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Interview

„Ein ganzes Feuerwerk an Revolutionen“

Das Jahr 2025 war für Prof. Dr. Daniel Edelhoff eines, das von zahlreichen Veränderungen geprägt war. So emeritierte er nicht nur als Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, sondern gab mit dem Ende seiner Amtsperiode auch sein Amt als Präsident der Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie e.V. (ADT) ab. Wir haben mit ihm über seine Karriere gesprochen, wie er seinen neuen Alltag empfindet und natürlich über seine weiteren Pläne.

Dr. Daniel Edelhoff bei der Arbeit Edelhoff
Ob in der Klinik, in der Wissenschaft oder bei Fortbildungen – Prof. Dr. Daniel Edelhoff zeigt immer vollen Einsatz.
Ob in der Klinik, in der Wissenschaft oder bei Fortbildungen – Prof. Dr. Daniel Edelhoff zeigt immer vollen Einsatz.
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Nach neun Jahren als Präsident der ADT haben Sie sich bei den turnusmäßigen Wahlen 2025 nicht mehr aufstellen lassen. Nun ist Ihre Amtszeit offiziell vorbei. Wie fühlt es sich an, die ADT nun in andere, jüngere Hände zu übergeben?

Es fühlt sich sehr gut an und ich freue mich, die ADT in versierte Hände gegeben zu haben. Der neue Vorstand der ADT war mir und vielen Mitgliedern bereits bekannt, da die Mehrzahl der Vorstandsmitglieder seit vielen Jahren aktiv in die Planung und Durchführung der Jahrestagungen und des Forum 25 (heute „ADT Young Talents“) eingebunden war. Der jetzige Vorstand ist sehr kompetent und steht für Innovation und zugleich Kontinuität. Die 53. Jahrestagung der ADT im Jahr 2025 war mit 771 Präsenz-Teilnehmern, 167 Online-Teilnehmern, 57 Referenten und Referentinnen sowie 55 Ausstellern und Sponsoren mit insgesamt 194 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen wieder einmal ein voller Erfolg. Vor diesem Hintergrund ist es mir ein besonderes Anliegen, vor allem Marion Becht zu danken, die seit 2016 als Leiterin der ADT-Geschäftsstelle für die stets perfekte Organisation der ADT-Jahrestagungen federführend verantwortlich ist. Auch die großen Herausforderungen während der Pandemie haben wir in enger Zusammenarbeit bestens gemeistert. Sie wird auch in den nächsten Jahren die herausragende Organisation der ADT-Jahrestagungen fortsetzen.

Von außen betrachtet, wirkte diese Übergabe sehr gut durchdacht und geplant. Wann war Ihnen klar, dass Sie als Präsident nicht mehr weitermachen wollen und wie hat sich die Suche nach einem geeigneten Kandidaten für Ihre Nachfolge gestaltet?

Richtig, ein Wechsel in der Führung einer großen Fachgesellschaft wie der ADT sollte frühzeitig durchdacht werden und eine richtige Personalentscheidung ist die Grundlage für den Erfolg und die Kontinuität. Mir war beim Antritt meiner letzten Amtsperiode als Präsident der ADT im Jahr 2022 klar, dass dies auch angesichts meines Alters, die letzte sein wird. Die Frage der Nachfolge erfordert eine langfristige Planung. Ein potenzieller Nachfolger sammelt bereits viele Jahre durch sein Amt als Stellvertretender Präsident Erfahrung bei der Organisation und Durchführung der Jahrestagungen und ist damit perfekt auf das Amt des Präsidenten vorbereitet. Meinen Nachfolger Prof. Dr. Jan-Frederik Güth halte ich daher für eine Idealbesetzung.

Nicht nur bei der ADT sondern auch an der LMU sind Sie in den Ruhestand gegangen. Wie empfinden Sie diese großen Veränderungen? Sind Sie eher derjenige, der die freie Zeit genießt oder haben Sie bereits neue Aufgaben?

Tatsächlich habe ich im Jahr 2025 zahlreiche meiner Ämter abgegeben und mir damit ein erhebliches Maß an kostbarer Zeit geschenkt. Einerseits nehme ich das Mehr an freier Zeit als eine Art innerer Entschleunigung und einen bedeutenden Gewinn an zusätzlicher Freiheit wahr. Diesen Teil der Zeit möchte ich gerne für meine Familie, Freunde und meine Hobbys nutzen. Andererseits sind die Entwicklungen in der Zahnmedizin und Zahntechnik zurzeit so rasant und innovativ wie nie zuvor. Diese spannende Periode möchte ich sehr gerne noch weiter in Klinik, Forschung und Fortbildung begleiten.

In Ihrer beruflichen Laufbahn haben Sie zahlreiche Preise für besondere Leistungen erhalten, waren in einigen Gremien aktiv und machten Station an verschiedenen Hochschulen. Gibt es ein Ereignis oder ein Projekt, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ein Ereignis, das bei meiner Familie und mir in besonderer Erinnerung geblieben ist, war der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte zweijährige Forschungsaufenthalt an der Oregon Health Sciences University (OHSU) in Portland, Oregon, USA. Die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Prof. Dr. John Sorensen von 1999 bis 2001 war menschlich wie fachlich außergewöhnlich. Es war ein ganz besonderes Erlebnis für uns als Familie, in den USA zu leben. Wir denken auch heute noch gerne an diese Zeit zurück und sind mit der Familie Sorensen sehr eng befreundet.

Sie können auf über 45 Jahre Berufsleben zurückblicken. Was ist Ihrer Meinung nach der größte Wandel, den die Zahntechnik in dieser Zeit erfahren hat? Wie haben sich die Herausforderungen im Laufe der Zeit verändert?

Ich durfte in dieser Zeit als ausgebildeter Zahntechniker, Zahnarzt und Hochschullehrer ein ganzes Feuerwerk an Revolutionen im zahntechnischen Bereich miterleben wie beispielsweise:

  • die Einführung der Vollkeramik und die Etablierung der Dentalen Implantologie/Implantatprothetik
  • die Einführung digitaler Technologien (CAD/CAM) sowie der Intraoralscanner
  • die Möglichkeit der digitalen Planung, wie beispielsweise in der Implantologie; Stichwort: DICOM meets STL
  • die phänomenale Entwicklung additiver Herstellungsverfahren (3D-Druck), insbesondere des Multimaterial-3D-Drucks
  • die zunehmende Unterstützung durch die künstliche Intelligenz (KI)

Was ist die größte aktuelle Aufgabe an Zahntechniker und Dentallabore in dieser Zeit und was wird sie in der näheren Zukunft erwarten?

Wie auch in anderen wichtigen Branchen, halte ich den akuten Fachkräftemangel für das aktuell größte Problem. Gleichzeitig erleben wir eine weitere, noch nie zuvor dagewesene „industrielle Revolution“ in der Zahntechnik. Vor diesem Hintergrund bietet die Effizienzsteigerung bei der Fertigung beispielsweise durch den 3D-Druck und die zunehmende Automatisierung der Systeme mit Unterstützung der KI die Option, den Fachkräftemangel teilweise zu kompensieren.

Eine besondere Herausforderung stellt allerdings der zunehmende Verlust analoger zahntechnischer Fertigkeiten dar. Diese Lücke kann durch digitale Technologien leider nicht komplett geschlossen werden, und es besteht die Gefahr, dass das Niveau der deutschen Zahntechnik aufgrund geringer analoger Fertigkeiten absinkt. Dieser Effekt wird sich dann auch auf das Niveau in der deutschen Dentalindustrie auswirken. Es bleibt die Frage offen, ob wir auch zukünftig im internationalen Wettbewerb eine führende Rolle einnehmen können.

Wir werden zudem infolge der stetig steigenden Kosten und der aufkommenden Sparmaßnahmen im Gesundheitssystem einen erheblichen Kostendruck erleben, der durch die Konkurrenz aus Fernost nochmals gesteigert werden wird.

Diese Transformation halte ich für eine der größten Herausforderungen.

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Was sind Ihre persönlichen Pläne für die nächsten fünf Jahre?

Auf der einen Seite fühle ich mich aktuell noch nicht ganz reif für den völligen Ruhestand und werde, soweit es meine Gesundheit zulässt, auch nach dem Ausscheiden aus der Universitätsklinik klinisch, wissenschaftlich und fortbildungstechnisch weiter aktiv sein. Auf der anderen Seite freue ich mich darauf, auch andere interessante Felder neben der Zahnmedizin und Zahntechnik tiefer zu erkunden und mehr Zeit mit der Familie und Freunden zu verbringen. Dieser private Bereich ist in meinem intensiven Berufsleben sicher ein wenig zu kurz gekommen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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