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Zahnmedizin

Okklusionsschienen in der CMD-Therapie – leitlinienbasierte, praxisorientierte Umsetzung

Craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD) bezeichnen Schmerzen und/oder Funktionsstörungen der Kaumuskulatur, des Kiefergelenks und der dazugehörigen anatomischen Strukturen. Sie gehören zu den häufigsten Ursachen orofazialer Schmerzen. Typisch sind Bewegungseinschränkungen, Gelenkgeräusche und chronische Schmerzen im Kopf und Schläfenbereich. Die Ursachen sind multifaktoriell und umfassen biomechanische, neuromuskuläre, psychosoziale und biologische Faktoren, dazu gehören unter anderem okklusale Überlastung, Bruxismus und/oder Stress. Der vorliegende Beitrag stellt die leitliniengerechte Diagnostik und Therapie craniomandibulärer Dysfunktionen mittels Okklusionsschienen dar. Dabei liegt der Fokus auf die Umsetzung im Alltag einer allgemeinzahnärztlichen Praxis.

Triggerpunkte im CMD-Bereich [9]. Aini
Triggerpunkte im CMD-Bereich [9].
Triggerpunkte im CMD-Bereich [9].
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Bei der craniomandibulären Dysfunktion (CMD) handelt es sich um ein multifaktorielles Krankheitsbild, das sich als Schmerz in der Kaumuskulatur und/oder im Kiefergelenk und/oder als parafunktionell bedingter Zahnschmerz äußert [1]. Die Dysfunktion ist gekennzeichnet durch Limitation, Hypermobilität oder eingeschränkte Koordination des Unterkiefers [2,3]. Weiter kann sie als intraartikuläre Störung, okklusale Störkontakte und Gleithindernisse in Erscheinung treten. Die CMD-Diagnostik kann als zweistufiges Konzept gesehen werden, die in eine Basisuntersuchung und in eine erweiterte Untersuchung gegliedert werden kann.

Diagnostik und Indikation der Schienentherapie

Das CMD-Basisscreening

Zur Erleichterung der Diagnostik im Praxisalltag empfiehlt sich die Basisdiagnostik der DGFDT (Abb. 1). Dieses CMD-Screening besteht aus einem anamnestischen und einem untersuchenden Abschnitt. Anhand einer Bewertungsmatrix auf dem Bogen lässt sich das weitere empfohlene Diagnoseverfahren vereinfacht herauslesen. Die isolierte Befundung von Kiefergelenkgeräuschen stellt in der Regel keinen Grund für eine erweiterte Diagnostik dar [4]. Die Indikation für ein CMD-Screening besteht vor restaurativer und/oder kieferorthopädischer Behandlungsplanung zur Abgrenzung unklarer Kiefer- und Gesichtsschmerzen und/oder orofazialer Dysfunktionen.

Der Bruxismus-Screening-Index

Der Bruxismus-Screening-Index (BSI) der DGFDT ist eine im Praxisalltag einfach durchzuführende Untersuchung, anhand der das Vorliegen von Bruxismus untersucht wird. Auch dieser Untersuchungsbogen besteht aus einem anamnestischen und einem untersuchenden Abschnitt. Die Ergebnisse werden nach Punkten bewertet und als „unwahrscheinlicher“, „möglicher“ sowie „wahrscheinlicher“ Bruxismus beschrieben (Abb. 2).

Der klinische Funktionsstatus

Der Befundbogen zum klinischen Funktionsstatus sollte zum Einsatz kommen, wenn das CMD-Screening positiv ausfällt. Die erste Seite des Befundbogens besteht aus einem CMD-spezifischen Anamnesebogen, den die Patientin bzw. der Patient selbst ausfüllt (z.B. im Wartezimmer). Der Befundbogen der Funktionsanalyse untersucht strukturiert folgende Bereiche des craniomandibulären Systems (Abb. 3):

Abb. 1: QR-Code zum CMD-Screening.Aini
Abb. 1: QR-Code zum CMD-Screening.
Abb. 2: QR-Code zum Bruxismus-Screening-Index.Aini
Abb. 2: QR-Code zum Bruxismus-Screening-Index.
Abb. 3: QR-Code zum klinischen Funktionsstatus (Seite 1 – vom Patienten auszufüllen;, Seite 2 – vom Behandler auszufüllen).Aini
Abb. 3: QR-Code zum klinischen Funktionsstatus (Seite 1 – vom Patienten auszufüllen;, Seite 2 – vom Behandler auszufüllen).
  • Kiefergelenke
  • Kaumuskulatur
  • Mobilität
  • Okklusion
  • weitere Befunde
  1. Untersuchung der Kiefergelenke

Die Palpation der Kiefergelenke erfolgt von lateral sowie von dorsal. Die schmerzleitenden Strukturen des Kiefergelenks sind zum einen die bilaminäre Zone (dorsal), die Diskusligamente und die Gelenkkapsel (von lateral). Tritt dabei eine Missempfindung auf, wird dies mit einer „1“ für den jeweiligen Bereich (rechtes und/oder linkes Kiefergelenk) in den Befundbogen eingetragen. Schmerzen werden mit einer „2“ gekennzeichnet. Bei unauffälligem Befund wird eine „0“ eingetragen.

Die Auskultation der Kiefergelenke (Knacken, Reiben) findet bei verschiedenen Kieferbewegungen statt, bspw. bei Mundöffnung und/oder Mundschluss. Dabei ist zu beachten, dass ein reines Knackgeräusch ohne weitere Symptome und Befunde in der Regel keiner Therapie bedarf. Wird eine Schienentherapie angestrebt, sollte die Sperrung so gewählt werden, dass der Patient in eine „knackfreie“ Position kommt. Gegebenenfalls kommt eine Positionierungsschiene infrage.

  1. Palpation der Kaumuskeln

Die jeweilige Funktion der Kaumuskulatur ist aus Tabelle 1 zu entnehmen. Tabelle 2 (siehe Aufmacherbild) zeigt die einzelnen Triggerpunkte im CMD-Bereich und in Tabelle 3 werden die CMD-Symptome im Kiefergelenk und in der Kaumuskulatur gegenübergestellt.

MuskelFunktion
M. temporalisAdduktion, Retrusion
M. masseterAdduktion (Protrusion, Laterotrusion
M. pterygoideus medialisAdduktion, Protrusion, Mediotrusion
M. pterygoideus lateralisProtrusion, Mediotrusion, Abduktion
suprahyoidale Muskulaturbei fixiertem Zungenbein => Kieferöffnung
bei fixiertem Kiefer => Anheben des Zungenbeins (Schlucken)
Tab. 1: Muskelgruppen des craniomandibulären Systems und ihre Funktion.
Symptome von CMD im KiefergelenkSymptome von CMD in der Kaumuskulatur
Schmerz (Arthralgie)
– scharf
– stechend
– bei Bewegung
Dysfunktion
– Knacken
– Reiben
– Limitation der Mundöffnung
Schmerz
– flächig/ dumpf
– Ermüdung
– Verspannung
– Verstärkung durch Kontraktion/Dehnung
– Kopfschmerzen
Tipp: Der Patient neigt dazu, punktuell (in der Regel mit einem Finger) auf die Region zu zeigen => Hinweis auf Beschwerden im Bereich des Kiefergelenks.Tipp: Der Patient neigt dazu, die betroffenen Regionen flächig anzuzeigen (Hand auf Wangenbereich) => Hinweis auf Beschwerden im Bereich des M. Masseter)
Tab. 3: Differenzierung der Symptome im Kiefergelenk versus in der Kaumuskulatur
  1. Mobilität des Unterkiefers

Die Untersuchung der Mobilität des Unterkiefers wird in Millimetern und für die jeweilige Kieferseite angegeben. Der Normwert für die aktive Kieferöffnung liegt bei 40 bis 60 mm und wird im Inzisalbereich gemessen. (Info: Der Overbite ist dabei zu berücksichtigen und vom Wert der maximalen Mundöffnung abzuziehen). Für die passive Kieferöffnung übt der Behandelnde zusätzlich leichten Druck auf die Unterkieferzahnbereiche aus (Daumen des Behandlers befinden sich in Regio der Prämolaren/Molaren). Ein großer Unterschied im Messwert zwischen aktiver und passiver Mundöffnung kann einen Hinweis auf eine verkürzte Kaumuskulatur geben. Auch hier werden die Nummerierungen „0“ für unauffällig, „1“ für Missempfindung und „2“ für Schmerzen in die Befundtabelle eingetragen.

  1. Kieferrelation

Der Abschnitt Kieferrelation untersucht, ob Vorkontakte vorhanden sind und damit ein Gleiten zwischen zentrischer und habitueller Okklusion vorliegt. Merke:

  • Vorkontakte in zentrischer Kondylenposition: Okklusion in zentrischer Kondylenposition entspricht nicht der habituellen Okklusion
  • Exzentrische Interferenzen: Mediotrusions- und Laterotrusionskontakte, exzentrische frontale Schlifffacetten

Weiter wird untersucht, ob die Vertikaldimension unauffällig, erhöht oder zu niedrig ist. Eine zu niedrige Vertikaldimension kann in manchen Fällen bereits von extraoral befundet werden. Abrasionen der Zahnhartsubstanz können ebenfalls Hinweis auf Verlust der Vertikaldimension geben. Die Okklusion wird in Statik und Dynamik untersucht und in +, +/– sowie – Kontakten angegeben. Die Untersuchung erfolgt hierbei mittels Shimstockfolie. Die dynamische Okklusion untersucht die Zahnkontakte bei Laterotrusionsbewegungen nach rechts (RL), nach links (LL) sowie in Protrusion. Bei dynamischem Frühkontakt wird das jeweilige Feld mit einem X markiert. Spezifische Nennung der Zähne in das entsprechende Feld machen vor allem dann Sinn, wenn nicht alle Zähne der jeweiligen Zahngruppe führen (z.B. Protrusion Führung 11, 21, 22).

  1. Weitere Befunde

Die Funktionsanalyse schließt mit weiteren Befunden zu den Punkten Abrasionen/Attritionen, Zungenimpressionen, keilförmige Defekte, Wangenimpressionen und andere ab. Ergibt sich aus der Funktionsanalyse die Notwendigkeit, weitere diagnostische Maßnahmen zu ergreifen, kann dies in dem Befund vermerkt werden. Initialdiagnosen werden nach Befunderhebung in die Funktionsanalyse notiert. Die weiteren Maßnahmen und erweiterte Diagnostik werden in diesem Artikel nicht weiter fortgeführt, da diese Behandlungen den CMD-spezialisierten Praxen und Zahnärztinnen bzw. Zahnärzten mit entsprechenden Fortbildungen durchgeführt werden sollten.

Schienentherapie

Die Initialtherapie mit Schienen folgt dem Ziel der Schmerzreduktion, Wiederherstellung von Kaufunktion und Verringerung/Verhinderung einer Chronifizierung der CMD-Beschwerden. Dabei ist Folgendes zu beachten:

  • Okklusionsschienen können grundsätzlich im Ober- sowie im Unterkiefer angefertigt werden (abhängig je nach Art der Schiene, Zahnstatus und patientenspezifischer Präferenz).
  • Okklusionsschienen sollten bevorzugt aus einem harten Kunststoffmaterial hergestellt werden.
  • Bei Tragezeiten kürzer als vier Wochen können auch weiche Schienen zum Einsatz kommen.
  • Okklusionsschienen sollten alle Zähne des jeweiligen Kiefers bedecken.
  • Die Okklusion sollte so gestaltet werden, dass alle Antagonisten im Seitenzahnbereich abgestützt werden.
  • Okklusionsschienen sollten abhängig vom Beschwerdebild im Schlaf und/oder auch Wachzustand getragen werden.

Schienentypen

Der nachfolgende Abschnitt gibt einen Einblick in die unterschiedlichen Schienentypen. Dabei steht die Zentrikschiene mit Front-Eckzahnführung im Fokus.

Zentrikschiene

Synonyme für diese Schienenart sind Relaxierungsschiene, Stabilisierungsschiene sowie Äquilibrierungsschiene. Die Michiganschiene stellt dabei einen typischen Vertreter dar. Ziel der Zentrikschiene ist die Neuorganisation der intramuskulären und intraartikulären (Kau-)Funktionsmuster. Dabei sollen zusätzlich motorische Einheiten und Gelenkstrukturen entlastet werden. Bei vorliegendem Bruxismus kann die Schiene zu einer gleichmäßigen Verteilung der auftretenden Kräfte führen. Zudem bewirkt die Schiene einen Schutz der eigenen Zähne und des bestehendes Zahnersatzes vor Verschleiß. Die Zentrikschiene ist sowohl für die Kurzzeitanwendung als auch für die Langzeittherapie geeignet. Die Gestaltung dieser Schiene sollte im Seitenzahnbereich eine Schichtdicke von circa 2 mm (gemessen in der mesialen Fossa der ersten Unterkiefermolaren) betragen. Eine höhere Sperrung im Seitenzahnbereich (ca. 4 mm) kann bei Gelenkschmerzen oder bei Nichtansprechen auf eine Schiene erwogen werden. Die Zentrikschiene wird als adjustierte Schiene mit punktförmigen Kontakten in Statik hergestellt, in der Dynamik sollten keine Lateral- oder Protrusionskontakte im Seitenzahnbereich auf der Schiene vorhanden sein. Die Schiene wird mit einer Front-Eckzahnführung angefertigt. Bei einer OK-Schiene sollten die Palatinalflächen im Eckzahnbereich eine leichte konvexe Gestaltung haben.

Reflexschiene

Neben der klassischen Zentrikschiene existiert die Reflexschiene, die auch als Jig-Schiene oder Front-Aufbiss-Schiene bezeichnet wird. Indiziert sind Reflexschienen zur schnellen Entlastung der Kaumuskulatur, bei akuten Beschwerden im Bereich der Kiefergelenke, Bruxismus oder Spannungskopfschmerz. Diese Schiene wird nur für kurze Zeit getragen (bis zu acht Wochen), da sonst Nebenwirkungen wie z.B. ungesteuerte dauerhafte Änderung der Okklusion, ungewollte Zahnbewegung, Zahnlockerungen oder Schmerzen durch Überbelastungen entstehen können. Wird solch eine Schiene eingesetzt, sollte eine engmaschige Kontrolle erfolgen. Der therapeutische Effekt der Schiene entsteht durch die Schienengestaltung. Der einzige Kontakt der Schiene zum Antagonisten befindet sich (bei Anfertigung im Oberkiefer) im Bereich der Zähne 31 und 41 und verhindert den Kontakt im Seitenzahnbereich.

Positionierungsschienen

Positionierungsschienen können in verschiedene Unterformen differenziert werden, beispielsweise in Repositions-, Protrusions- oder Distraktionsschienen. In der Regel handelt es sich um Schienen, die alle Zähne des Ober- oder Unterkiefers vollständig bedecken und statische Okklusionskontakte in einer definierten diagnostischen und therapeutischen Kieferrelation herstellen. Ziel dieser Schienentherapie ist insbesondere die Entlastung entzündlicher Prozesse im Kiefergelenk sowie die gezielte Beeinflussung der Gelenkposition. Die Gestaltung der Schiene erfolgt so, dass die Patienten in eine therapeutisch gewünschte Unterkieferposition geführt und stabilisiert werden. Dies wird unter anderem durch ein definiertes Führungselement sowie eine gezielte okklusale Ausarbeitung erreicht. Auf diese Weise werden die Zähne des nicht mit der Schiene versorgten Kiefers kontrolliert in die vorgegebene Position geführt. Eine Übersicht der gängigen Schienen ist in Tabelle 4 dargestellt.

SchienenartIndikation/EinsatzbereichDesign der Schiene
* Nightguard-SchieneBruxismus Schutz von RestaurationenFront-Eckzahn-Führung (FEF) in habitueller Kieferrelation (KR)
* ZentrikschieneMyopathieFEF in zentrischer KR, planes/ flaches okklusales Relief, statische Plus- Kontakte im SZB, leichte Plus-Kontakte im FZB
* Zentrikschiene zur StabilisierungBisshebung/-stabilisierung, vor prothetischer RehabilitationFEF in zentrischer KR, ausgeprägtes okklusales Relief
* Reflex-/Jig-Schieneschnelle Entlastung der Kaumuskulatur, akute Beschwerden im Bereich der Kiefergelenke, Bruxismus oder SpannungskopfschmerzPunktueller, antagonistischer Kontakt (Kurzzeitiges Therapiemittel!)
PositionierungsschieneDV mit Reposition (MRT!)FEF in „knackfreier“ UK-Position (unter Beibehaltung der Mittellinie)
DistraktionsschieneKG-Kompression bei totaler DV ohne Reposition, Osteoarthrose (MRT!)Zentrische KR, Distraktion im erkrankten Gelenk
* Können als Standard-Schienentherapiemittel in nichtspezialisierten CMD-Praxen etabliert werden.
Tab. 4: Schienenarten – eine Übersicht.

In welchem Kiefer sollte die Schiene hergestellt werden?

Die Herstellung einer Schiene im Oberkiefer zeigt in der Regel einen stabileren Sitz, da keine beweglichen Strukturen wie Zunge oder Verwindung der UK-Spange vorhanden sind. Für die Gestaltung der Schiene ist das Einstellen der dynamischen Okklusion einfacher zu realisieren (freedom in centric), und die Eckzahnführung lässt sich oft einfacher designen. Zudem besteht keine Gefahr der Anteinklination der Oberkiefer-Frontzähne bei dynamischem Bruxismus. Die Gestaltung der Schiene im Unterkiefer zeigt in einigen Fällen (Patienten mit Würgereiz) eine bessere Compliance. Aus Autorensicht wird die Herstellung einer Schiene im Oberkiefer bevorzugt (eingespielter Workflow zwischen Zahnarzt und Labor), jedoch gibt es hier kein Richtig oder Falsch.

Merke:

Okklusionsstörungen entstehen oft aufgrund einer schmerzbedingten Schonhaltung des Unterkiefers: myopathiebedingte Malokklusion. Zu diesem Zeitpunkt sollten keine definitiven, irreversiblen okklusalen Korrekturen durchgeführt werden.

Medikamentöse Therapie

Eine Schienentherapie wird immer individuell entsprechend der jeweiligen Diagnose und Befunde verordnet. Dabei ist zu beachten, ob vor der Schienentherapie gegebenenfalls weitere zahnärztliche Maßnahmen notwendig sind. Neben der Therapie mit Schienen besteht bei akuten CMD-Schmerzen (Verdacht entzündlicher Prozesse im Kiefergelenk oder im Kaumuskelbereich) die Möglichkeit, mit Medikamenten zu therapieren (Tab. 5 und 6).

Wirkstoff (Handelsname)Dosierung (pro Tag)
Paracetamol (z.B. BenUron)3-4 Tabletten (500 mg)
Magnesium (bisglycinat)300-400 mg
Mathocarbamol (z.B. Ortoton forte)3-5 Tabletten (1500mg)
* Bei bestehenden Unverträglichkeiten oder Verdacht auf Unverträglichkeiten sollte bei Patienten mit Multimedikation immer Rücksprache mit dem Hausarzt erfolgen.
Tab. 5: Medikamentöse Therapie bei Kiefermuskelschmerzen.
Wirkstoff (Handelsname)Dosierung (pro Tag)
Ibuprofen (z.B. Ibubeta)1-3 Tabletten (400-800 mg)
Naproxen1-2 Tabletten (500 mg)
Diclofenac (z.B. Voltaren resinat)2 Tabletten (75 mg)
* Es empfiehlt sich, Magenschutzmittel zu verschreiben (max. Einnahmedauer zwei Wochen).
Tab. 6: Medikamentöse Therapie bei Kiefergelenkschmerzen.

Zahntechnische Herstellungsverfahren

Konventionelle Fertigung (analoge Technik)

Die konventionelle Herstellung von Zentrikschienen im Oberkiefer basiert auf etablierten analogen Verfahren wie dem Tiefziehen thermoplastischer Kunststoffe oder der Verarbeitung von PMMA im Gieß- bzw. Stopfverfahren. Charakteristisch für diese Technik ist die manuelle Gestaltung der Okklusionsflächen im Artikulator, wodurch das Ergebnis maßgeblich von der Erfahrung und dem handwerklichen Geschick des Zahntechnikers abhängt [5]. Werkstoffseitig kommen überwiegend heiß- oder kaltpolymerisierende PMMA-Materialien zum Einsatz, die sich durch gute mechanische Eigenschaften auszeichnen, insbesondere bei heißpolymerisierten Varianten. Allerdings kann es infolge der Polymerisationsschrumpfung zu Passungenauigkeiten kommen. Der Herstellungsprozess ist zeitaufwendig und umfasst mehrere fehleranfällige Zwischenschritte wie Abformung, Modellherstellung und manuelle Artikulation. Trotz dieser Limitationen bleibt die konventionelle Technik aufgrund ihrer Flexibilität, geringen Investitionskosten und breiten klinischen Etablierung weiterhin relevant.

Subtraktive Fertigung (CAD/CAM-Fräsen)

Die subtraktive Fertigung von Zentrikschienen erfolgt durch computergestütztes Fräsen aus industriell vorgefertigten PMMA-Rohlingen. Diese Materialien weisen aufgrund ihrer kontrollierten industriellen Polymerisation eine hohe Homogenität und Vernetzungsdichte auf, was sich positiv auf die mechanischen Eigenschaften und die Langzeitstabilität der Schienen auswirkt [6]. Ein wesentlicher Vorteil dieser Methode liegt in der hohen Präzision und Reproduzierbarkeit, da digitale Datensätze verlustfrei gespeichert und erneut verarbeitet werden können. Zudem entfällt die Polymerisationsschrumpfung weitgehend, wodurch eine sehr gute Passgenauigkeit erzielt wird. Nachteile ergeben sich vor allem aus dem materialbedingten Abtrag, der zu einem erhöhten Materialverlust führt, sowie aus den Investitionskosten für Fräsmaschinen und Werkzeugverschleiß. Laborseitig zeichnet sich der Prozess durch einen standardisierten digitalen Workflow aus, der den manuellen Aufwand reduziert und eine hohe Prozesssicherheit gewährleistet.

Additive Fertigung (3D-Druck)

Die additive Herstellung von Zentrikschienen erfolgt mittels schichtweiser Polymerisation lichthärtender Kunststoffe, meist auf Basis von SLA- oder DLP-Technologien. Diese Verfahren ermöglichen eine hohe Designfreiheit und die wirtschaftliche Produktion auch komplexer Geometrien mit ausgeprägten Unterschnitten. Ein zentraler Vorteil liegt im effizienten Materialeinsatz sowie in der Möglichkeit, mehrere Schienen gleichzeitig zu fertigen. Die resultierenden Schienen weisen jedoch aufgrund des schichtweisen Aufbaus anisotrope Materialeigenschaften auf, die sich in teilweise reduzierter Festigkeit und Verschleißresistenz im Vergleich zu gefrästen PMMA-Schienen äußern können [7]. Zudem ist der Herstellungsprozess stark abhängig von Parametern wie Belichtungsstrategie und Nachpolymerisation, die entscheidend für die endgültigen Materialeigenschaften sind. Im zahntechnischen Labor erfordert die additive Fertigung einen vollständig digitalen Workflow sowie zusätzliche Nachbearbeitungsschritte wie Reinigung und Post-Curing [8].

Nachsorge der Schiene

Im Rahmen der Nachsorge wird ein individuelles Patientengespräch geführt, wobei hier auch das CMD-Screening und die Funktionsanalyse berücksichtigt werden sollten. Die erste Kontrolle nach Eingliederung einer Zentrikschiene erfolgt in der Regel nach zwei bis vier Wochen Tragezeit. Die Nachsorge der CMD-Schienentherapie beinhaltet die Bereiche Anamnese, Schienenkontrolle (Halt, Okklusion, Abnutzungsspuren) sowie Nachbefundung.

Der anamnetische Teil dient dazu, das subjektive Empfinden des Patienten zu vergleichen. Es empfiehlt sich, folgende Fragen zu stellen:

  • Zu welcher Tageszeit haben Sie die Schiene getragen?
  • Haben Sie eine Besserung verspürt?
  • Gibt es Bereiche der Schiene, die stören?
  • Haben Sie die Schiene jeden Tag/jede Nacht getragen?

Zudem wird die Schiene auf ihren Sitz/Halt kontrolliert. Die Okklusion wird in Statik und Dynamik mittels Okklusionsfolie markiert und ggf. eingeschliffen. Abnutzungsspuren auf der Schiene geben weitere Auskunft über das individuelle Funktionsmuster des Patienten. Eine Reevaluation des CMD-Befundes ist sinnvoll und sollte entsprechend dokumentiert werden. Eine Übersicht zum Workflow von der Erstvorstellung bis zur finalen Therapie ist aus der Abbildung 4 zu entnehmen.

Abb. 4: Workflow der Therapiemöglichkeiten bei bestehenden CMD-Beschwerden.Aini
Abb. 4: Workflow der Therapiemöglichkeiten bei bestehenden CMD-Beschwerden.

Patientenfall

Unser Patient stellte sich mit Schmerzen in beiden Kiefergelenkbereichen vor und gab an, gelegentliches Knacken bei Mundöffnung und beim Kauen wahrzunehmen. Nach CMD-Screening und Funktionsanalyse wurde der Verdacht einer Myopathie, Okklusopathie sowie der Verdacht einer partiellen Diskusverlagerung mit Reposition beidseitig gestellt. Weitere Befunde waren Abrasionen/Attritionen, Morsicatio buccarum sowie Zungenimpressionen (Abb. 5). Als Initialtherapie wurde eine Okklusionsschiene im Oberkiefer angefertigt und eine begleitende manuelle Therapie beim Physiotherapeuten verschrieben. Nachfolgend werden die Schritte seitens Praxis und Labor beschrieben:

Abb. 5: Ausgangssituation.Aini
Abb. 5: Ausgangssituation.
  1. Scan der Ausgangssituation

Der Oberkiefer, der Unterkiefer sowie die habituelle Okklusion wurden intraoral gescannt (Trios 5, Fa. 3Shape), und der Datensatz wurde ans Labor versendet. Dort erfolgte die Herstellung eines Jigs nach Analyse der Scans.

  1. Herstellung eines Frontzahn-Jigs

Die Einstellung der Bisshöhe für die Schiene wurde über einen Frontzahn-Jig seitens des Labors festgelegt. Dabei wird vorher mit dem Labor kommuniziert, welche klinischen Parameter zu beachten sind. In diesem Fall wurde eine Sperrung von 5 mm im Frontzahnbereich festgelegt (Abb. 6).

  1. Bissnahme am Patienten

Durch Anpassung im Mund (Einschleifmaßnahmen am Jig, sodass nur punktueller FZ-Kontakt herrscht) wird die finale Bisshöhe festgelegt. In dieser Vertikaldimension wurde die Zentriknahme am Patienten durchgeführt. Dabei wurde der Patient gebeten, zunächst fünf Minuten auf dem Frontzahn-Jig zu schließen. Danach wurde die zentrische Bissnahme mittels Registraten im Seitenzahnbereich festgehalten. Der Biss wird erneut gescannt und zur Herstellung der Schiene an das Labor versendet (Abb. 7).

  1. Herstellung der Schiene im Labor

Die Anfertigung der Schiene erfolgte im 3D-Druckverfahren. Dafür wurde die Schiene zunächst in der Software von 3Shape designed. Die Gestaltung der Schiene erfolgte unter Berücksichtigung statischer Plus Kontakte im Front- und Seitenzahnbereich sowie einer Front-Eckzahnführung (Abb. 8 und 9).

  1. Eingliederung der Schiene

Bei der Eingliederung der Schiene wurden die Kontaktpunkte kontrolliert, Störkontakte wurden entfernt. Eine erste Kontrolle erfolgt nach einer Tragezeit von vier Wochen (Abb. 10).

Abb. 6: Laborseitig festgelegte Sperrung für den FZ-Jig (Anpassung der Höhe erfolgt am Patienten).Aini
Abb. 6: Laborseitig festgelegte Sperrung für den FZ-Jig (Anpassung der Höhe erfolgt am Patienten).
Abb. 7: Frontzahn-Jig zur Bestimmung der Zentrik (nach Anpassung der Bisshöhe wird die Zentriknahme über eine Registrierung im Seitenzahnbereich gesichert).Aini
Abb. 7: Frontzahn-Jig zur Bestimmung der Zentrik (nach Anpassung der Bisshöhe wird die Zentriknahme über eine Registrierung im Seitenzahnbereich gesichert).
Abb. 7: Frontzahn-Jig zur Bestimmung der Zentrik (nach Anpassung der Bisshöhe wird die Zentriknahme über eine Registrierung im Seitenzahnbereich gesichert).Aini
Abb. 7: Frontzahn-Jig zur Bestimmung der Zentrik (nach Anpassung der Bisshöhe wird die Zentriknahme über eine Registrierung im Seitenzahnbereich gesichert).
Abb. 9: Ausarbeitungsschritte im Labor (Front-Eckzahn-Führung), ZT Allen Brljak).Aini
Abb. 9: Ausarbeitungsschritte im Labor (Front-Eckzahn-Führung), ZT Allen Brljak).
Abb. 10: Schieneneingliederung.Aini
Abb. 10: Schieneneingliederung.

Fazit

Die craniomandibuläre Dysfunktion ist ein multifaktorielles Krankheitsbild, das eine strukturierte, leitlinienbasierte Diagnostik und eine individuell angepasste Therapie erfordert. Okklusionsschienen stellen dabei eine etablierte, reversible und im Praxisalltag gut umsetzbare Therapieoption dar, insbesondere zur Schmerzreduktion, Funktionsverbesserung und Prävention einer Chronifizierung. Entscheidend für den Therapieerfolg sind eine klare Indikationsstellung auf Basis klinischer Befunde, die Auswahl des geeigneten Schienentyps sowie eine regelmäßige Nachsorge mit Anpassung der Okklusion. Die Kombination mit begleitenden Maßnahmen wie Aufklärung, Physiotherapie und Verhaltensmodifikation ist im Sinne eines multimodalen Therapiekonzepts besonders wirksam. Irreversible okklusale Maßnahmen sollten erst nach erfolgreicher funktioneller Stabilisierung erfolgen.

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