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So zeigten die bereits für das vergangene Jahr vorgenommenen Änderungen der Rahmenbedingungen für die Nachwuchsveranstaltung ADT young talents, die 2026 bereits zum zehnten Mal stattfand, Wirkung: Es gingen deutlich mehr hochkarätige Bewerbungen ein, als beim zur Verfügung stehenden Zeitfenster Referenten sprechen konnten.
Dr. Kathrin Seidel von der LMU in München machte den Aufschlag zur diesjährigen Tagung. Sie stellte das Spannungsfeld zwischen biologischen Limits und zahntechnischen Notwendigkeiten bei der Zahnpräparation dar. Als Teilnehmer war man damit sofort drin am Schulter-an-Schulter-Alltag, bei dem erkennbare Präparationsgrenzen, Wandstärken und Abutmentgestaltungen eine wichtige Rolle spielen.
Dazu gehört nach Ansicht der nächsten beiden Vortragenden Norbert Wichnalek und Arbnor Saraci auch, selbst zu fräsen. So stellten sie unter der Überschrift „We design. We mill.“ ihr Konzept des Inhouse-Fräsens dar, das ihnen erlaubt, menschliche tagesformbedingte Schwankungen zu vermeiden. Vielmehr sollen Maschinen die Fähigkeiten des individuellen Zahntechnikers um den Faktor Konstanz ergänzen können.
Effizienzsteigerung stand auch im Fokus des Vortrags von Dr. Stephan Weihe aus Witten-Herdecke, der einen faszinierenden Einblick in die vernetzte Kommunikation zwischen Dentallabor und Klinik gewährte. Er wies darauf hin, dass Prozesse nicht einfach aus der analogen Welt übernommen, sondern tatsächlich neu digital gedacht werden müssen, um den gewünschten Erfolg der Effizienzsteigerung zu erzielen.
Zirkoniumdioxid im Alltag
Nach diesen grundlegenden Vorträgen ging es zu den tatsächlichen Anwendungen und Detailfragen. Dabei stand Zirkoniumdioxid in seinen unterschiedlichen Ausprägungsformen und in seiner Ästhetik im Mittelpunkt: Zum einen sind es die Multilayer-Produkte, die ein abgestuftes Transparenzverhalten zeigen können, und andererseits sind es die verschiedenen Charakterisierungsmöglichkeiten mit Malfarben, Microlayering oder auch die klassische Verblendung, die weiterhin eine sehr gute Option darstellt. Oliver Morhofer stellte dabei in seinem Vortrag den ökonomischen Einfluss der Materialwahl heraus und betonte, wie wichtig gute Werkstoffe zu einem angemessenen Preis seien (Abb. 1).
Screenshot des Vortrags, PospiechDen Donnerstag beschlossen zwei Themen zur Funktionsdiagnostik und -therapie. Dres. Wolfgang und Julius Boisserée präsentierten ihren digital geprägten Workflow bei der Funktionstherapie, wobei sie ein besonderes Augenmerk auf die Verhältnisse des Gelenkraumes durch Anwendung von MRT und DMD legen und nach sorgfältiger Gelenkraumanalyse die Therapie ableiten. Dr. Daniel Hellmann beschloss den ersten Vortragstag mit einem lehrreichen Vortrag zur modularen Schienentherapie, in dem die verschiedenen Schienentypen indikations- und leitlinienbezogen praxisnah dargestellt und erläutert wurden.
Digitaler Schulterschluss
Zwei Referententeams beschäftigten sich sowohl mit dem volldigitalen Schulterschluss als auch mit der Harmonisierung von Funktion und Ästhetik. Dres. Ina und Christopher Köttgen stellten in ihrem Vortrag am Donnerstag fest, dass die funktionelle Rehabilitation das Fundament für eine harmonische Ästhetik darstellt. Am Freitag ergänzten Jan Kurtz-Hoffmann und Andreas Piorreck diese Thematik um den Aspekt, dass auch eine kieferorthopädische präprothetische Therapie im Erwachsenenalter für eine hochwertige volldigitale Rehabilitation von Patienten sinnvoll sein kann. Außerdem sei es immer sinnvoll, in die präprothetische Phase viel Sorgfalt und Energie zu investieren, z.B. durch mehrere Mock-ups, für eine möglichst perfekte definitive Umsetzung.
Digitale Verfahren
Zahnarzt und Zahntechniker Georgios Pouias-Stahmer berichtete sehr anschaulich über alle Aspekte des Intraoralscans und wie er als Zahnarzt den Zahntechniker in sich zufriedenstellt. Dabei betonte er, dass eine deutliche Hohlkehle und eine sichtbare Präparationsgrenze unabdingbare Voraussetzungen für die erfolgreiche Zusammenarbeit sind (Abb. 2).
Wissenschaftlich wurde dieser Vortrag ergänzt und unterfüttert durch die Darstellung der neuen Sk2-Leitlinie „Intraoralscan“ durch das Referentenduo Dr. Tobias Graf und Miriam Ruhstorfer, die den scheinbar trockenen Stoff sehr anschaulich und praxisrelevant aufbereiteten.
Werkstoffkundlich war Christoph Strauch unterwegs: Additiv versus subtraktiv – Lasermelting oder Fräsen, war hier die Frage, mit der er sich beschäftigte. Wobei seine Antwort „sowohl als auch“ lautete. Beim Design und der präzisen Herstellung von Werkstücken sieht er den klaren Vorteil im sparsamen Materialeinsatz des additiven Aufbaus beim Lasermelting. Die perfekte Oberflächengüte des Fräsens sei dagegen unübertroffen und so findet das Fräsen in der Aus- und Endbearbeitung statt.
Dr. Fady Ibrahim von der Universität Düsseldorf berichtete über den aktuellen Stand der digitalen Prothetik, die immer mehr die Ausbildung von Zahnärzten und Zahnärztinnen durchdringt. Bei aller digitaler Begeisterung betont er allerdings: Die Maus ersetzt das Wachsmesser in der Ausbildung noch nicht, man müsse auch die konventionelle Zahntechnik noch beherrschen (Abb. 3).
Funktionsdiagnostik und Farbe
Drei Vorträge ergänzten sich am Freitagnachmittag ausgezeichnet: Sowohl bei Vincent Fehmer als auch bei Dr. Daniel Hellmann ging es um die Bedeutung der Kieferrelationsbestimmung als wesentliche Basis für die Rehabilitation. Prof. Dr. Angelika Rauch ging auf zahnfarbene Schienen und deren Differenzialindikation bei der Behandlung von Bruxismuspatienten sowie Attritionsgebissen ein, wobei sie immer wieder wissenschaftliche Aspekte mit Bezug auf die S3-Leitlinie „Bruxismus“ einflocht.
Einen besonderen Vortrag hielt der young talents award-Gewinner 2025 Jonas Rechlin, der sich als ein „Daniel Düsentrieb“ der Zahnmedizin entpuppte, der ideenreich mit einem 3-D-Drucker sein Leben und auch die zahnärztliche Lehre optimiert. Das Highlight ist derzeit eine besondere Lupenbrillenkamera, die ein Weitwinkel- und ein Zoom-Objektiv kombiniert und damit bei Live-OPs wackelfreie und stets scharfe Bilder produziert.
Zum Abschluss des zweiten Tages kam noch einmal Farbe ins Spiel. Alexander Conzmann entführte in die Welt der Farbnahme und der Lab-Werte. Hier spielen zwar immer noch die Farbbezeichnungen des VITA classic-Rings eine Rolle, aber sie werden immer mehr in die digitale Welt integriert.
Die Rolle von KI
Am Samstag startete Daniel Kirndörfer den Vortragstag mit dem Thema „Smarte Digitalisierung der Laborabläufe: Wie kann ich Zeitfresser eliminieren“. Volker Knorr schlug danach eine Bresche für KI-designte Provisorien und deren anschließende Herstellung mittels Filamentdruck, die dann in robuste Restaurationen umgesetzt werden könnten. Uli Hauschild führte das Publikum durch 20 Jahre digitale Zahnheilkunde, die er selbst erlebt hat und die ihn zur Schlussfolgerung führte, dass ein Umdenken notwendig sei. Der Mangel an Fachpersonal zwinge in gewissen Bereichen zu Automatisierung und Standardisierung. Künstliche Intelligenz helfe bei der Organisation von Abläufen. Und schließlich: Der Schulterschluss von Zahnmedizin und Zahntechnik ist unabdingbar.
Diesen Kernaussagen schlossen sich auch die Vorträge von Ramona Hench sowie des Referentenduos Roland Binder und Dr. Christoph Lichtblau an: Smile Design als digitales Tool kann die Planung und Generierung von Restaurationen signifikant unterstützen und gerade bei Full-Arch-Lösungen sei eine KI-unterstützte Lösung mit speziellen Scan-Hilfsteilen extrem hilfreich.
Teleskop- und Totalprothetik
Neues Wissen in der Teleskopprothetik präsentierte das Zahntechnikerteam Sven Bolscho und Björn Pfeiffer. Dieses Mal ging es um die effiziente Gestaltung der Verblendung, die bei ihnen immer über ein digitales Full-Wax-up und Mock-up erfolgt. Über ein abgestimmtes Vorwallsystem kann dann das „Digital-Smart-Injektionsverfahren“ angewendet werden, was eine enorme Zeitersparnis bedeute. Das gilt mittlerweile auch für die digitale Totalprothetik, die von Oliver Bock präsentiert wurde.
Mit einem lebhaften und amüsanten Vortrag über Abutmentdesign und Teamwork der vergangenen 20 Jahre setzte José de San José Gonzáles einen gelungenen Schlusspunkt ans Ende des Tagungsprogramms. Seine Forderung an alle: „Mehr Kommunikation“.
Zieht man ein Resümee über die zwar lange, aber nie langweilige Tagung, stelle ich fest: Es hat sich wieder einmal gelohnt. Der neue Vorstand hat geliefert und der nächste Termin steht schon wieder im Kalender: Die 55. ADT-Tagung vom 27. bis 29. Mai 2027 in Nürtingen.
Prof. Dr. Peter Pospiech
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