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Reisen

Zauberhafter Urlaub auf Lesbos – Insel der Lyrikerin Sappho

Vom Massentourismus noch unberührt, ist die bezaubernde Insel Lesbos im Grunde ein echter Geheimtipp. Kein „All-inclusive“-Hotelklotz verunziert die herrlichen Strände. Die an der ostägäischen Küste liegende Hauptstadt Mytilene strahlt einen fast verwunschenen Charme aus. Kunstvolle Graffiti verschönern nackte Hauswände. Kleine Kafenia laden ein zum gemütlichen Verweilen (Abb. 1). Bis morgens 4 Uhr sitzt man plaudernd vor den kleinen Tavernen und Bars.

Landschaftsbild Dr. Phil. Renate V. Scheiper
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Mein erster Ausflug geht ins Bergdorf Agiasos. Nach einem guten Frühstück mit Ruhe und Gelassenheit chauffiert uns Akis die kurvenreiche Straße durch wahre Wälder von Olivenbäumen hinauf ins Dorf. Gleich am Parkplatz geben freundliche Damen bei der Touristeninformation (die man in Mytilini, der Hauptstadt der Insel, vergeblich sucht) Auskunft. Eine der leicht ansteigenden, von Geschäften aller Art, Kafenia und kleinen Lokanta gesäumten Gassen ist netter als die andere (Abb. 2). Freundlich erwidert man überall unseren Gruß. Wir sind begeistert – und verblüfft über das Folkloremuseum und die große, reich bestückte Bibliothek. Dort wird uns auf dem traditionellen Saiteninstrument, der Santouri, ein kleines Konzert gegeben. Die Santouri zu spielen ist in Agiasos Pflichtfach in der Schule! Heimatliche Traditionen werden gepflegt.

Auf dem Rückweg stärken wir uns in einer hoch oben versteckten Taverne. Wie üblich in Griechenland, bricht der Tisch fast unter den vielen köstlichen Speisen jeglicher Art. Dazu wird natürlich Ouzo getrunken oder Wein vom Fass – ganz nach Wunsch. Wir genießen das Essen und den umwerfenden Blick über die tief unten liegende Küste. Von hier sieht man weit über die nördliche Ägäis bis hinüber zur Türkei (Abb. 3). Ob man sich feindlich gesonnen sei, fragen wir. „Oh nein!“ ist die fröhliche Antwort. „Nach wie vor sind wir Freunde, zum großen Teil auch miteinander verwandt. Wir besuchen uns regelmäßig und feiern miteinander!“ Bequem sei die tägliche Fährverbindung vom Hafen Mytilini hinüber nach Dikili. Von dort könne man sogar einen Ausflug machen zum antiken Pergamon und mit der Abendfähre wieder zurückkommen. Wir sind verblüfft.

Abb. 1: Kleine Kafenia vor interessant bemalten Hauswänden.Dr. Phil. Renate V. Scheiper
Abb. 1: Kleine Kafenia vor interessant bemalten Hauswänden.
Abb. 2: Idylle im Bergdorf Agiasos.Dr. Phil. Renate V. Scheiper
Abb. 2: Idylle im Bergdorf Agiasos.
Abb. 3: Blick hinüber in die Türkei von einem Restaurant aus.Dr. Phil. Renate V. Scheiper
Abb. 3: Blick hinüber in die Türkei von einem Restaurant aus.

Am Nachmittag schauen wir uns die mit starken Festungsmauern umgebene Burg aus byzantinischer Zeit an, die hoch über Mytilini thront. Tief unten an der Seeseite lockt ein herrlicher Sandstrand – sogar mit Sonnenschirmen. Wir erquicken uns im kristallklaren Wasser. Was für ein Tag! Der Abend klingt aus in der gemütlichen Taverne VAGIES unweit unseres Hotels AKTI VIGLA, das nur wenige Kilometer außerhalb der Stadt Lesbos gegenüber einem feinen Sandstrand liegt. Am nächsten Morgen bummeln wir erst einmal durch die hübsche Hauptstadt der Insel Mytilini mit ihren engen Gassen und den schönen klassizistischen Häusern am Stadtrand. Nachmittags fahren wir hinaus zum Museum des berühmten Malers Theóphilos. Das kleine Gebäude versinkt fast in einem Wald uralter knorriger Olivenbäume. Theóphilos trug sein Leben lang die traditionelle Tracht, Foustanella genannt: Das Röckchen mit den hundert Falten, das heute noch die Wachen vor dem Parlament in Athen tragen. Seiner Werke spiegeln das Leben der Menschen seiner Zeit wider. Vermutlich hat er auch auf einem seiner Werke das Leben der Lyrikerin Sappho dargestellt (Abb. 4): Mit einer Lyra im Arm steht die berühmte Frau und Mutter auf hohem Sockel an der Promenade (Abb. 5). Hatte sie es doch gewagt, im 7. Jahrhundert v. Chr. gemeinsam mit ihrer Tochter andere Mädchen in Tanz, Gesang, aber auch hausfraulichen Tugenden zu erziehen! Gymnasien für Jungen dagegen waren verbreitet. Die Schüler wurden sogar in die Techniken der männlichen Liebe eingeweiht. Antike Vasenbilder erzählen davon! Sappho hingegen besang in lyrischen Versen die Schönheit und Grazie ihrer Mädchen und gewann damit die alle vier Jahre auf der Insel Delos stattfindenden kulturellen Festspiele zu Ehren Apollons. Das rief Neid hervor. Als berühmte „Lesbierin“ war sie jedoch bekannt, weil sie eben auf der Insel Lesbos lebte – wie z.B. Pythagoras ein berühmter „Samiote“ war, weil er von der Insel Samos stammte. Kein irgendwie versteckter Hintergrund wegen ihres Mädchenpensionats war damit gemeint. Das kam erst in der Zeit des puritanischen Christentums auf. Im Archäologischen Museum bestaunen wir ein Mosaik aus römischer Zeit. Es stellt den begnadeten Sänger Orpheus dar, die Lyra spielend (Abb. 6). Der Kopf des von Mänaden zerfleischten Sängers soll auf Lesbos angeschwemmt worden sein!

Abb. 4: Bild von Theophilos auf dem vermutlich re. Sappho abgebildet ist.Dr. Phil. Renate V. Scheiper
Abb. 4: Bild von Theophilos auf dem vermutlich re. Sappho abgebildet ist.
Abb. 5: Die Lyrikerin Sappho mit ihrer Lyra.Dr. Phil. Renate V. Scheiper
Abb. 5: Die Lyrikerin Sappho mit ihrer Lyra.
Abb. 6: Mosaik im Museum: Orpheu mit Lyra.Dr. Phil. Renate V. Scheiper
Abb. 6: Mosaik im Museum: Orpheu mit Lyra.

Als nächstes zieht es uns in den Westen der Insel. Wir möchten den „Versteinerten Wald“ bei Sigri besuchen, der zum UNESCO Welterbe zählt. Kurvenreich geht es um den Golf von Kalloni herum mit Blick auf die Ägäis, in der die Insel zu schwimmen scheint. Zunächst besuchen wir in Sigri das Museum des Geoparks. Der Direktor Professor Nikolas Zouros erklärt uns anhand diverser Exponate, wie durch Vulkanausbrüche und Feuerstürme vor über 20 Millionen Jahren Bäume versteinerten, wie der im Gelände aufragende gesichtsähnliche Stamm (Abb. 7). Im Garten wurde von Fachleuten ein „Deinotherion“ – Vorgänger des heutigen Elefanten – aus dem Skelett des versteinerten Tieres rekonstruiert.

Danach gönnen wir uns bei Plomari ein „See-Abenteuer“. Mit einem bei „Seafari Adventures“ gemieteten Motorboot brausen wir entlang der Küste zu einer idyllischen Bucht. Hoch auf einer Felswand steht eine kleine byzantinische Kirche, die wir – schnell ein Hemd übergezogen – natürlich besuchen und stecken gegen einen Obolus jeder eine Kerze an. Nach einem erfrischenden Bad begleitet uns auf der Rückfahrt eine ganze Delphinfamilie. Sollte uns Poseidon damit eine Freude machen wollen, so ist es ihm gelungen!

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In der berühmten Plomari Distillery im Ort erfahren wir bei der Besichtigung, dass im 17./18. Jahrhundert Seeleute das Rezept für den Ouzo mit nach Lesbos gebracht haben. Eine Verkostung überzeugt uns, dass der Plomari Ouzo tatsächlich auch tagsüber ein Genuss ist. Was wir gleich bei einem köstlichen Fischessen in der Taverna Apolafsi am Meer noch vertiefen. Auf der Rückfahrt gönnen wir uns an einem kleinen Strand mit Restaurant eine Schwimmpause.

Im Nordwesten der Insel besuchen wir im Ort Petra eine Frauen-Kooperative. Auf dem Weg dorthin machen wir einen Halt bei Stelios Stamatis im Ort Mantamados. Per Hand formt er auf der Drehscheibe die schönsten Keramik-Gefäße (Abb. 8).

Weiter geht es entlang der Küste nach Petra, wo wir in der Womans Cooperative am Meer ein köstliches Mittagessen genießen beim Plätschern der Wellen. Frauen der Region haben sich zusammengeschlossen und dieses vorzügliche kleine Restaurant nebst Hotel gegründet. Eine knappe halbe Stunde entfernt lockt uns im Örtchen Skala Sykamioneas die kleine Kirche der „Panagia Gorgona“ hoch über dem Meer. Es ist ein merkwürdiger Name, denn die „Gorgo“ ist in der griechischen Mythologie die Böse der drei Gorgonen, die jeden, der sie anblickt, zu Stein verwandelt. Doch diese „Gorgona“ hier spielt eine Harfe und ist zauberhaft (Abb. 9). In einer Taverne am Hafen genießen wir ein erfrischendes Getränk, bevor wir hoch hinauf nach Mithymna fahren, den nördlichsten Ort der Insel (Abb. 10). Nur zu Fuß kann man hinaufgelangen. Herrlich ist der Blick von oben weit über das Meer und die Insel, idyllisch sind die schmalen Gassen. Ein „verdrehter“ Baum interessiert uns fast noch mehr als die vielen kleinen Souvenirgeschäfte (Abb. 11). Am letzten Tag gönnen wir uns unweit unseres Domizils einen Besuch im „Therma Spa Lesbos“ mit Dampfbad, Spa, Massagebereich und warmen Pools mit Meerblick, in denen wir uns genüsslich aalen. Unglaublich was diese zauberhafte Insel der Lyrikern Sappho alles bietet!

Abb. 7: Versteinerter Baumstamm im Geopark Sigri.Dr. Phil. Renate V. Scheiper
Abb. 7: Versteinerter Baumstamm im Geopark Sigri.
Abb. 8: Stelios Stamatis formt die schönsten Tongefäße.Dr. Phil. Renate V. Scheiper
Abb. 8: Stelios Stamatis formt die schönsten Tongefäße.
Abb. 9: Die zauberhafte Gorgone in der Kirche Panagia.Dr. Phil. Renate V. Scheiper
Abb. 9: Die zauberhafte Gorgone in der Kirche Panagia.
Abb. 10: Das idyllische Mithymna.Dr. Phil. Renate V. Scheiper
Abb. 10: Das idyllische Mithymna.
Abb. 11: Gasse in Mithymna mit skurrilem Baum.Dr. Phil. Renate V. Scheiper
Abb. 11: Gasse in Mithymna mit skurrilem Baum.

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