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Unser Beruf ist nicht einfach nur irgendein „Job“. Wir lieben doch, was wir tun, und es erfüllt uns mit Freude, etwas in Händen zu halten, das wir selbst geschaffen haben. Wenn auf dem Weg zur Fertigstellung einmal ein Gerät ausfällt, wissen wir uns in der Regel zu helfen. Kabel löten, Stecker tauschen, Glasscheiben ersetzen …, das alles ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Denn eines ist über alle die Jahre, in denen ich in der Zahntechnik mittlerweile tätig bin, gleichgeblieben: Es muss immer alles schnell gehen.
Und genau das ist der Punkt, an dem bei computerassistierten Systemen Probleme auftauchen können: Steht schon wieder ein Software-Update an? Zumindest streikt der Rechner mal wieder – nichts geht mehr. Wir haben schon einen zweiten CAD/CAM-Arbeitsplatz, damit wir ausweichen können und es wieder schnell weiter geht, bis der Spezialist vom Support kommt. Doch das kann dauern: Das Problem muss an der Hotline geschildert und verstanden werden, der Service-Mitarbeiter anreisen, um schließlich den Fall (hoffentlich) schnell zu lösen – und wenn nicht, kostet es ganz schön viel Zeit und Geld. Geld, das wir Zahntechniker mit ehrlicher Handarbeit erst einmal schöpfen müssen.
Zeitersparnis – nicht für alle
Die digitale Fertigung scheint für viele das goldene Kalb zu sein – allerdings nicht für kleine Firmen wie meine. Mal davon abgesehen, dass ich das gar nicht will. Ich will meine gelbe Aufwachssonde und meinen Bunsenbrenner, das habe ich im Blut und vor allem im Griff. Mit dem Computer spare ich keine Zeit, Geld schon gleich gar nicht und über den feinen Unterschied zur perfekten Handarbeit brauchen wir erst gar nicht nachdenken. Was bringt das also alles in einem Beruf, in dem (noch) nicht am Fließband gearbeitet wird, in dem nicht ständig wiederkehrende, gleiche Arbeiten ausgeführt werden?
Ach ja, bei Stegen kann ich leicht Prototypen bauen und die Passung auf die weite Spanne würde ich gusstechnisch auch nicht so hinbekommen. Doch sind wir mal ehrlich: Das kommt bei mir höchstens alle zwei Jahre vor. Das meiste sind Krönchen, die ich früher schnell gegossen und anschließend verblendet habe – ach, das hat so viel Spaß gemacht.
Meinem kleinen Allrounder-Labor hilft CAD/CAM nicht dabei, schneller zu werden. Vielmehr geht es darum, vorwärtszukommen und besser zu werden; um die Leidenschaft, etwas Neues und Großartiges zu schaffen – vielleicht sogar etwas, was eigentlich gar nicht möglich sein sollte. Genau das ist es, war uns und unser Handwerk ausmacht und worum es letztendlich geht.
Und jetzt freue ich mich erst einmal auf die telefonisch angekündigte Reparatur einer alten Modellgussprothese. Die bringt zwar nicht so viel Umsatz und dauert lang, dafür ist es aber pures handwerkliches Geschick. Spätestens hier können CAD/CAM und KI nicht mehr mithalten, da es zu komplex ist. Daher muss auf „Handbetrieb“ umgestellt werden.
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