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Rolle von Bleaching

Bleaching als Bestandteil des Behandlungskonzepts bei Frontzahn-Opazitäten

Ein Leitsymptom der Molar-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) sind demarkierte Schmelzopazitäten, auch im sichtbaren Frontzahnbereich. Bei der Behandlungsplanung wird das substanzschonende, nichtinvasive Bleaching als erster Therapieschritt hervorgehoben, gefolgt von weiteren Maßnahmen, die sich je nach Schweregrad anschließen können. Ziel ist es, durch minimalinvasives Vorgehen sowohl die Zahnhartsubstanz zu erhalten als auch die Ästhetik und damit die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu verbessern.

Gebiss Susanne Effenberger, Omar Marouane, Max Wienhold
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Das klinische Spektrum demarkierter Schmelzopazitäten reicht von weißlich-cremefarbenen bis zu ausgeprägten gelb-braunen Verfärbungen. Zwar stehen funktionelle Einschränkungen an Frontzähnen meist weniger im Vordergrund – sichtbare Veränderungen des Lächelns können jedoch die Selbstwahrnehmung, soziale Interaktionen und die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität deutlich beeinträchtigen [1,2].Gerade bei jungen Patienten entsteht daraus ein klinisch relevantes therapeutisches Spannungsfeld: Der Wunsch nach einer raschen ästhetischen Verbesserung ist nachvollziehbar, gleichzeitig muss gesunde Zahnhartsubstanz konsequent geschont werden. Restaurative Maßnahmen können zwar kurzfristig ein gut vorhersagbares ästhetisches Ergebnis erzielen, gehen jedoch mit irreversiblem Substanzverlust einher und markieren nicht selten den Beginn einer langfristigen restaurativen Behandlungsspirale. Moderne Behandlungskonzepte setzen daher nicht auf eine maximale Korrektur in einer Sitzung, sondern auf eine stufenweise ästhetische Verbesserung bei möglichst geringer Invasivität.

Bei MIH-assoziierten Opazitäten kommt dem Bleaching dabei eine Schlüsselrolle zu: Als initialer, vollständig nichtinvasiver Therapieschritt kann es Verfärbungen reduzieren und zugleich sichtbar machen, welcher Anteil des ästhetischen Defizits anschließend noch mit anderen Maßnahmen adressiert werden muss; u.a. können persistierende weißliche Opazitäten im Anschluss gezielt mittels Infiltration maskiert werden. Im Vordergrund steht damit nicht die im Voraus festgelegte schematische Abfolge der Anwendung einzelner Produkte, sondern ein adaptiver klinischer Entscheidungsprozess, der sich an Läsionscharakteristik, Transilluminationsbefund und ästhetischem Zwischenergebnis orientiert. Daraus ergibt sich ein schrittweiser Workflow aus Bleaching, Reevaluation, selektiver Oberflächenkonditionierung, transilluminationsgestützter Infiltration und bei Bedarf restaurativer Korrektur struktureller Defekte [3,4].

Warum die Diagnose allein nicht über die Therapie entscheidet

Vestibuläre Schmelzopazitäten können verschiedene Ursachen haben. Zu den relevanten Differenzialdiagnosen zählen neben MIH auch kariös bedingte White-Spot-Läsionen, Fluorosen sowie traumatisch oder idiopathisch bedingte Schmelzdefekte. Auch wenn diese Befunde klinisch ähnlich erscheinen können, unterscheiden sie sich deutlich in Pathogenese, Histologie und therapeutischer Konsequenz.

MIH ist ein entwicklungsbedingter qualitativer Schmelzdefekt. Der betroffene Schmelz zeigt typischerweise eine reduzierte Mineraldichte und Härte, eine erhöhte Porosität sowie einen erhöhten Proteingehalt [5]. Klinisch manifestiert sich dies in scharf begrenzten Opazitäten unterschiedlicher Größe und Farbe. Insbesondere an Molaren können zusätzlich Hypersensitivitäten und posteruptive Schmelzeinbrüche auftreten [6,7].

Die ausgeprägte Heterogenität der Läsionen erschwert hierbei die ästhetische Therapieplanung. Eine klinisch ähnlich erscheinende Opazität kann oberflächlich oder tief lokalisiert sein, eine unterschiedlich ausgeprägte Oberflächenschicht aufweisen und variable organische Anteile enthalten. Selbst innerhalb eines Zahnes können einzelne Läsionsbereiche deutlich voneinander abweichen. Aus diesem Grund sollte die Therapieentscheidung mehr- dimensional erfolgen (Tab. 1). Vor jeder ästhetischen Therapie sind eine sorgfältige Diagnostik, professionelle Zahnreinigung und standardisierte fotografische Dokumentation erforderlich (Abb. 1). Bei Kindern und Jugendlichen sollte zudem gemeinsam mit den Eltern geklärt werden, ob ein Behandlungsbedarf besteht und welches ästhetische Ergebnis realistisch erreichbar ist.

EbeneZu berücksichtigende Faktoren
PatientAlter
allgemeine Anamnese
Patient
Oral
Kooperationsfähigkeit
ästhetischer Leidensdruck
Erwartungen von Patienten und Eltern
OralMundhygiene
Anzahl der betroffenen Zähne
Eruptionsstatus
ZahnGrad der Verfärbung und Farbe
Ausdehnung, Oberflächenbeschaffenheit
vermutete Läsionstiefe
Hypersensitivität
mögliche Strukturverluste
Tab. 1: Einflussfaktoren auf die Behandlungsentscheidung.

Bleaching – integraler Bestandteil des klinischen Workflows

Bleaching wird klassischerweise vor allem mit der generellen Aufhellung gesunder Zähne verbunden. Bei demarkierten Opazitäten erfüllt es jedoch eine spezifischere Funktion. Peroxide oxidieren farbgebende organische Chromophore (Abb. 2) und dadurch können gelbliche oder braune Verfärbungen, die mit einem höheren Proteingehalt des betroffenen Schmelzes einhergehen [5], innerhalb einer Schmelzläsion reduziert werden. Gleichzeitig hellen sie den umgebenden gesunden Schmelz auf, wodurch der Farbunterschied zwischen gesundem Schmelz und Läsion teils reduziert wird. Bei einer weißen Opazität kann sich dadurch der Helligkeitskontrast zwischen Läsion und Umgebung optisch angleichen. Das ist insbesondere bei Fluorosen und milden, überwiegend weißlichen MIH-bedingten Opazitäten relevant. Gleichzeitig schafft das Bleaching eine günstige Ausgangssituation für eine eventuell notwendige anschließende Infiltration.

Abb. 1: Klinische Beurteilung MIH-Läsionen im Frontzahnbereich: Bei der klinischen Beurteilung der MIH sind folgende Parameter in Betracht zu ziehen: Oberflächenbeschaffenheit, Läsionsausdehnung, Intensität und Chroma der Verfärbung und möglicher Substanzverlust.Susanne Effenberger, Omar Marouane, Max Wienhold
Abb. 1: Klinische Beurteilung MIH-Läsionen im Frontzahnbereich: Bei der klinischen Beurteilung der MIH sind folgende Parameter in Betracht zu ziehen: Oberflächenbeschaffenheit, Läsionsausdehnung, Intensität und Chroma der Verfärbung und möglicher Substanzverlust.
Abb. 2: Wirkungsweise Bleaching.Susanne Effenberger, Omar Marouane, Max Wienhold
Abb. 2: Wirkungsweise Bleaching.

Bleaching bei Fluorosen

Bei dentaler Fluorose kann Bleaching insbesondere bei weißlich-opaken oder bräunlich verfärbten Läsionen eine deutliche ästhetische Verbesserung erzielen (Abb. 3). Durch die Aufhellung des gesunden Zahnschmelzes wird der Farbkontrast zwischen fluorotischer Läsion und umgebendem Schmelz reduziert, wodurch die Läsion bereits weniger auffällig erscheint.

Klinische Daten zeigen, dass die Kombination aus Bleaching und Infiltration insbesondere bei milden bis moderaten Fluorosen eine sehr gute Maskierung ermöglichen kann [12]; in einer randomisierten klinischen Studie war der Farbeindruck sechs Monate nach der Behandlung bei zusätzlichem Bleaching signifikant besser als bei alleiniger Infiltration [13]. Ein aktuelles systematisches Review mit Metaanalyse bestätigt, dass sowohl Bleaching als auch Infiltration geeignete Verfahren zur ästhetischen Verbesserung fluorotischer Läsionen sind und die Kombination beider Verfahren besonders effektiv erscheint [14]. Damit kann Bleaching als sinnvoller vorbereitender Schritt betrachtet werden, insbesondere wenn zusätzlich zur weißen Opazität eine gelbliche oder bräunliche Grundverfärbung vorliegt. Insgesamt stellt die Kombination daher einen minimalinvasiven und für die Praxis gut nachvollziehbaren Ansatz dar, um eine möglichst homogene Zahnfarbe zu erzielen.

Bleaching bei MIH

Bei MIH ist insbesondere die initiale Entfernung der Verfärbung relevant [8] (Abb. 4). Gelbbraune MIH-Läsionen weisen deutlich höhere Proteinkonzentrationen auf als weiße Läsionen oder intakter Schmelz [5]. Die Proteine können tief innerhalb des porösen Läsionskörpers lokalisiert sein. Entsprechend reagieren ausgeprägte Verfärbungen nicht zwangsläufig nach wenigen Anwendungen vollständig auf eine Bleachingtherapie. Eine längere, niedrig konzentrierte Behandlung kann hier sinnvoller sein als ein kurzes, hoch konzentriertes Verfahren. Das Bleaching mit Carbamidperoxid über einen längeren Zeitraum ermöglicht einen gut kontrollierbaren Aufhellungsprozess. Je nach Konzentration kann dieses Vorgehen schonender sein [9]; zugleich führt die langsamere Freisetzungsrate der Radikale zu einer schrittweisen Wirkung [10] – „low and slow“.

Abb. 3: Behandlungsprotokoll einer Fluorose. Das klinische Beispiel zeigt den stufenweisen Ablauf bei fluorotischen Opazitäten im Frontzahnbereich: Nach der initialen Befundaufnahme und einem sechswöchigen Bleachingprotokoll mit täglich einstündiger Anwendung wird das ästhetische Ergebnis reevaluiert. Persistierende weißliche Opazitäten können anschließend durch Infiltration weiter maskiert werden. Die Abfolge verdeutlicht den Nutzen eines minimalinvasiven, befundorientierten Vorgehens, bei dem Bleaching und Infiltration gezielt kombiniert werden.Susanne Effenberger, Omar Marouane, Max Wienhold
Abb. 3: Behandlungsprotokoll einer Fluorose. Das klinische Beispiel zeigt den stufenweisen Ablauf bei fluorotischen Opazitäten im Frontzahnbereich: Nach der initialen Befundaufnahme und einem sechswöchigen Bleachingprotokoll mit täglich einstündiger Anwendung wird das ästhetische Ergebnis reevaluiert. Persistierende weißliche Opazitäten können anschließend durch Infiltration weiter maskiert werden. Die Abfolge verdeutlicht den Nutzen eines minimalinvasiven, befundorientierten Vorgehens, bei dem Bleaching und Infiltration gezielt kombiniert werden.
Abb. 3: Behandlungsprotokoll einer Fluorose. Das klinische Beispiel zeigt den stufenweisen Ablauf bei fluorotischen Opazitäten im Frontzahnbereich: Nach der initialen Befundaufnahme und einem sechswöchigen Bleachingprotokoll mit täglich einstündiger Anwendung wird das ästhetische Ergebnis reevaluiert. Persistierende weißliche Opazitäten können anschließend durch Infiltration weiter maskiert werden. Die Abfolge verdeutlicht den Nutzen eines minimalinvasiven, befundorientierten Vorgehens, bei dem Bleaching und Infiltration gezielt kombiniert werden.Susanne Effenberger, Omar Marouane, Max Wienhold
Abb. 3: Behandlungsprotokoll einer Fluorose. Das klinische Beispiel zeigt den stufenweisen Ablauf bei fluorotischen Opazitäten im Frontzahnbereich: Nach der initialen Befundaufnahme und einem sechswöchigen Bleachingprotokoll mit täglich einstündiger Anwendung wird das ästhetische Ergebnis reevaluiert. Persistierende weißliche Opazitäten können anschließend durch Infiltration weiter maskiert werden. Die Abfolge verdeutlicht den Nutzen eines minimalinvasiven, befundorientierten Vorgehens, bei dem Bleaching und Infiltration gezielt kombiniert werden.
Abb. 3: Behandlungsprotokoll einer Fluorose. Das klinische Beispiel zeigt den stufenweisen Ablauf bei fluorotischen Opazitäten im Frontzahnbereich: Nach der initialen Befundaufnahme und einem sechswöchigen Bleachingprotokoll mit täglich einstündiger Anwendung wird das ästhetische Ergebnis reevaluiert. Persistierende weißliche Opazitäten können anschließend durch Infiltration weiter maskiert werden. Die Abfolge verdeutlicht den Nutzen eines minimalinvasiven, befundorientierten Vorgehens, bei dem Bleaching und Infiltration gezielt kombiniert werden.Susanne Effenberger, Omar Marouane, Max Wienhold
Abb. 3: Behandlungsprotokoll einer Fluorose. Das klinische Beispiel zeigt den stufenweisen Ablauf bei fluorotischen Opazitäten im Frontzahnbereich: Nach der initialen Befundaufnahme und einem sechswöchigen Bleachingprotokoll mit täglich einstündiger Anwendung wird das ästhetische Ergebnis reevaluiert. Persistierende weißliche Opazitäten können anschließend durch Infiltration weiter maskiert werden. Die Abfolge verdeutlicht den Nutzen eines minimalinvasiven, befundorientierten Vorgehens, bei dem Bleaching und Infiltration gezielt kombiniert werden.
Abb. 4: Behandlungsprotokoll einer MIH: Das klinische Beispiel zeigt den stufenweisen Verlauf bei einer MIH-Opazität im Frontzahnbereich: Nach der initialen Befundaufnahme und einem vierwöchigen Bleaching-Protokoll mit täglich einstündiger Anwendung wird das ästhetische Ergebnis reevaluiert. Anschließend werden die verbliebenen-weißlichen Opazitäten durch Infiltration weiter maskiert.Susanne Effenberger, Omar Marouane, Max Wienhold
Abb. 4: Behandlungsprotokoll einer MIH: Das klinische Beispiel zeigt den stufenweisen Verlauf bei einer MIH-Opazität im Frontzahnbereich: Nach der initialen Befundaufnahme und einem vierwöchigen Bleaching-Protokoll mit täglich einstündiger Anwendung wird das ästhetische Ergebnis reevaluiert. Anschließend werden die verbliebenen-weißlichen Opazitäten durch Infiltration weiter maskiert.
Abb. 4: Behandlungsprotokoll einer MIH: Das klinische Beispiel zeigt den stufenweisen Verlauf bei einer MIH-Opazität im Frontzahnbereich: Nach der initialen Befundaufnahme und einem vierwöchigen Bleaching-Protokoll mit täglich einstündiger Anwendung wird das ästhetische Ergebnis reevaluiert. Anschließend werden die verbliebenen-weißlichen Opazitäten durch Infiltration weiter maskiert.Susanne Effenberger, Omar Marouane, Max Wienhold
Abb. 4: Behandlungsprotokoll einer MIH: Das klinische Beispiel zeigt den stufenweisen Verlauf bei einer MIH-Opazität im Frontzahnbereich: Nach der initialen Befundaufnahme und einem vierwöchigen Bleaching-Protokoll mit täglich einstündiger Anwendung wird das ästhetische Ergebnis reevaluiert. Anschließend werden die verbliebenen-weißlichen Opazitäten durch Infiltration weiter maskiert.
Abb. 4: Behandlungsprotokoll einer MIH: Das klinische Beispiel zeigt den stufenweisen Verlauf bei einer MIH-Opazität im Frontzahnbereich: Nach der initialen Befundaufnahme und einem vierwöchigen Bleaching-Protokoll mit täglich einstündiger Anwendung wird das ästhetische Ergebnis reevaluiert. Anschließend werden die verbliebenen-weißlichen Opazitäten durch Infiltration weiter maskiert.Susanne Effenberger, Omar Marouane, Max Wienhold
Abb. 4: Behandlungsprotokoll einer MIH: Das klinische Beispiel zeigt den stufenweisen Verlauf bei einer MIH-Opazität im Frontzahnbereich: Nach der initialen Befundaufnahme und einem vierwöchigen Bleaching-Protokoll mit täglich einstündiger Anwendung wird das ästhetische Ergebnis reevaluiert. Anschließend werden die verbliebenen-weißlichen Opazitäten durch Infiltration weiter maskiert.

Ein vorgelagertes Bleaching hat noch einen weiteren Vorteil: Nach einer Infiltration wird die Lichtstreuung innerhalb des porösen Schmelzes reduziert [11]. Dadurch kann die Läsion optisch transparenter werden und tiefer gelegene, gelbliche oder bräunliche Farbanteile können stärker sichtbar werden. Werden diese Chromophore bereits vor der Infiltration reduziert, ist die Ausgangssituation für die anschließende Maskierung günstiger. Damit wird Bleaching vom optionalen kosmetischen Zusatz zu einem therapeutischen ersten, wesentlichen Schritt des Workflows.

Low-and-slow-Technik

Für Kinder und Jugendliche bietet sich insbesondere ein betreutes Home-Bleaching mit individuell angefertigten Schienen und niedrig konzentriertem Carbamidperoxid an. Gegenüber hoch konzentriertem In-Office-Bleaching ermöglicht dieses Vorgehen eine langsamere und besser steuerbare Aufhellung, das Risiko von unerwünschten Effekten wird dabei deutlich reduziert [9]. Für diese Altersgruppe ist eine rein kosmetische Aufhellung nicht gestattet. Für die Anwendung bei diesen Indikationen sind zugelassene Medizinprodukte in den wirksamen Konzentrationen erhältlich. Aktuelle Übersichtsarbeiten unterstützen die grundsätzliche Wirksamkeit von Bleachingverfahren auch bei Jugendlichen, wobei mögliche Sensitivitäten und die individuelle Indikationsstellung berücksichtigt werden müssen [15]. Ein günstiger klinischer Einstieg sind 5 bis 10% Carbamidperoxid in der Low-and-slow-Technik. Die genaue Konzentration, tägliche Tragedauer und Gesamtbehandlungszeit müssen für jeden Fall separat festgelegt werden. Eine individuell angefertigte Schiene mit gezielten Reservoirs an den zu behandelnden Zähnen ermöglicht eine kontrollierte und selektive Applikation des Bleachinggels genau im Bereich der Läsionen. Dadurch wird eine ausreichende Wirkstoffmenge lokal verfügbar gehalten, während umliegende Weichgewebe und nicht behandlungsbedürftige Bereiche möglichst geschont werden.

Wichtig ist dabei der Perspektivwechsel: Nicht eine vorher definierte Zahl an Behandlungstagen, sondern der klinische Endpunkt bestimmt die Therapiedauer. Dieser Endpunkt ist erreicht, wenn die gelbbraunen Farbanteile ausreichend, im Idealfall vollständig, entfernt sind, das gewünschte ästhetische Ergebnis erreicht wurde oder zwischen zwei Kontrollen keine relevante weitere Verbesserung festgestellt werden kann. „In einfachen Fällen kann bei einer täglichen Anwendung von 1 h eine Behandlungsdauer von etwa vier bis sechs Wochen ausreichen; ausgedehntere oder tiefer verfärbte Läsionen können längere Behandlungszeiten benötigen. Regelmäßige Kontrollen erlauben eine Anpassung des Protokolls und verhindern eine unnötig langfristige Behandlung.

Sensitivitäten: vorbeugen, beobachten, reagieren

Die häufigste unerwünschte Begleiterscheinung des Bleachings ist eine vorübergehende Hypersensibilität [16]. Vor Beginn der Therapie sollten deshalb bereits bestehende Beschwerden erfasst werden. Dies ist bei MIH besonders wichtig, da betroffene Zähne unabhängig vom Bleaching hypersensibel sein können. Bei Beschwerden während der Therapie kann zunächst die tägliche Tragedauer reduziert oder eine kurze Behandlungspause eingelegt werden. Ergänzend können desensibilisierende beziehungsweise remineralisierende Präparate, beispielsweise mit (Zinn-)Fluorid, Kaliumnitrat, Novamin, Arginin oder CPP-ACP, eingesetzt werden. Auch die Passung der Schiene muss individualisiert und laufend überprüft werden, insbesondere bei gingivaler Irritation. Eine (durch die Schiene) gering dosierte und niedrig konzentrierte, kontrollierte Home-Anwendung bietet hier einen wesentlichen Vorteil: Die Behandlung kann unmittelbar an die individuelle Reaktion des Patienten angepasst werden.

Nach dem Bleaching entscheidet sich der weitere Weg

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Nach erfolgreicher Entfernung der gelbbraunen Farbanteile sollte nicht automatisch infiltriert werden. Zunächst wird beurteilt, ob das vorhandene Ergebnis für Patient und Behandler bereits ausreichend ist. Bei sehr milden Fällen kann das Bleaching allein die ästhetische Beeinträchtigung so weit reduzieren, dass keine weitere Behandlung notwendig ist [17]. Gerade hier liegt der eigentliche Nutzen des schrittweisen Vorgehens: Jede vermiedene mikroinvasive oder restaurative Intervention erhält Zahnhartsubstanz. Häufig bleiben nach dem Bleaching jedoch weißliche Opazitäten bestehen; teilweise erscheinen sie unmittelbar nach der Behandlung sogar deutlicher. Dies ist nicht automatisch ein Misserfolg: Durch Dehydratation kann der Schmelz temporär heller und opaker wirken. Zudem werden nach Entfernung dunklerer Farbkomponenten die optischen Eigenschaften des eigentlichen porösen Läsionskörpers sichtbarer. Um die resultierende Zahnfarbe sicher abschätzen zu können (und verbliebene Peroxide, sogenannte reaktive Sauerstoffspezies, aus der Zahnhartsubstanz zu entfernen), sollte eine Wash-out-Phase von mindestens 14 Tagen eingehalten werden. Erst nach dieser Phase fällt die Entscheidung: Therapieende oder Infiltration.

Infiltration: nicht aufhellen, sondern Lichtstreuung verändern

Bleaching und Infiltration wirken über grundsätzlich unterschiedliche Mechanismen. Die weißliche Erscheinung hypomineralisierter Schmelzläsionen entsteht wesentlich durch deren erhöhte Porosität. Luft beziehungsweise Flüssigkeit in den Poren besitzen andere Brechungsindizes als gesunder Schmelz. Einfallendes Licht wird dadurch stärker gestreut – die Läsion erscheint weiß und opak. Bei der Infiltration dringt ein niedrigviskoses Harz in diese Porositäten ein. Der Brechungsindex des Infiltranten liegt näher an dem des gesunden Schmelzes. Die Lichtstreuung wird reduziert und die Läsion kann sich optisch an den umgebenden Schmelz angleichen [11]. Der Erfolg hängt allerdings entscheidend davon ab, ob der Infiltrant den eigentlichen Läsionskörper erreicht. MIH-Läsionen können von einer unterschiedlich dichten Oberflächenschicht bedeckt sein. Ist diese nicht ausreichend entfernt, bleibt die Penetration des Harzes unvollständig. Das erklärt, warum ein standardisiertes Protokoll mit einer festen Anzahl von Ätzschritten und einer festen Infiltrationszeit nicht bei jeder MIH-Läsion zum gleichen Ergebnis führen kann.

Transillumination als diagnostisches und therapeutisches Werkzeug

Die transilluminationsgestützte Infiltration versucht, die Behandlung steuer- und vorhersagbarer zu machen [3,18]. Dabei wird die Durchleuchtung (Transillumination) des Zahnes nicht nur vor der Therapie eingesetzt, sondern während verschiedener Behandlungsschritte. Vor der Infiltration kann dies helfen, die Ausdehnung der Opazität besser einzuschätzen. Während der Oberflächenkonditionierung ermöglicht sie eine fortlaufende Beurteilung, ob der Läsionskörper bereits ausreichend zugänglich ist. Auch während der Infiltration kann verfolgt werden, ob sich das optische Erscheinungsbild weiter verändert (Abb. 5). Der klinische Endpunkt lautet damit nicht mehr: „Drei Minuten Infiltration sind vorbei.“, sondern: „Es ist keine weitere relevante optische Verbesserung erkennbar.“ Bei besonders opaken Läsionsanteilen kann die Oberfläche selektiv mit einem Arkansasstein bearbeitet werden. Je nach Befund können ein bis maximal drei Ätzzyklen notwendig sein. Auch die benötigte Infiltrationszeit ist individuell und kann zum Teil deutlich über der standardisierten initialen Applikationsdauer liegen. Die Infiltration muss jeweils so lange fortgeführt werden, bis unter transilluminierter Kontrolle keine weitere Verbesserung mehr erkennbar ist.

Abb. 5: Transilluminationsbefund MIH-Läsionen: Transilluminationsbefunde einer MIH-Läsion über den gesamten Behandlungsverlauf. (1) Ausgangsbefund (2) nach der Vorbehandlung mit Carbamidperoxidgel 5% (3) nach selektiver Oberflächenentfernung durch Mikroabrasion (4) nach der Oberflächenkonditionierung mit HCl Gel (5) nach abgeschlossener Infiltration. Die Durchleuchtung unterstützt die Beurteilung der Läsionsränder, der Ausdehnung und der lichtdynamischen Eigenschaften der Opazität.Susanne Effenberger, Omar Marouane, Max Wienhold
Abb. 5: Transilluminationsbefund MIH-Läsionen: Transilluminationsbefunde einer MIH-Läsion über den gesamten Behandlungsverlauf. (1) Ausgangsbefund (2) nach der Vorbehandlung mit Carbamidperoxidgel 5% (3) nach selektiver Oberflächenentfernung durch Mikroabrasion (4) nach der Oberflächenkonditionierung mit HCl Gel (5) nach abgeschlossener Infiltration. Die Durchleuchtung unterstützt die Beurteilung der Läsionsränder, der Ausdehnung und der lichtdynamischen Eigenschaften der Opazität.
Abb. 6: Schematische Darstellung des Behandlungsablaufs.Susanne Effenberger, Omar Marouane, Max Wienhold
Abb. 6: Schematische Darstellung des Behandlungsablaufs.

Empfehlung für die Praxis

Bei MIH-bedingten Opazitäten im Frontzahnbereich sollte die Therapie möglichst substanzschonend, stufenweise und befundorientiert erfolgen (Abb. 6). Verfärbte Läsionen profitieren häufig von einem vorgelagerten, kontrollierten Home-Bleaching, bevor der tatsächliche Restbehandlungsbedarf erneut beurteilt wird. Persistierende weißliche Opazitäten können anschließend durch eine transilluminationsgestützte Infiltration gezielt maskiert werden. Entscheidend ist dabei nicht ein starres Protokoll, sondern die kontinuierliche klinische Reevaluation von Farbe, Lichtverhalten, Oberflächenzugänglichkeit und ästhetischem Ergebnis. Restaurative Maßnahmen als Ergänzung zur Infiltration bei strukturellen Defiziten sollten erst dann in Betracht gezogen werden, wenn minimalinvaisve Verfahren kein zufriedenstellendes Ergebnis erwarten lassen oder strukturelle Defekte vorliegen.

  • Klinische Beurteilung: Oberflächenbeschaffenheit, Läsionsausdehnung, Intensität und Chroma der Verfärbung sowie möglicher Substanzverlust sollten systematisch berücksichtigt werden.
  • Individuelles Vorgehen: Das Behandlungsprotokoll muss befundorientiert angepasst werden – gegebenenfalls bis auf Ebene der einzelnen Läsion.
  • Niedrige Konzentrationen: Bei Kindern und Jugendlichen zugelassene Medizinprodukte mit niedrigen Carbamidperoxid-Konzentrationen von 5% bis maximal 10% wählen.
  • „Low and slow“: Niedrige Konzentrationen und ein langsames, kontrolliertes Vorgehen unterstützen eine schonende und steuerbare Aufhellungstherapie.
  • Erwartungsmanagement: Realistische ästhetische Ziele und Zeitvorstellungen sollten frühzeitig mit Patienten und Eltern besprochen werden.
  • Geduld: Der Behandlungserfolg entsteht schrittweise und erfordert regelmäßige Reevaluation.

Autoren: Susanne Effenberger1,2, Mariam Samadi2, Omar Marouane3, Falk Schwendicke1

1 Poliklinik für Zahnerhaltungskunde, Parodontologie und Digitale Zahnmedizin, LMU Klinikum, München
2 Klinische Forschung, DMG, Hamburg
3 Oralys, Dental Clinic, Tunis

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