|
Getting your Trinity Audio player ready...
|
Methodik
Eine internationale Gruppe namhafter Experten hat sich dieser wichtigen Fragestellung angenommen und die verfügbaren Daten zum Einfluss der sieben meistverbreiteten Krankheitsbilder auf implantologische (Erfolgs-) Parameter in einer umfassenden systematischen Übersicht zusammengetragen. In einem standardisierten und reproduzierbaren Auswahlprozess konnten nach der erweiterten Suche in elektronischen Datenbanken schlussendlich 60 Studien, welche die vordefinierten Einschlusskriterien erfüllten, eingeschlossen und deskriptiv (53 Studien) oder statistisch (7 Studien) ausgewertet werden.
Ergebnisse
Bei Patienten mit einem Alter von 75 Jahren und mehr, die zudem eventuell auch systemische Erkrankungen aufweisen, konnten Implantat-Überlebensraten von 97,3% nach einem (7 Studien) und 96,1% nach fünf Jahren (3 Studien) gezeigt werden. Die Daten aus 17 Studien zum Effekt einer Strahlentherapie bei Krebs-Patienten zeigten Implantat-Überlebensraten zwischen 57,1% und 97,9%. In vielen Studien wurde ein Zeitraum von 12 Monate und mehr nach der Bestrahlung berücksichtigt bevor Implantate inseriert wurden. Darüber hinaus wird für Krebs-Patienten, die eine hochdosierte anti-resorptive Therapie (ART) erhalten ein hohes Risiko für eine Antiresorptiva-assoziierte Kiefernekrosen (AR-ONJ) beschrieben und eine Kontraindikation für Implantate formuliert. ART, in aller Regel in deutlich niedrigeren Dosierungen, wird auch für Patienten und Patientinnen mit Osteoporose/Osteopenie verabreicht. Die Synopsis aus 14 Studien zeigt hier hohe Implantat-Überlebensraten mit deutlich geringerem Risiko für eine AR-ONJ. Sieben Studien standen zu Diabetes mellitus Typ 2 zur Verfügung. Die rapportierten Implantat-Überlebensraten lagen im Bereich zwischen 86,3% und 100%. Eine geringe glykämische Kontrolle (HBA1c Wert höher als 8%) scheint dabei, einen relevanten Effekt zu haben. Zwei Studien zum Implantat-Überleben bei Patienten mit Bluthochdruck/-Therapie legen keinen Einfluss dieser Erkrankungen auf das Überleben von Implantaten nahe. Zum Implantat-Überleben bei Patienten mit unterschiedlichen neuro-kognitiven oder respiratorischen Erkrankungen, Demenz, Osteoarthritis und Leberzirrhose konnten in dieser Arbeit keine robusten Aussagen gemacht werden, weil keine Publikationen in die Übersicht eingeschlossen wurden oder nur Daten aus wenigen Studien mit sehr begrenzten Patientenzahlen verfügbar waren.
Klinische Schlussfolgerungen
Bei hochbetagten Senioren und/oder bei Patienten und Patientinnen mit systemischen Erkrankungen können pathophysiologische oder therapeutische Fragestellungen, die Entscheidung für oder gegen dentale Implantate direkt beeinflussen. Das betrifft u.a. den Knochenstoffwechsel in zuvor bestrahlten Regionen oder bei ART, eine unzureichende Kontrolle des Blutzuckerspiegels oder die Einnahme von Antikoagulanzien/ Thrombozytenaggregationshemmern. Andere Überlegungen betreffen die Gebrechlichkeit, reduzierte manuelle Geschicklichkeit und/oder die kognitive Leistungsfähigkeit alter und kranker Menschen, die zu reduzierter Mundhygiene und eingeschränkten Möglichkeiten für eine adäquate zahnärztliche Nachsorge führen können. Die große Variabilität möglicher Erkrankungen, Medikationen, individueller Zustände und Risiken erlaubt allerdings eher keine globalen Aussagen und es sollten daher die medizinische Vorgeschichte, die Bedürfnisse und Möglichkeiten des konkreten Patienten im Behandlungsstuhl für die anstehenden therapeutischen Entscheidungen differenziert berücksichtigt werden.
Studienrezension: Schimmel M, Srinivasan M, McKenna G, Müller F. Effect of advanced age and/or systemic medical conditions on dental implant survival: A systematic review and meta-analysis. Clin Oral Implants Res. 2018 Oct; 29 Suppl 16:311-330.
Entdecke CME Artikel



Keine Kommentare.