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Sie hat die Wahl zwischen rund 320 Ausbildungsberufen, was Orientierungslosigkeit und Unsicherheit verstärkt. Sicherheit, Work‑Life‑Balance und Sinnhaftigkeit gehören zu den wichtigsten Kriterien dieser Generation. Gleichzeitig kennen viele Jugendliche den Beruf der Zahntechnik kaum – weder im schulischen Kontext noch im privaten Umfeld. Der Tenor ist in vielen Ausbildungsunternehmen, besonders im Mittelstand, ähnlich: „Wir suchen motivierte junge Menschen, die ihre Ausbildung in unserem Betrieb beginnen.“ Doch die Bewerbungen bleiben aus, die Ausbildungsplätze unbesetzt. Eine Situation, die frustriert und langfristig besorgt, denn Azubis sichern in Zeiten des Fachkräftemangels die Zukunft eines Unternehmens und sorgen für frischen Wind.
Wonach wird gesucht?
Gesucht wird die vielzitierte Generation Z, also jene jungen Menschen, die zwischen Ende der 1990er‑ und den frühen 2010er‑Jahren geboren wurden. Sie wachsen in einer Welt auf, in der Informationen im Sekundentakt verfügbar sind, alles bewertet wird und technologische sowie gesellschaftliche Entwicklungen immer rasanter werden. Viele dieser Jugendlichen können sich jährlich zwischen 320 Ausbildungsberufen entscheiden, sofern sich nicht studieren wollen [1]. Eine Ausgangssituation, die verunsichert und durch den ständig vergleichenden Blick auf Familie, Freunde, Bekannte und Influencer Zweifel aufkommen lässt.
Die Anforderungen an einen guten Ausbildungsbetrieb aus Sicht der Jugendlichen werden regelmäßig aus unterschiedlichen Blickwinkeln erhoben. Wiederholungstäter sind dabei die Wünsche nach Sicherheit, einer gesundheitsschützenden Work‑Life‑Balance und einer Sinnhaftigkeit in der angestrebten beruflichen Tätigkeit. Junge Menschen möchten sich entfalten können, ohne direkt vom nächsten Hype aus dem Weg geräumt zu werden*.
Wie lautet Ihr Angebot?
Wie besetzen wir nun die Ausbildungsplätze mit geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten, die zum Ausbildungsstart dann auch tatsächlich im Betrieb stehen? Hier rückt Ausbildungsmarketing in den Mittelpunkt. Es geht dabei weniger um große Kampagnen oder kostspielige Maßnahmen, sondern vor allem um Präsenz, Authentizität und Einblicke in die Realität des Berufs. Viele Jugendliche entscheiden sich nicht gegen eine Ausbildung, wie beispielsweise in der Zahntechnik – sie entscheiden sich für Verbindungen und Identifikation [2]. Besonders wirkungsvoll sind direkte Begegnungen. Schulbesuche zum Beispiel entfalten vor allem dann Wirkung, wenn sie interaktiv gestaltet sind. Es reicht nicht, über den Beruf zu sprechen – man muss ihn erlebbar machen. Wenn Schülerinnen und Schüler einen 3D‑Scanner ausprobieren dürfen, wenn sie sehen, wie ein digitales Design entsteht, oder selbst eine kleine handwerkliche Aufgabe umsetzen dürfen, verändert sich ihre Wahrnehmung. Sie begreifen, dass Zahntechnik nicht „irgendein Handwerk“ ist, sondern ein moderner Gesundheitsberuf, der Präzision, Technik und Kreativität verbindet.
Der Kontakt zu Schulen und Schulklassen öffnet die Tür für persönliche Anfragen oder Praktika, welche am Ende in einen Ausbildungsvertrag münden können. Moderne digitale Designprozesse, 3D‑Druck oder Frästechnologie spielen im Bewusstsein junger Menschen bis dahin oft kaum eine Rolle, obwohl sie längst fester Bestandteil der Ausbildung geworden sind.
Auch Einblicke ins Labor selbst können eine große Rolle spielen. Speziell für Schulklassen konzipierte kurze Rundgänge, Workshops in der Ferienzeit oder „Tage der offenen Tür“ machen den Beruf für Jugendliche konkret. Oft genügt ein gut vorbereitetes 90‑Minuten‑Format, um echtes Interesse zu wecken. Wenn Azubis aus dem zweiten oder dritten Lehrjahr dabei mitwirken, entsteht zusätzlich eine authentische und glaubwürdige Perspektive. Jugendliche vertrauen den Eindrücken Gleichaltriger häufig mehr und können sich anhand dieser selbst in die Azubirolle hineinversetzen.
Der digitale Raum gehört selbstverständlich ebenfalls dazu – allerdings nicht im Stil professioneller Werbekampagnen. Kurze, einfache Handyvideos, in denen Azubis ihren Alltag zeigen, wirken oft sehr viel stärker als perfekte Imagefilme. Ein spontaner Blick an den Arbeitsplatz, ein kleiner Einblick in die Materialkunde oder ein „Vorher‑nachher“ eines Werkstücks machen die Ausbildung lebendig und nachvollziehbar. Für viele junge Menschen ist das generell der erste echte Kontakt mit der Zahntechnik.
Fokus auf die inneren Werte
Wer eine tolle, abwechslungsreiche Ausbildung mit Gestaltungsmöglichkeiten verspricht, sollte diese auch praktizieren. Ein strukturiertes Onboarding, ein klares Begleitkonzept für die ersten Wochen oder ein Buddy‑System schaffen Sicherheit und Orientierung. Ausbilder und Ausbilderinnen werden immer mehr zu Lernbegleitern. Die Generation Z legt Wert darauf, ernst genommen zu werden, und sie möchte verstehen, wohin sie sich entwickeln kann. Labore, die früh transparent machen, wie die ersten 30 Tage ablaufen, welche Stationen die Auszubildenden durchlaufen und welche Perspektiven sich später ergeben, heben sich deutlich ab. Das gilt übrigens auch für die Eltern junger Bewerberinnen und Bewerber, deren Einfluss in vielen Fällen unterschätzt wird. Eltern sollten frühzeitig in den Informationsprozess über die Ausbildung integriert werden, da sie am Ende doch einen großen Einfluss auf die Berufswahl ihrer Kinder haben*.
Sehen wir uns wieder?
Wirksames Ausbildungsmarketing in der Zahntechnik muss nicht groß oder kompliziert sein – es muss stetig, authentisch und jugendnah gestaltet werden. Die Branche bietet starke Argumente für eine zukunftssichere, moderne und kreative Ausbildung. Entscheidend ist, diese konsequent sichtbar zu machen. Wer die Bedürfnisse von Generation Z versteht und die Stärken des Berufs glaubwürdig vermittelt, verschafft sich einen deutlichen Vorteil im Wettbewerb um Nachwuchskräfte.
Weiterer Autor: Christoph Preiß
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