Anzeige

Pragmatisch, praktisch, interdisziplinär

Für mehr Mundgesundheit in der stationären Altenpflege

Vor zwei Jahren wurde Meike Wattjes, Zahnmedizinische Fachangestellte, BA Dentalmanagement, für ihr Engagement für die Mundgesundheit von Pflegebedürftigen von der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und CP GABA mit dem PraxisAWARD Prävention ausgezeichnet. Sie hatte eine praktische Mundhygiene-Anleitung für pflegende Angehörige entwickelt. Im Anschluss daran startete Meike Wattjes ein Leuchtturmprojekt in einer stationären Altenpflegeeinrichtung, bei dem sie Pflegekräfte schult, um die Mundhygiene stärker in den Fokus zu rücken. Im Projekt geht es darum, praxisnah zu vermitteln, dass mit wenig Aufwand die Mundgesundheit von Pflegebedürftigen in der stationären Pflege gefördert werden kann.

Selfie nach gemeinsam erfolgreich umgesetzter Mundhygiene; Bewohnerin Frau T., Pflegefachkraft Svea Gertje (Mitte) und Meike Wattje Meike Wattjes
Selfie nach gemeinsam erfolgreich umgesetzter Mundhygiene; Bewohnerin Frau T., Pflegefachkraft Svea Gertje (Mitte) und Meike Wattje
Selfie nach gemeinsam erfolgreich umgesetzter Mundhygiene; Bewohnerin Frau T., Pflegefachkraft Svea Gertje (Mitte) und Meike Wattje
Getting your Trinity Audio player ready...

„Fundiert geschulte Personen können diesen Pflegeaspekt leicht und in einem sehr überschaubaren Zeitrahmen durchführen, ihn weitergeben und ihn zu einer erfolgreichen Routine entwickeln, die Freude bereitet“, weiß Meike Wattjes. Das Ev. Altenzentrum Westerstede hat den Mehrwert dieses Ansatzes erkannt und das Projekt verlängert. Marc Stoyke, Pflegedienstleitung, erklärt: „Das Thema Mundhygiene muss ernster genommen werden und darf nicht mit der Erstellung eines Standards getan sein! Die praktische Umsetzung ist das Erfolgsrezept.“

Gemeinsam die Mundgesundheit verbessern: Mit Struktur und Hilfsmitteln in fünf Minuten

Meike Wattjes‘ Ansatz: Einmal am Tag eine gründliche Zahn-, Mund- und Prothesenpflege durchführen. Mit Struktur und den richtigen, auf die individuelle Mundsituation abgestimmten Hilfsmitteln und Zahnpflegeprodukten ist diese im Schnitt in fünf Minuten umsetzbar. Routinen, individuelle Pflegepläne und eine kurze Dokumentation geben Pflegekräften, Bewohnerinnen und Bewohnern Sicherheit. Im Leuchtturmprojekt kommt auch die von der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg entwickelte Pflegeampel zum Einsatz.

Für die fachkundige Umsetzung der Mundhygiene erlernen Pflegekräfte im Rahmen des Leuchtturmprojekts den sicheren Umgang mit verschiedenen Zahnersatzversorgungen. In der theoretischen Schulung macht die Wissensvermittlung über Zähne, Zahnerkrankungen, Stoffwechselerkrankungen und Zahnersatz den Großteil aus. Meike Wattjes vermittelt dabei auch Ansätze für die Gestaltung von individuellen Lösungen in der Mundhygiene und Zahnersatzpflege. Die Zahnsituation von Bewohnerinnen und Bewohnern in Altenpflegeeinrichtungen ist oft ein komplexes Nebeneinander von verbliebenen eigenen Zähnen und

zusätzlichem Zahnersatz wie Implantaten, Teleskopprothesen oder Brücken. Hinzu kommt in fortgeschrittenem Alter häufig Mundtrockenheit, die den Verbleib von Speiseresten begünstigt (Abb. 1–4). Die gezielte Prävention und Behandlung von Zahnfleischentzündungen ist daher von besonderer Bedeutung für diese Patientengruppe (Abb. 5, 6).

Abb.1: Speisereste bei Bewohnerin mit Mundtrockenheit an TeleskopkronenMeike Wattjes
Abb.1: Speisereste bei Bewohnerin mit Mundtrockenheit an Teleskopkronen
Abb. 2: Zustand nach der MundhygieneMeike Wattjes
Abb. 2: Zustand nach der Mundhygiene
Abb. 3: Plaque bei Bewohnerin mit Mundtrockenheit an den verbliebenen Zähnen im UnterkieferMeike Wattjes
Abb. 3: Plaque bei Bewohnerin mit Mundtrockenheit an den verbliebenen Zähnen im Unterkiefer
Abb. 4: Zustand nach der MundhygieneMeike Wattjes
Abb. 4: Zustand nach der Mundhygiene
Abb. 5: Plaque und deutliche Anzeichen von Zahnfleischentzündung bei einer BewohnerinMeike Wattjes
Abb. 5: Plaque und deutliche Anzeichen von Zahnfleischentzündung bei einer Bewohnerin
Abb. 6: Zustand nach drei Tagen mit einmal täglichem gründlichem Zähneputzen mit InterdentalhygieneMeike Wattjes
Abb. 6: Zustand nach drei Tagen mit einmal täglichem gründlichem Zähneputzen mit Interdentalhygiene

„Pflegekräfte arbeiten täglich nah an der pflegebedürftigen Person. Sie haben dadurch andere Möglichkeiten als die betreuende Zahnarztpraxis, zu beobachten und pflegerisch-präventiv zu handeln, um Schmerzen und Folgebeschwerden zu verhindern. Sie können Veränderungen im Mundraum – wie Beläge oder gerötetes Zahnfleisch – erkennen, aber auch darüber hinaus andere Aspekte wahrnehmen. So kann ein Abwehr- oder auch verändertes Essverhalten ein Hinweis auf eine Problematik im Mundraum sein,“ erklärt Meike Wattjes. Die Schulung erweitert die fachlichen Kenntnisse der Pflegefachkräfte und trägt dazu bei, dass Pflege und Zahnmedizin besser kooperieren können im Einsatz für die Mundgesundheit von Pflegebedürftigen.

Bewohnerinnen und Bewohner aktiv einbinden

Im Fall der Bewohnerin Frau T. lernt Pflegefachkraft Svea Gertje, wie sie die passenden Hilfsmittel für die Bewohnerin auswählt, sie einsetzt und wie sie die Bewohnerin aktiv in ihre Mundhygiene einbinden kann. Die Bewohnerin ist mit einer Oberkiefer-Totalprothese versorgt, am Unterkiefer 33 und 43 mit einer Teleskopkrone, die Zähne 42, 45-47, 34-37 wurden prothetisch ersetzt, Zahn 32 weist eine leichte Karies auf. Bei der Bewohnerin kommen eine Prothesenbürste, eine Handzahnbürste mit kleinem Kopf, Interdentalbürsten der Größe ISO 5 und 6, eine handelsübliche Zahncreme mit niedrigem Abrieb und die elmex® SENSITIVE + Zahnfleischpflege Zahnpasta zum Einsatz. Die elmex® Zahnpasta hat sich im Rahmen des Projekts bei den Bewohnerinnen und Bewohnern mit multiplen Beschwerden im Mundraum und insbesondere bei Mundtrockenheit bewährt. Zudem war die Akzeptanz bei den Anwendenden sehr hoch.

Unter Anleitung kann Frau T. selbständig ihre Oberkieferprothese am Waschbecken abspülen. Für die weitere Mundhygiene ist sie auf Unterstützung angewiesen. Um Bewohnerinnen und Bewohner für die Mundhygiene zu motivieren und für die Pflegekräfte eine möglichst stressfreie Situation zu schaffen, ist es wichtig, die individuellen Bedürfnisse bei der Mundhygieneroutine zu beachten. „Frau T. trägt, je nach Tagesform, gern einen roten Lippenstift, was für sie ein wunderbarer Abschluss nach der Zahn- und Mundpflege ist,“ berichtet Meike Wattjes.

Im Rahmen des Leuchtturmprojekts zeigt sich: Viele der beteiligten pflegebedürftigen Personen, auch demenziell erkrankte, lassen sich gerne auf eine neue Mundhygieneroutine ein, wenn sie ihren Möglichkeiten entsprechend eingebunden werden. Dazu zählt, sie über die einzelnen Schritte zu informieren und zusammen bestmögliche Lösungen zu finden.

Neue Kompetenzen und sichtbare Ergebnisse motivieren Pflegekräfte

Anzeige

Die Arbeit von Meike Wattjes basiert auf dem multiprofessionell erarbeiteten Expertenstandard zur Förderung der Mundgesundheit in der Pflege, der 2023 vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung (DNQP) veröffentlicht wurde. Pflegedienstleiter Marc Stoyke erläutert: „Der Expertenstandard zur Förderung der Mundgesundheit in der Pflege ist verbindlich. Doch häufig wird die Wichtigkeit der Mund- und Zahnhygiene von den Bewohnern selbst, aber auch vom Pflegepersonal unterschätzt. Die Mitarbeitenden konnten durch das Projekt direkt am Bewohner erleben, wie mit den richtigen Hilfsmitteln und guter Kommunikation eine effektive Mund- und Zahnpflege möglich sind. Insbesondere haben wir erfahren, wie unkompliziert sie sich in den Alltag integrieren lassen.“

Motivierend für die Mitarbeitenden sei die Erfolgskontrolle mittels Vorher-Nachher Fotos. Diese veranschaulichen, dass eine gute Mundhygiene einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der allgemeinen Pflegequalität leisten kann.

Vier Tipps aus der Pflegepraxis für Patientinnen und Patienten, die Angehörige pflegen

  1. Einmal täglich bewusst Zeit für die Mundpflege nehmen
    Eine gründliche Zahn-, Mund- und Prothesenpflege muss nicht lange dauern. Mit der richtigen Technik, den passenden Hilfsmitteln und einer klaren Struktur machen bereits 5 Minuten täglich einen großen Unterschied.
  2. Mundgesundheit beginnt mit genauem Hinschauen
    Achten Sie auf Veränderungen: gerötetes oder blutendes Zahnfleisch Beläge, Druckstellen, Mundtrockenheit oder verändertes Essverhalten. Behalten Sie auch die Nebenwirkungen von Medikamenten im Blick. Einige Wirkstoffe können zu Veränderungen im Mundraum führen.
  3. Die richtigen Hilfsmittel finden
    Nicht jede Zahnbürste oder jedes Pflegeprodukt passt zu jeder Mundsituation. Elektrische Zahnbürsten, Interdentalbürsten oder spezielle Prothesenbürsten können die Mundpflege deutlich erleichtern – besonders bei komplexem Zahnersatz. Lassen Sie sich von einer Fachperson beraten.
  4. Kleine Routinen schaffen große Erfolge
    Mundpflege funktioniert am besten, wenn sie fest in den Tagesablauf integriert wird. Klare Zuständigkeiten und Abläufe geben Ihnen und Ihren Angehörigen Sicherheit.

Quelle: CP GABA GmbH

Kommentare

Keine Kommentare.

Anzeige