verhindern, aber ein bereits infizierter Krebspatient soll auch nicht zusätzlich durch Komplikationen von COVID-19 gefährdet werden – und eine gesamte Praxis oder Station anstecken. Ein Weg zu mehr Sicherheit ist die breite und wiederholte Testung aller Patienten, die sich derzeit einer Krebstherapie unterziehen müssen.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: In einem Interview mit Axel Bauer, Direktor der Innsbrucker Univ.-Klinik für Innere Medizin III, wird darüber gesprochen, dass bakterielle und virale Infektionen eine zusätzliche Belastung für das Herz-Kreislauf-System darstellen. Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 scheint auf Basis von Berichten aus China gerade für Menschen mit Grunderkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit einem höheren Sterblichkeits- und Komplikationsrisiko verbunden zu sein.
- ICD-Patienten: Psychologen der Universität Würzburg und Kardiologen des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) haben auf der Webseite www.icd-forum.de hilfreiche Informationen zusammengestellt, wie sich Patienten mit Herzerkrankungen und ihre Angehörigen in der aktuellen Situation hinsichtlich der körperlichen und seelischen Gesundheit verhalten sollten.
Quelle:
DeutschesGesundheitsPortal DGP
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