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Schön und hell ist unser Zimmer im zweiten Stock. Aus dem Fenster fällt unser Blick über ausladende grüne Bäume auf das „Jägertor“, nach dem das Hotel benannt ist. Es wurde 1733 errichtet und führte einst zur kurfürstlichen Fasanerie. Schnell haben wir uns eingerichtet. Dann zieht es uns in die nahe russische Kolonie „Alexandrowka“. Der preußische König Friedrich Wilhelm III., der eng mit Zar Alexander I. befreundet war, ließ die Siedlung1826/27 für zwölf der berühmten russischen Sänger des Soldatenheeres erbauen. Die schönen alten russischen Holzhäuser mit den typischen Schnitzereien sind auch heute noch bewohnt. Endlich finden wir das als Museum zu besichtigende Haus. Riesig ist der Garten dahinter, in dem wir zunächst einmal gemütlich Kaffee trinken und Kuchen essen.
Danach besichtigen wir das im russischen Stil mit schönen Schnitzereien erbaute Haus. Sogar die Gärten waren bei Bezug 1827 bereits angelegt und jeder Haushalt bekam eine Kuh geschenkt. Wenige Fußminuten entfernt auf einem Hügel steht die kleine, zur Siedlung gehörende, 1829 geweihte Alexander-Newski-Gedächtniskirche, in der auch heute noch russisch-orthodoxe Gottesdienste abgehalten werden. Schöne alte Ikonen sind dort zu bewundern.
Zurück im „Hotel am Jägertor“, das bewusst kein Restaurant hat, „weil ein Potsdam-Besucher um uns herum ohnehin die Qual der Wahl hat“, wird uns die gleich gegenüber liegende Lindenstraße empfohlen. Hier reihen sich Bistros und internationale Restaurants aneinander – tatsächlich unter uralten Linden. Wir entscheiden uns für das Vietnamesische Restaurant „Le’s Cyclo“, sitzen draußen unter Bäumen und sind begeistert vom exotische Essen und der reizenden Bedienung. Danach bummeln wir noch etwas herum und gelangen auf den querab verlaufenden „Broadway“. Er quillt nur so über von Boutiquen und Läden jeder Art. Das sei die wuseligste und interessanteste Straße Potsdams überhaupt, erzählt man uns später.
Mit der Straßenbahn fahren wir am nächsten Morgen nach einem reichhaltigen Frühstück, zu dem jeweils auch gut gekühlt ein Sekt-Cuvée bereitsteht, bis zum „Alten Markt“. Welche Enttäuschung. Statt eines wuseligen Platzes mit vielen Verkaufsständen gähnende Leere. Doch dafür kann man auf der anderen Seite des Platzes den ehemaligen Marstall des eindrucksvollen Stadtschlosses bewundern. Heute beherbergt das langgestreckte Gebäude ein Filmmuseum. Am Stadtschloss selbst treffen wir Stadtführer Jannis Dräger. Zunächst gibt er einen Überblick über die Geschichte des klassisch-kaiserlichen Potsdam. Im 18. Jahrhundert hatte Friedrich der Große das Stadtschloss, die Nikolai-Kirche und das Rathaus wie um ein um eine italienische Piazza gruppieren lassen. Vieles wurde im Krieg zerstört und auch in der DDR-Zeit nicht wie heute restauriert. Die große Kuppel der zuletzt im 19. Jahrhundert von Baumeister Schinkel konzipierten Nikolai-Kirche ist sicher das herrlichste der an fantastischen Bauten reichen, einst königlichen Residenz. Und mitten in diesem wundervollen alten Zentrum Potsdams, das zum UNESCO-Welterbe gehört, steht „Atlas“ auf hoher Säule und stemmt die Erdkugel, als trüge er die Last der letzten Jahrhunderte.
Unsere hervorragende Führung endet im „Holländischen Viertel“. Friedrich I. brauchte dringend Fachkräfte, um seine Garnisonstadt auszubauen. Die warb er in Holland an und ließ für sie als „Heimatgefühl“ diese typischen Backsteinhäuser errichten. Hier gönnen wir uns ein Mittagessen im „Fliegenden Holländer“ und setzen danach unsere Erkundung ohne Führung fort. Überaus freundlich und hilfsbereit sind die Potsdamer. So finden wir nachmittags auch mühelos durch das Potsdamer „Brandenburger Tor“ zum herrlichen Park und dem weltberühmten Schloss Sanssouci. Auf das seitlich liegende Grab des „Alten Fritz“ – auch „Kartoffelkönig“ genannt – legen wir ihm zu Ehren statt Blumen eine Kartoffel. Im März 1756 hatte er befohlen, dass alle Bauern Kartoffeln anzupflanzen hätten, damit niemand Hunger leide.
Am nächsten Tag machen wir eine herrliche Schlösserrundfahrt mit der „Schifffahrt Potsdam“, beginnend am Schiffsanleger mitten in der Stadt beim Alten Markt. Wir unterqueren die Glienicker Brücke – Brennpunkt zwischen Ost und West zu DDR-Zeiten. Dann öffnet sich eine weite Seenlandschaft mit herrlichen Parks und Wäldern entlang der Ufer. Durch die Bäume des „Neuen Garten“ schimmern die Parks und Schlösser der Hohenzollern-Dynastie, darunter auch das berühmte „Marmorpalais“, das wir am Nachmittag besuchen. Ein Raum ist phantastischer ausgemalt und möbliert als der andere. Die Geschichte von Friedrich Wilhelm II. prasselt über uns herein. Er hatte es sich mit Blick auf den See als Sommerschloss bauen lassen, um hier seinen musischen Interessen nachzugehen – und seine Ruhe zu haben. Gemütlich bummeln wir zurück zu unserem schönen „Hotel am Jägertor“ und genießen dort sozusagen vor der Haustür in einem der kleinen Bistros in der Lindenstraße noch einen Glas Wein. Am nächsten Morgen erwartet uns auf der Terrasse unseres Hotels unter blühenden Büschen zum letzten Mal das verführerische, reichhaltige Frühstück.
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