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Zahnmedizinische Vorgeschichte
Ein 31-jähriger männlicher Patient stellte sich aufgrund einer stark abradierten Zahnsubstanz im Frontzahnbereich sowie zweier fehlender Prämolaren vor. Der Patient gab an, die Prämolaren 44 und 45 bereits in jungen Jahren verloren zu haben. Auf Nachfrage erklärte er, dass durch ein Trauma im Milchgebiss die Zahnanlagen dieser beiden bleibenden Zähne geschädigt wurden. Dies führte zu einer Ankylose (Zahnverwachsung) der beiden Milchzähne, wodurch das Durchbrechen und Wachsen der bleibenden Zähne vollständig verhindert wurde (Abb. 1).
Die fehlenden Prämolaren verursachten eine Okklusionsstörung mit Interferenzen im Seitenzahnbereich, was in der Folge zu einer ausgeprägten Abrasion der Frontzähne führte. Laut dem Patienten wurde die starke Abrasion zusätzlich durch stressbedingten Bruxismus verstärkt – ein häufig auftretendes Phänomen bei Bruxismuspatienten.
Die intraorale Untersuchung zeigte, dass der Attritions- und Abrasionsprozess über die gesamte Schneidekante der natürlichen Frontzähne stattfand und zu dünneren und kürzeren Schneidekanten in der gesamten Front führte. Zahnschmelz und Dentin waren an den Kontaktpunkten zu den Nachbarzähnen nahezu komplett abradiert. Die Konturen der Pulpenkammer waren sichtbar und mit sekundär gebildetem Dentin gefüllt (Abb. 2 bis 4).
Patientenwunsch
Der Patient wünschte eine funktionelle, natürlich wirkende und ästhetische Rehabilitation seiner abradierten Zähne. Er hoffte auf eine Verbesserung seines Bruxismusproblems und auf eine optimierte Ästhetik, die ihm ein natürliches Lächeln zurückgeben sollte. Außerdem äußerte er den Wunsch nach einer möglichst minimalinvasiven Behandlung, da er große Angst vor Beschwerden und Auswirkungen durch umfangreiche chirurgische Eingriffe hatte. Sein Wunsch nach einer schnellen Lösung stellte das Behandlungsteam vor einige Herausforderungen, die jedoch erfolgreich gemeistert werden konnten.
Zu berücksichtigende Behandlungsaspekte
- Vor Beginn der Behandlung traf das Team einige
grundlegende Entscheidungen: - Aufgrund der abgeriebenen Frontzahnsituation musste die vertikale Dimension bzw. Bisshöhe in einem akzeptablen Abstand zur physiologischen Ruheschwebelage auf ein optimales Maß wiederhergestellt werden. Sie war durch die Abrasion deutlich reduziert.
- Um dem Wunsch nach einer schnellen, minimalinvasiven Lösung nachzukommen, entschied sich das Team für den Ersatz der fehlenden Zähne mittels einer Cantilever-Brücke, einer ästhetischen Option zur Schließung von Lücken im Frontzahnbereich. Diese Brückenform ist weniger invasiv, da nur ein Pfeilerzahn benötigt wird. Eine konventionelle Brücke war aufgrund der starken Distalneigung des Eckzahns und Mesialneigung des Molaren nicht möglich, ohne die Vitalität der Zähne zu gefährden.
- Eine Aufbissschiene sollte angefertigt werden,
a) um die finalen Zirkonrestaurationen zu schützen und
b) die Muskulatur in einer entspannten Position zu halten und dadurch bruxismusbedingte Muskelkontraktionen zu reduzieren.
Workflow und Arbeitsschritte
Das klinische Team begann mit einer Analyse der Ausgangssituation. Mit dem 3D-Gesichtsscanner Face Hunter erfolgte eine fotorealistische Digitalisierung des Gesichts. Die Daten wurden in die Software Zirkonzahn Modifier geladen und die Patientensituation mithilfe von 2D-Bildern, Gesichtsscan und digitalen Modellen mit dem PlaneFinder® virtuell einartikuliert. Die gesammelten virtuellen Daten ermöglichten dem Zahntechniker eine präzisere Analyse in allen folgenden Arbeitsschritten. Als nächstes begann der Techniker mit der individuellen Anpassung der Zahnform DEMI aus der virtuellen Zahnbibliothek Heroes Collection (Abb. 5).
ZirkonzahnAuf Grundlage der diagnostischen Aufstellung wurden Mock-ups für Ober- und Unterkiefer konstruiert und anschließend aus einem Multistratum® Flexible Kunststoffblank gefräst. Dieses Material zeichnet sich durch hohe Flexibilität, einzigartige Ästhetik und gute Verarbeitung aus.
Das Mock-up wurde intraoral getestet, um Funktion, Ästhetik und Phonetik zu beurteilen. Die Versorgung passte sich optimal an die Anatomie an, der Patient fühlte sich sofort wohl und gewöhnte sich rasch daran. Aufgrund der hohen ästhetischen Qualität und nur minimalen notwendigen Anpassungen entschied sich der Zahnarzt, die Mock-ups als temporäre Versorgung zu nutzen. So konnte der Patient seine neue vertikale Dimension, das Kaugefühl und die Phonetik ausgiebig im Alltag testen. Mock-ups stellen in der Zahntechnik einen wichtigen Behandlungsschritt dar: Sie erlauben kostengünstig, nichtinvasiv und effizient eine intraorale Kontrolle und verbessern die Kommunikation zwischen Zahnarzt, Zahntechniker und Patient (Abb. 6 bis 8).
Da keine Präparation notwendig war, konnte direkt mit dem Design der 27 Elemente in Zirkonzahn Modifier begonnen werden (Abb. 9 bis 11).
Zur funktionellen Stabilisierung wurde Zahn 23 palatinal mit einem zusätzlichen Veneer aus Zirkon verstärkt. Die neue Bisshöhe erforderte für diesen Eckzahn eine unterstützende palatinale Führungsfläche, ohne den Zahn invasiv zu präparieren. Daher wurden ein vestibuläres und ein palatinales Veneer konstruiert.
Im Anschluss wurden die Kronen aus Exmon® Basic X-Ray gefräst, ein röntgenopaker Kunststoff, der eine präzise radiologische Passungskontrolle ermöglicht, bevor die finale Versorgung gefertigt wird. Nach der positiven klinischen Bewertung begann der Zahntechniker mit der Herstellung der Einzel- und Teilkronen sowie der Brücke aus Prettau® 3 Dispersive® Zirkon in Zahnfarbe A1. Prettau® 3 Dispersive® besitzt einen Dreifachverlauf in Farbe, Transluzenz und Biegefestigkeit für hochästhetische und zugleich extrem stabile Restaurationen.
Die Kronen wurden im Fräsgerät M6 Teleskoper Blank Changer gefräst. Obwohl eine manuelle Einfärbung durch den bereits im Zirkon integrierten natürlichen Farbverlauf nicht zwingend nötig war, wurden die Strukturen mit Colour Liquid Prettau® Aquarell Intensivfarben akzentuiert.
Nach dem Sintern im Zirkonofen 600/V4 erfolgten die Charakterisierung mit ICE Stains 3D by Enrico Steger sowie eine minimalinvasive vestibuläre Verblendung mit Fresco Enamel Fluo für eine natürliche Oberfläche. Nach der Fertigstellung wurden alle Zirkonelemente in der Praxis mit Estecem II zementiert. Kleinere okklusale Anpassungen wurden vorgenommen und anschließend poliert. Parallel wurde eine Aufbissschiene für die Nacht aus Temp Premium Flexible Transpa basierend auf der finalen Situation konstruiert und gefertigt. Sie schützt die Versorgung und entspannt die Muskulatur während des Schlafs (Abb. 12). Sowohl Patient als auch Behandlungsteam zeigten sich hochzufrieden mit Funktion und Ästhetik. Auch die Nachkontrollen bestätigten den langfristigen Behandlungserfolg.
Dieser Fall wurde realisiert vom Zirkonzahn Education Center Bruneck – Südtirol, Italien
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