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Reise

Bremen – immer eine Reise wert

Zentraler und schöner als im Radisson Blu Hotel kann man in Bremen nicht wohnen. Nach einem exzellenten Frühstück durchquere ich das große, nach oben offene Restaurant und verlasse das Hotel durch den hinteren Ausgang. Schon stehe ich mitten im Herzen der mittelalterlichen Hansestadt – in der Böttcherstraße.

Bild von Bremer Landschaft Leinenmeister/AdobeStock
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Gleich gegenüber fasziniert ein großer Backsteinbau. Nebenan lauscht eine Gruppe Touristen gebannt den zarten Klängen eines Glockenspiels. Es sind die kostbaren Glocken aus Meissner Porzellan. Sie spielen zu bestimmten Zeiten am Tag, die man gleich hier in der Touristeninformation erfahren kann. Links hoch oben zieht eine sich drehende Bildtafel, auf der Szenen der ersten Überquerung des Atlantiks durch Leif Eriksson dargestellt sind, meine Aufmerksamkeit auf sich. Einige Schritte weiter überrascht die gefährliche „Bremer Bonbonmanufaktur“ mit einer großen Auswahl verführerischer Angreifer auf den kostbaren Zahnschmelz.

Backsteinbau in der Böttcherstraße.Dr. Renate V. Scheiper
Backsteinbau in der Böttcherstraße.
Das berühmte Glockenspiel aus Meissner Porzellan.Dr. Renate V. Scheiper
Das berühmte Glockenspiel aus Meissner Porzellan.

Kultur und Kaffee (HAG)

Wer hätte in dieser schmalen Gasse aus roten Backsteinhäusern ein Paula-Modersohn-Becker Museum vermutet? Hallten doch früher in dieser kurzen Straße zwischen Markt und Weser die Hammerschläge der Fassmacher von den roten Backsteinfassaden zurück. Hier erfand der Kaffee-Kaufmann Ludwig Roselius um 1925 den koffeinfreien Kaffee HAG. Der Grund: Sein Vater Dietrich Roselius trank gern reichlich den von ihm importierten Kaffee. Deshalb sei er früh gestorben, meinten die Ärzte. Auch der Sohn liebte Kaffee. Um dem Genuss weiter frönen zu können, musste das vermeintlich schädliche Koffein also raus. Den so entstandenen Kaffee HAG trank er guten Gewissens weiter und wurde steinalt.

Geht man durch die Gasse weiter Richtung Weser, von wo ja auch die Kaffeebohnen aus den Schiffen angeliefert wurden, ist links an der Fassade eines hohen, modernen Geschäftshauses ein überdimensionaler „Hermes“ mit goldenen geflügelten Sandalen, Hut und dem „Kerykeion“ – also dem Botenstab – dargestellt. Es ist der antike griechische Gott des Handels, der hier in der Handelsstadt eine würdige Stätte gefunden hat.

Nun ist nur noch die Straße zu überqueren, einige Stufen hinabzusteigen und schon ist man an der Weser. Hier liegen Schiffe vieler Art. Sogar manche Flussreisen beginnen oder enden neuerdings in Bremen. Ein Highlight besonderer Art aber ist der berühmte Großsegler, die „Alexander von Humboldt“. Sie dient heute zur Freude vieler Landratten auch als Restaurant-Schiff. Endlich kann man mal „die Planken unter den Füßen“ spüren, ohne die Gefahr seekrank zu werden. Nach einem zünftigen Dinner unter gerefften Segeln und dem einen oder anderen Getränk ist man in zehn Gehminuten wieder im Radisson Blu, in der gepflegten Atmosphäre des eigenen Zimmers.

Hermes, griechischer Gott des Handels.Dr. Renate V. Scheiper
Hermes, griechischer Gott des Handels.
Die berühmte „Alexander von Humboldt“.Dr. Renate V. Scheiper
Die berühmte „Alexander von Humboldt“.
Die berühmte „Alexander von Humboldt“.Dr. Renate V. Scheiper
Die berühmte „Alexander von Humboldt“.
Nachtaufnahme der Bremer Stadtmusikanten.Dr. Renate V. Scheiper
Nachtaufnahme der Bremer Stadtmusikanten.

Schätze des Weltkulturerbes

Verlässt man jedoch die Böttcherstraße in der anderen Richtung, gelangt man durch das Tor, über dem Georg sein Schwert gegen den Drachen schwingt, direkt auf den berühmten Markt. Hier erwartet Sie vor dem Rathaus schon der Roland, dessen Schwert neben dem Stadtwappen stolz und fest gen Himmel ragt. Damit bürgt er für die Freiheit und die Rechte der Kaufmannsstadt. Als nächstes besichtigen wir das Rathaus und genießen die noble Atmosphäre dieses großen, ehrwürdigen Baus. Es wurde bereits im Jahr 2004 gemeinsam mit dem Roland in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Seit 1545 findet hier auch jährlich im Februar die berühmte „Schaffermahlzeit“ statt. Sie ist das älteste Freundschaftsmahl der Welt, an der die wichtigsten Kapitäne und Kaufleute teilnehmen sowie illustre geladene Gäste aus aller Welt. Unter den sechs servierten Gängen ist obligatorisch der berühmte Braunkohl (wie die Bremer den Grünkohl nennen) mit Pinkel. Nachdem wir noch einige der teils prunkvollen Räume besichtigt und einen Kronleuchter aus Walkieferknochen im Treppenhaus bestaunt haben, überqueren wir den Markt, um am anderen Ende die berühmten Stadtmusikanten zu bewundern. Sie sind ständig umlagert. Manche Besucher kommen nur nach Bremen – sogar aus Amerika! – um ein Bein des Esels zu umfassen und sich ganz fest etwas zu wünschen. Das geht natürlich nicht in Erfüllung, weil sie es falsch machen. Beide Beine muss man gleichzeitig sanft streicheln. Ob das auch im Sinn der Brüder Grimm war, die sich dieses Märchen mit den alten schlachtreifen Tieren ausgedacht haben, bleibt offen.

Um eine schöne Nachtaufnahme – ohne Menschen – machen zu können, gehe ich am Abend noch einmal hin, es ist ja nur ein Katzensprung vom Hotel entfernt. Zu wünschen brauche ich mir nichts. Denn mein Wunsch, mal ausgiebig Bremen zu besichtigen, geht gerade in Erfüllung. Den Abend beende ich im berühmten Ratskeller, wo man allerdings gar nicht so beglückt ist, dass ich als Einzelperson speisen möchte. Nun, das kommt wohl auch nur selten vor. Umso reizender bemüht sich die Bedienung – eine Vietnamesin – um mich! Was für ein spannender und erfüllter Tag! Ein gemütlicher Absacker in der Bar des Radisson Blu und Gespräche mit interessanten Gästen runden den Abend ab. An den anderen genieße ich die gute Küche meines so schönen Hotels.

Schnoor-Viertel – der älteste Stadtteil Bremens

Häuschen im malerischen Schnoor-Viertel.Dr. Renate V. Scheiper
Häuschen im malerischen Schnoor-Viertel.
Der beeindruckende Himmelssaal im Radison Blue.Dr. Renate V. Scheiper
Der beeindruckende Himmelssaal im Radison Blue.

Fast den ganzen nächsten Tag nehme ich mir Zeit für das Schnoor-Viertel, den ältesten Stadtteil Bremens. 111 kleine und kleinste hübsche Häuschen sollen es in den schmalen Straßen sein, oft mit hübschen Vorgärten. Erst war ich etwas irritiert, als ich an einer Hauswand eine „Schmiererei“ entdeckte. Doch bei genauem Hinsehen war es durchaus ein kunstvolles Werk – wie alle anderen, oft sehr originellen Malereien an vielen der Hauswänden.

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Auch das Radisson Blu hat heimische Künstler engagiert Wer immer auf welcher Etage aus dem Fahrstuhl steigt, blickt gegenüber statt auf eine nüchterne Wand auf schöne Ornamente. Sie gleichen sich in keiner Etage. Zweimal fahre ich die einzelnen Etagen ab, um mich an den Ornamenten zu erfreuen. Auch neben der Tür zu den Suiten erblühen sie. Der bekannte Bremer Künstler Sönke Busch hat sie liebevoll gestaltet. Neben dem Aufzug ist zu lesen, welche Idee hinter den Kunstwerken steckt. Auf den Tipp eines Gastes hin schaue ich mir im rückwärtigen Teil des Hauses ganz oben unter dem gewölbten Glasdach den im Art-Déco-Stil erbauten „Himmelssaal“ mit den blauen und weißen Glasbausteinen an. Zudem erfahre ich beim Frühstück von demselben Gast – er ist Stammgast nicht zuletzt wegen dieser Besonderheiten –, dass das Hotel sich in Bremen bei der Armenspeisung beteiligt und sich auch um ein Kinderdorf kümmert. Da macht es gleich doppelt Spaß, die hier gebotenen Annehmlichkeiten zu genießen. Weiß man doch, dass anderweitig geholfen wird.

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