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Interview

„Grenzen sind nur im Kopf“

Ein langer Weg von Australien nach Deutschland, ein Moment der Nervosität vor dem Auftritt – und dann die Überraschung: Am 5. Juni 2026 gewann Ruei-Ci He bei den ADT Young Talents im Rahmen der ADT-Jahrestagung den zweiten Platz. Die taiwanesische Zahntechnikerin begegnet neuen Herausforderungen mit Offenheit und Mut. Im Gespräch wird spürbar, wie viel ihr dieser Moment bedeutet.

Ruei-Ci He ADT/David Knipping
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Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem zweiten Platz bei den ADT Young Talents 2026. Wie haben Sie den Tag erlebt?

Der Tag war für mich etwas ganz Besonderes. Vor meinem Vortrag war ich natürlich ziemlich nervös, aber als ich auf der Bühne stand, konnte ich mich ganz auf meine Präsentation konzentrieren. Als bei der Preisverleihung mein Name für den zweiten Platz fiel, war ich wirklich überrascht und sehr glücklich.

Wie hat Ihnen die ADT-Jahrestagung insgesamt gefallen?

Ich war schon einmal bei der ADT-Jahrestagung und habe sie damals als eine sehr inspirierende Veranstaltung erlebt. Man kann dort viele interessante Vorträge hören, talentierte Zahntechniker kennenlernen und sich mit Menschen aus der Branche austauschen. Genau das gefällt mir an der ADT am meisten.

Ihre Anreise zur ADT war besonders lang. Warum?

Mittlerweile arbeite ich nicht mehr in Deutschland. Seit Ende 2024 lebe und arbeite ich als Zahntechnikerin in Australien. Da war die ADT-Jahrestagung für mich eine sehr schöne Gelegenheit, zurück nach Deutschland zu kommen und wieder Teil dieser Veranstaltung zu sein.

Beruflich bin ich zwar nicht ständig unterwegs, aber ich reise gerne für Fortbildungen, Kongresse oder Vorträge. Für mich sind solche Veranstaltungen eine tolle Möglichkeit, neue Ideen zu sammeln und mich mit Kollegen aus aller Welt auszutauschen.

Ich glaube, viele Chancen muss man sich selbst schaffen. Wenn man bereit ist zu lernen, offen für neue Ideen ist und den Mut hat, den ersten Schritt zu machen, ergeben sich oft Möglichkeiten, mit denen man gar nicht gerechnet hat. Für mich war die Teilnahme an den ADT Young Talents genau so eine Erfahrung.

Welche Stationen haben Sie auf dem Weg Ihrer Ausbildung und in Ihrem Beruf bisher durchlaufen?

Menschen in meinem Umfeld hielten damals meine Entscheidung, in Deutschland eine Zahntechnikerausbildung zu beginnen, für verrückt. Ich war noch nie in Deutschland, noch nicht einmal in Europa. Trotzdem habe ich an meinen Traum geglaubt. Ich habe über 100 Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz verschickt. Es war nicht einfach, aber ich wollte mir diese Chance selbst erarbeiten. Heute bin ich Dentacor sehr dankbar, dass ich dort diese Möglichkeit bekommen habe und man an mich geglaubt hat.

Rückblickend war diese Entscheidung die wichtigste meines bisherigen Lebens. Sie hat nicht nur meinen beruflichen Weg verändert, sondern auch mich als Mensch. Ohne diesen Schritt wäre ich heute wahrscheinlich nicht dort, wo ich jetzt bin.

Durch Ihre Reisen haben Sie auch unterschiedliche Gesundheitssysteme und Arbeitsbedingungen in Sachen Zahntechnik erlebt. Können Sie kurz schildern, wo die größten Unterschiede sind und was Sie davon für Ihre berufliche und persönliche Entwicklung mitnehmen?

Ich hatte die Möglichkeit, in Taiwan, Deutschland und Australien zu lernen und zu arbeiten. Jedes Land hat mich auf eine andere Art geprägt.

In Taiwan habe ich die theoretischen Grundlagen der Zahntechnik gelernt. Während meines Studiums habe ich viel über Zahnmedizin, Anatomie und die Grundlagen unseres Berufs gelernt.

In Deutschland habe ich erfahren, wie wichtig Präzision, Struktur und ein klarer Workflow sind. Dort konnte ich dieses theoretische Wissen in die Praxis umsetzen und mein technisches Denken weiterentwickeln.
In Australien habe ich schließlich gelernt, wie wichtig die Kommunikation zwischen Zahntechnikern, Zahnärzten und Patienten ist. Außerdem wird dort ein noch stärkerer Fokus auf Ästhetik und Teamarbeit gelegt.
Jede dieser Erfahrungen hat meinen Blick auf die Zahntechnik erweitert. Ich glaube, dass man nie aufhört zu lernen und dass jede Station etwas Wertvolles mit sich bringt.

Was war der Grund, warum Sie sich bei den ADT Young Talents beworben haben?

Ich habe mir einfach gesagt: „Warum eigentlich nicht?“ Ich wollte mich selbst herausfordern und meine Ideen mit anderen teilen. Ich fand es schon immer toll, dass junge Talente bei den ADT Young Talents auf der Bühne ihre Erfahrungen und Ideen vorstellen und sich gegenseitig austauschen können. Deshalb wollte ich selbst einmal Teil davon sein.

Das Thema Ihres Vortrags lautete „Struktur unter der Oberfläche – Workflow bei digitalen Full-arch Versorgungen“. Warum haben Sie dieses Thema gewählt und wie haben Sie sich vorbereitet?

Mit diesem Vortrag wollte ich zeigen, dass viele wichtige Entscheidungen schon unter der Oberfläche getroffen werden, lange bevor die endgültige Restauration fertig ist. Diese Gedanken und den gesamten Workflow wollte ich mit Zuhörern und Teilnehmern teilen.
Für den Vortrag habe ich viele klinische Fälle aus meiner täglichen Arbeit ausgewählt und den gesamten Workflow Schritt für Schritt dokumentiert. Mir war wichtig zu zeigen, wie ich in meinem Alltag arbeite und warum ich bestimmte Entscheidungen treffe.

Können Sie sich vorstellen auch weiterhin auf Bühnen Vorträge zu halten?

Ja, auf jeden Fall. Ich halte Vorträge sehr gerne, weil ich glaube, dass man durch das Teilen von Erfahrungen gemeinsam wachsen kann. Gleichzeitig lerne ich bei jedem Vortrag und jedem Austausch auch selbst etwas Neues.

Welches Fazit nehmen Sie für sich aus der Teilnahme bei den ADT Young Talents mit?

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Ich habe gelernt, dass man viele Chancen selbst ergreifen muss. Wenn ich mich damals nicht beworben hätte, hätte ich diese Erfahrung nie gemacht. Deshalb glaube ich, dass man keine Angst haben sollte, neue Herausforderungen anzunehmen und einfach den ersten Schritt zu machen.

Mit Blick auf die vielen Erfahrungen, die Sie in verschiedenen Ländern, Kulturen und nun auch auf der Bühne gesammelt haben: Was ist der wichtigste Tipp, den Sie dem Nachwuchs der Dentalbranche mit auf den Weg geben?

Am Ende meines Vortrags habe ich gesagt: „Grenzen sind nur im Kopf.“ Das ist etwas, woran ich wirklich glaube. Viele Chancen kommen nicht von allein – man muss sie selbst ergreifen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich oft genau dann neue Türen öffnen, wenn man den Mut hat, den ersten Schritt zu machen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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