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Anspruchsvolle Umweltbedingungen für unsere Werkstoffe

Werkstoff-Häppchen: Das Biotop Mundhöhle

Die Welt mag voranschreiten, vieles ändert sich in unterschiedliche Richtungen, aber die Bedingungen in der menschlichen Mundhöhle bleiben weiterhin konstant „feindlich“ und hochanspruchsvoll sowohl für unsere Zähne als auch für die von uns verwendeten Werkstoffe. Dies muss man sich immer wieder vergegenwärtigen.

Ein Kind isst eine Karotte. Anastasia/Adobestock
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Im Gegensatz zu vielen anderen geschlossenen Systemen in unserem Körper, die keinen direkten Kontakt zur Außenwelt haben und bei denen ein konstantes Milieu herrscht, ist die Mundhöhle direkte Eintritts- und Austrittspforte zwischen Körper und Umwelt: Über die Mundhöhlenschleimhaut findet eine schnelle Resorption niedrigmolekularer Substanzen (Monomere) statt, durch die Luftröhre werden alle gasförmigen Wirk- und Werkstoffe aufgenommen, und über die Speiseröhre und den Verdauungstrakt finden Flüssigkeiten und feste Substanzen den Weg ins Innere. Die Wechselwirkungen sind häufig komplex und insbesondere für den Patienten schwer zu verstehen. Am Ende ist diesem meist nur wichtig, dass es schön aussieht. Die viel und ausgiebig diskutierte Amalgamproblematik ist so ein Beispiel, bei dem Vergiftungen befürchtet wurden. Die Gefahr lag aber weniger bei der metallischen Füllung, sondern ging vielmehr von Quecksilberdämpfen aus, die das Praxispersonal auf lange Sicht beeinträchtigen konnte. So ging ein Werkstoff verloren, der immer noch in vielen klinischen Situationen den besten Kosten-Nutzen-Effekt aufwies.

Die angewandte Werkstoffkunde muss immer wieder versuchen, die Wechselwirkungen der Materialien des fertigen Zahnersatzes mit den Mundhöhlenbedingungen (inkl. bereits früher eingesetzter Werkstoff) zu betrachten und nie alleine nur die einzelnen Substanzen.

Ständiger Wandel

Die Umweltbedingungen in der Mundhöhle sind sehr schwankend: So kommen Temperaturwechsel zwischen 5 und 55 °C vor, was durch die herrschenden Außenbedingungen wie Kälte im Winter, aber genauso durch die Nahrung bedingt wird. Feuchtigkeitsschwankungen spielen eine wesentliche Rolle: Der natürliche Speichelfluss ist stark von tageszeitlichem Wechseln und der psychischen Verfassung wie auch von Medikamenten abhängig. Die zugeführten Flüssigkeiten sind mannigfaltig: Insbesondere stark färbende Pigmente, wie z.B. in Kaffee, Tee oder auch Rotwein, beeinträchtigen das ästhetische Bild, wenn sie in die Struktur der Werkstoffe eindringen.

Die pH-Werte schwanken von pH 1 bis pH 7, wobei dies durch direkte Aufnahme saurer Substanzen, aber auch durch Verstoffwechselung von Nahrungsbestandteilen durch die bakterielle Mundflora stattfinden kann. Das Schaubild zeigt auf einen Blick die Einflussparameter auf, die im Biotop Mundhöhle herrschen und stellt auch exemplarisch die Auswirkungen auf die natürlichen Strukturen wie auch auf unsere Werkstoffe dar.

Richtige Auswahl

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Die Aufgabe von Zahnmedizin und dentaler Technologie ist es, für den jeweiligen Patienten die adäquaten Werkstoffe auszuwählen. Dabei ist immer auch die Verweildauer des jeweiligen Werkstückes im Biotop Mundhöhle zu berücksichtigen. Kurzzeitig einzusetzende Werkstoffe für Schablonen oder Abformlöffel sind dabei in Bezug auf Wechselwirkungen wesentlich weniger kritisch als festsitzender Zahnersatz.

In der Regel sind eine gute Stabilität und eine gute Passgenauigkeit wesentlich wichtiger als beispielsweise das Abriebverhalten oder die Feuchtigkeitsaufnahme. Auch wenn die Werkstoffe zugelassen, geprüft, mit CE-Zeichen und MPG-konform sind, obliegt es immer noch dem einzelnen Anwender (Zahnarzt wie Zahntechniker), die richtige Auswahl zu treffen und die Verarbeitung so optimal wie möglich durchzuführen.

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