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Vorsorge & Zahngesundheit

Weisheitszähne entfernen oder behalten? Wann eine OP wirklich nötig ist

Weisheitszähne brechen meist zwischen dem 17. und 25. Lebensjahr durch. Lange Zeit galt: lieber entfernen, bevor sie Probleme machen. Heute gehen Zahnärzte deutlich differenzierter vor. Dank moderner Diagnostik und schonender Behandlungsmethoden ist eine Entfernung längst nicht mehr in jedem Fall notwendig.

Illustration eines Gebisses, welches untersucht wird. brgfx/freepik
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Die sogenannten dritten Molaren ergänzen das Gebiss auf insgesamt 32 Zähne. Bei etwa 20 Prozent der Menschen sind sie jedoch gar nicht angelegt. Früher halfen Weisheitszähne beim Zerkleinern harter Nahrung. Mit der weicheren, verarbeiteten Kost der Moderne hat sich der Kiefer verkleinert. Weisheitszähne sind heute ein evolutionäres Erbe, das wir kaum noch brauchen. So bleibt für sie manchmal kein Platz.

Ob Weisheitszähne bleiben können, hängt von ihrer Position, Form und der Größe des Kiefers ab. Haben sie genügend Raum und fügen sich problemlos in die Zahnreihe ein, dürfen sie bleiben. „Das pauschale Ziehen aller Weisheitszähne ist überholt“, erklärt PD Dr. Frank Peter Strietzel von der Charité Universitätsmedizin Berlin. „Viele Weisheitszähne können ein Leben lang im Mund verbleiben, wenn sie – wie alle anderen Zähne auch – regelmäßig kontrolliert werden und keine Beschwerden verursachen.“

Wann Weisheitszähne raus müssen

Müssen Weisheitszähne entfernt werden, liegt das meist an Platzmangel, Entzündungen, Karies oder einer abweichenden Wachstumsrichtung. Brechen sie nur teilweise durch, kann sich unter der Zahnfleischhaube ein mikrobiell besiedelter Biofilm ansammeln. Dann drohen Infektionen und Entzündungen mit Schwellungen und Schmerzen. Ein Eingriff ist sinnvoll, wenn sie wiederholt Beschwerden verursachen oder absehbar ist, dass sich die Zähne später problematisch entwickeln könnten. Der optimale Zeitpunkt liegt meist vor dem 25. Lebensjahr bzw. solange die Wurzeln noch nicht vollständig ausgebildet sind. Dann ist der Eingriff einfacher, die Heilung verläuft meist schneller und die Komplikationsrate ist geringer.

Schonendere Methoden, schnellere Heilung

Die moderne Zahnmedizin hat die Weisheitszahnentfernung grundlegend verändert. Ergänzend zu den üblicherweise angefertigten Panoramaschichtaufnahmen in bestimmten Fällen zusätzlich erforderliche 3D-Röntgenaufnahmen zeigen in mehreren Ebenen, wie die Zähne im Kiefer liegen und wo wichtige Nerv- bzw. Gefäßkanäle verlaufen. Das macht die Planung präziser und ermöglicht mitunter ein minimalinvasiveres Vorgehen mit kleineren Wundflächen, weniger Schwellungen und kürzere Genesungszeiten. Zur Unterstützung der Heilung können mitunter Kollagen-Schwämmchen nach der Entfernung des Weisheitszahnes in die Wunde zur Blutstillung eingelegt werden. Sie werden vom Körper abgebaut. Auch eine fibrin- und thrombozytenhaltige Eigenblut-Matrix kann verwendet werden. Dabei werden aus dem Blut des Patienten körpereigene Wachstumsfaktoren gewonnen, die die Wundheilung beschleunigen und Schmerzen reduzieren können. „Eine Weisheitszahn-OP ist heute meist ein vergleichsweise kurzer, ambulanter Eingriff, der in der Regel unter lokaler Anästhesie durchgeführt wird“, sagt Dr. Strietzel. „Dank moderner Technik und Erfahrung ist der Eingriff für unsere Patienten deutlich weniger belastend als früher.“

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Beobachten statt vorschnell handeln

Ob Weisheitszähne bleiben oder entfernt werden, sollte immer individuell entschieden werden. Sehr oft ist eine gemeinsame Abstimmung des Therapieplanes zwischen Zahnärzten, Oral- oder Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen und Kieferorthopäden dabei hilfreich. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen ab dem Teenageralter helfen, rechtzeitig zu erkennen, ob sich Probleme anbahnen. „Wichtig ist, frühzeitig zu handeln, aber nicht vorschnell“, betont Dr. Strietzel. „Manchmal reicht es, die Entwicklung zu beobachten. Und manchmal ist ein gezielter Eingriff die beste Vorsorge.“

Quelle: Initiative proDente e.V.

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