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KI im Recruiting: Chancen, Grenzen und Tipps

Der Fachkräftemangel hat die Dentallabore längst erreicht. Qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber sind selten, die Zahl der Auszubildenden stagniert und viele Betriebe stehen vor der Herausforderung, dass sie offene Stellen oft über Monate hinweg nicht besetzen können. Gleichzeitig verändern sich die Erwartungen an Arbeitgeber/-innen und Bewerbungsprozesse grundlegend. Dieser Artikel erklärt, warum Social Media Recruiting ein äußerst erfolgversprechender Ansatz für die Personalgewinnung bleibt, wie KI diesen Prozess sinnvoll unterstützt, wo ihre Grenzen liegen – und wie sich moderne Technologie mit persönlicher Ansprache sinnvoll verbinden lässt.

Ein Mann steht einem Roboter gegenüber. freepik
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Während sich klassische Wege der Personalgewinnung zunehmend als ineffektiv erweisen, bieten moderne Technologien neue Chancen. Social Media hat sich in den vergangenen Jahren als wirksames Mittel etabliert, um gezielt potenzielle Mitarbeiter/-innen anzusprechen – besonders dann, wenn es strategisch eingesetzt wird. Zusätzlich eröffnet der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) neue Möglichkeiten, den gesamten Recruiting-Prozess effizienter, schneller und passgenauer zu gestalten.

Erfolg durch Social Media Recruiting

Der Arbeitsmarkt hat sich spürbar verändert – auch im zahntechnischen Bereich. Viele Labore berichten von ausbleibenden Bewerbungen, langen Vakanzzeiten und der Schwierigkeit, überhaupt geeignete Fachkräfte zu erreichen. Besonders die klassischen Kanäle wie Stellenportale, Zeitungsanzeigen oder Kammernetzwerke verlieren zunehmend an Wirkung. Der Grund ist oft: Gute Zahntechnikerinnen und Zahntechniker sind nicht mehr aktiv suchend – sie lassen sich finden.

Genau hier liegt die Stärke von Social Media. Plattformen wie Instagram und Facebook bieten die Möglichkeit, gezielt Personen zu erreichen, die sich zwar nicht aktiv bewerben würden, aber offen für ein neues Arbeitsumfeld sind – etwa, weil sie mit der aktuellen Arbeitssituation unzufrieden sind, sich mehr Entwicklung wünschen oder eine bessere Teamkultur suchen. Anders als oft vermutet, geht es dabei nicht um bunte Bilder oder oberflächliche Werbebotschaften. Erfolgreiches Social Media Recruiting basiert auf einer klaren Arbeitgeberpositionierung, einem echten Einblick in den Arbeitsalltag und einem niedrigschwelligen, gut strukturierten Bewerbungsprozess. Labore, die diese Bausteine kombinieren, schaffen es, sichtbar und attraktiv zu sein – gerade für die Fachkräfte, die in herkömmlichen Kanälen längst nicht mehr erreichbar sind. Social Media ist dabei kein Ersatz für gute Arbeitsbedingungen – sondern ein Werkzeug, um sie sichtbar zu machen. Und damit der entscheidende erste Schritt, um vakante Stellen wieder mit passenden Mitarbeitenden zu besetzen.

KI als Gamechanger?

Social Media schafft Sichtbarkeit – doch Sichtbarkeit allein reicht nicht. Wer heute erfolgreich rekrutieren will, muss auch den nächsten Schritt effizient gestalten: den Bewerbungsprozess selbst. Und genau hier bietet der Einsatz von KI enorme Chancen.

Moderne KI-Chatbots ermöglichen eine erste Vorqualifizierung direkt im Bewerbungsprozess – automatisiert, aber dennoch strukturiert. Bewerber/-innen beantworten ein paar gezielte Fragen zu Erfahrung, Qualifikation und Verfügbarkeit – ganz ohne Lebenslauf oder Anschreiben. Die Praxis zeigt: So lässt sich in wenigen Minuten erkennen, ob ein Bewerber oder eine Bewerberin grundsätzlich zur ausgeschriebenen Stelle passt.

Auch im Hintergrund wirkt KI: Werbealgorithmen auf Plattformen wie Facebook oder Instagram nutzen künstliche Intelligenz, um Anzeigen gezielt nur denjenigen auszuspielen, die ein potenzielles Interesse oder relevante Merkmale mitbringen. Über Retargeting können sogar Bewerber/-innen erneut angesprochen werden, die die Anzeige zwar gesehen, aber noch nicht reagiert haben.

Richtig eingesetzt, macht KI den Recruiting-Prozess also nicht unpersönlich – sondern effizienter, klarer und besser steuerbar. Und genau das brauchen viele Labore heute: weniger Zeitaufwand, mehr Passung und am Ende eine echte Entscheidungshilfe.

Grenzen und Risiken

So groß die Vorteile von KI im Recruiting auch sind – nicht jede Anwendung ist sinnvoll. Vor allem dann nicht, wenn sie das ersetzt, was Bewerber/-innen besonders suchen: echte Menschen und eine persönliche Ansprache. Ein gutes Beispiel dafür sind KI-generierte Recruiting-Videos. Theoretisch lassen sich heute mit wenigen Klicks Avatare oder synthetische Stimmen erzeugen, die vermeintlich effizient für das Labor sprechen. In der Praxis wirkt das jedoch oft kühl, unnahbar – und ist genau das Gegenteil von dem, was Vertrauen aufbauen soll. Bewerberinnen und Bewerber möchten wissen, mit wem sie es zu tun haben: Wer hinter dem Labor steht, wie das Team aussieht, wie miteinander gesprochen wird. All das lässt sich nicht künstlich nachbilden – zumindest nicht glaubwürdig. Gerade im handwerklichen Umfeld spielt Authentizität eine entscheidende Rolle.

Auch bei automatisierter Kommunikation gilt: KI kann strukturieren, vorbereiten, beschleunigen – aber sie darf nicht den menschlichen Kontakt ersetzen. Ein persönlicher Rückruf, ein echtes Gespräch oder eine individuell formulierte Antwort sind oft genau das, was den Unterschied macht.

Deshalb gilt: KI dort einsetzen, wo sie Prozesse erleichtert – aber mit Maß. Denn am Ende entscheidet nicht der Algorithmus über eine Einstellung, sondern das Gefühl, das ein Mensch bei einem anderen hinterlässt.

Die persönliche Ebene

Technik kann viel, aber (zum Glück) nicht alles. Gerade im zahntechnischen Umfeld, das stark vom Miteinander im Team, von handwerklicher Präzision und Vertrauen lebt, bleibt der persönliche Kontakt unersetzlich. Denn wäh KI Prozesse beschleunigt, sortiert und strukturiert, entscheidet letztlich der zwischenmenschliche Eindruck darüber, ob ein Bewerber bzw. eine Bewerberin sich für ein Labor entscheidet und ob er oder sie dann auch bleibt.

Bewerber/-innen achten längst nicht mehr nur auf Gehalt oder Arbeitszeiten. Sie interessieren sich auch für andere Aspekte: Wie ist das Betriebsklima? Wie wird miteinander umgegangen? Gibt es eine gute Einarbeitung? All diese Fragen lassen sich nicht durch automatisierte Kommunikation beantworten. Sie erfordern echte Gespräche, Offenheit und eine klare Haltung im persönlichen Umgang. Besonders in der heißen Phase vom ersten Telefonat über das Vorstellungsgespräch bis zum Probearbeiten kommt es auf Authentizität und Wertschätzung an. Hier entscheidet sich, ob aus Interessenten/-innen motivierte Mitarbeitende werden.
Deshalb ist klar: KI kann den Bewerberprozess unterstützen, ihn aber nicht führen. Sie hilft, die richtigen Personen zu finden – doch die Bindung entsteht durch den Menschen dahinter.

Hände die Laptop betätigen und nebenbei in ein Notebook schreiben.freepik

So gelingt der Einstieg in die KI

Der Einsatz von KI im Recruiting muss kein Großprojekt sein, viele Prozesse lassen sich auch in kleineren Laboren pragmatisch und schrittweise optimieren. Entscheidend ist es, nicht mit der Technik zu starten, sondern mit einer klaren Strategie.

Zunächst sollte geprüft werden: Wofür steht unser Labor als Arbeitgeber? Welche Vorteile bieten wir fachlich, menschlich, organisatorisch? Diese Antworten bilden die Grundlage für jede Form der Kommunikation. Erst dann folgt der gezielte Einsatz digitaler Werkzeuge

Ein bewährter Ablauf für den Einstieg:

  • Arbeitgebermarke definieren: kurz, glaubwürdig und aus Sicht des Bewerbers / der Bewerberin.
  • Social-Media-Kampagne starten, um gezielt Sichtbarkeit bei der relevanten Zielgruppe aufzubauen.
  • Chatbot zur Vorqualifizierung einbinden, der einfache Fragen übernimmt und unnötige Rückfragen reduziert.
  • KI-gestützte Werbeanzeigen nutzen, um die Reichweite laufend zu optimieren.
  • Persönlicher Kontakt bleibt Pflicht: Rückrufe, Gespräche und ein gut geplanter Probetag entscheiden über den Erfolg.

Es ist wichtig, alle Bausteine so zu kombinieren, dass der Bewerbungsprozess leicht, schnell und angenehm verläuft – ohne seinen menschlichen Kern zu verlieren.

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Fazit

Social Media bleibt nach wie vor der wirksamste Weg, um im Wettbewerb um qualifizierte Zahntechniker/-innen sichtbar und ansprechbar zu bleiben. Wer diese Kanäle strategisch nutzt, sich als Arbeitgeber klar positioniert und moderne Technologien wie KI gezielt einsetzt, kann den gesamten Recruiting-Prozess deutlich effizienter und erfolgreicher gestalten.

Dabei geht es nicht darum, den Menschen durch Technik zu ersetzen – sondern darum, Abläufe zu vereinfachen, schneller zu reagieren und die richtigen Bewerber/-innen anzusprechen. Der Schlüssel liegt in der Kombination aus Digitalisierung und Persönlichkeit: KI im Hintergrund, echtes Interesse im Vordergrund.

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