|
Getting your Trinity Audio player ready...
|
- Teil 1 – England
- Spezialisierung nach der Ausbildung
- Eine Fortbildung ermöglicht die Arbeit direkt am Patienten
- Fazit
- Teil 2 – Österreich
- Die Lehrabschlussprüfung
- Fortbildung an der Akademie für Österreichs Zahntechnik
- Die Arbeit am Patienten ist erlaubt
- Teil 3 – Schweiz
- Zum Abschluss das eidgenössische Fähigkeitszeugnis
- Der Zahnprothetiker und die Arbeit am Patienten
- Interessenvertretung der Zahntechniker
- Fazit
- Teil 4 – Spanien
- Bildungssystem in Spanien
- „Verschulte“ Berufsausbildung (fast) ohne praktischen Bezug
- Universitäre Ausbildung wird bis dato bevorzugt
- Was heißt das nun konkret für die Zahntechniker-Ausbildung?
- Ausbildungsinhalte, Weiterbildungs- und Berufschancen
Teil 1 – England
Sherlock Holmes, Baked Beans zum Frühstück, der Brexit und das royale Flair – unser Nachbarland auf der königlichen Insel hat seinen ganz eigenen Charme. Bekannt für seine Elite-Universitäten steht eines fest: England legt Wert auf eine akademische Bildung. Doch wie sieht es aus, wenn man in England Zahntechniker werden will?
Offen gesagt – auf den ersten Blick ganz schön ungewohnt. Denn die duale Ausbildung, wie sie hierzulande durchgeführt wird, gibt es im Vereinigten Königreich nicht. Betriebe bildeten bisher in der Regel nach Eigenbedarf aus, eine wie bei uns übliche Lehrlingsausbildung in handwerklichen Betrieben ist den meisten nicht bekannt. Das On-the-Job-Training, also das Anlernen am Arbeitsplatz in einer festen Anstellung, war bisher eine übliche Methode, ebenso die vollzeitschulische berufliche Ausbildung in einer Einrichtung der „Further Education Colleges“. Seit den 2000ern arbeitet die Regierung an einem eigenen Ausbildungssystem, das sich langsam etabliert. In England lebenden Jugendlichen ist es ab dem 16. Lebensjahr erlaubt, eine „apprenticeship“ (zu Deutsch: Lehre/Ausbildung) anzutreten. Hier wird wieder das Prinzip des On-the-Job-Trainings angewandt; der Auszubildende geht ein festes Arbeitsverhältnis ein, bezieht Gehalt und lernt von seinem Mentor direkt während des Arbeitens. Je nachdem, in welchem Sektor die englische Ausbildung absolviert wird, dauert sie ein bis fünf Jahre. Die Ausbildungen werden nach dem Grad ihrer Anforderungen und zu erlernenden Fähigkeiten in Levels eingeteilt. Diese können äquivalent zu anderen Bildungsgraden gesehen werden; so ist beispielsweise Level 2 einem sehr guten Realschulabschluss (in England „General Certificate of Secondary Education“, kurz GCSE) gleichzusetzen und Level 6 und 7 einem Bachelor- bzw. Masterabschluss gleichwertig.
Entscheidet man sich dazu, eine Apprenticeship zum „Dental Technician“, also zum Zahntechniker, anzutreten, so muss man sich auf 36 Monate „Lehre“ einstellen. Am Ende hat man mit dieser Ausbildung Level 5 erreicht, das dem „foundation degree“ gleichkommt, also einem höheren beruflichen Bildungsabschluss. Die Aufnahmebedingungen für Azubis entscheidet letztendlich das einzelne Unternehmen selbst, meistens wird aber das englische Abitur („A-levels“) oder eine vorherige (schulische) Ausbildung, Arbeitserfahrung etc., die mit dem Level 3 bewertet werden kann, verlangt.
Spezialisierung nach der Ausbildung
Zahntechniker in England lernen im Großen und Ganzen das Gleiche wie die deutschen. Auf der Insel ist es üblich, sich nach der Ausbildung in einer von vier Spezialisierungen zu vertiefen: Die Prothetik-Techniker fertigen Prothesen, die Erhaltungstechniker kümmern sich um die Herstellung von Kronen und Brücken, Zahnspangen kommen von den kieferorthopädischen Technikern. Außerdem gibt es noch Zahntechniker, die im Bereich der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie arbeiten und in Kliniken zusammen mit Ärzten den Mund- und Kieferbereich durch Unfälle und Krankheit geschädigter Patienten rekonstruieren. Direkt am Patienten zu arbeiten ist dem englischen Zahntechniker allerdings nicht gestattet.
Eine Fortbildung ermöglicht die Arbeit direkt am Patienten
Wer aber gern an und mit dem Patienten arbeiten will, hat in England die Chance, eine Fortbildung zum „Clinical Dental Technician“, kurz CDT, zu absolvieren. Diese findet meist an Universitäten oder in Zahnkliniken statt. Die University of Central Lancashire bietet beispielsweise einen Teilzeitkurs über zwei Jahre an. In sechs Trimestern lernen die Zahntechniker an zwei Tagen in der Woche die theoretische und praktische Arbeit am Patienten und vertiefen ihre Kenntnisse in der Fertigung von Vollprothesen. Die Gestaltung und Dauer dieser Fortbildung unterscheidet sich aber stark von Einrichtung zu Einrichtung.
Die Kurse sind alle vorbereitend; es muss am Ende die offizielle Prüfung am Royal College of Surgeons abgelegt und bestanden werden. Ist man dann CDT, arbeitet man häufig in Kliniken, die speziell auf dentale Belange ausgerichtet sind. Die Arbeit am und mit dem Patienten steht hier auf der Tagesordnung – dem CDT ist es erlaubt, die allgemeine Mundgesundheit des Patienten zu überprüfen, ihn zu beraten, Abdrücke zu nehmen und ihm die individuelle, selbst gefertigte Prothese einzusetzen. Als Patient kann man in England direkt zum CDT gehen, ein Umweg über den Zahnarzt ist nicht nötig.
Um im Vereinigten Königreich nach der Ausbildung zum Zahntechniker bzw. zum CDT als solcher arbeiten zu können, muss man sich beim „General Dental Council“ registrieren lassen. Der Nachweis verschiedenster Qualifikationen ist notwendig, um in das Register aufgenommen zu werden. Auch Zahnärzte, Zahnarzthelferinnen und Dentalhygienikerinnen müssen das Verfahren durchlaufen und sich registrieren lassen, um offiziell in ihrem Beruf arbeiten zu dürfen. Das Vereinigte Königreich will so qualifiziertes Personal im Bereich der Zahnmedizin und Zahntechnik garantieren.
Fazit
Die bei uns sehr erfolgreiche duale Ausbildung wird also in England nicht übernommen – stattdessen wird auf einen direkten Einstieg in den Beruf unter Anleitung eines Mentors und das Level-System gesetzt. Und was ist nun „besser“? Darüber kann wohl nur derjenige ein ehrliches Urteil fällen, der sowohl in Deutschland als auch in England eine Ausbildung absolviert hat. Es ist aber mit Sicherheit zu sagen, dass das duale System in Deutschland gut ausgebildete Fachkräfte hervorbringt und man daran festhalten sollte.
Teil 2 – Österreich
Der Beruf des Zahntechnikers wird nicht nur in Deutschland ausgeübt, sondern europaweit. Doch wie genau gestaltet sich die Ausbildung in anderen Ländern? Gibt es Unterschiede in den Tätigkeiten, Ausbildungsdauer und -anforderungen? Im Rahmen unserer kleinen Serie „Wie man außerhalb Deutschlands zum Zahntechniker wird“ wollen wir einen Blick auf unsere Nachbarländer und deren Regelungen rund um die Zahntechniker-Ausbildung werfen.
Quelle: mRGB/fotolia.comHeute soll sich alles um das gern besuchte Ski- und Wanderparadies südlich von Deutschland drehen – liebes Österreich, wie läuft das eigentlich bei euch mit den Zahntechnikern?
Das Aufgabenspektrum der österreichischen und der deutschen Ausbildung ist nahezu identisch: Der Azubi erlernt alles von der Fertigung und Reparatur von Zahnersatzteilen, über die Verwendung verschiedener Materialien, bis hin zu Kundenumgang, Präzision, Zeitmanagement und Teamfähigkeit. Die Ausbildung findet dual statt, also in der Berufsschule und im Labor. In beiden Ländern gibt es nach der eingegangenen Bewerbung einen Aufnahme- bzw. Eignungstest.
In Österreich ist für die Bewerbung der Abschluss der 9. Klasse die Mindestvoraussetzung; hierzulande hingegen gibt es keine rechtliche Vorschrift – jedoch stellen die Betriebe in der Praxis überwiegend Absolventen mit Hochschulreife oder mittlerem Bildungsabschluss ein (Quelle: Bundesagentur für Arbeit). Auch in der Ausbildungsdauer herrschen Unterschiede: In unserem Nachbarland sind 4 Lehrjahre vorgeschrieben, hier nur 3,5.
Die Lehrabschlussprüfung
Am Ende der Ausbildung müssen sich die Lehrlinge in Österreich der „Lehrabschlussprüfung“ unterziehen. Hier wird in der theoretischen Prüfung Wissen zu Fachkunde, Fachrechnen und Fachzeichnen abgefragt. Dies erfolgt schriftlich. In der praktischen Prüfung müssen binnen 24 Stunden zwei Arbeitsproben hergestellt und anschließend in einem Fachgespräch vor der Prüfungskommission Fachwissen unter Beweis gestellt werden. Das deutsche Äquivalent, die „Gesellenprüfung“, wird ebenfalls in zwei Teilen vollzogen. Im praktischen Teil bleiben dem Azubi 27 Stunden, um drei Prüfungsstücke anzufertigen, und anschließend insgesamt fünf Stunden, um eine Arbeitsprobe durchzuführen. Das weitere Fachwissen wird ebenfalls in einer schriftlichen Prüfung abgefragt. Hierzulande ist es vorgeschrieben, vor Ende des zweiten Lehrjahres eine Zwischenprüfung durchzuführen, um einen Einblick in den Leistungsstand der Lehrlinge zu bekommen; in Österreich entfällt diese.
Auch das Erlangen des Meistertitels ist in beiden Ländern möglich. In Deutschland kann man die Prüfung direkt nach bestandener Ausbildung absolvieren und auch in Österreich ist nur die Volljährigkeit eine notwendige Voraussetzung.
Seit Kurzem haben österreichische Zahntechniker nun auch die Möglichkeit, ihr Handwerk mit einem akademischen Abschluss zu krönen: An der Danube Private University gibt es seit Beginn des Jahres den postgradualen Masterstudiengang „Master of Science Dentale Technik“. In Deutschland ist dies schon seit ein paar Jahren möglich. So bietet beispielsweise die FH Osnabrück seit 2006 den Bachelorstudiengang „Dentaltechnologie“ an, der die Möglichkeit zur Masterqualifikation schafft.
Fortbildung an der Akademie für Österreichs Zahntechnik
Auch in unserem Nachbarland setzt sich eine Innung für die Interessen der Labore ein – die „Österreichische Bundesinnung der Zahntechniker“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Berufsstand bestmöglich zu repräsentieren. Sie besteht aus 9 Landesinnungen bzw. Fachvertretungen.
Mit der „AÖZ“ – der Akademie für Österreichs Zahntechnik – hat die Bundesinnung eine Anlaufstelle für alle, die sich zahntechnisch weiterbilden wollen, erschaffen. Denn auch in Österreich findet ein Wandel der Zahntechnik statt und es kommen stetig neue Methoden und Materialien auf den Markt. In der AÖZ in Baden kann man in modern ausgestatteten Räumen Kurse rund um die Zahntechnik belegen und seinen Horizont und Wissensschatz erweitern lassen. Das haben die Innungen Deutschlands und Österreichs also gemeinsam – den Willen, das zahntechnische Handwerk mit einem vielfältigen und zeitgemäßen Kursangebot zu unterstützen und eine fachliche Weiterbildung zu garantieren.
Die Arbeit am Patienten ist erlaubt
Im Sommer 2012 war es dann in Österreich so weit: Eine Gesetzesnovelle erlaubte fortan geprüften Zahntechnikermeistern Anpassungsarbeiten direkt am Patienten durchzuführen, wenn dies in der Praxis des Zahnarztes geschieht. Die österreichischen Zahntechniker sahen dies als Gewinn für den Berufsstand – wird Deutschland nachziehen?
Die Rahmenbedingungen der Ausbildung unterscheiden sich also in beiden Ländern etwas, aber eines ist sicher: Sowohl österreichische als auch deutsche Zahntechniker-Lehrlinge bekommen im Labor dieselben hochwertigen Fähigkeiten beigebracht und sind am Ende ihrer Ausbildung in der Lage, ihr Handwerk präzise und sorgfältig auszuführen. Die Berufsschule unterstützt die Azubis ebenfalls, ihr Wissen zu festigen und zu vertiefen. Dem Prinzip der dualen Ausbildung sei Dank – sie schreitet als beispielhaftes Bildungsformat heran!
Teil 3 – Schweiz
In vorangegangenen Beiträgen haben wir erfahren, wie die Ausbildung zum Zahntechniker in England und Österreich abläuft, heute blicken wir ins Land der Berge und der Toblerone – in die Schweiz.
Quelle: daniel stricker/pixelio.deDie Schweiz ist neben Deutschland und Österreich das einzige europäische Land, in dem das in Deutschland entstandene klassische Prinzip der dualen Ausbildung angewandt wird. Wie in Österreich gibt es hier vier Lehrjahre, in denen die Azubis im Labor und in der Berufsschule alles beigebracht bekommen, um Schienen, Brücken, Prothesen, Kronen etc. nach Maß anzufertigen.
Handwerkliche Feinarbeit und ein Gefühl für Farben werden in der Schweiz wie in Deutschland großgeschrieben, ebenso umfangreiche Kenntnisse in der Verwendung verschiedener Werkstoffe und Materialien. Die Lehrlinge werden aber auch hier mehr und mehr mit der Arbeit am Computer vertraut gemacht, denn vieles geschieht auch in der Zahntechnik schon digital. Die Ausbildungsinhalte und -tätigkeiten gleichen sich also auch mit diesem Nachbarland stark. Hygiene und Sicherheit am Arbeitsplatz sowie Genauigkeit und Rücksicht auf die Umwelt sind den Schweizer Zahntechnikern ebenso wichtig wie den deutschen.
Um eine Lehrstelle in einem Dentallabor zu bekommen, ist es in aller Regel nötig, die „oberste Schulstufe“, also das Abitur, abgeschlossen zu haben. Gute Kenntnisse in Chemie und Physik sind von Vorteil. Der Verband Zahntechnischer Labore in der Schweiz bietet dazu Schnuppertage und Eignungstests an, die den angehenden Lehrlingen zeigen, ob sie für den komplexen Beruf des Zahntechnikers geeignet sind. In der Schweiz ist es üblich, dass die Lehrlinge ein Arbeitsbuch mit den erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten führen, welches monatlich durch den Ausbilder kontrolliert und unterzeichnet wird. Aufgabe der Ausbilder ist es ebenfalls, jedes Semester einen Ausbildungsbericht anzufertigen, der den Wissensstand der Schüler festhält. Dieser wird offen mit den Azubis besprochen.
Zum Abschluss das eidgenössische Fähigkeitszeugnis
Sind die vier Lehrjahre beendet, so folgt die Lehrabschlussprüfung. Der Aufbau dieser ist in der Schweiz jedoch anders als hierzulande. Vier Fächer werden geprüft: Grundlegende Berufsarbeiten (12–16 Stunden), praktische Arbeiten (32 Stunden), und Berufskenntnisse (4 Stunden). In der Teilprüfung der Grundlegenden Berufsarbeiten müssen die Lehrlinge eine partielle Prothese und eine Einzelkrone selbstständig herstellen. Beim praktischen Arbeiten müssen innerhalb von 32 Stunden Totalprothesen, Kronen/Brücken und Arbeiten aus den Bereichen Modellguss und Kieferorthopädie angefertigt werden. Abschließend müssen die Azubis sowohl mündlich als auch schriftlich beweisen, dass sie über sichere Berufskenntnisse in den Bereichen Anatomie, naturwissenschaftliche Grundlagen, diverse Werkstoffe, über Werkzeuge und technische Apparate verfügen. Ist die Prüfung bestanden, bekommt der ehemalige Lehrling den Titel „Zahntechniker/in EFZ“ – EFZ steht hier für das eidgenössische Fähigkeitszeugnis, das garantiert, dass die jeweilige Person der Ausübung des Berufes mächtig ist.
Der Zahnprothetiker und die Arbeit am Patienten
In der Schweiz ist es nach der Lehre und mindestens drei vollen Jahren Berufserfahrung möglich, sich zum Meister ausbilden zu lassen. Wie bei uns besteht nach absolvierter Meisterprüfung die Möglichkeit, sich selbstständig zu machen und ein eigenes Labor zu eröffnen. Schweizer Zahntechnikermeister beraten die Zahnärzte hinsichtlich der Planung und Umsetzung zahntechnischer Dienstleistungen.
Es besteht ebenso die Möglichkeit, sein Fachwissen anhand einer zweijährigen Weiterbildung zum Zahnprothetiker zu erweitern. Diese kann man über Berufsverbände, Dentalfirmen oder an zahntechnischen Instituten der Schweizer Universitäten durchführen. Jedoch führen derzeitig nur noch wenige Kantone die Ausbildung durch. In diesen zwei Lehrjahren finden 500 Vorlesungsstunden in verschiedenen fachspezifischen Themenbereichen wie Prothetik, Anatomie und Histologie statt. Der fertig ausgebildete Zahnprothetiker ist berechtigt, unabhängig vom Zahnarzt für den Patienten abnehmbaren Zahnersatz aller Art herzustellen. Er übernimmt selbstständig das Beratungsgespräch, die Planung, nimmt Abdrücke, stellt die Prothesen her und gliedert sie ein. Auch die Nachsorge wird vom Zahnprothetiker übernommen. Diese enge Zusammenarbeit zwischen Prothetiker und Patient wird in der Schweiz hoch geschätzt, denn sie gewährleistet präzise und individuell angepasste Endprodukte – und nicht zu unterschätzen: glückliche und zufriedene Kunden.
Einen Studiengang in Richtung Dentaltechnik bietet die Schweiz bislang jedoch noch nicht an.
Interessenvertretung der Zahntechniker
Wie in Deutschland setzen sich auch in der Schweiz verschiedene Verbände des Zahntechniker-Handwerks für die Belange der Zahntechniker ein. So gibt es zum Beispiel die Schweizerische Zahntechniker-Vereinigung, kurz SZV, die als Arbeitnehmerverband ihren Mitgliedern bei Rechtsfragen, der Stellenvermittlung, bei Bildungsberatung und vielem mehr zur Seite steht. Außerdem hat es sich die SZV zur Aufgabe gemacht, einen Gesamtarbeitsvertrag für den Zahntechnikerberuf auszuhandeln. Der Gesamtarbeitsvertrag bildet in unserem Nachbarland die Grundlage für jeden Arbeitsvertrag eines bestimmten Berufes und regelt alles rund um Arbeitszeiten, Kündigungsfristen, Löhne etc. – ein vergleichbares Rechtsinstitut ist in Deutschland der Tarifvertrag.
Des Weiteren bietet die SZV Weiterbildungen, Interessenvertretung in der Grundbildung und die Swiss Dental Laboratories an – ein Unternehmerverband, dessen Ziel es ist, die Anerkennung der Branche zu erhöhen und ebenso die Wertschöpfung und das Einkommen der Unternehmer.
Für die Schweizer Meisterlabore gibt es die Möglichkeit, dem „ASMO Schweizer Meister der Zahntechnik“ beizutreten. Dieser Verband ist ein Netzwerk von Zahntechnikermeistern, die stetig Weiterbildungen absolvieren, um so den Kunden kompetente Beratung und Leistung zu garantieren. Aber auch die Zahnprothetiker haben sich formiert – seit 1962 setzt sich der Schweizerische Zahnprothetiker Verband für die wirtschaftlichen, sozialen und beruflichen Interessen seiner Mitglieder ein.
Fazit
Wer also in der Schweiz Zahnersatz benötigt, kann sich darauf verlassen, qualitativ hochwertige Produkte zu erhalten. Wie in Deutschland findet man dort sorgfältig (dual) ausgebildete Zahntechniker, die auf hohem Niveau arbeiten und so dem Zahntechnikerhandwerk alle Ehre machen. Hinsichtlich der Arbeit mit und am Patienten könnte man sich jedoch noch ein Beispiel nehmen.
Teil 1-3: Nathalie Ottiger
Teil 4 – Spanien
Im Rahmen unserer kleinen Serie über die Zahntechniker-Ausbildung in unseren Nachbarländern führte uns die Reise bereits nach England, Österreich und in die Schweiz. Heute steht nun Wissenswertes rund um die zahntechnische Ausbildung in Spanien im Fokus.
Dmitrii@Fotolia.comCosta Brava, Pyrenäen, Baskenland, Kanaren und Barcelona…, so abwechslungsreich wie die Landschaften sind auch die kulturellen Gegebenheiten und die sprachliche Vielfalt des bei Deutschen nach wie vor so beliebten Urlaubslandes. Doch neben all den offenkundigen Werten berichten die Schlagzeilen über die iberische Halbinsel nicht nur über positive Sachverhalte: Die Hindernisse bei der Regierungsbildung im vergangenen Jahr, katalanische Separationsbewegungen sowie die seit 2008 herrschende Wirtschaftskrise, die – wie auch in Deutschland spürbar wurde – nicht wenige Arbeitnehmer zum Auswandern, gern auch in unsere Regionen, getrieben hat. Und tatsächlich sind in einigen zahntechnischen Laboren spanische Jungtechniker erschienen. Welche Voraussetzungen jedoch bringt ein solcher Arbeitnehmer mit bzw. welche Ausbildung hat er in seinem Herkunftsland durchlaufen?
Bildungssystem in Spanien
Grundsätzlich besteht in Spanien eine allgemeine 10-jährige Schulpflicht, die sich in „Educación Primaria“ (6 Jahre) sowie „Educación Secundaria Obligatoria (ESO)“ (4 Jahre) unterteilt. Der erfolgreiche Abschluss dieser Sekundarstufe, welche spanische Schüler meistens mit 16 Jahren beenden, dient gleichzeitig als Grundlage für den Zugang zu den Berufs- und Oberschulen. Nach Abschluss der ESO und damit der allgemeinen Schulpflicht bieten sich 2 Möglichkeiten. Entweder man besucht die 2-jährige Oberstufe, die zum „Bachillerato“ (vergleichbar mit dem deutschen Abitur) und damit zur Hochschulreife führt. Im Unterschied zu Deutschland ist für den Erhalt des „Bachillerato“ keine gesonderte Abschlussprüfung nötig; es gilt die Benotung des letzten Zeugnisses. Alternativ wählt man den „Ciclo Formativo“, den Berufsbildungszweig, der sich wiederum in „Grado Medio“ und „Grado Superior“ unterteilt. Bei erfolgreichem Abschluss erreicht man den Titel „Técnico“ oder „Técnico Auxiliar“, auf dem man weiter aufbauen kann, um dann den Titel „Técnico Superior“ zu erzielen. Dieser wiederum bietet die Möglichkeit zu einem Studium im gleichen Fachgebiet. In Spanien sind 30% der Studienplätze für berufsbildende Zweige reserviert.
„Verschulte“ Berufsausbildung (fast) ohne praktischen Bezug
Die Installation des dualen Ausbildungssystems, so wie wir es in Deutschland kennen und voraussetzen, steckt in Spanien noch in den Kinderschuhen und stand bis dato kaum im Focus von Politik und Berufsbildung. Zusätzlich erschwert wird die Einführung der dualen Ausbildung dadurch, dass es in Spanien weder eine vergleichbare Art von Berufsbildungsgesetz gibt noch die Zusammenarbeit auf oberster politischer Ebene zwischen Arbeitsministerium und Bildungssektor gut verzahnt ist. Die spanische Berufsausbildung ist beinahe komplett verschult, d.h. der Großteil der Ausbildung findet theoretisch in der Berufsschule oder in Ausbildungszentren statt. In der Konsequenz fehlt aufgrund dieses Systems fast vollständig der praktische Bezug, was besonders bei den Handwerksberufen negative Folgen hat und dem Niveau handwerklichen Könnens erschwerte Chancen der Entwicklung lässt. Langsam wird, auch durch die Mitarbeit von Institutionen wie der „Cámara de Comercio Alemana para España“, der Deutschen Handelskammer in Spanien und einigen anderen Stiftungen, Vereinen und Kooperationen, gemeinsam mit einheimischen Firmen, die diesem Weg offen gegenüberstehen, der Gedanke des dualen Ausbildungssystem implementiert und andeutungsweise umgesetzt. Nicht zuletzt gegen den Widerstand der in der Gesellschaft verankerten Gewohnheiten und Bräuche. Denn aufgrund historischer Entwicklungen ist der hohe Stellenwert einer Berufsausbildung bislang noch nicht in den Köpfen der Spanier fixiert.
Universitäre Ausbildung wird bis dato bevorzugt
Ein Kammersystem (Handwerkskammern) wie in anderen europäischen Ländern gibt es in Spanien nicht. Regionale Handwerkervereinigungen übernehmen hier die Vertretung der Interessen der einzelnen Gewerke; für die Zahntechniker gibt es über unterschiedliche Internetseiten Angebote und Hilfe hinsichtlich Versicherungen verschiedenster Art, Job- und Materialbörsen, Kursangebote, Messetermine usw. Seitens der Unternehmen gibt es bisher noch kaum Initiativen Nachwuchs zu fördern, geschweige denn einen Auszubildenden mit einer Ausbildungsvergütung zu motivieren, fachlich zu entwickeln und an seinen Betrieb zu binden. Aber auch Familien und Heranwachsende sehen in einer Berufsausbildung bislang noch keine Alternative zum Studium. Dass dieser Weg für viele Jugendliche Grundlage für eine positive berufliche Entwicklung und den Ein- und Aufstieg im Arbeitsmarkt darstellen kann, wird nicht erkannt. Eine universitäre Ausbildung – sprich Studium – wird weiterhin bevorzugt. Wer nach der Schule den Sprung ins Studium nicht schafft, wird versuchen, direkt eine Arbeitsstelle zu finden, um möglichst schnell Geld zu verdienen. Der Mangel an einer fundierten praktischen Ausbildung führt nicht zuletzt zum Mangel an Fachkräften, was sich wiederum negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung und Qualität der Leistungen auswirkt.
Was heißt das nun konkret für die Zahntechniker-Ausbildung?
Das spanische Ministerium für Bildung, Kultur und Sport legt auf nationaler Ebene die Mindeststandards und Rahmencurricula (real decreto) für die Berufsbildung fest. Diese Inhalte unterliegen tatsächlich nur einem sehr allgemeinen Rahmen. Die weitere Ausgestaltung der Curricula sowie die Umsetzung der Berufsbildung obliegen den comunidades autónomas, den einzelnen Bundesländern, bzw. sogar den einzelnen Berufsschulen und Ausbildungszentren, was ein buntes Sammelsurium an unterschiedlichen Auslegungen und Ausbildungen zur Folge hat.
Zahntechniker (Técnico Superior en Prótesis Dental) kann in Spanien derjenige sein, der eine höhere Berufsausbildung (Grado Superior) absolviert hat. Auch in diesem Berufszweig erfolgt die Ausbildung schulisch, d.h. über Kurse bzw. Ausbildungsgänge, die in unterschiedlichen Ausbildungszentren, -einrichtungen, Universitäten, als Direktausbildung oder Fernstudium in den verschiedenen spanischen Provinzen zu unterschiedlichen Bedingungen im Rahmen der staatlich vorgegebenen Mindeststandards angeboten werden. Lernort ist die Berufsschule, die bestenfalls Werkstätten und Ateliers für die praktischen Unterweisungen bietet.
Die Ausbildungsdauer beträgt ca. 2 Jahre. Verpflichtend ist ein abschließendes Praktikum (Dauer ca. 200 Stunden) in sogenannten Arbeitszentren. Schüler, die den schulischen Teil beendet haben, werden im Anschluss von den meisten Ausbildungszentren in Praktika vermittelt. Die Kosten der Ausbildung (Berufsschule) müssen vom Auszubildenden getragen werden. Im Rahmen des Praktikums können jedoch durchaus Ausbildungsvergütungen an den Auszubildenden gezahlt werden. Als Zugangsvoraussetzung für die Ausbildung zum Zahntechniker ist es nicht ausreichend, die 10. Klasse absolviert zu haben. So muss der angehende Auszubildende entweder das „Bachillerato“ (die nach Absolvierung der 2-jährigen Oberstufe erworbenen Hochschulreife) vorweisen, bereits im Besitz eines Titels „Técnico Superior“ oder eines Universitätskurses sein, den universitären Orientierungskurs bestanden haben oder eine Zugangsprüfung für die höhere Berufsausbildung bestanden haben. Gelegentlich wird ein Mindestalter von 20 Jahren oder 19 Jahren zzgl. Basis-Berufsausbildung (Grado Medio) vorausgesetzt.
Ausbildungsinhalte, Weiterbildungs- und Berufschancen
Folgende Inhalte werden im Rahmen der Ausbildung vermittelt, was dem allgemeinen, vom Ministerium herausgegebenen Rahmenplan entspricht:
- Organisation, Verwaltung und Management eines Dentallabors
- Produktdefinition, Organisieren, Programmieren und Kontrollieren der Herstellung von Zahnersatz
- Gestaltung von Prothesen und kieferorthopädischen Geräten
- Herstellen, Modifizieren und Reparieren von herausnehmbaren Prothesen aus Kunststoff, von Teilprothesen aus Metall, von festsitzendem Zahnersatz, von kieferorthopädischen Geräten sowie von kombiniertem und implantatgetragenem Zahnersatz
Am Ende des Kurses stehen Prüfungen an (pruebas libres), die jährlich vom Bildungsministerium in den autonomen spanischen Regionen einberufen werden. Mit dem Abschluss als Zahntechniker (Técnico Superior) wird zugleich die Hochschulzugangsberechtigung erworben.
Nach der Ausbildung besteht außerdem die Möglichkeit, weiterführende Studien zur beruflichen Spezialisierung zu unternehmen. Der „Protésico dental” kann nach Abschluss der Lehre als Zahntechniker, Techniker für festsitzenden Zahnersatz, Techniker für herausnehmbaren Zahnersatz bzw. Techniker für Kieferorthopädie, wie in Deutschland auch, als Angestellter in zahntechnischen Laboren, Kliniken oder Dental-Depots arbeiten sowie, entsprechend der Gesetzgebung, sein eigenes Dentallabor gründen.
Teil 4: Annett Zosel-Seeger
Entdecke CME Artikel






Keine Kommentare.