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Der 52-jährige Patient litt jahrelang unter Kopfschmerzen. Seinem Empfinden nach lag die Ursache der Schmerzen irgendwo bei den oberen Molaren auf der linken Seite. Über mehrere Jahre hinweg wurden behutsam die Goldgussfüllungen massiv eingeschliffen – bis zur Unterfüllung unter der zentralen Fissur. Das war der Durchbruch. Das Inlay fiel heraus und der Patient war schmerzfrei. Allerdings verlor er auch jeglichen Komfort beim Kauen. Zudem biss er sich an den scharfen Spitzen der Präparation ständig die Zunge blutig.
Die Präparation
Die Präparation, die nun infolgedessen gemacht wurde, war eine Präparation nach dem Lehrbuch, wie ich sie nur alle fünf Jahre auf den Feilkloben bekomme: eine funktionelle Höckerabdeckung, die Hohlkehle mit sauberen Abschlüssen – wundervoll! Vorher gab es palatinal einen Höckerrest, der wie ein Obelisk in die orale Funktionsfläche ragte (Abb. 1 und 2). Zwei frühere Behandler des Patienten hielten eisern an diesem fest. Allerdings ist die Einschubrichtung von den Nachbarzähnen vorgegeben. Da wir optimale Approximalkontakte anstrebten, musste er deshalb ausgeblockt werden, wodurch die Friktion zum Gussobjekt verloren ging. Die Längen des Inlay-Randes wurden durch das Umrunden der Höckerspitze vergrößert, worunter die Passgenauigkeit litt (Abb. 3).
Genau um diese Spitze herum liegen zudem die Hauptkontaktpunkte des Haupthöckers, der 60–70% der gesamten Kauleistung trägt. Dass diese ausgerechnet auf den sensiblen Bereich der Inlay-Ränder treffen, ist nicht gerade optimal. Immerhin hielt das erste Empress I Inlay (Ivoclar) 14 Jahre und das darauffolgende Inlay aus Gold nochmal 16 Jahre, wenn auch unter Schmerzen.
Wozu der Höckerrest?
Die zwei Vorbehandler gingen davon aus, dass dieser Rest des palatinalen Höckers gut für die Retention des Inlays sei. Den Zahntechniker stört dieser Rest jedoch, eben weil er nicht mit der Einschubrichtung der anderen Flächen übereinstimmt. Aus technischer Sicht überlegte ich damals krampfhaft, welchen Sinn der Höckerrest haben könnte, ob er zum Beispiel für die okklusale Abstützung während der Herstellungsphase des Inlays hilfreich sein könnte. Der aktuelle Behandler erklärte, dass seine Kollegen diese Höcker gerne als Führung nutzen, wenn sie einzementieren. Gibt es noch weitere Ideen für eine Erklärung?
Neuer Biss
Entsprechend der aktuellen hervorragenden Präparation fertigte ich voller Hingabe ein gegossenes Gold-Overlay (Abb. 4); klassisch, praktisch und unkompliziert aus der traditionellen, bewährten Legierung Orplid H von C. Hafner. Approximal schnappte die Zahnseide, was die Stuhlassistentin freudig aufhorchen ließ. Okklusal hielt die Shimstockfolie nur ganz leicht. Bei der Nachkontrolle zeigten sich dennoch leichte Kontakte, die der Patient auch spürte. Diese ließen wir allerdings bestehen. Der behandelnde Zahnarzt griff zum Glück nicht gleich zum großen Schleifinstrument, sondern empfahl dem Patienten, das neue Overlay erst einmal auszuprobieren. Tatsächlich war es wirklich nur ein Hauch eines Kontaktes und das Kauorganadaptierte die neue Situation in der Tat wie geplant.
Fazit
Soweit lief alles wie am Schnürchen und ich kann diesmal wirklich nicht meckern. Dennoch fragte ich mich, wie diese leichten Störkontakte zustande kamen. Der Kontakt auf dem Ausläufer der mesialen Randleiste entstand während der Protrusionsbewegung (Abb. 5). Die Höckerneigungen entsprachen nicht ganz dieser Bewegung. Der Kontakt auf dem distopalatinalen Abhang des mesiobukkalen Höckers war ein Lateroprotrusions-Kontakt (Abb. 6). Auch hätte ich mehr Freiheitsgrade für den Immediate Side Shift „einbauen“ können, um dem Patienten noch ein wenig mehr Freiräume zu schenken. Letztlich war es eine kleine feine Arbeit, die aufgrund ihrer zahnmedizinischen Vorarbeit Wert ist, hervorgehoben zu werden.
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