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Ausgangsbefund
Klinisch zeigte sich ein Zahnstumpf, dessen Stellung außerhalb der idealen Zahnreihe lag. Die Analyse der Verbindungslinien zwischen den Höckerspitzen verdeutlichte die Diskrepanz in der funktionellen Einordnung (Abb. 1). Der Zahnstumpf wurde mit einem Metallstift stabilisiert und war vestibulär mittels blauen Komposits aufgebaut, während palatinal noch genügend natürliches Dentin erhalten war. Der Zahnstumpf war somit zahnsubstanzschonend vorbereitet. Die unterschiedlichen Stumpfmaterialien erforderten eine präzise Planung der Materialstärken, der Transluzenz und Opazität, der Stabilität, der Wahl des Befestigungsmaterials sowie der späteren Kronenkontur (Abb. 2).
Einer langen und intensiven Planung der Versorgung, in die der Patient allerdings nicht mit einbezogen worden war, folgte ein äußerst kurzfristiger Auftrag, der dafür sorgte, dass meine komplette Wochenplanung dank dieses einzelnen Krönchens umgeworfen werden musste: Eine Alginatabformung zum falschen Zeitpunkt reicht, damit eine ganze Reihe von Terminen verschoben werden muss. Selbst wenn ein Intraoralscan Ungenauigkeiten aufweisen sollte, ist er insgesamt zeitlich unabhängig und stellt damit einen weiteren Pluspunkt für die Digitalisierung dar. Absprachen erübrigen sich, alles in trockenen Tüchern.
Materialwahl und Konstruktion
Für die definitive Versorgung wurde keine Krone aus NEM gewählt, sondern eine aus Zirkoniumdioxid. Das Material zeichnet sich durch eine hohe Biegefestigkeit und Frakturstabilität aus, wodurch reduzierte Wandstärken bei gleichzeitig hoher mechanischer Sicherheit möglich sind. Im Vergleich zu metallkeramischen Restaurationen erlaubt Zirkoniumdioxid eine substanzschonendere Präparation sowie eine verbesserte lichtoptische Integration ohne opake Metallbasis (Abb. 3).
Die Konstruktion erfolgte CAD/CAM-gestützt. Ein Zahn wurde aus der Bibliothek gewählt und grob platziert. Die Größe wurde an den approximalen Kontaktpunkten angepasst und vor allem wurde die Okklusion am Gegenkiefer ausgerichtet. Distal entstand eine starke Stufe, in der Softwaresimulation der Kaubewegungen schien es allerdings, als würde dieser Absatz kein Problem bei den Bewegungen in sagittaler Richtung darstellen. Ohnehin ist eine Versorgung des nachfolgenden Molaren zur gegebenen Zeit geplant. Die Perspektive wurde als Nächstes zur Draufsicht gewechselt und der bukkale Anteil etwas vergrößert, was die „Fehlstellung“ des ursprünglichen Zahnes egalisierte. Die Wange wird später keine Lücke spüren. Um den nun unnatürlichen Proportionen entgegenzuwirken, wurde der palatinale Höcker auf 0,7 mm Materialstärke reduziert. Diese differenzierte Formgebung führte zu einer verbesserten Stellung innerhalb der Zahnreihe und zu einer harmonischeren Gesamtwirkung (Abb. 4).
Morphologische und ästhetische Aspekte
Die fertige Krone war im Vergleich zum ursprünglichen Zahn etwas größer dimensioniert. Diese Anpassung war jedoch notwendig, um eine korrekte Einordnung in die Zahnreihe und eine stabile Krone zu gewährleisten (Abb. 5).
Distal ist die Krone deutlich höher als 16, hier wurde die Okklusion während des Einsatztermins noch korrigiert. Das menschliche Kiefergelenk verblüfft uns immer wieder mit allen möglichen und unmöglichen Bewegungen. Die Glasur wurde an dieser Stelle weggeschliffen und das nun pure Zirkoniumdioxid hochglanzpoliert. Der hierbei sichtbare typische metallische Glanz des Zirkoniumdioxids wird in der Regel aus ästhetischen Gründen vermieden, zeigte in diesem Fall jedoch eine vorteilhafte farbliche Adaption und trug zur natürlichen Tiefenwirkung bei. Dies verdeutlicht, dass die Oberflächengestaltung nicht ausschließlich standardisiert erfolgen, sondern individuell an die Lichtverhältnisse und die umgebende Zahnstruktur angepasst werden sollte (Abb. 6).
Es hat sich gezeigt, dass die Bemalung eine abdeckende Wirkung hatte, vor allem wenn sie intensiv aufgetragen wurde. Die Lichtbrechung änderte sich dadurch deutlich. Moderne Multilayer Blanks sind mittlerweile sehr schön und transluzent. Diese haben oft sieben Farbschichten oder mehr und weisen vom Zahnhals bis zur Schneide einen gleitenden Farbverlauf auf. Die hohe Transluzenz und damit die verringerte Biegefestigkeit spielt bei einer Einzelkrone meiner Meinung nach keine Rolle. Aufgrund der blauen Aufbaufüllung war in diesem Fall ohnehin ein leicht opakes Material vorgesehen.
Wie bereits erwähnt, passte der distale glasierte Bereich der Kauflächen optisch besser als der aufgepinselte mesiale. Und genau das ist es, was diese scheinbar simple Krone meines Erachtens so interessant macht: Vielleicht sollten wir uns grundsätzlich mehr mit der Politur des monolithischen Zirkoniumdioxids befassen, da auch die Glasur oft nur wenige Jahre hält – oder, wie in diesem Fall, die Okklusion sogar stören kann.
Ich gehe sogar davon aus, dass die gefräste Krone ohne Glasur wahrscheinlich auf Anhieb gepasst hätte.
Eingliederung und weiterer Verlauf
Ein einfacher selbstadhäsiver Komposit-Befestigungszement war das Mittel der Wahl für die definitive Befestigung. Am Tag der Eingliederung zeigte sich eine leichte Irritation des marginalen Gingivagewebes, die sich jedoch innerhalb weniger Tage vollständig zurückbildete. Die Krone präsentierte sich anschließend funktionell stabil und ästhetisch harmonisch in die Zahnreihe integriert.
Eine weiterführende restaurative Versorgung des distal angrenzenden Zahnes ist vorgesehen, um das funktionelle Gesamtkonzept weiter zu optimieren.
Fazit
Der vorliegende Fall demonstriert, dass die Versorgung mit einer vollkeramischen Zirkoniumdioxidkrone nicht lediglich eine metallfreie Alternative zur klassischen Metallkeramik darstellt, sondern ein präzises Instrument zur funktionellen und morphologischen Korrektur suboptimaler Ausgangssituationen sein kann. Trotz der blauen Aufbaufüllung ist das optische Ergebnis ansprechender als bei NEM und zahnsubstanzschonender als bei einer Versorgung mittels VMK.
Der Goldpreis ist so hoch wie noch nie. Gleichzeitig haben Behandler und Behandlerinnen ein verändertes Verlangen nach zahntechnischen Leistungen. So stellt die Kombination aus digitaler Fertigung, gezielter Materialnutzung und differenzierter Oberflächengestaltung eine echte Alternative dar, die eine individuelle Rehabilitation ermöglicht, welche sowohl biomechanischen als auch ästhetischen Anforderungen genügt.
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