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Sie lesen doch bestimmt auch regelmäßig das Journal of Vertebrate Paleontology. Dann ist Ihnen mit Sicherheit in der Mai-Ausgabe der Beitrag von Turner et al. [1] ins Auge gefallen, in dem eine neue Art der Gattung Shuvosaurus, der Labrujasuchus expectatus beschrieben wird: Der Shuvosaurus ist eine Gattung schnabelförmiger, zweibeiniger Poposauroid-Pseudosuchianer, die in der späten Trias (vor ca. 212 Millionen Jahren) im Westen von Texas lebte. Obwohl er oberflächlich einem theropoden Dinosaurier, insbesondere den straußenähnlichen Ornithomimosauriern ähnelt, ist er tatsächlich eher mit lebenden Krokodilen als mit den Dinosauriern verwandt. Der Labrujasuchus expectatus erinnerte im Körperbau zunächst stark an die straußenartigen Dinosaurier: Er war schlank gebaut, lief auf zwei Beinen, hatte kleine Vorderarme und besaß keine Zähne: Statt einem Gebiss trug er ein schnabelartiges Maul. Dennoch gehört der Labrujasuchus expectatus zur Linie der Archosaurier, die zu den heutigen Krokodilen führt [2]. Ein zahnloses Krokodil also, das so gar nicht in das heutige Krokodil-Bild passte.
Im Gegensatz zu den bezahnten Krokodilen findet man das possierliche Tierchen heute allerdings nicht mehr: Zahntragend schlägt zahnlos – oder: Die Zahnerhaltung ist ein Evolutionsvorteil – denn: „Ohne Zähne is(s)t man nichts“!
Dass Zähne wichtig sind, wissen wir, predigen wir aus Überzeugung und mit Sachverstand und tun in der täglichen Behandlung alles für Ihren Erhalt – und das bereits seit 58.000 Jahren: NTV [3] und die zm [4] berichteten bereits über den Fund eines Neandertaler-Zahnes, an dem anscheinend bereits eine VitE durchgeführt wurde [5]; dennoch zu spät für die in der Trias Geborenen…
Dies nur mal als ein kleiner evolutionsgeschichtlicher Ausflug mit dem Fokus auf Zahnerhalt.
Kommen wir zurück zu den Möglichkeiten der heutigen Zahnmedizin: Im aktuellen Heft legen wir den Fokus auf die craniomandibuläre Dysfunktion: Dr. Weber aus der Klinik für Zahnärztliche Prothetik der Zahnklinik Marburg versucht mit einer Klassifizierung der Thematik Ordnung und Überblick zu verschaffen, Frau Dr. Aini beschreibt die leitlinienbasierte, praxisorientierte Umsetzung von Okklusionsschienenkonzepten.
Eine hochinteressante Verknüpfung von Kieferorthopädie und Parodontologie zeigt Frau Dr. Habsburg-Lothringen, der Klinik für Kieferorthopädie des Universitätsklinikums RWTH Aachen, auf: Sie betont in ihrem Beitrag die Relevanz einer ganzheitlichen Betrachtung der Wechselbeziehung zwischen Parodontalerkrankungen und systemischen Erkrankungen in der kieferorthopädischen Behandlung; ein Kontext, der einem nicht unbedingt immer bewusst ist.
Ähnlich sieht es mit dem Williams-Beuren-Syndrom aus, mit dem man eventuell auch einmal in der zahnärztlichen Praxis konfrontiert sein kann: Der gemeinsame Beitrag der Universitätskliniken Ulm und Witten/Herdecke sowie des Klinikums Stuttgart beschreiben sehr detailliert mit viel medizinischem Hintergrundwissen die Möglichkeiten und Grenzen in der ambulanten Betreuung und Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Williams-Beuren-Syndrom in der zahnärztlichen Praxis. Im Vordergrund steht das Wissen, dass diese Patienten als Hochrisikogruppe für (Allgemein-)anästhesiologische Verfahren gelten.
Auch etwas Experimentelles, aber dennoch sehr Vielversprechendes, ist zu finden: Mini malinvasive einflügelige Adhäsivbrücken aus Zirkonoxidkeramik zum Ersatz einzelner, fehlender Zähne im Seitenzahnbereich müssen zwar noch als experimentell betrachtet werden – genauso waren dies aber zu Anfang auch die einflügeligen Adhäsivbrücken zum Ersatz seitlicher Schneidezähne: Ein Behandlungskonzept, das sich über die Jahrzehnte vom Status experimentell zum minimalinvasiven Goldenstandard entwickelt hat. Wie heißt es so schön: Eine Reise beginnt mit dem ersten Schritt; wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Auch die Forschung basiert auf innovativen Ideen und Konzepten, die einfach mal umgesetzt gehören; ansonsten verharrt man immer auf derselben Stelle. Schön, dass Frau Professor Passia und Frau PD Yazigi das Erbe von Professor Kern mit dem Fokus auf Adhäsivprothetik weiterleben lassen und weiterentwickeln.
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