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Der von Dr. Jörg Schwarze moderierte Summit brachte Kieferorthopäden aus verschiedenen europäischen Ländern zusammen. Zu den deutschsprachigen Referierenden gehörten neben Prof. Dr. Anton Demling auch Dr. Philipp Eigenwillig, Dr. Wibke Lindemann und PD Dr. Janka Kochel. Dr. Eigenwillig zeigte, wie sich durch digitales Monitoring auch bei Multibracketbehandlungen Kontrollabläufe stärker am tatsächlichen klinischen Bedarf ausrichten lassen. Dr. Lindemann weitete diesen Gedanken auf die gesamte Patient Journey von der Beobachtungsphase bis zur Retention aus. PD Dr. Kochel stellte mit den Prinzipien „smart, lean, digital, remote“ vor allem die organisatorischen Voraussetzungen digitaler Workflows in den Mittelpunkt.
Prof. Dr. Anton Demling aus Uelzen betrachtete DentalMonitoring dagegen vor allem als Instrument des klinischen Lernens. Sein Vortrag „Assessing New Treatment Methods with DentalMonitoring“ setzte bei einer Herausforderung an, die mit jeder Innovation verbunden ist: Neue Apparaturen und Behandlungsmethoden kommen in immer kürzeren Abständen auf den Markt, während die klinische Erfahrung mit ihnen naturgemäß erst entstehen muss. Gerade in dieser Phase sei Unsicherheit unvermeidbar. „Generell werden immer schneller Innovationen präsentiert. Damit setzt aber auch eine Unsicherheit ein, die man aushalten muss“, so Prof. Demling. Kontinuierliches Monitoring könne helfen, diese Lernphase strukturierter und schneller zu durchlaufen.
Lernen, während behandelt wird
Traditionell basiert kieferorthopädische Behandlungskontrolle vielfach auf einzelnen klinischen Momentaufnahmen. Zwischen zwei Präsenzterminen können mehrere Wochen liegen. Für etablierte Verfahren ist dieses Vorgehen in vielen Fällen ausreichend. Beim Einstieg in eine neue Behandlungsmethode ist jedoch gerade der Verlauf zwischen diesen Terminen besonders interessant: Entwickelt sich die Therapie wie erwartet? Wann tritt eine Veränderung ein?
Der Einsatz von DentalMonitoring ermöglicht es, so Prof. Demling, diesen Zeitraum engmaschig zu beobachten, ohne Patienten dafür in entsprechend kurzen Abständen in die Praxis einbestellen zu müssen. „In der ‚alten Welt‘ hätte man die Patienten jede Woche in die Praxis bestellen müssen“, beschreibt er den Unterschied. Remote Monitoring ermögliche dagegen den Wechsel von einer synchronen zu einer stärker asynchronen Betreuung.
Als Beispiel nennt Prof. Demling den neuen, aus Nylon 12 3D-gedruckten Palatal Expander. Wird eine solche Innovation erstmals in der eigenen Praxis eingesetzt, bestehen zunächst Fragen zur tatsächlichen klinischen Entwicklung. Durch regelmäßiges Monitoring lässt sich der Verlauf sowohl aktuell als auch rückblickend genauer beurteilen. „Das Lernsystem wird dadurch erheblich beschleunigt“, fasst Prof. Demling zusammen. Für ihn sinkt damit auch die Hürde, sich kontrolliert mit neuen Behandlungsansätzen auseinanderzusetzen.
Vom einzelnen Verlauf zur klinischen Lernschleife
Prof. Demling beschreibt diesen Prozess als „Clinical Learning Cycle“: Auf eine Innovation folgt kontinuierliches Monitoring. Die daraus gewonnenen klinischen Erkenntnisse fließen in eine Anpassung des Behandlungsprotokolls ein und können schließlich zu einem weiterentwickelten Standard of Care führen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Bestätigung erwarteter Effekte. Ebenso relevant seien unerwartete Beobachtungen, aus denen sich zusätzliche Erkenntnisse ergeben können.
„Bei der Einführung einer Innovation erwartet man bestimmte Effekte, aber es kommen immer auch unerwartete Learnings dazu – und gerade das ist sehr wertvoll“, erklärt Prof. Demling. Die engmaschigere Beobachtung reduziere das klassische Überraschungsmoment beim nächsten Praxisbesuch. Statt erst nach mehreren Wochen festzustellen, dass sich eine Behandlung anders entwickelt hat als erwartet, können Abweichungen früher sichtbar werden. Für Prof. Demling sind deshalb zwei Aspekte gleichermaßen entscheidend: zu erkennen, ob eine Behandlung wie geplant verläuft und bei Bedarf frühzeitig intervenieren zu können.
Dabei versteht er die aus dem Monitoring gewonnenen Erkenntnisse ausdrücklich nicht als Ersatz für wissenschaftliche Evidenz. Ein einzelner erfolgreich verlaufener Fall reiche nicht aus, um daraus einen allgemeingültigen Behandlungsstandard abzuleiten. Beobachtungen müssten sich zuverlässig bei einer größeren Zahl von Patienten wiederholen. Gerade bei Innovationen, zu denen zunächst nur begrenzte klinische Erfahrungen vorliegen, kann das systematische Monitoring jedoch dazu
beitragen, die eigene Anwendung kritisch zu überprüfen und praxisinterne Protokolle schrittweise weiterzuentwickeln.
Mehr Daten, nicht weniger ärztliche Verantwortung
Eine zentrale Grenze zieht Prof. Demling bei der klinischen Entscheidungsfindung. „Die KI ersetzt nie die ärztliche Entscheidung“, betont er. DentalMonitoring sei für ihn ein Unterstützungswerkzeug, das zusätzliche Daten bereitstelle und damit die Informationsbasis für den behandelnden Kieferorthopäden erweitere. Die medizinische Bewertung und die daraus folgende therapeutische Entscheidung verbleiben beim Behandler.
Gerade darin sieht Prof. Demling den klinischen Mehrwert: Nicht die Automatisierung ärztlicher Entscheidungen steht im Vordergrund, sondern eine dichtere Datengrundlage, auf deren Basis Erfahrung entstehen und weiterentwickelt werden kann. Ziel sei auch nicht ausschließlich, weniger Termine zu benötigen. Vielmehr könne die gesamte klinische Betreuung auf eine andere Ebene gehoben werden – mit möglichst gezielten persönlichen Kontakten bei gleichzeitig enger virtueller Begleitung des Therapieverlaufs. Er nennt dieses Konzept, das insbesondere auf minimalinvasive Behandlungsmethoden setzt, „Minimum physical touch and maximum digital touch orthodontics“.
Für Prof. Demling schließt sich damit der Kreis zwischen Innovation und klinischer Erfahrung. Neue Behandlungsmethoden bringen zwangsläufig zunächst Unsicherheit mit sich. Dazu kommt der Aufwand, sich in sie einzuarbeiten, sie zu verstehen und zu überlegen, wie sie sich im eigenen Praxisalltag einsetzen lassen. Diese Zeit zahlt sich erst aus, wenn sich zeigt, ob sich die neue Methode tatsächlich bewährt. Kontinuierliches Monitoring macht genau das schneller sichtbar und verkürzt damit die Einarbeitungsphase. Es kann die anfängliche Unsicherheit nicht beseitigen, aber dazu beitragen, schneller aus realen Behandlungsverläufen zu lernen, Beobachtungen systematisch einzuordnen und daraus die eigenen Protokolle weiterzuentwickeln. Seine zentrale Botschaft formulierte er entsprechend: „Kontinuierliches, KI-gestütztes Monitoring ersetzt klinische Erfahrung nicht. Es beschleunigt klinisches Lernen. Und klinisches Lernen treibt Innovation voran.“
Quelle: DentalMonitoring
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