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Zahnerhaltung – quo vadis?

Impulse und Perspektiven für die Zukunft des Fachs

Wie sieht die Zukunft der Zahnerhaltung aus? Dieser Frage widmeten sich die Keynote von Prof. Dr. Roland Frankenberger von der Philipps-Uni-versität Marburg sowie eine hochkarätig besetzte Paneldiskussion im Rahmen der 40. Jah-restagung der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) in Heidelberg. Beide For-mate setzten unterschiedliche Schwerpunkte, zeichneten jedoch ein gemeinsames Bild der Weiterentwicklung des Fachs.

Prof. Dr. Roland Frankenberger in seiner Keynote zur Zukunft der Zahnerhaltung DGZ
Prof. Dr. Roland Frankenberger in seiner Keynote zur Zukunft der Zahnerhaltung
Prof. Dr. Roland Frankenberger in seiner Keynote zur Zukunft der Zahnerhaltung
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Die Zukunft der Zahnerhaltung aktiv gestalten

In seiner Keynote verband Frankenberger einen Blick auf die Entwicklung der Zahnerhal-tung mit einem Ausblick auf kommende Herausforderungen. Mit Humor und klaren Positi-onen zeigte er anhand seiner pointierten „Sakrileg-Liste“, wie wissenschaftliche Erkennt-nisse bisherige Behandlungsdogmen verändert haben. Verfahren wie die Reparatur von Restaurationen oder die selektive Kariesexkavation, die früher teilweise als Behandlungs-fehler gegolten hätten, gehören heute zu modernen zahnerhaltenden Konzepten.

Weitere Chancen sieht Frankenberger in der personalisierten Prävention, künstlicher Intelli-genz und minimalinvasiven Therapien – verbunden mit der Mahnung, keine überzogenen Versprechen zu machen. Der längere Erhalt eigener Zähne bringt zugleich neue Aufgaben mit sich, insbesondere bei der Prävention und Behandlung von Wurzelkaries im höheren Lebensalter.

Ein weiterer Schwerpunkt seines Vortrags war die Wissenschaftskommunikation. Wissen-schaftlich fragwürdige Botschaften erreichen in sozialen Medien ein großes Publikum. Frankenberger forderte deshalb eine stärkere öffentliche Präsenz wissenschaftlich fundier-ter Zahnmedizin. Hochschulen und Fachgesellschaften müssten ihre Erkenntnisse verständ-lich vermitteln und Fehlinformationen wirksam entgegentreten.

Auch die Rahmenbedingungen universitärer Zahnmedizin nahm Frankenberger kritisch in den Blick. Unterfinanzierung, Bürokratie und Defizite in der Infrastruktur erschwerten For-schung, Lehre und Nachwuchsförderung. Zugleich sei eine hochwertige Ausbildung unver-zichtbar, die wissenschaftliche Grundlagen und praktische Behandlungskompetenz eng verbindet.

Paneldiskussion: Prävention, Digitalisierung und Versorgung im Fokus

Die in der Keynote skizzierten Perspektiven für die Zukunft der Zahnerhaltung wurden am folgenden Kongresstag in einer Paneldiskussion aus weiteren Blickwinkeln beleuchtet. Un-ter der Moderation der Tagungspräsidentin Prof. Dr. Diana Wolff diskutierten Prof. Dr. Reinhard Hickel, Prof. Dr. Christoph Benz und Dr. Ella Ohlsson über die Entwicklung des Fachs und die Auswirkungen von Prävention, Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und neuen biologischen Therapieansätzen auf Versorgung, Forschung und Lehre.

Einigkeit bestand darüber, dass die Zahnerhaltung auch künftig auf Prävention, wissen-schaftlicher Evidenz und einem substanzschonenden Vorgehen beruhen wird. Die Förde-rung der Mundgesundheit und der Erhalt der natürlichen Zähne bleiben zentrale Ziele. Technologische Innovationen können präventive Konzepte unterstützen, ersetzen jedoch weder eine gute Mundhygiene noch die aktive Mitwirkung der Patientinnen und Patienten.

Als wichtigste Entwicklungen wurden digitale Verfahren und künstliche Intelligenz genannt. Ihr Potenzial liege insbesondere in einer verbesserten Frühdiagnostik, individuellen Risiko-bewertung und im Monitoring von Erkrankungen. Gleichzeitig erfordern klinische Entschei-dungen weiterhin zahnärztliche Expertise. Neben digitalen Technologien gewinnen zudem biologische und regenerative Therapieansätze an Bedeutung, die perspektivisch neue Möglichkeiten für den Erhalt natürlicher Zahnhartsubstanzen eröffnen könnten.

Diskutiert wurden auch die Rahmenbedingungen der Versorgung. Kritisch gesehen wurde, dass Prävention, Verlaufskontrolle und Früherkennung bislang nicht immer in gleichem Maße honoriert werden wie invasive Behandlungsmaßnahmen. Gleichzeitig wurde die enge Verbindung von Mund- und Allgemeingesundheit hervorgehoben. Vor dem Hintergrund einer älter werdenden Bevölkerung komme präventiven Konzepten und einer interdiszipli-nären Versorgung eine zunehmende Bedeutung zu.

Auch die universitäre Ausbildung müsse sich kontinuierlich an neue wissenschaftliche Er-kenntnisse und technologische Entwicklungen anpassen. Neben fachlicher Kompetenz bleiben biologische Grundlagen, manuelle Fertigkeiten und Kommunikationsfähigkeiten unverzichtbar. Zudem wurde die Notwendigkeit betont, attraktive Karrierewege für den wissenschaftlichen Nachwuchs zu schaffen und die akademische Weiterentwicklung stärker zu fördern.

Zukunft der Zahnerhaltung: evidenzbasiert, präventiv und patientenorientiert

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Trotz unterschiedlicher Perspektiven zeichneten Keynote und Paneldiskussion ein überein-stimmendes Bild der Zukunft der Zahnerhaltung. Prävention, wissenschaftliche Evidenz und der Erhalt natürlicher Zahnsubstanz bleiben die zentralen Leitprinzipien des Fachs. Digitale Technologien, künstliche Intelligenz sowie biologische und regenerative Ansätze eröffnen neue Möglichkeiten für Diagnostik, Prävention und Therapie, können jedoch zahnärztliche Expertise und die Mitwirkung der Patientinnen und Patienten nicht ersetzen.

Deutlich wurde zugleich, dass auch verlässliche Rahmenbedingungen für Forschung, Lehre und Versorgung, eine zeitgemäße Ausbildung sowie eine stärkere Verankerung präventiver Ansätze im Gesundheitssystem entscheidend sind. Zudem kommt der Wissenschaftskom-munikation eine wachsende Bedeutung zu: Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse müssen verständlich vermittelt und gegenüber vereinfachenden oder irreführenden Informationen in sozialen Medien und anderen digitalen Kanälen sichtbar gemacht werden.

Das gemeinsame Ziel bleibt, Menschen über die gesamte Lebensspanne hinweg den Erhalt ihrer natürlichen Zähne und eine nachhaltige Mundgesundheit zu ermöglichen. Fortschritt wird sich dabei nicht allein an neuen Technologien messen lassen, sondern daran, wie er-folgreich wissenschaftliche Erkenntnisse in Prävention, Versorgung und Aufklärung umge-setzt werden.

Quelle: DGZ

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