|
Getting your Trinity Audio player ready...
|
Infolge der guten Erfahrungen im Seitenzahnbereich und der Erkenntnis, dass sich das Material nach der Lichtpolymerisation deutlich opaker zeigte, als bei einem Bulkfill-Material zu erwarten gewesen wäre, stand der Anwendung im Frontzahnbereich nichts mehr im Wege. Wählt man im Frontzahnbereich ein Monomaterial, d.h., man verzichtet bewusst auf eine Schichtung aus opaken und mehr transluzenten Materialien, sind zwei Indikationen kritisch: tunnelierende Klasse-III- und sehr große Klasse-IV-Restaurationen. Ist hier ein Material auch nur ein klein wenig zu transluzent, ergibt sich schnell ein unästhetischer Graueffekt der Restauration, der unbedingt zu vermeiden ist. Dass Monomaterialien ohne Schichtung im Frontzahnbereich sehr gut funktionieren, zeigen zahlreiche Beispiele zu Universalkompositen [42,44–47,88] – diese sind aber alle auf 2 mm Schichtstärke limitiert. Ist man sich über die optischen Eigenschaften eines Komposites noch nicht zu 100% im Klaren, sollten demzufolge nicht tunnelierende Klasse-III-Restaurationen und eher kleinere Klasse-IV-Restaurationen als Startindikation ausgewählt werden. Gemäß diesem Credo wurde auch hier vorgegangen.
Fallbeispiele
Fall 5: Versorgung eines Frontzahntraumas an den Zähnen 11 und 21
Die 68-jährige Patientin stellte sich nach einem Sturz mit zwei unkomplizierten Schmelz-Dentin-Frakturen nach der Erstversorgung bei ihrem Hausarzt vor. Neben den Abfraktionen an den Zähnen 11 und 21 (Abb. 1) lagen keine weiteren (weder intra-noch extraoralen) Verletzungen vor. Derartige Zahnhartsubstanzdefekte lassen sich hervorragend in direkter Technik versorgen [8,9,11,12,22,23,40,64,73,79,94]. Dementsprechend wurde die Patientin dahingehend beraten und aufgeklärt. Als einzige Präparation erfolgten ein Abrunden und Brechen der Frakturkanten (Abb. 2). Derart runde Übergangsstrukturen an der Zahnhartsubstanz bewirken eine ungleichmäßige Reflektion des einfallenden Lichtes in unterschiedliche Richtungen und damit ein einfaches optisches Verstecken der Präparationskante [75]. Zur besseren Versäuberung und zusätzlichen Vorbehandlung eventuell verbliebener, nicht zu identifizierender Kompositreste erfolgte im nächsten Schritt ein Abstrahlen der Klebeflächen mit 50 µm Aluminiumoxid (Al2O3 Rondoflex, Kavo, Biberach). Aus diesem Grund lag zum Schutz der Gingiva der Kofferdam (Abb. 3). Nach Ätzung der Gesamtkavitäten (Total Etch, Abb. 3) erfolgte die Applikation des Zwei-Schritt-Universaladhäsivs (G2-BOND Universal, GC, Abb. 4). Unter Formhilfe jeweils eines VariStrips (Garrison) quasi eines blau-transparenten, konturierten Frasacostreifens, erfolgte in jeweils einem Einzelinkrement der Aufbau einzeln an den beiden Zähnen mit GrandioSO Unlimited in der Farbe A3,5. Die Abbildungen 5 und 6 zeigen die beiden Restaurationen bei einer Nachkontrolle nach weiteren vier Wochen aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln. Das gewählte Restaurationsmaterial weist eine ausreichende Opazität auf, um ein Durchscheinen der dunklen Mundhöhle optisch abzublocken, zeigt aber parallel genügend Transluzenz, um sich optisch gefällig an die umgebende Zahnhartsubstanz anzupassen. Die Patientin war mit der durchgeführten Versorgung sehr zufrieden.
Fall 6: Lückenschluss zur Zahnstabilisierung im Rahmen einer PA-Behandlung
Die 52-jährige Patientin befindet sich z.Z. in einer PA-Behandlung. Im Rahmen der Behandlung wurde eine Stabilisierung der auf Lücke stehenden Zähne erforderlich. Bei den ausgeprägten Lücken der gefächert stehenden Oberkieferfrontzähne (Abb. 7) wäre dies mit Ribbond oder einem kieferorthopädischen Retainer nicht zielgerichtet gewesen und verbunden mit ästhetischen Beeinträchtigungen aufgrund der von labial erkennbaren Schienung. Seitens der Parodontologie erschien ein Lückenschluss zum Aufbau von Approximalkontakten am ehesten sinnvoll zu sein. Somit wurde in Richtung eines approximalen Lückenschlusses in direkter Technik mit Komposit geplant. Die aktuelle S3-Leitlinie zu direkten Kompositrestaurationen an bleibenden Zähnen im Front- und Seitenzahnbereich [110,111] deckt genau diese Indikation [1,13,24,25,27,56,58,59,72,73,76,78,93] ab: In der Leitlinie bestand starker Konsens darüber, dass „für Zahnformkorrekturen im Frontzahnbereich direkte Kompositmaterialien zur Anwendung kommen sollen“.
C-P ErnstZiel der Behandlung war es, das Diastema mediale zu schließen, die abradierten Schneidekanten aufzubauen und zu verlängern, die randkariöse Füllung an Zahn 22 zu erneuern und zeitgleich die Lücke zwischen den Zähnen 21 und 22 zu schließen. Bei derartig vielen Behandlungsindikationen bietet es sich an, fraktioniert vorzugehen. Ein gleichzeitiger bilateraler Lückenschluss ist zwar möglich, wenn hierbei aber die Mittellinie betroffen ist, ist es oftmals ratsam, einen Zahn nach dem anderen zu verbreitern: Mit dem ersten Anbau erzielt man eine diskrete Überkonturierung, die anschließend soweit zurückgeschliffen wird, bis eine exakt gleiche Zahnbreite beider mittleren Schneidezähne ermöglicht werden kann, sobald der zweite Anbau sich an den ersten anschmiegt. Im vorliegenden Fall wurden zuerst die Zähne 11 und 22 versorgt. Bei Zahn 22 erfolgte zunächst eine komplette Kariesexkavation, gefolgt von einer Abrundung der Präparationskanten; an Zahn 11 ausschließlich ein diskretes Anschleifen der Klebeflächen und ebenso ein Abrunden der Kanten [75]. Hierzu eignen sich kunststoffbasierte, flexible Scheiben sehr gut (hier: Sof-Lex XT Pop-On, Solventum). Das Entscheidende bei derartigen Frontzahnversorgungen ist eine optimale Formgestaltung. Basis hierfür ist eine anatomische Einschalung: Nur so kann ein entsprechendes Emergenzprofil aufgebaut, die Restauration aus der Tiefe approximal konvex an den Approximalkontakt herangeführt und die Versorgung somit anatomisch korrekt gestaltet werden. Die ersten, die sich intensiv mit einfachen, aber effektiven Gestaltungsmöglichkeiten der Approximalflächen von Frontzähnen beschäftigten, waren Hugo und Klaiber [67–70].
Leider zeigte sich bei dem prinzipiell sehr guten Verfahren [32], dass manchmal der Teufel im Detail steckte und der konturierte und mit einem lichthärtenden Provisoriummaterial fixierte Frasaco-Streifen sich löste und geradestellte (exemplarisch dargestellt in einer eigenen Publikation [36]). Die Vorbehandlung der zu dem lichthärtenden Provisoriummaterial zeigenden Frasacostreifen-Fläche mit Aluminiumoxid löste zwar das Problem, war aber dennoch ein zusätzlicher Arbeitsschritt. Die Lösung lag in einer anderen Verschalungstechnik – mit Matrizen, die bereits die perfekte nierenförmige Form einer Frontzahn-Approximalfläche aufwiesen: zurechtgeschnittene Teilmatrizen, hochkant inseriert. Dieses Prozedere hat sich über mehr als ein Jahrzehnt bestens bewährt, ist einfach und pragmatisch [36,37,39,40,42,43,52]. Inzwischen hat die Style Italiano-Gruppe das Thema auch aufgegriffen und konnte Polydentia dazu bringen, derartig vorgefertigte Matrizen auf den Markt zu bringen. Diese Unica Proximal anterior matrices (Polydentia SA, Mezzovico-Vira, Schweiz) haben die perfekte Kontur für eine zervikale Abdichtung und Ausformung und müssen lediglich inzisal eingekürzt werden. Genau diese Matrizen wurden hier verwendet. Die Abbildungen 8 und 9 zeigen die eingeschalten Zähne 11 und 22 bereits nach der adhäsiven Versiegelung. Zur Fixierung der Matrize eignet sich die niedrig-visköse Variante des bekannten Clip, Clip Flow (VOCO, Cuxhaven), hervorragend: Es kann einhändig approximal-zervikal eingespritzt werden, während die andere Hand mit den Fingern die Matrize in Position hält.
Wie in der Abbildung 8 gut zu erkennen ist, bedarf es eines Applikationspinsels (Mirabrush, Hager & Werken, Duisburg), um in den spitzen Winkel der Zervikalregion optimal ein Adhäsiv aufbringen zu können. Die Versorgung erfolgte hier unter relativer Trockenlegung ohne Kofferdam. Kriterium hierfür ist genauso wie im Seitenzahnbereich die Effektivität der Kontaminationskontrolle: Aufsteigende Sulkusflüssigkeit oder Blut sind für einen optimalen adhäsiven Verbund kontraproduktiv und müssen unbedingt unterbunden werden. Da die Patientin die Hygienephase ihrer PA-Therapie bereits erfolgreich begonnen hatte, zeigte sich die Gingiva relativ entzündungsfrei, ohne BOP. Deswegen war die relative Trockenlegung hier vertretbar. Unterstützt wird dieses Vorgehen durch eine Metaanalyse, die bei Frontzahnversorgungen zeigen konnte, dass die Verwendung des Kofferdams keinen Einfluss auf die Überlebensrate von Kompositrestaurationen hat [64]. Die Abbildung 10 zeigt die bereits aufgebauten Zähne 11 und 22 (GrandioSO Unlimited A3). Die Anzahl der erforderlichen Inkremente werden hier eher durch die Konturierungsarbeit limitiert denn durch die Schichtdicken, da Frontzahnaufbauten selten dicker als 4 mm sind. Die Mesialfläche des Zahnes 11 wurde in ihrer Breite bereits dergestalt angepasst, dass nach Lückenschluss über den Zahn 21 beide mittleren Schneidezähne annähernd gleich breit sind (Abb. 10). Gut zu erkennen ist zudem die inzisale Verlängerung des Zahnes 11. Weitere Effektmassen oder opake Komposite kamen nicht zusätzlich zum Einsatz. Direkt im Anschluss erfolgte die identische Einschalung des Zahnes 21 mit einer identischen Unica Proximal anterior, erneut mit Clip Flow (VOCO) am Nachbarzahn fixiert (Abb. 11). Hierbei ist es essenziell, die Approximalfläche des Nachbarzahnes weitestgehend zu polieren, da sich das Clip Flow sonst zu gut mit der noch rauen bzw. mit einer Dispersionsschicht versehenen Oberfläche verbinden würde.
Die Abbildungen 12 und 13 zeigen die fertiggestellte Versorgung in einer einzigen Monofarbe. Sicherlich hätte eine Akzentuierung der Schneidekanten über eine transluzentere Schmelzmasse zu nochmals schöneren ästhetischen Ergebnissen geführt, der Patientin lag aber mehr an einer pragmatischen Frontzahnversorgung: Ihr waren eine grundlegende Verbesserung des Ausgangszustandes sowie der Aufbau der Approximalflächen zur Stabilisierung ihrer Zähne wichtiger als ein ästhetisches Spitzenergebnis. Dennoch zeigt der Fall ein beeindruckendes Ergebnis: Das Restaurationsmaterial ist opak genug, um die Schneidekanten und die Approximalräume nicht durchscheinen zu lassen und verhindert gleichzeitig ein Durchschimmern der dunklen Mundhöhle bei den Approximalraum-Anbauten. Die Patientin war mit dem ästhetischen Ergebnis und den gut ausgeformten Approximalräumen vollends zufrieden.
Fall 7: approximaler Lückenschluss und Klasse IV-Versorgung
Die 22-jährige Patientin stellte sich mit mehreren Korrekturwünschen an ihren beiden mittleren Schneidezähnen vor: Sie störte das Diastema, der weiß-opake Fleck labial an Zahn 21 und die bereits seit längerem abgebrochene distale Kante desselben Zahnes (Abb. 14). Die Patientin fragte konkret nach Veneers, was man im Hinblick auf Zahn 21 durchaus auch nachvollziehen kann. Vollkeramische Veneers gelten im Allgemeinen als „die“ hochästhetische High-End-Versorgung, sind anspruchsvoll in Planung und Umsetzung, aber über Jahrzehnte bewährt und ästhetisch und funktionell langzeitstabil. [3,7,10,15,26,53,55,6062,74,77,95,107,108]. Direkte Kompositversorgungen müssen sich hier aber nicht verstecken: Sie können durchaus eine ähnliche Performance erzielen.
C-P ErnstIn so jungen Jahren sollte ein derartiger Patientenwunsch aber immer gegenüber der erforderlichen Zahnhartsubstanzopferung und der zu erwartenden Reintervention nach ein paar Jahrzehnten erörtert werden. Es gilt: Je jünger der/die Patient/-in ist, desto mehr sollte auf eine maximale Zahnhartsubstanzschonung wert gelegt werden, und umso mehr sollte gemäß der aktuellen S3Leitlinie in direkter Technik gearbeitet werden [76] und noch nicht mit einem indirekten Veneer – selbst, wenn wie hier an Zahn 21 im Prinzip drei Kavitäten bzw. Präparationsflächen Berücksichtigung finden müssen. Komplett noninvasiv ist allerdings die direkte Kompositversorgung auch nicht: Ein diskretes Anrauen der Schmelzoberfläche ist bei den beiden Approximalanbauten auf jeden Fall erforderlich und zur Vorbehandlung (und Reinigung) unbedingt zu empfehlen. Das primäre Präparationsinstrument ist hier ein EVA-Kopf (KaVo Intra EVA L61R, KaVo, Biberach) in Kombination mit einer Intensiv Proxoshape Flexible-Hubfeile (PSF40, 40 µm, Intensiv, Schweiz).
Der Anbau an Zahn 11 folgte demselben Prinzip wie in Fall 6:
Zur Einschalung kam die Unica Proximal anterior Matrize (Polydentia SA) mit einer Fixierung mittels Clip Flow (VOCO) zum Einsatz. Aufgrund des sehr schmalen Spaltes wurde für die Phosphorsäurekonditionierung eine 0,45er-Kanüle (Applikationskanüle Typ 45, VOCO), die normalerweise für Fissurenversiegler und Malfarben vorgesehen ist, verwendet. Die Abbildung 15 zeigt das Einwirken des Ätzgels (37,5% Gel Etchant, Kerr) für 30 Sek. Nach Abspülen des Ätzgels ist die kreidig-weiße, geätzte Fläche gut erkennbar (Abb. 16). Da die Präparation hier ausschließlich im Zahnschmelz lag, war lediglich das zweite Fläschchen des Zwei-Schritt-Universaladhäsivs (BOND) zur adhäsiven Versiegelung erforderlich. Zur Applikation war erneut ein Pinselchen (Mirabrush, Hager & Werken) erforderlich, da kein noch so dünnes Microbrush den tief zervikalen Randbereich hätte erreichen können. Da es nur mit einem niedrig-viskösen Komposit möglich ist, den spitzen Winkel in diesem zervikalen Bereich mit Restaurationsmaterial aufzufüllen, wurde vor der Füllungsmaterial-Applikation (GrandioSO Unlimited, VOCO) zervikal etwas Flowable (Clearfil Majesty ES Flow A2 in der Low Flow-Variante (Kuraray Noritake, Tokyo, Japan) eingespritzt und nicht polymerisiert. Die Aushärtung erfolgte zeitgleich mit dem pastösen Material, welches das niedrigvisköse in Form eines Schneepfluges vor sich herschob. Aus diesem Grund wird dieses Vorgehen in der Literatur auch als „Snowplough-Technik“ bezeichnet [57,80,109]. Die Abbildung 17 zeigt das in einem Inkrement eingebrachte GrandioSO Unlimited der Farbe A2 nach Ausmodellation und Polymerisation noch unter der fixierten Matrize. Als nächstes erfolgte die Ausarbeitung und Politur der Approximalfläche des Zahnes 11. Hierbei wurde sehr genau darauf geachtet, den Zahn so breit zu gestalten, dass der Zahn 21 den erforderlichen Platzbedarf erhält und mit dem im Nachgang anzubringenden mesialen Aufbau genau so breit werden kann wie der Zahn 11.
Der weiß-opake Fleck an Zahn 21 wurde etwas ausgeschliffen, um die opake Tiefenwirkung der Schmelzbildungsstörung etwas zu reduzieren. Die Frakturfläche des Klasse-IV-Defektes wurde lediglich mit einer Sof Lex XT-Scheibe (Solventum) abgerundet [75] (Abb. 18). Die Fertigstellung der Restauration erfolgte identisch zu Zahn 11: Phosphorsäurekonditionierung (Ätzmuster in Abbildung 19 zu erkennen), adhäsive Versiegelung (in dem Fall des labialen und distalen Defektes allerdings zusätzlich der Primer des G2 Universal-Adhäsivs), Pinselapplikation des BOND, Flowable mit der 0.45er Kanüle appliziert und nicht polymerisiert. Die Versorgung mit dem pastösen GrandioSO Unlimited A2 geschah allerdings für alle drei Restaurationen an dem Zahn getrennt (Abb. 20). Die Abbildung 21 zeigt das ästhetisch überzeugende Endergebnis bei einer Kontrolle nach vier Wochen. Die Patientin zeigte sich mit der Versorgung äußerst zufrieden: Sie entsprach genau dem, was sie sich vorgestellt und erhofft hatte.
Fall 8: Lückenschluss eines Diastemas mediale und optische Korrektur einer Schmelzbildungsstörung
Auch bei diesem Lückenschluss eines Diastemas mediale bei einem 19-jährigen Patienten bestand der Wunsch (ähnlich zu Fall 7), neben den Approximalanbauten einen weiß-opaken Fleck (diesmal an Zahn 11) restaurativ zu kaschieren (Abb. 22). Wie in den vorangegangenen Fällen kam zur Anfrischung der Schmelzklebeflächen eine Intensiv Proxoshape Flexible-Hubfeile (PSF40, 40 µm, Intensiv) in einem EVA-Kopf (KaVo Intra EVA L61R, KaVo) zum Einsatz. Das Ausschleifen des weißen Fleckes erfolgte vorsichtig mit einem kugelförmigen Finierdiamanten. Die Einschalung erfolgte mithilfe einer Unica Proximal anterior Matrize (Polydentia SA) mit einer VOCO Clip-Flow-Fixierung am Nachbarzahn (Abb. 23). Auch hier wurde zunächst erst einer der beiden Zähne mit einem anatomisch konfigurierten additiven Anbau versorgt (Zahn 11, Abb. 24), dann nach Ausarbeitung, Breitenanpassung und Politur der Nachbarzahn 21: Nach Anfrischen der Schmelzklebeflächen (Proxoshape Flexible-Hubfeile, EVA-Kopf) und identischer Einschalung (Unica Proximal anterior), Phosphorsäurekonditionierung (37,5%, Gel Etchant, Kerr, Abb. 25) mit einer 0,45er-Applikationskanüle (Typ 45, VOCO), adhäsiver Versiegelung mit dem Zwei-Schritt-Universaladhäsiv (approximale Anbauten ausschließlich mit dem BOND, zweites Fläschchen), kam approximal-zervikal etwas Flowable (Clearfil Majesty ES Flow A2 Low Flow, Kuraray Noritake) zum Einsatz, das dann gemeinsam mit dem aufgebrachten pastösen Komposit (GrandioSO Unlimited A2) gemäß der Snowplough-Technik polymerisiert wurde. Nach der initialen Lichthärtung erfolgten jeweils zwei weitere Polymerisationszyklen nach Entfernung der Metall-Matrizen (labial und palatinal jeweils für weitere 20 Sek.), da die zervikal doch sehr dicht anliegende Matrize einen nicht unbeträchtlichen Schattenwurf bewirkt. So wird die suffiziente Polymerisation des Restaurationsmaterials in dem neuralgischen zervikal-approximalen Übergangsbereich sichergestellt. Die Ausarbeitung erfolgte mit Sof-Lex XT Pop-On Scheiben (Solventum) und den Diacomp Plus Twist-Polierern (EVE). Das ansprechende Endergebnis verdeutlicht die Abbildung 26.
Fall 9: Lückenschluss eines Diastema mediale und mesialer Anbau an Zahn 12
Der 22-jährige Patient stört sich seit Abschluss seiner kieferorthopädischen Behandlung vor mehreren Jahren an den verbliebenen Restlücken zwischen den Zähnen 11 und 21 sowie zwischen den Zähnen 11 und 12 (Abb. 27 und 28). Die kleine Lücke zwischen den Zähnen 21 und 22 störte ihn hingegen nicht und sollte verbleiben. Nach Analyse der Breitenverhältnisse der Zähne wurde der Patient dahingehend beraten, beide störenden Lücken bilateral schließen zu lassen. Hierzu war ein operatives Vorgehen in drei Einzelschritten erforderlich: Zunächst erfolgte die Verbreiterung des Zahnes 21 nach mesial (Abb. 29 und 30). Nach der Breitenanpassung in Relation zu dem Zahn 11, Ausarbeitung und Politur (Abb. 31) folgte die Verbreiterung des Zahnes 11 mit jeweils einem mesialen und distalen Anbau (Abb. 31). Nachdem der Zahn 11 exakt auf die Breite des Zahnes 21 abgestimmt war (Abb. 32), kam es im letzten Schritt zum finalen Lückenschluss zwischen den Zähnen 12 und 11 durch einen mesialen Anbau an Zahn 12 (Abb. 33). In diesem letzten Fall kam diesmal die Farbe A1 des GrandioSO Unlimited-Universalkomposites zum Einsatz.
Die Arbeitsschritte erfolgten immer nach dem im Fortlauf des Beitrages bereits mehrfach beschriebenen Prozedere:
- Analyse der Zahnbreiten in Relation zu den vorhandenen Lücken. Festlegung der Lokalisation und Größe der Anbauten.
- Lokalanästhesie, zumindest aber Oberflächenanästhesie im Bereich der Gingiva.
- Anrauen der Schmelzklebeflächen (Intensiv Proxoshape Flexible-Hubfeile PSF40, 4 0 µm in einem EVA-Kopf (KaVo Intra EVA L61R, KaVo).
- Einschalen mit einer auf die Länge der Schneidekante eingekürzten Unica Proximal anterior Matrize (Polydentia SA); Fixierung mit Clip Flow (VOCO).
- Phosphorsäurekonditionierung (37,5%) des Zahnschmelzes (Gel Etchant, Kerr); Applikation des Ätzgels mit einer 0,45er-Kanüle (Applikationskanüle Typ 45, VOCO).
- Verwendung eines reinen Schmelzadhäsivs bzw. des zweiten Fläschchens eines Zwei-Schritt-Adhäsivs (hier: BOND des G2 Universal Zwei-Schritt-Universaladhäsivs). Falls auch nur kleinste Dentinareale frei liegen: vorab zusätzlich Applikation des Primers, im Zweifelsfall immer beide Schritte; Applikation des Adhäsivs über Applikationspinsel (Mirabrush, Hager & Werken).
- Zum sicheren, blasenfreien Ausfüllen des spitzen Winkels des approximal-zervikalen Randes, Applikation einer kleinen Portion niedrigviskösen Flowables (z.B. Clearfil Majesty ES Flow Low Flow, Kuraray Noritake). Entscheidungskriterium bei der Materialauswahl des Flowables ist hier, ob das Flowable sich durch die 0,45er-Applikationskanüle (Typ 45, VOCO) ausbringen lässt. Polymerisation entweder separat oder gemeinsam mit dem pastösen Füllungskomposit im nächsten Schritt entsprechend der Snowplough-Technik.
- Einbringen und Ausmodellieren des pastösen Füllungskomposits (hier: GrandioSO Unlimited). Modellation mit konventionellen Stahlinstrumenten, gegebenenfalls mit Unterstützung des Optrascult-Modellierinstrumentes (Ivoclar). Lichthärtung (Hochleistungs-LED-Polymerisationsgerät mit > 1.000 mW/cm2 mit möglichst großem Lichtleiterquerschnitt (hier: Elipar Deep Cure, Solventum, Seefeld).
- Nach Entfernung der Verschalung: Nachpolymerisation aus labialer und palatinaler Richtung für jeweils 20 Sek. mit demselben Hochleistungs-LED-Polymerisationsgerät (1.500 mW/cm2) mit möglichst großem Lichtleiterquerschnitt (Elipar Deep Cure, Solventum, Seefeld).
- Ausarbeitung und Politur (Sof-Lex XT Pop-On, Twist-Polierer); Anpassung der Protrusions- und Laterotrusionsbahnen.
Folgt man diesem Prozedere, ist ein derartiger Lückenschluss gut planbar und gibt vorhersehbare, langzeitstabile und ästhetisch ansprechende Resultate. Die strukturierte Abfolge erleichtert zudem die Zeitplanung. Die Abbildungen 34 bis 37 verdeutlichen das harmonische Endergebnis. Der Patient war mit den minimalinvasiven Kompositverbreiterungen seiner Zähne sehr zufrieden.
Fazit
Das neue Universalkomposit mit 4 mm Durchhärtungstiefe zeigte sich in der Anwendung im Frontzahnbereich erstaunlich vielseitig, und auch das Handling überzeugte mit einer sehr langen Verarbeitungszeit ohne jegliche Anzeichen von „Trockenwerden“. Eine angenehme, wachsartige Konsistenz erleichtert Applikation und Modellation, gleichzeitig ist es standfest und wenig klebrig. Überraschend ist die doch gegenüber anderen reinen Bulkfill-Materialien höhere Opazität des Materials, was dessen Anwendung im Frontzahnbereich zugutekommt. Bei den hier vorgestellten kleinen bis mittelgroßen Frontzahndefekten erschien das Verhältnis aus Opazität und Transluzenz absolut ausgewogen, auch wenn man sich im Inzisalbereich eventuell etwas mehr Transluzenz hätte wünschen können. Wichtig ist vorrangig, dass die dunkle Mundhöhle nicht durchscheint und die Restauration in Folge grau erscheinen lässt. Versuche an großen Klasse-IV-Restaurationen stehen allerdings noch aus; dies sind aber Indikationen, in denen eher klassische Schichtkonzept-Komposite zum Einsatz kommen, die dort ihre gesamte ästhetische Bandbreite ausspielen können. Diese sind nach wie vor unersetzbar und werden auch in naher Zukunft das Restaurationskonzept der Wahl für hochästhetische, geschichtete Frontzahnrestaurationen bleiben. So etwas zu ersetzen, kann und will das neue Universalkomposit nicht. Es kann aber eine valide, pragmatische Alternative für eventuell 80% aller anderen, kleineren und unkomplizierteren Frontzahnrestaurationen sein, die doch das „Tagesgeschäft“ in der Zahnarztpraxis dominieren.
Lesen Sie Teil 1 hier: Neues Universalkomposit in 4 mm Schichtstärke | Dentalwelt
Entdecke CME Artikel






































Keine Kommentare.