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Neben der klinischen Untersuchung sind auch die Beratung zu Mundhygiene, Ernährung und Anwendung von Fluoriden Bestandteil dieser Untersuchungen. Damit sollen sie einen entscheidenden Beitrag zur Vermeidung frühkindlicher Karies leisten.
Kinderzahnschmelz ist verletzlicher als Erwachsenen-Zahnschmelz
Milchzahnschmelz ist dünner und weniger stark mineralisiert als der Schmelz bleibender Zähne. Er ist dabei an keiner Stelle stärker als 1 mm und durch diese geringere Ausprägung einem erhöhten Risiko für eine schnell voranschreitende Karies ausgesetzt. Auch beim Durchbruch der bleibenden Zähne ist deren Schmelz noch nicht vollständig ausgehärtet und enthält noch feine Porositäten und Ionendefekte innerhalb der Gitterstruktur. „Mit der sogenannten posteruptiven Schmelzreifung wird die Qualität des Schmelzes dann nachgehend nochmals verbessert. Dabei lagern sich Mineralien (vor allem Kalzium und Phosphat aus Speichel und Nahrung) in den Schmelz ein. Der Reifungsprozess vollzieht sich nicht kontinuierlich, sondern wird von den sich wandelnden Milieubedingungen des Zahnes beeinflusst. So nimmt der Mineralgehalt des Schmelzes postnatal um weitere 20% zu und gelangt in ein Endstadium. Diese Reifung verläuft kontinuierlich und ist besonders intensiv in den ersten 2–3 Jahren nach Zahndurchbruch.“ erklärt Prof. Dr. Katrin Bekes, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnmedizin (DGKiZ).
Den Zahnschmelz durch gesunde Ernährung schützen
Um Milchzähne und bleibende Zähne von Anfang an zu schützen, ist eine zahngesunde Ernährung wesentlich. Eine ausgewogene Ernährung versorgt Kinder mit allen wichtigen Nährstoffen: Kohlenhydrate, Eiweiß, Fette, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Unter den Kohlenhydraten besitzen besonders die niedermolekularen Formen (Mono- und Disaccharide, also Zucker) ein hohes kariogenes Potenzial. Hochmolekulare Kohlenhydrate wie Stärke oder Ballaststoffe sind dagegen deutlich weniger schädlich für die Zähne. Dazu Prof. Bekes: „Das bedeutet jedoch nicht, dass Zucker völlig verboten ist – entscheidend ist die Häufigkeit des Konsums. Süßigkeiten oder süße Getränke sollten nur in Maßen und möglichst zu den Hauptmahlzeiten gegessen werden, da so die Belastung für die Zähne geringer ausfällt. Durch ausreichende Pausen zwischen den Mahlzeiten kann die angegriffene Zahnhartsubstanz durch die Puffersysteme des Speichels wieder remineralisiert werden.“ Das Hauptgetränk für Kinder sollte Wasser sein, auch zuckerfreie Getränke wie ungesüßter Tee sind geeignet.
Tägliche häusliche Zahnpflege mit fluoridhaltigen Kinderzahnpasten
Wichtig ist, beim Zähneputzen systematisch vorzugehen, damit alle Zahnflächen gründlich gereinigt werden. Im Milchgebiss eignet sich dafür besonders die sogenannte KAI-Methode: Erst die Kauflächen in geraden Bewegungen reinigen, dann die Außenflächen mit kreisenden Bewegungen putzen, und zuletzt die Innenflächen von innen nach außen „auskehren“. Die gesamte Putzdauer sollte zwei bis drei Minuten betragen. Um die Zähne vor Karies zu schützen, sollte zweimal täglich mit einer Kinderzahnbürste und einer reiskorngroßen Menge fluoridhaltiger Kinderzahnpasta (Fluoridgehalt 1.000 ppm) geputzt werden, sobald der erste Milchzahn durchbricht. Ab dem zweiten Geburtstag kann die Zahnpasta-Menge auf eine etwa erbsengroße Portion erhöht werden. Ab dem sechsten Geburtstag empfehlen die zahnmedizinischen Fachgesellschaften, zweimal täglich eine fluoridhaltige Junior- oder Erwachsenenzahnpasta mit einem Fluoridgehalt von mindestens 1.400 ppm zu verwenden (Abb. 1).
HaleonKaries gemeinsam vorbeugen in der Gruppenprophylaxe
Die sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6) brachte erfreuliche Nachrichten für die Kariesprävention ans Licht: Zwölfjährige haben im Durchschnitt nur 0,5 Zähne mit Karieserfahrung, und fast 78% der Untersuchten waren gänzlich kariesfrei. Bei den 8- bis 9-Jährigen zeigt sich jedoch ein etwas anderes Bild: nur 60% von ihnen waren kariesfrei, die durchschnittliche Karieserfahrung lag bei 1,4 Zähnen, davon 1,3 Milchzähne.
Zahnpflege ist keine angeborene Fähigkeit, sondern muss erlernt werden. Die frühzeitigen und leicht zugänglichen Maßnahmen der zahnmedizinischen Gruppenprophylaxe spielen eine entscheidende Rolle, um gesundheitliche Chancengerechtigkeit zu fördern. Während die Individualprophylaxe auf den Besuch in der Zahnarztpraxis angewiesen ist, bringt die Gruppenprophylaxe die Zahnpflege direkt in die Lebenswelten der Kinder – in Schulen und Kindergärten – und erreicht jährlich über zwei Drittel aller Kindergarten- und Grundschulkinder sowie etwa ein Drittel der Kinder in den fünften und sechsten Klassen, so Dr. Steffi Beckmann, Geschäftsführerin der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e. V. (DAJ). Der Erfolg der Gruppenprophylaxe wird von der DAJ durch umfassende Studien dokumentiert: eine neue bundesweite Untersuchung ist bereits in Arbeit, die Ergebnisse werden 2027 erwartet.
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