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Gesundheit

Mundgesundheit und Allgemeingesundheit gemeinsam denken

Parodontitis ist weltweit die sechsthäufigste chronische Erkrankung [1]. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass rund eine Milliarde Menschen an Parodontitis erkrankt ist [2]. Für Deutschland zeigt die 6. Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS • 6): Trotz des deutlichen Rückgangs parodontal erkrankter Zähne bleibt die Prävalenz von Parodontitis hoch. Sie liegt bei schweren Parodontitisformen (Stadium III und IV) unter den 35- bis 44-Jährigen bei 17,5 Prozent und unter den 65- bis 74-Jährigen bei 52,7 Prozent [1]. Am Europäischen Tag der Parodontologie („Gum Health Day“), dem 12. Mai, machten Fachgesellschaften und Fachleute auf die Bedeutung von Prävention, Früherkennung und interdisziplinärer Zusammenarbeit aufmerksam.

Eine Frau hält ein Gebiss und eine Zahnbürste. senivpetro/freepik
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Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie e. V. (DG PARO) unterstützt CP GABA seit mehreren Jahren Informationsangebote rund um den Aktionstag. Im Mittelpunkt stehen dabei aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Zusammenhängen zwischen Mundgesundheit und Allgemeingesundheit. Die DG PARO-Präsidentin elect Prof. Bernadette Pretzl sowie Prof. Yvonne Jockel-Schneider, Leiterin der Abteilung für Parodontale Medizin am Uniklinikum Würzburg, erläuterten im Interview anlässlich des Aktionstages, warum Prävention und Aufklärung gesamtgesellschaftlich relevant sind. Das vollständige Interview finden Sie online auf MGB DENTAL.

Wechselwirkungen zwischen Mund- und Allgemeingesundheit stärker beachten

Parodontitis ist nicht allein eine Erkrankung des Mundraums: Chronische Entzündungsprozesse stehen mit der Allgemeingesundheit in Wechselwirkung. „Wir wissen heute sehr klar, dass wir Parodontalerkrankungen nicht isoliert im Mund betrachten dürfen. Parodontitis ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung und steht mit zahlreichen systemischen Erkrankungen in Verbindung“, betont Prof. Jockel-Schneider.

Bei Diabetes sind bidirektionale Zusammenhänge mit Parodontitis bereits gut erforscht, aber auch für kardiovaskuläre Erkrankungen und weitere chronisch-entzündliche Erkrankungen werden Zusammenhänge beschrieben [3, 4, 5]. „Bei kardiovaskulären Erkrankungen sehen wir relevante Zusammenhänge, müssen aber vorsichtiger formulieren. Parodontitis ist mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert, und chronische Entzündung sowie wiederholte Bakteriämien sind plausible biologische Brücken. Was wir nicht sagen können, ist: Wenn wir Parodontitis therapieren, verhindern wir sicher Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Es gibt aber Hinweise, dass sich nach einer Parodontaltherapie vaskuläre Surrogatparameter verbessern können, zum Beispiel die flussvermittelte Dilatation der Arteria brachialis als Maß für die endotheliale Funktion“, erklärt Prof. Jockel-Schneider. Für sie als renommierte Wissenschaftlerin auf diesem Gebiet stelle sich aktuell weniger die Frage nach Zusammenhängen zwischen einzelnen Erkrankungen und Parodontitis: „Spannender ist die Frage: Was verbindet diese Erkrankungen biologisch? Ist der Mund möglicherweise eine Art Frühwarnsystem für systemische Entzündungsprozesse?“. Hier bedarf es weitere interdisziplinärer Forschung.

Fachübergreifende Zusammenarbeit zur besseren Patientenversorgung

Auch im Praxisalltag ist die fachübergreifende Zusammenarbeit entscheidend für die Prävention und die Patientenversorgung. Gerade bei älteren und multimorbiden Patientinnen und Patienten gewinnt die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Zahnmedizin, Allgemeinmedizin und weiteren Fachrichtungen an Bedeutung, so die beiden Expertinnen. „Zahnmedizin ist Teil der Medizin und darf nicht als isoliertes Fach neben der Allgemeinmedizin verstanden werden“, betont Prof. Jockel-Schneider.

Leitlinien, wie die S2k-Leitlinie Diabetes und Parodontitis, unterstreichen die gemeinsame Verantwortung und fördern die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Leitlinien sind zugleich „eine Richtschnur“ und „ein Leuchtturm, der mir das Behandlungsgebiet ausleuchtet“, so Prof. Pretzl. Die Ausarbeitung von Leitlinien erfordert die Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinaus und fördert den Austausch. Sie können, so die DG PARO Präsidentin, entscheidend dabei helfen, dass Wissen durch die individuelle Auseinandersetzung mit einem Thema möglichst stark verbreitet wird.

Prävention als lebenslange individuelle Aufgabe mit gesellschaftlicher Dimension

Während die Prävention bei Karies in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte erzielt hat, besteht bei der Aufklärung über Parodontalerkrankungen weiterhin erheblicher Bedarf. Zahnverlust infolge von Parodontitis verursacht nicht nur Einschränkungen der Lebensqualität, sondern auch hohe Folgekosten. Prävention und Zahnerhalt seien daher auch gesundheitspolitisch relevante Themen, so Prof. Pretzl. „Die Zeit, die wir in Mundhygiene investieren, ist sehr gut investiert“, sagt sie. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur allgemeinen Gesundheit.

Dabei gilt es, Patientinnen und Patienten individuell abzuholen und zu begleiten. Dazu gehören eine individuell angepasste häusliche Mundhygiene, regelmäßige zahnärztliche Kontrollen, professionelle Nachsorge und bei entsprechenden Hinweisen die Zusammenarbeit mit Haus- und Fachärztinnen und -ärzten. Gerade im höheren Lebensalter müsse Prävention flexibel auf die jeweilige Lebenssituation abgestimmt werden, ergänzt Prof. Jockel-Schneider. Neben regelmäßigen zahnärztlichen Kontrollen spiele auch die Einbindung von Angehörigen und Pflegepersonen eine wichtige Rolle.

Aktuelle Informationen und Fortbildungsangebote

Unter dem Titel „Was hat Parodontitis mit Herz- und Allgemeingesundheit zu tun?“ informierten Prof. Bernadette Pretzl und Prof. Yvonne Jockel-Schneider anlässlich des diesjährigen Europäischen Tags der Parodontologie über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Zusammenhängen zwischen Mund- und Allgemeingesundheit. Interessierte finden eine Aufzeichnung des Live-Webinars auf der Webseite der DG PARO unter dgparo.de.

Die Fortbildungsplattform von CP GABA bietet unter learn.cpgabaprofessional.de vielfältige interessante Weiterbildungsangebote für Fachkreise. Live-Webinare werden auf der Plattform nachträglich On-Demand bereitgestellt. Aktuelle Inhalte aus dem Bereich der Parodontologie sind ein zweiteiliges Webinar „Die Mundhöhle als Spiegel der Allgemeingesundheit“ der beiden Experten Prof. Dr. Dirk Ziebolz und Prof. Dr. Dr. Gerhard Schmalz sowie die Aufzeichnung des CP GABA Experten-Talks zum Thema „Allgemeinmedizinische Aspekte in der präventiven Betreuung von Parodontalerkrankungen“, welcher Ende Juni stattfand.

Beratung und Information für Patientinnen und Patienten

Für die Patientenkommunikation stellen die DG PARO und CP GABA verschiedene Ratgeber rund um die Themen Parodontitis und Gingivitis bereit. Dazu zählen unter anderem Informationen für Schwangere, Menschen mit Diabetes, Implantatbehandelte und Herzkreislauferkrankte. Zahnarztpraxen können sich das Informationsmaterial downloaden oder kostenfrei bestellen unter: https://www.cpgabaprofessional.de/resources/resources-for-patients/dg-paro-ratgeber

Quelle: CP GABA GmbH

Autor

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Redaktion Dentalwelt

Quellen

[1] Jordan AR, Zimmermann F, Ohm C, Sasunna D, Kuhr K: Deutschland auf den Zahn gefühlt – 6. Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS · 6). Köln: Institut der Deutschen Zahnärzte (idz); 2026. doi : 10.23786 / 2026-6-15.

[2] World Health Organization. Global oral health status report: towards universal health coverage for oral health by 2030 [Internet]. Geneva: World Health Organization; 2022 [zitiert am 13.05.2026]. Abrufbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789240061484

[3] Ziller S, Arndt-Fink A: Parodontitis als Risikofaktor für den Schlaganfall. https://schlaganfallbegleitung.de/risikofaktoren/parodontitis#3 [zitiert am 13.05.2026].

[4] DG PARO, DDG, DGZMK: „Diabetes und Parodontitis“, Langversion 2.0, 2024, AWMF-Registernummer: 083-015, https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/083-015

[5] Bundeszahnärztekammer: Wechselwirkungen zwischen Mundgesundheit und Allgemeingesundheit. Stellungnahme Juni 2022. https://www.bzaek.de/service/positionen-statements/einzelansicht/wechselwirkungen-zwischen-mundgesundheit-und-allgemeingesundheit.html [zitiert am 13.05.2026].

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