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Der unter dem Namen paroknowledge© veranstaltete Fortbildungskongress in Kitzbühel hat sich in Österreich als eine zentrale Fachveranstaltung etabliert. Der überwiegend deutschsprachige Kongress ist darüber hinaus für Fachpersonen aus dem gesamten DACH-Raum attraktiv. Der Schwerpunkt der diesjährigen paroknowledge© lautete „Implantate und periimplantäre Erkrankungen. State of the Art Therapie 2026“.
Parodontitis: Schicksal oder vermeidbare Volkskrankheit?
Dr. Corinna Bruckmann, Unizahnklinik Wien, Zentrum Klinische Forschung, setzte sich in ihrem Vortrag mit der Frage nach den Ursachen von Parodontitis auseinander. Anhand verschiedener Studiendaten veranschaulichte sie, dass es durchaus schicksalhafte genetische Zusammenhänge bei der Entstehung und Progression von Parodontitis gibt, jedoch in den allermeisten Fällen die Ursachen der Erkrankung vermeidbar sind. Im Rahmen des Vortrags stellte die Expertin dar, dass nach aktuellen Erkenntnissen etwa 30 Prozent der Erkrankungen genetisch bedingt seien, wohingegen bei rund 70 Prozent Umweltfaktoren, Lebensstil und verzögerter Behandlungsbeginn als ursächlich angesehen würden.
Über das häusliche Biofilmmangement hinaus rücken für die Prävention insbesondere die verhaltensbedingten Ursachen in den Fokus. Faktoren wie Übergewicht, Rauchen, Bewegungsmangel aber auch chronischer Stress erhöhen das Krankheitsrisiko – nicht nur für Parodontalerkrankungen. Positive Verhaltensänderungen leisten somit einen wichtigen Beitrag für die Allgemeingesundheit, der auch ökonomisch bedeutsam ist. Die Expertin nennt beispielsweise Studienergebnisse, die belegen, dass die Vermeidung zuckerhaltiger Nahrung Plaque-unabhängig die gingivale Entzündung reduziert. Gesundheitsscores wie die „Life´s Essential 8“ der American Heart Association zur Förderung der Herzgesundheit sind in vielerlei Hinsicht auch für die Mundgesundheit relevant. Die Gesundheitskompetenz, definiert als das Wissen, die Motivation und die Fähigkeit von Menschen, gesundheitsbezogene Informationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, sei in Österreich und Deutschland insgesamt verbesserungswürdig.
Dr. Bruckmann betonte dabei, wie wichtig die Information und Motivation von Patientinnen und Patienten in der zahnärztlichen Praxis zur Stärkung der Parodontitisprävention ist. Denn: Auch eine vermeidbare Erkrankung ist nicht allein durch die Patientinnen und Patienten abwendbar. Sie benötigen Unterstützung durch zahnmedizinisches Fachpersonal. Hierzu zählt unter anderem, den Biofilm immer anzufärben, individuelle Mundhygieneanleitungen zu geben, Sondieren, Risikostratifizierung, die Ansprache von Lebensstilfaktoren und die interdisziplinäre Kommunikation mit den behandelnden Internistinnen und Internisten sowie Hausärztinnen und Hausärzten.
Sekundärprävention in der parodontalen Langzeittherapie: Schlüssel zur Stabilität von Zahn und Implantat
Dr. Alexandra Stähli, Oberärztin an der Klinik für Parodontologie, Universität Bern, stellte eindrücklich dar, dass strukturierte Recall-Intervalle, individualisierte Hygieneinstruktionen und risikoorientierte Betreuung Zahnverluste signifikant reduzieren und auch zur Reduzierung peri-implantärer Erkrankungen beitragen. Zu Beginn ihres Vortrags stellte die Expertin das Berner Konzept der Parodontaltherapie vor: Im ersten Schritt sind dies die Mundhygiene-Instruktion und Motivation sowie die supragingivale Plaque-Entfernung. Erst wenn ein guter Plaque-Index erreicht ist, erfolgen die nächsten Schritte. Nach der subgingivalen Instrumentierung wird eine zweiwöchige Therapie mit einer Chlorhexidin Mundspülung empfohlen. Es folgen Reevaluation und Instrumentierung sowie Recall-Termine im Abstand von drei Monaten. Langzeitstudien zeigen, dass auf diesem Weg eine gute Langzeitprognose erreicht wird: bei 257 Patientinnen und Patienten nach aktiver Parodontaltherapie gingen in 30 Jahren nur neun Zähne aufgrund von Parodontitis verloren [1].
Resttaschen (>6 mm nach Instrumentierung und Re-Instrumentierung), welche die Erfolgsaussichten negativ beeinflussen, könnten durch Re-Instrumentierung mit Natriumhypochlorit und dem anschließenden Einbringen von Hyaluronsäure behandelt werden. Es konnte in einer Fallserie gezeigt werden, dass diese Behandlung bei 80 Prozent der Patientinnen und Patienten zu einer Verbesserung führte [2]. Im Hinblick auf die Überlebensdauer von Implantaten stellte Dr. Stähli dar, dass die keratinisierte Mukosa für den Langzeiterfolg von großer Bedeutung sei. Langzeitdaten über einen Zeitraum von 20 Jahren zeigten einen geringeren periimplantären Knochenverlust, selteneres Bluten auf Sondieren (BOP) sowie eine deutlich niedrigere Periimplantitisrate im Vergleich zu Implantaten mit unzureichender keratinisierter Mukosa (4,2 Prozent vs. 25 Prozent).
In ihrem Vortrag zielte die Expertin darauf, die Teilnehmenden für die kritische Phase nach der Behandlung zu sensibilisieren und konkrete Maßnahmen für eine nachhaltige Langzeitbetreuung aufzuzeigen. Dabei hob sie folgende Punkte als Take-Home-Message für eine gute Patientenversorgung hervor: Sorgfältige Anamnese inklusive Medikamentenanamnese, Rauchstoppberatung, Optimierung der Mundhygiene, Priorisierung der nicht-chirurgischen Parodontaltherapie vor chirurgischen Eingriffen, erfolgreiche Parodontaltherapie vor Implantatversorgung sowie regelmäßige unterstützende Parodontaltherapie.
Im kommenden Jahr feiern die Parodontologie Expertentage der ÖGP ihr 30-jähriges Jubiläum. Der Kongress in Kitzbühel findet vom 10. bis 12. Juni 2027 unter dem Motto „Parodontologie & Lebensstil – Zwischen Genuss & Risiko. Der Einfluss von Ernährung, Diabetes und Tabak-/Nikotinprodukten“ statt.
Quelle: CP GABA
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