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Studie

Vorhofflimmern und Parodontitis – aktuelle Analysen zeigen einen Zusammenhang

Neue Übersichtsarbeit zeigt: Parodontale Erkrankungen können das Risiko für Vorhofflimmern und thromboembolische Komplikationen wie Schlaganfälle erhöhen. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass parodontal-therapeutische Interventionen diese Risiken mindern könnten – ein Aspekt, der künftig stärker in die Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen integriert werden sollte.

Illustration einer Gruppe von Medizinern, die etwas erforschen. katemangostar/freepik
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Hintergrund

Im rasant wachsenden Feld der Parodontalen Medizin werden die Assoziationen zwischen entzündlichen Erkrankungen des Zahnhalteapparates und verschiedenen allgemeinmedizinischen Krankheitsbildern untersucht. Mittlerweile liegt hier eine breite Datenbasis beispielsweise zu metabolischen, rheumatoiden oder auch kognitiven bzw. psychischen Leiden vor. Vor dem Hintergrund von Morbidität und Mortalität kardiovaskulärer Erkrankungen ist dabei die Beleuchtung eines möglichen pathogenetischen Einflusses parodontaler Erkrankungen und gegebenenfalls deren Therapie von großer (zahn-) medizinischer, aber auch gesundheitsökonomischer Relevanz. Das Krankheitsbild Vorhofflimmern und die daraus resultierenden potenziell lebensbedrohlichen Komplikationen, wie thromboembolischen Ereignissen, stand dabei bisher eher nicht im Fokus von Forschung und Tagespresse. In einer noch nahezu druckfrischen Publikation ist der derzeitige Kenntnisstand jetzt ganz aktuell zusammengetragen worden – mit interessanten und relevanten Ergebnissen.

Methodik

Die vorliegende Analyse wurde von zwei europäischen – nicht zahnmedizinischen – Wissenschaftlern konzipiert, umgesetzt und in einer kardiologischen Fachzeitschrift veröffentlicht. Es handelt sich bei dieser Arbeit um eine sehr umfangreiche narrative Übersicht, welche die derzeit vorhandene Literatur entsprechend der gesetzten Schwerpunkte der Autoren zusammenfasst und bewertet. Eingeschlossen wurden sowohl epidemiologische und klinische Studien, Übersichten sowie auch Studien zu den möglichen pathogenetischen Zusammenhängen. Die Arbeiten wurden in übersichtlichen Tabellen dargestellt, nach unterschiedlichen Fragestellungen sortiert und mittels „Auszählen“ zusammengefasst.

Ergebnisse

Die ausgewerteten Arbeiten unterscheiden sich hinsichtlich zahlreicher Kriterien, darunter Patientenzahl, Studiendesign und Art der Auswertung. Zur Frage des Risikos der Entwicklung eines Vorhofflimmerns bei Parodontitis-Patienten wurden 17 Studien ausgewertet. Sie zeigen in der Mehrzahl eine statistisch signifikante oder biologisch plausible Assoziation zwischen Vorhofflimmern und tendenziell eher fortgeschrittenen parodontalen Krankheitsbildern. Im Anschluss folgte die Analyse des Einflusses einer Parodontitis auf bereits vorbestehendes Vorhofflimmern. Hierfür standen 9 Studien zur Verfügung, die konsistent eine ungünstigere Prognose bei eingeschränkter parodontaler Gesundheit zeigen. Eine dritte Analyse ging der Frage des Risikos für einen Schlaganfall in der allgemeinen Bevölkerung und speziell bei Patienten mit Vorhofflimmern nach. Die Auswertung von 7 Studien zeigt, dass eine Parodontitis das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen kann. Darüber hinaus gingen die Autoren auch der Frage bzgl. einer möglichen Risikoveränderung durch zahnmedizinische Interventionen nach. So konnte basierend auf 5 Studien vorsichtig dargelegt werden, dass eine Verbesserung der parodontalen Verhältnisse vorteilhaft für die Prävention von Vorhofflimmern sein kann. Eine Studie zeigte zudem, dass eine parodontale Therapie das Risiko für ein Rezidiv nach Therapie eines Vorhofflimmerns, unter anderem durch eine Ablation, reduzieren kann. Drei Studien demonstrieren, eine Verringerung des Schlaganfallrisikos durch eine parodontale Therapie.

Klinische Schlussfolgerungen

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Die hier zusammengetragenen Daten aus einer großen Anzahl teilweise hochrangig publizierter Studien legen den Einfluss einer Parodontitis auf das kardiale Krankheitsbild – Vorhofflimmern – und auf thromboembolische Komplikationen wie Schlaganfälle nahe. Gezeigt werden konnte zudem, dass parodontal-therapeutische Interventionen vorteilhaft für deren Prävention sein können. Entsprechend fordern die Autoren eine Aufnahme dieser zahnmedizinischen Therapie in den medizinischen Maßnahmenkatalog zur Risikoreduktion von Vorhofflimmern und Schlaganfall. Von besonderer klinischer Relevanz ist die Einnahme von Antikoagulantien bei vielen Patienten mit Vorhofflimmern. Hierbei kann es sich um traditionelle Gerinnungshemmer vom Cumarin-Typ oder auch um neuere Medikamente aus der breiten Palette der sogenannten DOAK`s (Direkte orale Antikoagulantien) handeln. Gemein ist beiden Wirkstoffklassen, dass sie das Risiko für mitunter auch ernstzunehmende Gemein ist beiden Wirkstoffklassen, dass sie das Risiko für mitunter auch ernstzunehmende blutungsbedingte Komplikationen bei einer Instrumentierung der erkrankten Parodontien erhöhen (können). Neben der gründlichen Anamnese ist daher eine Zusammenarbeit und Abstimmung mit dem betreuenden Allgemeinmediziner/ Kardiologen, gerade auch wenn es um das kritische Abwägen eines möglichen Pausierens der gerinnungshemmenden Medikation geht, unerlässlich. Hinsichtlich der Interpretation dieser Übersicht muss allerdings berücksichtigt werden, dass es sich bei dieser Arbeit nicht um eine systematische Übersicht, die nach transparenten und strengen Kriterien, den Einschluss einer Studie zur Berücksichtigung in einer sekundären Auswertung bestimmt, handelt. Das bedeutet, die zugrundeliegende Studien- und Datenbasis ist zwar recht groß aber eben auch nur eingeschränkt reproduzierbar. Die hier aufgezeigten Assoziationen sollten daher durch weitere große longitudinale, idealerweise interventionelle Studien, weiter untersucht und hinsichtlich ihrer Kausalität untermauert werden.

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