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„Tumoren im Mund- und Rachenraum zählen zu den besonders belastenden Krebserkrankungen: Sprache, Nahrungsaufnahme und soziale Interaktion sind häufig massiv beeinträchtigt“, erklärt Dr. med. Dr. med. dent. Norbert Neckel, Leitender Oberarzt an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.
Fortschritte in der Mikrochirurgie eröffnen neue Perspektiven
Insbesondere bei Zungenkrebs stellt die chirurgische Behandlung eine große Herausforderung dar. Muss ein Teil oder sogar die gesamte Zunge entfernt werden, sind grundlegende Funktionen wie Sprechen und Schlucken erheblich eingeschränkt. „Aufgrund der gravierenden funktionellen Einschränkungen bei operativer Entfernung der Zunge blieb früher nach Ausschöpfung nicht operativer Therapien oft keine sinnvolle chirurgische Option“, sagt der DGMKG-Experte. „Dank moderner Mikrochirurgie können wir heute selbst nach vollständiger Entfernung der Zunge eine Rekonstruktion erreichen, die eine zufriedenstellende Lebensqualität ermöglicht.“ Dabei kommen komplexe mikrochirurgische Verfahren zum Einsatz: Gewebe aus anderen Körperregionen wird transplantiert, modelliert und funktionell angepasst. „Ziel ist es, nicht nur Volumen zu ersetzen, sondern sensible und motorische Grundfunktionen wiederherzustellen“, so Neckel.
Patient berichtet: zurück ins Leben nach schwerem Eingriff
Wie solche innovativen Therapien konkret aussehen, zeigt das Beispiel des Patienten Oliver Anke. Er wird per Videoschalte zu der Online-Pressekonferenz der DGMKG zugeschaltet sein. Nach der Diagnose eines Zungenkarzinoms im März 2025 wurde er zunächst operiert und bestrahlt. Als der Tumor wenige Monate später zurückkehrte, folgte eine umfassende Operation, bei der die Zunge und Teile des Unterkiefers entfernt und rekonstruiert wurden. Für den Wiederaufbau entnahmen die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen Gewebe aus dem Oberschenkel und vom Wadenbein. Dieses wurde so geformt und mit Muskel- sowie Nervenstrukturen verbunden, dass grundlegende Funktionen der Zunge erhalten bleiben. „Ich bin zwar weiterhin bei der Nahrungsaufnahme und beim Sprechen eingeschränkt, aber tumorfrei und insgesamt stabil“, berichtet Oliver Anke. „Besonders positiv ist, dass ich aktuell keine Schmerzen mehr im Bereich der Zunge habe.“
Rehabilitation bleibt entscheidend
Nach der Operation beginnt ein weiterer wichtiger Abschnitt: die funktionelle Rehabilitation. „Die Patienten müssen Sprechen und Schlucken neu erlernen“, erläutert Neckel. Sie werden dabei durch spezialisierte Phoniaterinnen und Phoniater sowie durch Logopädinnen und Logopäden intensiv begleitet. Das Therapieziel besteht darin, Komplikationen zu vermeiden und dem Patienten eine Integration in das öffentliche Leben wieder zu ermöglichen.
Quelle: DGMKG
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