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Editorial ZMK 4 2026

Didgeridoo statt Alphorn

Die neue ZMK 4 ist da! In der aktuellen Ausgabe stehen u.a. Zusammenhänge zwischen Mund und Psyche, hartnäckige Mythen im Kontext dentaler Erosionen sowie Strategien zur Vermeidung blutungsbedingter Komplikationen im Fokus. Lesen Sie hier das zugehörige Editorial und erfahren Sie mehr zu kuriosen Ansätzen in der Schlafapnoe-Therapie.

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Neben dem allseits bekannten Nobelpreis, der jährlich in Stockholm vergeben wird, gibt es noch den „Ignoble Nobelpreis“ (Ig), was so viel bedeutet wie der „Unehrenhafte Nobelpreis“ [1]. Diese satirische Auszeichnung für kuriose wissenschaftliche Forschungsarbeiten, die Menschen „zuerst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringen soll“ [1], wird seit 1991 jährlich von der in Cambridge, Massachusetts, erscheinenden Zeitschrift Annals of Improbable Research (AIR) verliehen. Die erste Preisverleihung fand 1991 am berühmten Massachusetts Institute of Technology (MIT) statt, seit 2012 wurden die Preise an der Harvard-Universität überreicht, zuletzt dann wieder am MIT. 

Ein ungewöhnlicher Preis mit wachsender Aufmerksamkeit

Dieses Jahr wird er erstmals in Zürich verliehen, da die Veranstalter die USA als unsicher betrachten [2]. Die Zeitschrift Annals of Improbable Research, die die Preisverleihung organisiert, ist kein verrücktes oder unbedeutendes Blättchen: Sie erscheint alle zwei Monate in Cambridge. In ihr werden als Satire auf wissenschaftliche Zeitschriften fiktive oder auch reale Experimente mit absurder Thematik sowie mindestens ein ernst gemeinter Forschungsbeitrag mit einem kuriosen Thema vorgestellt. Herausgegeben wird die Zeitschrift unter anderem von verschiedenen Nobelpreisträgern [3].

Die Verlegung des Verleihungsortes war der Hauptgrund der zahlreichen Meldungen zum Ig-Nobelpreis der letzten Wochen. In dem Zusammenhang wurden zahlreiche Forschungen erwähnt, die über die Jahre diese Auszeichnung erhielten. Eine medizinische Forschungsarbeit, die enge Beziehung zur Zahnmedizin hat, war in dem Reigen auch mit dabei, nämlich, dass „Didgeridoo-Spielen gegen krankhaftes Schnarchen hilft“. Es ging aber nicht um das Schnarchen allein, sondern um das Obstruktive Schlaf-Apnoe-Syndrom (OSAS), dem wir in diesem Heft einen umfangreichen Beitrag widmen.

Die Schlafzahnmedizin hat sich inzwischen zu einer bedeutsamen Teildisziplin der Zahnheilkunde entwickelt. Präsentiert wird sie durch die Deutsche Gesellschaft Zahnärztliche Schlafmedizin [4]. Die Schlafzahnmedizin kann, in enger Abstimmung mit Schlafmedizinern, Lungenfachärzten und Hals-, Nasen-, Ohren-Fachärzten, über Unterkiefer-Protrusionsschienen eine valide und deutlich angenehmere Alternative zur kontinuierlichen Überdruckbeatmung (CPAP = Continuous Positive Airway Pressure) anbieten. Die Compliance der Patienten ist hier im Vergleich zur CPAP-Maske deutlich besser, sie ist günstiger und auch leichter auf Reisen mitzunehmen.

Didgeridoo als Therapie? Kurios, aber wirksam

Zurück zum Didgeridoo: Für die Erkenntnis, dass Didgeridoo-Spielen gegen krankhaftes Schnarchen hilft, erhielt Milo Puhan vom Universitätsspital Zürich mit Kollegen von der Zürcher Höhenklinik Wald 2005 einen dieser Ig-Nobelpreise [5]. Die Inspiration für die Studie lieferte ihnen der Didgeridoo-Lehrer Alex Suárez, der sein eigenes Schnarchen und Schlafapnoe-Syndrom durch regelmäßiges Spielen des Instruments mildern konnte. Für die Studie, die 2005 im British Medical Journal erschien [6], teilten Puhan und das Team 25 Patienten mit leichtem Schlafapnoe-Syndrom und störendem Schnarchen zufällig in zwei Gruppen ein. Die einen spielten vier Monate lang regelmäßig Didgeridoo, die anderen nicht. Nach den vier Monaten fühlten sich die Didgeridoo-Spieler tagsüber weniger müde als die Kontrollgruppe, und auch die nächtlichen Atemstillstände hatten sich reduziert.

Grund für den positiven Effekt des Blasinstruments sei das Training der Muskeln, die die oberen Atemwege offenhalten, wie die Uni Zürich schrieb. Bei Schlafapnoe- Patienten sind diese schwächer ausgebildet. Dass der Effekt am Muskeltraining liegt, konnten Puhan et al. in einer Folgestudie feststellen: Je mehr die Didgeridoo- Spieler übten, desto mehr verbesserte sich ihre Atmung im Schlaf. Regelmäßiges Didgeridoo-Spielen bietet sich somit als alternative Maßnahme gegen Schnarchen und Schlafapnoe für solche Patienten an, die die sonst übliche Behandlung mit der CPAP-Atemmaske nicht gut vertragen [5].

Obwohl erste Studien zur Behandlung leichter bis mittelschwerer OSAS-Fälle mit kieferorthopädischen Apparaturen bereits Ende der 90er Jahre publiziert worden waren [7-10], war 2005 die Unterkiefer-Protrusionsschiene als die „leisere“ Variante eben noch nicht so verbreitet.

Warum aber das Didgeridoo?

Bei der Schweiz würde man wahrscheinlich zunächst an das Alphorn denken. Der Grund mag ein ganz einfacher sein: Ein Alphorn hat eine stattliche Abmessung von bis zu 4 m, wobei das längste je aus einem Stück gefertigte sogar mehr als 20 m misst [11]. Ein Didgeridoo kommt hingegen „nur“ auf 1 – 2,50 m [12]: In Schweizer Wohnungen wahrscheinlich deutlich leichter unterzubringen und vermutlich auch deswegen eher im Fokus der Forschung gewesen.

Jetzt schläft der Didgeridoo-Spieler aufgrund seines Atemmuskel-Trainings wesentlich besser – aber dafür seine Nachbarn wahrscheinlich umso schlechter…

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