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Funktionsstörungen

Visualtraining zur Verbesserung der Sehkraft von Zahnärzten

Viele Zahnärzte klagen über müde, trockene und gerötete Augen, Konzentrationsstörungen, nachlassende oder auch schwankende Sehleistungen. Eine dauerhafte Naharbeit am Stuhl fordert die Augen einseitig und belastet den gesamten Organismus. Nachfolgend wird auf die Funktionsstörungen des menschlichen Auges eingegangen und wie ein Visualtraining Abhilfe schaffen kann.

Illustration einer Frau, die auf eine Leinwand zeigt und ein Augen rechts. vectorjuice/freepik
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Vielleicht passiert es auch Ihnen, dass Sie beim schnellen Blickwechsel von Fern- zu Nahobjekten und umgekehrt eine Verzögerung in der Scharfstellung feststellen. Auch wenn Sie in der Praxis oft mit Lupenbrillen arbeiten, können sich hier schnell – auch im jungen Alter – nachlassende Sehleistungen ergeben. Wer nicht scharf sieht, der braucht eine Brille – klar. Bei den beschriebenen Symptomen hilft jedoch eine Brille nicht nur allein, da sich die Wahrnehmung in mehrere Bereiche teilt. Hier greift die Funktionaloptometrie. Die klassische Optometrie misst die Sehkraft (z. B. Kurz- und Weitsichtigkeit oder Astigmatismus) und korrigiert die Sehschärfe mittels Brillen oder Kontaktlinsen. Die Funktionaloptometrie ist ein Teilgebiet der Optometrie und beschäftigt sich mit Funktionsstörungen, die bei gesunden menschlichen Augen aufgrund eines falschen Sehverhaltens oder einer fehlerhaften Sehentwicklung auftreten und zu Problemen der visuellen Wahrnehmung führen können (Definition der WVAO).

Die Funktionaloptometrie

Die Funktionaloptometrie findet vorrangig Einsatz bei Kindern mit Lese- und Lernproblemen, Leserechtschreibschwäche, Rechenschwäche (Dyskalkulie) oder auch bei Kinder mit Konzentrationsproblemen sowie ADS. Ferner kommt sie zur Anwendung bei asthenopischen Beschwerden (trockene, müde und rote Augen sowie Kopfschmerzen), bei Personen mit Myopie (ansteigende Kurzsichtigkeit durch Nahstress), bei beginnender Presbyopie (Altersweitsichtigkeit), Winkelfehlsichtigkeiten sowie Amblyopie (Schwachsichtigkeit eines Auges bzw. Sehleistungsunterschied ab zwei Visusstufen) sowie bei PC-Anwendern und Naharbeitern. Last but not least sind auch Sportler und Patienten nach Schlaganfall, Trauma oder Burn-out-Syndrom etc. potenzielle Patienten.

Das Ursprungsland der Funktionaloptometrie sind die USA. Hier wird diese unter dem Begriff „Behavioral Optometry“ (Verhaltensoptometrie) praktiziert. Aufgrund klinischer Erfahrungen hat die Funktionaloptometrie Konzepte entwickelt, die den Sehvorgang in den Gesamtzusammenhang der Körperhaltung integrieren. Darüber hinaus wird der Sehvorgang im Verhältnis mit der kindlichen Entwicklung und dem Verhalten beurteilt. Dies schließt sowohl Analyse- als auch Trainingsmethoden ein, die eine ganzheitliche Betrachtungsweise des Sehens beinhalten. Es werden gezielt Untersuchungsverfahren eingesetzt, die Zusammenhänge von Defiziten im Sehvorgang und Haltungsveränderungen aufdecken sollen. Die Verknüpfung zwischen Balance, Schwerkraft und visueller Leistungsfähigkeit stellt einen wichtigen Punkt im Skeffington-Modell dar, das als Grundlage der Funktionaloptometrie angesehen wird (Abb. 1).

Abb. 1: Die vier Kreise nach SkeffingtonAlexandra Römer
Abb. 1: Die vier Kreise nach Skeffington

Die Funktionaloptometrie sieht das Sehsystem als Ganzes. Die vier wichtigen Teile sind hierbei:

  • Die Okulomotorik: die gemeinsame flüssige Bewegung der Augen in alle Richtungen (wichtig für das Lesen)
  • Die Binokularität: die genaue Winkeleinstellung der Augen zusammen auf einen Punkt in Fern und Nah (um nicht doppelt zu sehen
  • Die Akkommodation: die punktgenaue Scharfeinstellung der Augenlinse auf einen Punkt in Fern und Nah (um Dinge ganz deutlich zu sehen)
  • Die Wahrnehmung

Die Okulomotorik

    Die Voraussetzung hierfür ist ein hohes Steuerungsvermögen der Augenmuskulatur. Liegen in diesem Bereich Defizite vor, kann der Grund eine unzureichende Qualität des eigenen Körperbewusstseins sein, verursacht durch mangelnde Ausbildung der Körpermitte, Gleichgewicht, Grob- und/oder Feinmotorik.

    Blicksakkaden: die Fähigkeit zur zielgenauen Ausführung der Blicksprünge (seitlich sowie von der Ferne zur Nähe). Häufig kommt es hier bei Dysfunktion zur Verzögerung der Blickwechsel, da jedes Mal bei ungenauen Sakkaden nachjustiert werden muss. Dies verbraucht Zeit und zusätzlich Energie. Ungenaue Sakkaden führen besonders beim Abschreiben, aber auch beim Lesen (der Wechsel vom Zeilenende zum neuen Zeilenanfang) zu einem langsamen stotternden Lesen. Die Ursache hierfür kann im mangelnden Körperbild, Körpermittelpunkt und Achsen sowie in Defiziten des Gleichgewichtes, Grob- und Feinmotorik liegen.

    Scanning: die Suche nach einem bestimmten Objekt innerhalb einer Gruppe = „Figure Ground“. Kann diese Fähigkeit, sich visuell für einen längeren Zeitraum auf eine bestimmte Aufgabe zu konzentrieren, aufrechterhalten werden? Hierbei muss das Zusammenspiel zwischen den Blicksakkaden und den Folgebewegungen funktionieren.

    Die Binokularität oder Vergenzen (Augachsstellungen)

      Die Bilder der beiden Einzelaugen werden beim Blick geradeaus in der Sehverarbeitung ohne zusätzliche Muskelbewegungen (motorische Fusion) zu einem Einfachbild (Fusion) verschmolzen (Abb. 2).

      Abb. 2: Winkelfehlsichtigkeit-OrthophorieAlexandra Römer
      Abb. 2: Winkelfehlsichtigkeit-Orthophorie
      Abb. 3: Winkelfehlsichtigkeit-EsophorieAlexandra Römer
      Abb. 3: Winkelfehlsichtigkeit-Esophorie
      Abb. 4: Winkelfehlsichtigkeit-Esophorie durch Prisma korrigiert.Alexandra Römer
      Abb. 4: Winkelfehlsichtigkeit-Esophorie durch Prisma korrigiert.

      Augachsfehlstellung nach innen: Die Einzelbilder der beiden Augen werden nur unter Einsatz von motorischer Fusion verschmolzen. Die Folgen können asthenopische Beschwerden wie müde, rote Augen, Kopfschmerzen und Konzentrationsverlust sein. Abhilfe kann hier ein Prisma verschaffen, welches ermöglicht, dass die Augachsen ihre Ruhelageeinnehmen und eine entlastende Bildverschmelzung stattfindet (Abb. 3 u. 4). Allerdings ist das Sehen ein Gehirnverarbeitungsprozess. Auch die Steuerung der Vergenzen (Augachsen) kann durch Training erlernt, aufgebaut und stabilisiert werden, damit eine vorhandene Fehlstellung behoben und nicht durch ein gegebenes Prisma manifestiert wird. Ursache für jedes Problem der Augensteuerung kann mit dem Gleichgewicht (vestibuläres System und kinästhetischer Sinn = auf die Muskelbewegung bezogen) zusammenhängen. Besonders bei Kindern mit Leselern- und Konzentrationsproblemen bietet ein Prisma zunächst die schnelle, einfache Lösung; jedoch sollte zur Stabilität der Körperachsen und Körpermitte ein begleitendes Training in Betracht gezogen werden. Kieferfehlstellungen wie z. B. die craniomandibuläre Dysfunktion können auch Einfluss auf die Vergenzstellung (Ausrichtung der Augachsen) haben. Daher ist es wichtig, in diesen Bereich interdisziplinär mit Fachleuten wie z. B. Optikern, Funktionaloptometristen, Osteopathen und Orthopäden zusammenzuarbeiten.

      Die Akkommodation

        In diesem Bereich wird an der gezielten Steigerung der Akkommodationsfähigkeiten gearbeitet. Hier steht die Verbesserung der Flexibilität der Akkommodation im Vordergrund. Manchmal z. B. bemerken auch schon junge Zahnärzte, die häufig die Lupenbrillen benutzen, nach Feierabend eine Verzögerung in der Anpassung der Schärfenregulierung von Fern- zur Nahsicht oder umgekehrt. Um hier die Sehleistung insbesondere im Nahbereich zu erhalten und eine beginnende vorzeitige Presbyopie (Alterssichtigkeit) zu vermeiden, sollte man Visualtraining durchführen. Die Flexibilität der Akkommodation bleibt so möglichst lange erhalten.

        Es werden spezielle Trainingsübungen zur Anspannung, Entspannung und Aufhebung der Akkommodation erlernt.

        Die Wahrnehmung

          In diesem Kreis werden rein sensorische Fähigkeiten trainiert. Die Visualisation und Entspannungsmethoden sowie Übungen für die motorische Integration von Auge-Hand-Koordination, Übungen zur Gehirnfitness, aber auch Lateralität, Form und Raumwahrnehmung werden trainiert Die Vermischung aller Sinneserfahrungen wie Sprechen, Hören, Fühlen findet hier statt.

          Das Visualtraining

          Die Funktionaloptometrie sieht den Menschen in seiner Ganzheitlichkeit. Um Defizite im Sehsystem auszugleichen, ist es Ziel, den Menschen auf all seinen Körperachsen zu stabilisieren, damit die visuelle Leistungsfähigkeit verbessert wird sowie die Fähigkeit, die einzelnen visuellen Seh- und Wahrnehmungsfunktionen anzuwenden und ins tägliche Leben zu integrieren.

          Der Funktionaloptometrist erstellt ein individuelles Trainingsprogramm für ein Visualtraining, das dann in speziell eingerichteten Trainingsräumen durchgeführt wird. Die individuelle Betreuung und die regelmäßigen Kontrollen sichern den Erfolg für eine gesteigerte visuelle Wahrnehmung und mehr Sehkomfort.

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          Ein Übungsprogramm besteht aus jeweils vier Übungen der vier Teilgebiete. Das Training sollte täglich – wie das Zähneputzen – durchgeführt werden. Dabei werden die Teilbereiche des Visualsystems noch einmal in allen Stufen durchlaufen und die einzelnen Fähigkeiten miteinander verknüpft. Das eigentliche „Sehen“ geschieht durch das Zusammenwirken aller beteiligten Einzelfunktionen, denn nur wenn alle Teilbereiche flüssig ineinandergreifen, besteht eine gute visuelle Leistungsfähigkeit.

          Im Bereich der asthenopischen Beschwerden (Sehstörung) und beginnenden Presbyopie (Alterssichtigkeit) werden tätigkeitsbezogene Gruppentagesseminare veranstaltet, in denen ein gesundes Sehverhalten vermittelt wird. Kurze und sanfte Sehfitnessübungen zur Augenbeweglichkeit, der Beidäugigkeit, der Sehschärfenregulierung und der visuellen Wahrnehmungsverarbeitung werden erlernt, um die Sehfitness zu verbessern. Wohltuende ganzheitliche Entspannungsübungen aktivieren das visuelle Wohlergehen.

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